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430'000 Jahre alt: Forscher entdeckten bislang ältestes Neandertaler-Erbgut

Erstmals haben Forscher Erbgut aus 430'000 Jahre alten Menschenknochen isoliert. Es gehört zu einem frühen Neandertaler und zeigt, wann sich moderner und archaischer Mensch trennten. 

16.03.16, 21:18 01.04.16, 14:46

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Bei 430'000 Jahre alten Fossilien aus Spanien haben Forscher das mit Abstand älteste Neandertaler-Erbgut gefunden. Das berichtet ein deutsch-spanisches Team nach der aufwendigen Analyse zweier Knochen aus der nordspanischen Höhle Sima de los Huesos im Fachmagazin «Nature».

Die «Knochengrube» – so der deutsche Name der Höhle – in der Provinz Burgos ist ein weltweit einmaliger Fundort. Dort wurden hervorragend erhaltene Überreste von 28 Individuen gefunden, deren Alter auf 430'000 Jahre datiert wird. Nun gelang es den Forschern, DNA aus einem Oberschenkelknochen und aus einem Schneidezahn zu rekonstruieren. Das Erbgut verglichen sie mit dem Genom von Neandertaler, Denisova-Mensch und Homo sapiens.

«Die Resultate zeigen, dass die Hominiden aus der Sima de los Huesos frühe Neandertaler oder eng mit den Vorfahren von Neandertalern verwandt waren», schreibt das Team. Die DNA-Analyse eines – ebenfalls in der Höhle gefundenen – Backenzahns deute in die gleiche Richtung. Das deckt sich damit, dass viele Knochen aus der Höhle starke Ähnlichkeiten zu denen von Neandertalern aufweisen.

«Unsere Ergebnisse liefern uns einen wichtigen Fixpunkt auf der Zeitachse der menschlichen Evolution», sagt Studienleiter Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Tatsächlich passt das Alter der Funde – also etwa 430'000 Jahre – gut zu einer früheren Genom-Studie, der zufolge Neandertaler und Denisova-Menschen sich vor 380'000 bis 470'000 Jahren von einem gemeinsamen Ahnen abspalteten.

Basierend auf der mittleren Mutationsrate beim Homo sapiens berechnen die Forscher, dass die Linien von archaischen und modernen Menschen sich vor 550'000 bis 750'000 Jahren voneinander trennten.

Verwandtschaftsverhältnisse unklar

Zuvor war das Verhältnis der Individuen in der Sima de los Huesos zu anderen Urmenschen unklar – etwa zu Neandertalern, die bis vor etwa 40'000 Jahren weite Teile Eurasiens besiedelten oder zum damit verwandten Denisova-Menschen, der zumindest in Südsibirien verbreitet war.

«Sima de los Huesos ist derzeit die einzige Fundstätte ausserhalb des Permafrosts, in der wir DNA-Sequenzen aus dem Mittleren Pleistozän untersuchen können – einer Epoche, die vor etwa 125'000 Jahren endete», so Erstautor Matthias Meyer. Die zuvor frühesten DNA-Analysen von Frühmenschen überhaupt seien etwa 100'000 Jahre alt gewesen.

Für Aufsehen hatte vor gut zwei Jahren eine Studie gesorgt, in der das gleiche deutsch-spanische Forscherteam die mitochondriale DNA (mtDNA) aus einem Knochen aus der Sima de los Huesos rekonstruierte. Diese DNA wird fast ausschliesslich über die mütterliche Linie vererbt.

Die Analyse hatte ergeben, dass die mtDNA eher dem Denisova-Menschen entsprach als späteren Neandertalern. Den damaligen Befund erklären die Forscher nun damit, dass sich das Erbgut der Neandertaler im Lauf der Zeit verändert habe – etwa durch den Zustrom anderer Frühmenschen von Afrika nach Westeuropa. (jme/dpa)

Das Urmenschen-Quiz: Wie gut kennst du Homo sapiens & Co.?

1.Der moderne Mensch – also wir – ist die einzige noch lebende Art der Gattung Homo. Was bedeutet sein wissenschaftlicher Name «Homo sapiens» auf Deutsch?
Shutterstock
Der denkende Mensch
Der weise Mensch
Der bauende Mensch
2.Wie alt ist das derzeit älteste Fossil eines Vertreters der Gattung Homo?
2,8 Millionen Jahre
2,1 Millionen Jahre
1,7 Millionen Jahre
3.Eines der bekanntesten Fossilien ist Lucy. Das weibliche Teilskelett wurde 1974 in Äthiopien gefunden. Zu welcher Art gehört Lucy?
Homo antecessor
Ardipithecus ramidus
Australopithecus afarensis
4.Wie kam Lucy zu ihrem Namen?
Sie wurde nach dem Beatles-Song «Lucy in the Sky with Diamonds» benannt.
Sie wurde nach ihrer Entdeckerin Lucy Leakey benannt.
Arizona State University
Sie wurde nach der Tochter ihres Entdeckers Donald Johanson benannt.
5.Was verstehen die Paläontologen unter dem Begriff «Hominini»?
Die Untergruppe der Affen in der Ordnung der Primaten.
Die Unterabteilung der Familie der Menschenaffen, die alle Arten der Gattung Homo umfasst.
Die Familie der Menschenaffen einschliesslich des Menschen.
6.Welche Art des Homo wanderte als erste aus Afrika aus und besiedelte Eurasien?
Homo habilis
Homo rudolfensis
Homo erectus
7.Die Olduvai-Schlucht gilt – neben dem Afar-Dreieck in Äthiopien und der südafrikanischen Provinz Gauteng – aufgrund der vielen Funde von homininen Fossilien als «Wiege der Menschheit». In welchem Land liegt diese bedeutende Fundstätte?
Wikipedia
Wikipedia
Somalia
Wikipedia
Kenia
Wikipedia
Tansania
8.2003 wurden auf der indonesischen Insel Flores Skelette einer ausgestorbenen Menschenart gefunden. Der Flores-Mensch, nach dem Fundort Homo floresiensis benannt, war auffallend klein, was ihm den Spitznamen «Hobbit» eintrug. Wann starb dieser Urmensch aus?
EPA
Etwa vor 13'000 Jahren
Etwa vor 150'000 Jahren
Etwa vor 1 Million Jahren
9.Als der moderne Mensch aus Afrika nach Europa wanderte, lebte dort bereits der Neandertaler. Vor rund 30'000 Jahren starb dieser Urmensch aus. Welche dieser Aussagen über den Homo neanderthalensis trifft zu?
AP
Vom Neandertaler zum Homo sapiens gab es keinen Gen-Fluss.
Der Neandertaler hatte im Schnitt ein etwas grösseres Gehirnvolumen als der Homo sapiens.
Neandertaler besassen ein deutlich vorspringendes Kinn.
10.Was versteht man unter einem Cro-Magnon-Menschen?
Es handelt sich um eine Kreuzung zwischen Neandertaler und Homo sapiens.
Cro-Magnon-Mensch ist eine andere Bezeichnung für den Homo ergaster.
Es ist der Homo sapiens in der Ära seit seiner Ankunft in Europa vor 40'000 Jahren bis vor ca. 12'000 Jahren.

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