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Ein 175 Kilometer langer Riss im Larsen-C-Schelfeis.  Bild: AP/NASA

Ein gigantischer Eisberg – so gross wie das Wallis – ist in der Antarktis abgebrochen

12.07.17, 12:27 12.07.17, 15:15

In der Antarktis hat sich ein ganz besonderes Spektakel ereignet: Ein Rieseneisberg hat sich abgelöst. Damit ist in der Antarktis einer der grössten Eisberge entstanden, die Forscher bisher registriert haben. Mit rund 5000 Quadratkilometern wird er fast so gross sein wie der Kanton Wallis. Der Koloss hat sich vom Larsen-C-Schelfeis gelöst, wie Wissenschaftler des Forschungsprojekts «MIDAS» am Mittwoch auf Twitter melden.

Durch das Abbrechen des Eisberges, der voraussichtlich den Namen A68 erhalten soll, verringerte sich die Fläche von Larsen C den Forschern zufolge um ein Zehntel. Larsen C ist das nördlichste und grösste Eisschelf der Antarktis. 

«Der Eisberg wird wahrscheinlich relativ stabil sein und nicht in viele Teile zerfallen.»

Daniela Jansen

Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. «Das ist ein natürlicher Prozess im Schelfeis», sagt die Glaziologin Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. «Sonst würde es ja immer weiter ins Meer hinauswachsen.» Schliesslich fliesse von Land her immer neues Eis nach.

Nahaufnahme des Risses. Bild: EPA/NASA

Erholt sich das Schelfeis?

Trotzdem sind die Wissenschaftler alarmiert. Denn noch sei völlig unklar, ob das jetzige Kalben tatsächlich ein normaler Prozess ist oder sich das Schelfeis im Anschluss dauerhaft zurückzieht, so Jansen.

«Unbestritten ist jedoch, dass die Temperaturen an der Antarktischen Halbinsel in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen sind, weshalb wir hier einen Zusammenhang vermuten beziehungsweise nicht ausschliessen können.»

Olaf Eisen

In den letzten zwei Jahrzehnten sind bereits sieben Teile Schelfeis von insgesamt zwölf an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder sehr stark zurückgegangen. «Das hat ziemlich sicher mit der Erwärmung zu tun», sagt die Glaziologin. Experten vermuten, dass Schmelzwasser an der Oberfläche die Schelfeis-Teile instabil werden lässt.

«Ein Problem für das Verständnis dieses Prozesses sind unsere kurzen Beobachtungsreihen», schreibt AWI-Wissenschaftler Olaf Eisen in einem Blogbeitrag. Seit rund 40 Jahren können Forscher überhaupt erst flächendeckend auf Daten zurückgreifen, die solche Beobachtungen möglich machen.

«Wenn mehr Eis ins Wasser fliesst, steigt der Meeresspiegel.»

Daniela Jansen

«Unbestritten ist jedoch, dass die Temperaturen an der Antarktischen Halbinsel in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen sind, weshalb wir hier einen Zusammenhang vermuten beziehungsweise nicht ausschliessen können», schreibt der Forscher weiter.

Im Jahr 2002 löste sich beim Larsen-B-Schelfeis ein Eisberg ab. Bild: AP IMAGE COURTESY OF TED SCAMBOS/PA

Bereits im Jahr 2002 löste sich vom Larsen-B-Schelfeis ein Eisberg ab. «Danach ist die Kante immer weiter abgebröckelt, das Schelfeis hat sich nicht erholt», betont die Wissenschaftlerin. Wenn aber in der Bucht Schelfeis fehle, haben die Gletscher weniger Halt. «Wenn mehr Eis ins Wasser fliesst, steigt der Meeresspiegel.»

Kein Risiko für Schiffe

Der Eisberg kann auf dem Meer treibend Tausende Kilometer zurücklegen. «Er wird vermutlich entlang der antarktischen Halbinsel nach Norden driften und dann weiter Richtung Osten», sagt Jansen. Es sei schon vorgekommen, dass Eisberge bis an die brasilianische Küste schwimmen. Eine Gefahr für die Schifffahrt oder für Menschen bestehe aber nicht.

Wahrscheinlich sei, dass der Eisberg vor der Inselgruppe South Georgia, 1400 Kilometer östlich der argentinischen Küste, im wärmeren Ozeanwasser vollständig schmilzt. «Das kann ein Jahr oder länger dauern», sagt Jansen. «Der Eisberg wird wahrscheinlich relativ stabil sein und nicht in viele Teile zerfallen.» Per Satellit wären seine Positionen sehr gut zu bestimmen. «Schiffe können so gewarnt werden.» (whr/can/sda/dpa)

Vom Ende der Ewigkeit – eine Reise durch bedrohte Polarwelten

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 14.07.2017 16:35
    Highlight In der Antarktis wird es nachweislich kälter in den letzten Jahren und das Eis hat zugenommen. Das belegen 8 Messstationen. Das Larson-Schelfeis wird vom warmen Südamerikastrom unterspült. Deshalb gibt es in der Gegend diese Abbrüche und nicht wegen einem globalen Klimawandel!
    0 0 Melden
  • D(r)ummer 12.07.2017 13:19
    Highlight Na dann, gute Reise.

    Am folgenden bin ich hängengeblieben.
    Ja, ich kenn den Effekt, wenn eine Masse ins Wasser fällt. (Von Berechnungen in meiner Lehre wie auch vom Saufen)

    «Wenn mehr Eis ins Wasser fliesst, steigt der Meeresspiegel.»

    Der Eiszuwachs (vom Landesinnern) benötig ja Wasser... Wo fehlt dies dann? (die Wasserverteilung auf der Erde ist ja ungleichmässig aber dennoch stabil, oder nicht?)
    Lg
    9 9 Melden
    • Peedy 12.07.2017 14:06
      Highlight Die Eismasse auf dem Land ist abnehmend weshalb im Ozean mehr Wasser ist.
      14 0 Melden
    • Duweisches 12.07.2017 15:08
      Highlight So wie ich es verstanden habe besteht die Gefahr, dass das bereits vorhandene Eis ins Meer "rutscht", da der Gletscher nicht mehr von unten gestützt wird. Es würde also gar keinen Eiszuwachs benötigen, das Eis ist ja bereits als Gletscher vorhanden.
      6 0 Melden
    • α Virginis 12.07.2017 17:45
      Highlight Der Zuwachs von Wasser in den Ozeanen kommt daher, dass die riesigen Shelfeisplatten, solange sie noch ein Bestandteil des sie speisenden Gletschers sind, das Wasser der Niederschläge am Pol, aus dem sie ja bestehen, speichern und nicht in die Meere laufen lassen. Bricht nun so ein grosses Stück ab, treibt es in wärmere Gewässer, schmilzt, und somit wird das ganze Wasser, welches vorher "gespeichert" war, freigesetzt. Auch wenn es nicht so sein sollte, alleine die Zunahme der Wasserverdrängung durch die Teile würde einen Anstieg der Meereshöhe bedeuten.
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    • Geofinder 12.07.2017 21:22
      Highlight Soviel ich weis schwimmt Schelfeis schon auf dem Wasser. Daher wird das Wasser schon verdrängt. Wenn dieses Eis nun schmilzt kommt es nicht zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Je nachdem wo das Eis hintreibt, besteht die Möglichkeit das die Temperaturunterschiede Meeresströmungen beeinflussen können, was indirekt Einfluss auf das Weltwetter hat. Die Konsequenzen sind nicht vorhersehbar.
      4 0 Melden
    • α Virginis 12.07.2017 23:25
      Highlight @Geofinder: Da das Wasser, welches im Schelfeis gebunden ist, von darin gespeicherten Niederschlägen am Pol besteht, kommt es sehr wohl zu einer Zunahme der in den Ozeanen vorhandenen Wassermenge. Das Eis wurde ja nicht aus Seewasser gebildet.
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    • Duweisches 12.07.2017 23:37
      Highlight Das Schelfeis schwimmt bereits im Wasser, allerdings wird im erwähnten Absatz ja über den Anstieg des Meeresspiegel wegen dem Abrutschen der Gletscher gesprochen, welche sich noch nicht im Wasser befinden.
      Ausserdem sind natürlich ca. 10% des Schelfeises über dem Meeresspiegel gespeichert und würden durch das Schmelzen auch dem Meer zugeführt.
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  • Leventis 12.07.2017 12:44
    Highlight Sorry, muss ein Tüpfli scheissen..
    Im ersten Satz steht fälschlicherweise "Arktis"..
    Einee schönen Nachmittag euch allen!
    17 0 Melden
    • Lucas Schmidli 12.07.2017 12:59
      Highlight Danke, wurde korrigiert. Auch dir einen fantastischen Nachmittag ;)
      19 4 Melden
  • Chääschueche 12.07.2017 12:30
    Highlight Der Anfang von The Day after tomorrow? 😈
    21 14 Melden

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