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Religiöser Vandalismus

Der blindwütige Bildersturm der Islamisten – Calvin hat es vorgemacht

Die Eiferer des Islamischen Staates vernichten in ihrem Machtbereich Kulturgüter im grossen Stil. Der Vandalismus der Islamisten erinnert an den Bildersturm während der Reformation. 

02.03.15, 14:33 03.03.15, 11:06

3000 Jahre Weltgeschichte in einer unruhigen Region haben die assyrischen Statuen im Nordirak überdauert. Nun wurden die bedeutenden Kulturzeugen in wenigen Minuten von religiösen Fundamentalisten der Terrormiliz IS zerstört. Mit Presslufthämmern, Sprengsätzen und Fackeln vernichten die Dschihadisten innerhalb der schrumpfenden Grenzen ihres selbsterklärten Kalifats alle Kulturgüter, die nicht den absurden Kriterien ihres Steinzeitislams genügen.  

Zerstörung uralter Statuen in Mossul.  Video: Youtube/bbcNews

In der nordirakischen Millionenstadt Mossul jagten die Islamisten laut Medienberichten die öffentliche Bibliothek der Stadt in die Luft. Vernichtet wurden mehr als 8000 seltene Bücher und Handschriften, darunter Manuskripte aus dem 18. Jahrhundert. Schon im Dezember wurde die Zentralbibliothek der Universität von Mossul abgefackelt. Die Unesco beklagte Anfang Februar die «kulturelle Säuberung der Region» und «eine der grössten absichtlichen Zerstörungen von Büchern in der Menschheitsgeschichte». 

Weltweite Empörung

Und die IS-Kämpfer sind nicht die einzigen Islamisten, die in grossem Stil Kulturgüter zerstören. Weltweite Empörung löste im März 2001 die Sprengung der riesigen Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban aus. 2012 rissen die Kämpfer der Islamistengruppe Ansar Dine ein Mausoleum in Timbuktu ab, das – wie die Buddhas in Afghanistan – zum Unesco-Weltkulturerbe gehörte. 

Weiter südlich wüten die Kämpfer der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram, die ihr atavistisches Kulturverständnis schon im Namen vor sich her trägt: Er bedeutet so viel wie «(westliche) Bücher sind Sünde». Angesichts der Schlächtereien dieser islamistischen Miliz, die ganze Landstriche entvölkert, mag man die zerstörten Kirchen, die sie auf ihrem blutigen Weg hinterlässt, schon gar nicht mehr erwähnen. 

Religiöse Säuberung

Mit der Zerstörung von Sakralbauten anderer Religionen unterstützen die Islamisten zunächst die religiöse Säuberung der von ihnen beherrschten Gebiete. Doch der dschihadistische Furor richtet sich auch gegen antike Kulturgüter, deren religiöse Funktion längst mit ihrer Religion erloschen ist: Selbst die Pyramiden von Gizeh müssten, wenn es nach dem Willen eines ägyptischen Islamisten geht, verschwinden. 

Ebenfalls auf der Abschussliste: Die Pyramiden von Gizeh und die Sphinx. Bild: MOHAMED ABD EL GHANY/REUTERS

Besonders eifrig zerstören die Fundamentalisten aber Schreine, Moscheen und Grabstätten von Spielarten des Islams, die ihrem eigenen puristischen Verständnis dieser Religion zuwiderlaufen. Wie die Stalinisten sich mit besonderem Vernichtungswillen auf die Trotzkisten stürzten, so eifrig verfolgen manche sunnitischen Extremisten ihre schiitischen Glaubensbrüder. 

Bilderverbot im Islam

Extrem puristische Strömungen innerhalb des sunnitischen Islams, namentlich Salafisten und Wahhabiten, legitimieren ihr Zerstörungswerk mit explizit bilderfeindlichen Stellen in den Hadithen – also den gesammelten dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Äusserungen. Auch wenn im Koran selbst ein explizites Bilderverbot fehlt, ist der konsequent monotheistische Islam insgesamt eher wenig bilderfreundlich. 

Auch prächtige Grabmäler oder Schreine, die sich zum Wallfahrtsort entwickelt haben, erregen schnell den Argwohn der Puristen, die darin Götzenanbetung sehen. Dies bekommen besonders die Schiiten zu spüren, aber auch die Muslime in Westafrika, die oft einen Islam praktizieren, der von Volksfrömmigkeit geprägt ist. 

Von Mali bis Pakistan: Islamisten zerstören Kulturgüter

Bildersturm bei den Christen

Wenn sunnitische Kämpfer in Mali Sufi-Schreine unter Berufung auf göttlichen Befehl dem Erdboden gleichmachen, erinnert das an den Bildersturm in der Reformation, als ein protestantischer Mob im Vollgefühl der religiösen Rechtschaffenheit Bilder und Skulpturen gewaltsam aus den Gotteshäusern entfernte. Dabei tat sich der Zwinglianismus besonders hervor: Nirgendwo sonst ausser vielleicht in den calvinistischen Niederlanden wurden die Kirchen so gründlich ausgeräumt wie in dessen Einflussbereich.  

Bildersturm von 1566 in Antwerpen. Bild: Wikipedia

Hintergrund dieser Aktionen, die übrigens kaum jemals ohne explizite oder implizite Billigung durch die Obrigkeit stattfanden, war ein theologischer Streit, der das Christentum fast von Anfang an entzweite. Die Christen hatten das Verbot des Götzendienstes und das Verbot der bildlichen Darstellung Gottes vom Judentum geerbt, doch in der Praxis wurden diese Verbote immer weniger beachtet. Das 2. Konzil von Nicaea (787) erlaubte dann die Verwendung von Bildern in der Liturgie. 

Dagegen erhob sich zeitweilig Widerstand, so im 8. und 9. Jahrhundert die Ikonoklasten (wörtl. «Bildzerbrecher») in der Ostkirche und in der Westkirche später eben die Reformatoren, die Bilder im Gotteshaus als abergläubischen Götzendienst betrachteten. Diesem abendländischen Bildersturm fielen unschätzbare Kulturwerte zum Opfer. 

Kulturelles Gedächtnis ausgelöscht

Nicht nur die Protestanten zerstörten aber religiöse Kulturgüter. Bei den Katholiken taten sich insbesondere die spanischen Konquistadoren hervor, die bei der Eroberung des Aztekenreiches beispielsweise nahezu alle Kodizes der indigenen Kultur vernichteten – nicht nur religiöse – und so der eroberten Gesellschaft das kulturelle Gedächtnis raubten. 

Im Gegensatz zum reformatorischen Bildersturm richtete sich diese Zerstörungswut aber gegen eine fremde Religion und Kultur. Nicht zuletzt ging es freilich auch darum, vor aller Welt zu zeigen, wer die Macht hat. Und das dürfte auch bei den IS-Kämpfern, die im Zweistromland uralte Kulturgüter zerstören, der Fall sein. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 04.03.2015 06:12
    Highlight Wenn Herr Huber reformatorische Bilderzerstörung mit der auslöschung antilker Kulturgüter gleichsetzt zeigt er nur dass er stramm in der Tradition linker Selbstbeschmutzung steht. Mit Realität hat das nichts zu tun. Auch sollten die Schreiber endlich begreifen dass der Islam keine Religion, sondern eine Staatsideologie mit religiösem Deckmantel ist. Die Zerstörung assyrischer und evtl babylonischer Zeugnisse hilft dem Islam seinen Polytheistischen Ursprung zu verbergen. Abbildungen des Mondgottes mit Handflächen nach oben und Mondsichel und Stern sind sehr häufig
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    • Citation Needed 09.03.2015 18:37
      Highlight Tut er nicht. Er schreibt von den katholischen Zerstörern, nicht den reformierten. Und Gleichsetzen ist auch nicht. Mit "nicht zuletzt" und "auch" gibt das höchstens einen Teilvergleich. Katzen und Hunde haben ja *auch nicht zuletzt* vier Beine und sind haarige Fleischfresser, weshalb der Hund aber noch lang nicht den Vorhang hochklettert oder die Katze den Briefträger anbellt. Dein Sensor für "stramme Tradition linker Selbstbeschmutzung" scheint etwas überhitzt.. ;-)
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    • sewi 10.03.2015 12:11
      Highlight @Citation Needed: statt Klimalügen hättest Du wohl besser Geschichte gelernt. Calvinisten sind keine Katholen, Calvin war ein Reformator
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    • Citation Needed 10.03.2015 14:50
      Highlight ...wieder zu hitzig, Sewi. Es geht um die Conquistadores. Erzkatholisch sind die. Abschnitt davor. DIE werden mit dem IS verglichen, nicht die Reformatoren. Lies nochmal.
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    • sewi 10.03.2015 15:53
      Highlight @ Citation Needed: Ich gestehe, bei genauerem durchlesen, Du hast recht.....
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  • Gelöschter Benutzer 03.03.2015 11:38
    Highlight War doch immer schon so, dass die "revolution" die symbole der macht und der herschenden zerstoert hat. Dabei muss man nicht unbedingt weit nach hinten und auf religionen schauen. Ob franzoesische, russische oder entartete der menschheit gehoerende kunst-/kulturwerte "eliminiert" wurden geht hier scheinbar vergessen. Selbst in unserer "heilen welt" vom farbbeutelschmeisser zum zerstoeren von "kulturguetern" ist eine sehr sehr schmale grenze.
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  • Don Sinner 03.03.2015 08:55
    Highlight Wobei man die unterschiedlichen Beweggründe der Zerstörungen durch die Reformatoren einerseits und durch die anderen andererseits durchaus herausstreichen darf, wie vom Autor im letzten Abschnitt getan. Die Reformatoren gingen an gegen einen Bilder- und Personenkult, der perverse Dimensionen angenommen hatte und die "wahre Botschaft" unter Gold, Weihrauch und Seide erstickte. Die Kehrseite solcher Exzesse sind ironischerweise gerade die Objekte des Anstosses, die, wenn sie überdauern, von uns dann bewundert werden.
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  • Dagobert Duck 03.03.2015 07:09
    Highlight Dieser Vergleich ist lachhaft. In der Reformation wurden die Kirchen entrümpelt und nicht zerstört. Es gab zu viel Marktplatz innerhalb der katholischen Kirche, was gehen das Gebot Jesu steht, aus dem Gotteshaus keine Räuberhöhle zu machen.
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    • Gelöschter Benutzer 03.03.2015 17:33
      Highlight tröim wiiter... die Christen waren genau die gleichen Pappnasen wie die Islamisten. Religion hat in der Geschichte die bisher haarsträubendsten Idioten hervorgebracht.
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  • zombie1969 02.03.2015 17:19
    Highlight Die assyrische Kultur hat über den Weg Griechenland-Rom auch Einzug in die hiesige Kultur gehalten. Wenn also diese islamistischen Fanatiker diese Kulturgüter zerstören, dann zerstören sie eben nicht nur alte assyrische Kunst, sondern auch Zeugnisse dessen, was letztendlich auch zur hiesigen Kultur geführt hat. Und das rechtfertigt einen erbarmungslosen Vernichtungsfeldzug gegen diese Daesh-Fanatiker, dessen Ziel nur sein kann, dass es am Ende nicht einmal mehr einen gibt der auch nur anstrebt, Islamist zu werden. Von ihnen darf nichts übrig bleiben, kein Körper, kein Grab, keine Erinnerung.
    12 2 Melden
    • Schne 02.03.2015 18:04
      Highlight Genau diese Taktik hat die USA im Irak angewandt. Sie hat schlussendlich zu einer Radikalisierung in gewissen Kreisen geführt. Im Machtvakuum von Syrien konnten diese Radikalen dann als IS Gebiete besetzen. Gewalt ist immer die naheliegendste Lösung, meistens aber auch die dümmste.
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    • Alnothur 03.03.2015 00:05
      Highlight Machen wir uns nichts vor - wir alle wissen, dass es den USA im Irak-Krieg nicht darum ging...
      4 1 Melden
  • Anded 02.03.2015 15:22
    Highlight Das Mittelalter fand/findet halt nicht überall gleichzeitig statt.
    41 2 Melden
  • Baba 02.03.2015 14:46
    Highlight Der Beweis, dass der Mensch nichts, aber auch gar nichts dazu lernt und sich die Geschichte immer wieder wiederholt... Was für eine deprimierende Erkenntnis.
    31 7 Melden

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