Wissen

Das Sankt-Elias Kloster im Irak vor seiner Zerstörung.
Bild: Maya Alleruzzo/AP/KEYSTONE

Der «IS» hat ein 1400 Jahre altes Kloster im Irak komplett dem Erdboden gleich gemacht

Das christliche Sankt-Elias-Kloster im Irak gilt als das älteste des Landes. Doch Satellitenaufnahmen zeigen: Der «IS» hat die heilige Stätte komplett zerstört. Die US-Regierung reagiert nun mit Empörung, der Vatikan mit Trauer. Die UNO spricht von einem Kriegsverbrechen.

21.01.16, 07:20 21.01.16, 07:58

Ein Artikel von

Mit Empörung und Trauer haben Politiker, Geistliche und Forscher auf die Zerstörung des Klosters Sankt Elias in der Nähe der irakischen Stadt Mossul reagiert. Anhänger der Terrormiliz «Islamischer Staat» haben die Stätte bereits im Jahr 2014 zerstört, doch erst jetzt sorgt der Fall international für Aufsehen. Die Nachrichtenagentur AP hat eine US-Firma damit beauftragt, Vorher-Nachher-Bilder von der Stätte zu erstellen – die Aufnahmen zeigen das Ausmass der Zerstörung: Von den Mauern des rund 1400 Jahre alten Klosters ist nichts mehr zu erkennen.

Auf dem linken Bild ist im März 2011 das Sankt-Elias-Kloster nahe Mossul zu sehen. Auf dem rechten Foto vom 28. September 2014 wurde dieselbe Stelle aufgenommen – von der christlichen Stätte ist allerdings nichts mehr übrig. Erst jetzt wurden die Fotos veröffentlicht.

Es sei bösartig und töricht gewesen, das Kloster in eine Geröllhalde zu verwandeln, sagte die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokova. Sie nannte die Tat ein Kriegsverbrechen. Der Schritt zeige jedoch auch, «wie viel Angst die Extremisten vor der Geschichte haben»: Denn je grösster das Wissen um die Vergangenheit sei, desto eher könnten in der Gegenwart die scheinheiligen Begründungen der Extremisten für ihre Taten untergraben werden, sagte Bokova. 

«Unabhängig von ihren unbarmherzigen Verbrechen werden die Extremisten die Geschichte niemals auslöschen können.»

Irina Bokova

Auch die US-Regierung verurteilt eigenen Angaben zufolge die Zerstörung von Sankt Elias durch den «IS». «Sie führen weiter diese furchtbaren Taten aus, dabei wird nur umso deutlicher, wie kaputt ihre Ideologie ist», sagte Mark Toner, Sprecher des US-Aussenministeriums.

Nach dem Irakkrieg galt die christliche Stätte den US-Truppen als Rückzugsort, später übernahm die 101. US-Luftlandedivision die Verantwortung für das Gebiet. Hier feiern die Soldaten im April 2010 eine Ostermesse in den Ruinen.
Bild: AP/U.S. Army

«Es ist sehr traurig und dramatisch», sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

«Leider werden geschätzte Stätten systematisch zerstört, die kulturellen, aber auch die religiösen und spirituellen.»

Federico Lombardi

«Sie haben es komplett zerstört»

Das Kloster wurde um das Jahr 590 errichtet, es galt lange als christliches Zentrum der Gegend um Mossul. Etwa 1743 ordnete ein persischer General seine Zerstörung an: Bis zu 150 Mönche weigerten sich damals, zum Islam zu konvertieren. Sie wurden hingerichtet.

Nach 2003 diente der Ort US-Truppen als Rückzugsort, erst später entdeckte ein Geistlicher unter ihnen die Bedeutung der Stätte. Es war der Beginn der Restaurierungsarbeiten.

Auf Satellitenfotos, die vor der Zerstörung aufgenommen wurden, seien 26 unterschiedliche Räume des Klosters zu erkennen gewesen, darunter eine Kapelle, sagte der US-Experte für Bildanalysen, Stephen Wood. Über die Nachher-Aufnahmen sagte er: «Bulldozer, schweres Geschütz, Vorschlaghammer und womöglich Sprengstoff haben die Wände aus Stein in ein Feld aus grauweissem Staub verwandelt. Sie haben es komplett zerstört.»

Nun zählt auch das Kloster im Irak zu den historischen Stätten, die der sogenannte «Islamische Staat» zerstört hat. Die Dschihadisten haben in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Stätten von historischer Bedeutung ruiniert, darunter in der syrischen Stadt Palmyra.
Bild: AP/U.S. Army

Woods Angaben zufolge fand die Zerstörung zwischen dem 27. August und dem 28. September 2014 statt. Erst jetzt, mit der Veröffentlichung der Fotos, sorgt sie für Schlagzeilen. Der sogenannte «Islamische Staat» hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche historische Stätten in Syrien und im Irak zerstört, darunter bedeutende Tempel in der syrischen Oasenstadt Palmyra.

Der Fall Sankt Elias sei ein weiterer Beleg für die Brutalität des «IS», sagte nun US-Politiker Eliot Engel, der für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt und Mitglied im House Committee on Foreign Affairs ist. «Es macht mich krank zu sehen, wie die «IS»-Terroristen Geschichte zerstören und Millionen mit dem Handel von Schätzen machen, die sie in diesen Stätten erbeuten.» (aar/AP)

Mehr über den «IS»

Intelligent, homophob, autoritätsgläubig: Warum Ingenieure die besten Dschihadisten sind

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Gute Frage: Weshalb werden französisch sprechende Muslime öfter radikal als alle anderen?

«Islamischer Staat», Chemie- und Nuklear-Waffen: Wie real ist die Gefahr?

Amerikas Schattenkrieger jagen «IS»-Anführer

Wir sollten uns an den Terror gewöhnen, aber das können wir nicht

Bilal reist in den Dschihad und rechnet dann mit dem «IS» ab – Kurz darauf ist der Deutsche tot

Kein Mensch versteht Syrien, weil alle von Syrien sprechen, aber etwas anderes meinen

Perfide Propaganda: Wie der «IS» mit «JiHotties» und Social Media westliche Frauen fängt

«Schwangere dürfen nicht verkauft werden»: So grausam regelt der «IS» den Umgang mit den Sex-Sklavinnen

Nein, Herr Trump, Obama ist NICHT der Gründer des «IS» – aber ganz unschuldig ist er auch nicht

Ulrich Tilgner: «Saudi-Arabien ist weltweit einer der Hauptunterstützer radikal-islamischer Strömungen»

Studie zeigt: So denken Muslime weltweit über den «Islamischen Staat»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
26
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 21.01.2016 09:43
    Highlight Der IS hat also einen alten, lotterigen Steinhaufen in einen anderen Steinhaufen verwandelt... und zwei Jahre darauf regt man sich auf. Dafür verwendet man dann Satelliten, aber nutzt 40+ Jahre alte Tornados für Aufklärungsflüge ...
    4 30 Melden
    • The Box 21.01.2016 10:31
      Highlight Haha! Habe ich auch gedacht. Ist ja jetzt nicht so, dass das Kloster um besten Zustand war.
      2 15 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 21.01.2016 10:45
      Highlight Haters gonna hate
      7 1 Melden
    • thompson 21.01.2016 11:14
      Highlight Bitte ein bisschen mehr Achtung, vor den syrischen Orthodoxen Christen. In Syrien und hier... Für dich mag das alles nur ein Steinhaufen sein. Für sie ist es ein wichtiger Teil ihrer Kultur.
      16 2 Melden
    • EvilBetty 21.01.2016 11:44
      Highlight Gab es denn «Personenschäden» dabei? Wohnte jemand in dem Kloster und ist jetzt obdachlos? Das wäre zu bedauern.

      Alles Materielle, vom Menschen Erschaffene ist vergänglich. weiss nicht mehr wer das gesagt hat, aber ein guter Spruch: Tradition ist nicht das aufbewahren der Asche, sondern das weitergeben der Flamme.
      3 9 Melden
  • Piperli 21.01.2016 08:43
    Highlight ich staune immer wieder was das für einen Aufschrei gibt wenn Kulturgut zerstört wird (nicht das es schade um die Zeugnisse der Vergangenheit ist) aber schlimmer sind die Verbrechen an den Menschen, Tieren und Natur. Hier sollte die Resonanz viel grösser sein!
    22 39 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.01.2016 11:24
      Highlight Irrtum. Kulturgut ist vielfach unersetzlich. Menschen, Tiere und Pflanzen wachsen nach. Im Falle der Menschen sogar in einem längst nicht mehr gesunden Ausmass.
      13 5 Melden
    • ⓂLⓂ 21.01.2016 17:06
      Highlight Du setzt jetzt also wirklich Kulturgut über Menschenleben... Auch wenn es zuviele Menschen gibt, kann man das nicht mal im Ansatz vergleichen. Ein Mensch ist noch viel einzigartiger als ein Gebäude es je sein könnte.
      2 3 Melden
  • URSS 21.01.2016 08:13
    Highlight Alle Zerstörung Vorislamischer Zeitrechnung nützt diesen armseligen Menschen nichts . Denn Geschichte lässt sich nicht zerstören.
    Die Zerstörung von Banjam hat auch nichts genutzt. Jeder weiss das hier Buddha Statuen standen.
    62 0 Melden
  • franky_fix 21.01.2016 08:09
    Highlight Wer hat eigentlich den IS (ISIS) gegründet? Ja das waren die USA, kann einfach nachgelesen werden.
    Und wer liefert denen die Waffen? Ja das machen auch schweizer Waffenproduzenten.
    Und von wird die schweizer Waffenindustrie unterstützt? Von unserer Politik! SVP, FDP, CVP und BDP wo es ein paar Stutz dazu zu verdienen gibt das sind die sicher dabei! Und dann fragt man sich wieso die Flüchtlinge zu uns kommen.
    10 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.01.2016 11:27
      Highlight Ja klar, die Flüchtlingen kommen zu uns, wegen den paar Waffen, welche die kleine Schweiz irgendwohin verkauft hat. Geht's noch abstruser?
      8 10 Melden
    • franky_fix 21.01.2016 13:33
      Highlight Wegen den paar Waffen?! Im Jahr 2009 haben wir für 24 Millionen Fr. Saudi-Arabien mit Waffen beliefert und das war nur der 3. grösste Kunde.
      6 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.01.2016 13:51
      Highlight @franky_fix: Wegen 24 Milliönli? LOL

      Gemäss Wikipedia betrug im Jahr 2008 das Rüstungsbudget von Saudi-Arabien 38.2 Milliarden US-Dollar. 24 Millionen wären somit ca. 0.06 Prozent davon!

      Merkst Du, wie lächerlich das Argument mit den Schweizer Waffenlieferungen ist?
      4 5 Melden
    • franky_fix 21.01.2016 14:38
      Highlight Finde Waffenlieferungen überhaupt nicht lächerlich. Die achso neutrale Schweiz sollte da nicht mitspielen.
      8 3 Melden
    • Maon 21.01.2016 16:45
      Highlight Deshalb bin ich für die Initiative AusgesCHossen
      1 3 Melden
  • Pana 21.01.2016 07:50
    Highlight Solange sie nicht den Hardturm zerstören.. Hang on a minute!
    24 67 Melden
  • Maon 21.01.2016 07:36
    Highlight Traurig! Die kulturellen Verbrechen des IS gehen leider schnell vergessen, bei all den Bluttaten.
    Ich finde, das Zerstören von kulturellem Erbe ist eine schlimme Tat.
    82 4 Melden
    • Prof.Farnsworth 21.01.2016 08:03
      Highlight da gebe ich Ihnen völlig recht! Nicht das ich jetzt die Bluttaten verharmlosen möchte, aber kulturelle Güter einer Kultur zerstören schädigt ein Land/Kultur viel mehr auf die lange Sicht! Der IS weiss genau wie er eine Nation destabilisieren kann! Traurig :-(
      31 4 Melden
    • _kokolorix 21.01.2016 08:29
      Highlight @swag
      da bin ich ganz anderer meinung. das war nur ein haufen steine. die kultur aber ist in den köpfen der menschen und wenn diese gefoltert, vertrieben und getötet werden dann schadet das der kultur wesentlich mehr. der vandalismus des is zielt auf die emotionen anderer kulturen und religionen. das ziel ist, eine unversöhnliche feindschaft zwischen die kulturen zu sähen und das gelingt ihnen bei uns ganz vortrefflich
      18 21 Melden
    • Raphael Stein 21.01.2016 08:48
      Highlight kokolorix, ihre Aussage wird wohl etwas im Gegenwind der katholischen Kultur stehen. Die bauten ja überall riesige Steinhallen und Goldtempel um ihre Machtansprüche zu festigen. Ein sehr altes Marketinginstrument. Kultur in den Köpfen der Menschen würde einiges an Schaden verhindern. Auf allen Seiten.
      3 4 Melden
    • AL:BM 21.01.2016 08:48
      Highlight Ich glaube das ist schon mit den unzähligen Toten gut gelungen....
      Und Meinungen sind wie A...hl....r, jeder hat eine...
      0 2 Melden
    • glüngi 21.01.2016 09:50
      Highlight Und das abschlachten ganzer dörfer ist weniger schlimm?
      2 0 Melden
    • Maon 21.01.2016 13:09
      Highlight @playec1992
      Da haben Sie mich falsch verstanden! Das Blutvergiessen wollte ich nie verharmlosen und es ist sicherlich schlimmer als das Zerstören von "alten Steinhaufen", wie es genannt wurde.
      Jedoch finde ich es Schlimm das uralte Spuren von ehemaligen und gegenwärtigen Kulturen zerstört wird.
      6 0 Melden
    • glüngi 21.01.2016 13:56
      Highlight das stimmt, ich finde es einfach traurig das der IS nur in den Medien landet wenn ein «Steinhaufen» zerstört wird obwohl dort täglich menschen auf grausamste art ermordet werden.
      2 0 Melden
    • Maon 21.01.2016 14:54
      Highlight Da stimme ich ihnen voll und ganz zu
      0 0 Melden
    • _kokolorix 21.01.2016 16:08
      Highlight @Raphael Stein
      Ich sehs an den Blitzen das ich die Religiösen getroffen habe...
      1 3 Melden

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen