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«Die Einbeziehung der Faszien sollte sinnvollerweise nur eine kleine, aber wichtige Ergänzung für den Trainingsbereich anbieten».  Bild: shutterstock

Sport fürs Bindegewebe

Was ist dran, an dem Hype um das Faszien-Training? Und was sind Faszien überhaupt? Ein Überblick

Das Training des Bindegewebes liegt im Trend, Faszien-Rollen gibt es mittlerweile in nahezu jedem Fitnessstudio. Neurophysiologe Robert Schleip erklärt, worauf es ankommt – und was reiner Blödsinn ist.

19.02.15, 14:58 30.03.15, 11:32

Michaela Rose / spiegel online

Ein Artikel von

Herr Schleip, wie revolutionieren die Erkenntnisse über Faszien unser Training?
Robert Schleip: Sie bringen Elemente aus Yoga und den östlichen Kampfkünsten sowie federnde Abläufe aus der Gymnastik-Bewegung unserer Grosseltern in den Trainingsbereich. Neu daran sind weniger die Bewegungen, sondern die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns jetzt besser verstehen lassen, was dabei in den Faszien passiert.

Nämlich?
Zum Beispiel betreffen die meisten Überlastungsschäden im Sportbereich nicht das rote Muskelfleisch, sondern das weissfarbige kollagene Fasernetzwerk des Körpers. Also das, was wir als fasziales Gewebe bezeichnen. Ausserdem wissen wir heute, dass dieses Netzwerk eines unserer wichtigsten Sinnesorgane darstellt. Es ist Basis unserer koordinativen Körperwahrnehmung.

Das Bindegewebe ist also enorm wichtig. Was halten Sie vom aktuellen Hype rund um die Faszien?
So wie ich den aktuellen Rummel in der Fitness-Szene mitbekomme, wird da auch schon mal mächtig übertrieben. Da heisst es dann «Muskeltraining ist out, Faszien sind in» – und das ist schlichter Blödsinn. Die Einbeziehung der Faszien sollte sinnvollerweise nur eine kleine, aber wichtige Ergänzung für den Trainingsbereich anbieten. Wenn der aktuelle Hype sich in ein bis zwei Jahren gesetzt hat, bin ich sicher, dass ein allgemeines Verständnis übrig bleibt.

Bis es so weit ist: Wie sollte ein Faszien-Training aussehen?
Unter dem Begriff Faszien-Training gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Ansätzen. Meist werden federnde Bewegungen mit unterschiedlichen Dehnungen kombiniert. Optimal ist es, wenn Sie sich das von einem kundigen Trainer oder Physiotherapeuten für Ihren Körper zeigen lassen.

Kann ich die Faszien-Rolle trotzdem im Do-it-yourself-Verfahren nutzen?
Wenn man das anfangs ohne professionelle Anleitung ausprobiert, bringt das in den meisten Fällen auch schon etwas. Will man damit Bindegewebe straffen, empfehlen wir herzhaft-kräftige Rollbewegungen jeden zweiten oder dritten Tag. Für eine lösende Wirkung sind hingegen langsame Rollbewegungen im täglichen Abstand besser.

Kann man dabei etwas falsch machen?
Wenn Menschen mit ausgeprägten Lymph- oder Durchblutungsstörungen sich weit über die Wohlweh-Grenze hinaus traktieren, könnte das negative Folgen haben. Dank der vorher wirksamen Schutzreflexe scheint das aber extrem selten zu sein. Bei Sportlern kann es ferner sein, dass die Anwendung langsamer Rollbewegungen in den folgenden fünf bis zehn Minuten die Schnellkraft verringert.

Was sollten Menschen mit schlechten Venen oder Besenreisern beachten?
Um sicher zu sein, sollten sie die gezielte Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen. Ansonsten können sie die Anwendungen so dosieren, dass keine Hautrötungen entstehen, die länger als zwei Minuten bestehen bleiben.

Gibt es einen Faszien-Kater?
Ja, laut neueren Erkenntnissen kommt der Schmerzreiz beim Muskelkater weniger aus dem Muskelfleisch als aus der faszialen Muskelhülle. Dann wäre es nicht falsch, auch mal von einem Faszien-Kater zu sprechen.

Kann die Faszien-Massage auch leistungssteigernd wirken?
Ist eine grössere Beweglichkeit erwünscht, kann das Rollen die unmittelbare Wirkung konventioneller Dehnungen vergrössern. Und wenn eine erhöhte Schnelligkeit im Vordergrund steht, kann durch zügigere Rollbewegung die Performance gesteigert werden.

Faszien-Training soll sogar effektiv dem Altern entgegenwirken ...
Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass regelmässig federnde Bewegungen bei älteren Tieren zu einem jugendlicheren Re-Modeling des Bindegewebes führte. Auch bei der Anwendung der sogenannten Faszien-Rollen konnte man nachweisen, dass das eine beschleunigte Kollagen-Erneuerung bewirkte. Zusätzlich zeigte sich lokal eine erhöhte Produktion von Stickoxid, also einem Viagra-verwandten Botenstoff, der die Gefässe jugendlich-elastisch macht. Für den menschlichen Gesichtsbereich kenne ich jedoch keine spezifischen Studien.

Zur Person

Dr. Robert Schleip, Jahrgang 1954, ist Leiter des «Fascia Research Project» der Universität Ulm, die eine führende Rolle in der Faszienforschung einnimmt sowie Mitglied der Fascial Fitness Association. Schleip ist Feldenkrais-Lehrer und seit 1978 lizensierter Rolfer.



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 20.02.2015 18:30
    Highlight Faszienierend...
    ...wie man sich nur auf ein einziges neues Element in der Gesamtheit der Elemente konzentrieren kann, um Produkte und Theorien zu verkaufen. Vernetzte und ganzheitliche Ansätze werden ausgeblendet, da zu kompliziert für die Fitness-/Wellness-Industrie. So lebe ich als Ausgleichssportler gesund weiter mit meinen Faszien und gehe mit federndem Gang dem Trend aus dem Weg, damit ich den nächsten früher erkenne.
    0 1 Melden

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