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Protest gegen IS: Archäologen wollen Torbogen von Palmyra nachbauen – mit einem 3D-Drucker

Das Einzige, was vom weltberühmten Baaltempel in Palmyra noch steht, ist ein Torbogen. Diesen wollen Archäologen nun mit einem 3D-Drucker nachbauen und in London und New York aufstellen: als Zeichen gegen die Zerstörungswut des IS.

28.12.15, 19:39 29.12.15, 07:41

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Das 15 Meter hohe Eingangstor ist alles, was vom Baaltempel in Palmyra übrig geblieben ist. Ende August sprengten Terroristen des sogenannten«Islamischen Staats» («IS») das 2000 Jahre alte Bauwerk in der syrischen Oasenstadt. Dort, wo einst der Baaltempel stand, ist nun nur noch eine Wüste aus Trümmern und Geröll, aus der einzig der Torbogen herausragt – das zeigen Satellitenaufnahmen.

Dieses stehengebliebene Eingangstor soll nun als Sinnbild des Widerstands gegen den Wahn des «IS» nachgebaut werden. Im kommenden Jahr soll jeweils eine Kopie auf dem Trafalgar Square in London und dem Times Square in New York aufgestellt werden. Das sehen Pläne des Instituts für Digitale Archäologie (IDA) vor, an dem die Harvard-Universität, die Universität Oxford und das Museum der Zukunft in Dubai beteiligt sind.

Für das Projekt soll der weltgrösste 3D-Drucker in Schanghai eingesetzt werden. Die dort entstandenen Bauteile sollen dann in Italien weiterbearbeitet und schliesslich an Ort und Stelle in London und New York zusammengebaut werden. Um das Pflaster nicht zu beschädigen, wollen die Wissenschaftler als Material hauptsächlich Kalkstein benutzen.

«Ein politisches Statement»

Eigentlich benötige man für den Nachbau Bilder, die von speziellen 3D-Kameras gemacht werden, sagte IDA-Direktorin Alexy Karenowska der «Times». Weil diese jedoch nicht zur Hand seien, habe man Tausende zweidimensionale Aufnahmen ausgewertet, um das Tor nachzubauen.

Mit der Aktion will das IDA auf die internationale Bedeutung des kulturellen Erbes aufmerksam machen. Der Baaltempel habe die Architektur der Römer inspiriert, die wiederum die Architektur in ganz Europa beeinflusste, sagte Karenowska.

«Es ist aber auch ganz klar ein politisches Statement», betonte ihr Kollege Roger Michel:

«Wir wollen Aufmerksamkeit auf die Ereignisse in Syrien, dem Irak und jetzt auch Libyen lenken. Wir sagen dem «IS»: ‹Wenn ihr etwas zerstört, können wir es wieder aufbauen.› Wir geben den Menschen ihre Würde zurück.»

Der «IS» hatte Palmyra Ende Mai erobert. Seither haben die Dschihadisten die Schätze der Stadt nach und nach zerstört, um so die Zeugnisse vormuslimischer Kulturen zu vernichten. Zudem töteten die Terroristen Khaled Asaad, den 82 Jahre alten Chefarchäologen von Palmyra, der sich für den Schutz der Ruinenstadt eingesetzt hatte.

Schau dir die antike Oasenstadt Palmyra nochmals an, bevor der «IS» sie zerstört

Nach den jetzigen Plänen soll der Torbogen eine Woche lang im Schatten der Nelson-Statue auf dem Trafalgar Square stehen – anlässlich der Welterbe-Woche im April 2016. Londons Bürgermeister Boris Johnson soll aber bereits in Aussicht gestellt haben, dass das Tor auch länger dort stehen bleiben könnte.

syd

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Karl Müller 28.12.2015 21:25
    Highlight Ich bin ja ein Fan von antikem Gemäuer und finde es cool, dass man das nachbauen kann. Aber Aussagen wie "Wir geben den Menschen damit ihre Würde zurück" sind fremdschämig peinlich und anmassend. Es tangiert die IS-Opfer sicher herzlich wenig, ob tausende Kilometer weit weg ein paar Geeks ein Häufchen uraltes Syrien zusammenbasteln. Das tönt wie eine aus den Fingern gesogene Rechtfertigung, um dem Vorwurf "Menschen werden getötet - und ihr trauert um Steine" zuvorzukommen.
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  • Gelöschter Benutzer 28.12.2015 21:15
    Highlight Der Baal-Tempel bringt mich wieder auf die Christen. Typischer christlicher Umgang mit nicht-christlichen Religionen:

    Einst ein Titel für den obersten Gott einer Hierarchie. Mindestens 1200 Jahre älter als das Christentum. Aber weil die Christen keine Konkurrenz dulden, machten sie aus Baal flugs einen bösartigen Dämon, dem zu Ehren angeblich lebende Babys in brennendem Feuer geopfert wurden.

    Der Dreh hat für Christen oft funktioniert. Nicht zuletzt auch bei der germanischen Hel, die als Patronin für die christliche Folterhölle herhalten musste und von neutral zu bös und hässlich wurde.
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