Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
This Nov. 7, 2008, photo shows St. Elijah's Monastery on the outskirts of Mosul, Iraq, about 360 kilometers (225 miles) northwest of Baghdad. St. Elijah’s served as a center of the regional Christian community for centuries, attracting worshippers from throughout the region to pray with its priests. (AP Photo/Maya Alleruzzo)

Das Sankt-Elias Kloster im Irak vor seiner Zerstörung.
Bild: Maya Alleruzzo/AP/KEYSTONE

Der «IS» hat ein 1400 Jahre altes Kloster im Irak komplett dem Erdboden gleich gemacht

Das christliche Sankt-Elias-Kloster im Irak gilt als das älteste des Landes. Doch Satellitenaufnahmen zeigen: Der «IS» hat die heilige Stätte komplett zerstört. Die US-Regierung reagiert nun mit Empörung, der Vatikan mit Trauer. Die UNO spricht von einem Kriegsverbrechen.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Mit Empörung und Trauer haben Politiker, Geistliche und Forscher auf die Zerstörung des Klosters Sankt Elias in der Nähe der irakischen Stadt Mossul reagiert. Anhänger der Terrormiliz «Islamischer Staat» haben die Stätte bereits im Jahr 2014 zerstört, doch erst jetzt sorgt der Fall international für Aufsehen. Die Nachrichtenagentur AP hat eine US-Firma damit beauftragt, Vorher-Nachher-Bilder von der Stätte zu erstellen – die Aufnahmen zeigen das Ausmass der Zerstörung: Von den Mauern des rund 1400 Jahre alten Klosters ist nichts mehr zu erkennen.

Auf dem linken Bild ist im März 2011 das Sankt-Elias-Kloster nahe Mossul zu sehen. Auf dem rechten Foto vom 28. September 2014 wurde dieselbe Stelle aufgenommen – von der christlichen Stätte ist allerdings nichts mehr übrig. Erst jetzt wurden die Fotos veröffentlicht.

Es sei bösartig und töricht gewesen, das Kloster in eine Geröllhalde zu verwandeln, sagte die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokova. Sie nannte die Tat ein Kriegsverbrechen. Der Schritt zeige jedoch auch, «wie viel Angst die Extremisten vor der Geschichte haben»: Denn je grösster das Wissen um die Vergangenheit sei, desto eher könnten in der Gegenwart die scheinheiligen Begründungen der Extremisten für ihre Taten untergraben werden, sagte Bokova. 

«Unabhängig von ihren unbarmherzigen Verbrechen werden die Extremisten die Geschichte niemals auslöschen können.»

Irina Bokova

Auch die US-Regierung verurteilt eigenen Angaben zufolge die Zerstörung von Sankt Elias durch den «IS». «Sie führen weiter diese furchtbaren Taten aus, dabei wird nur umso deutlicher, wie kaputt ihre Ideologie ist», sagte Mark Toner, Sprecher des US-Aussenministeriums.

In this April 3, 2010, photo released by the U.S. Army, soldiers celebrate a Catholic Easter Mass at St. Elijah's Monastery on the outskirts of Mosul, Iraq. Satellite photos obtained by The Associated Press confirm the worst fears of church authorities and preservationists: Iraq's oldest Christian monastery has been completely wiped out since the takeover of Mosul by the Islamic State group. (Sgt. Shannon R. Gregory/U.S. Army via AP)

Nach dem Irakkrieg galt die christliche Stätte den US-Truppen als Rückzugsort, später übernahm die 101. US-Luftlandedivision die Verantwortung für das Gebiet. Hier feiern die Soldaten im April 2010 eine Ostermesse in den Ruinen.
Bild: AP/U.S. Army

«Es ist sehr traurig und dramatisch», sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

«Leider werden geschätzte Stätten systematisch zerstört, die kulturellen, aber auch die religiösen und spirituellen.»

Federico Lombardi

«Sie haben es komplett zerstört»

Das Kloster wurde um das Jahr 590 errichtet, es galt lange als christliches Zentrum der Gegend um Mossul. Etwa 1743 ordnete ein persischer General seine Zerstörung an: Bis zu 150 Mönche weigerten sich damals, zum Islam zu konvertieren. Sie wurden hingerichtet.

Nach 2003 diente der Ort US-Truppen als Rückzugsort, erst später entdeckte ein Geistlicher unter ihnen die Bedeutung der Stätte. Es war der Beginn der Restaurierungsarbeiten.

Auf Satellitenfotos, die vor der Zerstörung aufgenommen wurden, seien 26 unterschiedliche Räume des Klosters zu erkennen gewesen, darunter eine Kapelle, sagte der US-Experte für Bildanalysen, Stephen Wood. Über die Nachher-Aufnahmen sagte er: «Bulldozer, schweres Geschütz, Vorschlaghammer und womöglich Sprengstoff haben die Wände aus Stein in ein Feld aus grauweissem Staub verwandelt. Sie haben es komplett zerstört.»

In this Dec. 7, 2005, photo released by the U.S. Army, soldiers can see the city of Mosul, Iraq, from the top of the stairwell at St. Elijah’s Monastery during a visit arranged by Capt. John P. Smith, a chaplain with the 142nd Corps Support Battalion. U.S. troops and advisers had worked to protect and honor the monastery situated on a Forward Operating Base, a hopeful endeavor in a violent place and time. (Sgt. Mitch Armbruster/U.S. Army via AP)

Nun zählt auch das Kloster im Irak zu den historischen Stätten, die der sogenannte «Islamische Staat» zerstört hat. Die Dschihadisten haben in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Stätten von historischer Bedeutung ruiniert, darunter in der syrischen Stadt Palmyra.
Bild: AP/U.S. Army

Woods Angaben zufolge fand die Zerstörung zwischen dem 27. August und dem 28. September 2014 statt. Erst jetzt, mit der Veröffentlichung der Fotos, sorgt sie für Schlagzeilen. Der sogenannte «Islamische Staat» hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche historische Stätten in Syrien und im Irak zerstört, darunter bedeutende Tempel in der syrischen Oasenstadt Palmyra.

Der Fall Sankt Elias sei ein weiterer Beleg für die Brutalität des «IS», sagte nun US-Politiker Eliot Engel, der für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt und Mitglied im House Committee on Foreign Affairs ist. «Es macht mich krank zu sehen, wie die «IS»-Terroristen Geschichte zerstören und Millionen mit dem Handel von Schätzen machen, die sie in diesen Stätten erbeuten.» (aar/AP)

Mehr über den «IS»

Intelligent, homophob, autoritätsgläubig: Warum Ingenieure die besten Dschihadisten sind

Link zum Artikel

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Link zum Artikel

Gute Frage: Weshalb werden französisch sprechende Muslime öfter radikal als alle anderen?

Link zum Artikel

«Islamischer Staat», Chemie- und Nuklear-Waffen: Wie real ist die Gefahr?

Link zum Artikel

Amerikas Schattenkrieger jagen «IS»-Anführer

Link zum Artikel

Wir sollten uns an den Terror gewöhnen, aber das können wir nicht

Link zum Artikel

Bilal reist in den Dschihad und rechnet dann mit dem «IS» ab – Kurz darauf ist der Deutsche tot

Link zum Artikel

Kein Mensch versteht Syrien, weil alle von Syrien sprechen, aber etwas anderes meinen

Link zum Artikel

Perfide Propaganda: Wie der «IS» mit «JiHotties» und Social Media westliche Frauen fängt

Link zum Artikel

«Schwangere dürfen nicht verkauft werden»: So grausam regelt der «IS» den Umgang mit den Sex-Sklavinnen

Link zum Artikel

Nein, Herr Trump, Obama ist NICHT der Gründer des «IS» – aber ganz unschuldig ist er auch nicht

Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Saudi-Arabien ist weltweit einer der Hauptunterstützer radikal-islamischer Strömungen»

Link zum Artikel

Studie zeigt: So denken Muslime weltweit über den «Islamischen Staat»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

22
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 21.01.2016 09:43
    Highlight Highlight Der IS hat also einen alten, lotterigen Steinhaufen in einen anderen Steinhaufen verwandelt... und zwei Jahre darauf regt man sich auf. Dafür verwendet man dann Satelliten, aber nutzt 40+ Jahre alte Tornados für Aufklärungsflüge ...
    • The Box 21.01.2016 10:31
      Highlight Highlight Haha! Habe ich auch gedacht. Ist ja jetzt nicht so, dass das Kloster um besten Zustand war.
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 21.01.2016 10:45
      Highlight Highlight Haters gonna hate
    • thompson 21.01.2016 11:14
      Highlight Highlight Bitte ein bisschen mehr Achtung, vor den syrischen Orthodoxen Christen. In Syrien und hier... Für dich mag das alles nur ein Steinhaufen sein. Für sie ist es ein wichtiger Teil ihrer Kultur.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Piperli 21.01.2016 08:43
    Highlight Highlight ich staune immer wieder was das für einen Aufschrei gibt wenn Kulturgut zerstört wird (nicht das es schade um die Zeugnisse der Vergangenheit ist) aber schlimmer sind die Verbrechen an den Menschen, Tieren und Natur. Hier sollte die Resonanz viel grösser sein!
    • ⓂLⓂ 21.01.2016 17:06
      Highlight Highlight Du setzt jetzt also wirklich Kulturgut über Menschenleben... Auch wenn es zuviele Menschen gibt, kann man das nicht mal im Ansatz vergleichen. Ein Mensch ist noch viel einzigartiger als ein Gebäude es je sein könnte.
  • URSS 21.01.2016 08:13
    Highlight Highlight Alle Zerstörung Vorislamischer Zeitrechnung nützt diesen armseligen Menschen nichts . Denn Geschichte lässt sich nicht zerstören.
    Die Zerstörung von Banjam hat auch nichts genutzt. Jeder weiss das hier Buddha Statuen standen.
  • franky_fix 21.01.2016 08:09
    Highlight Highlight Wer hat eigentlich den IS (ISIS) gegründet? Ja das waren die USA, kann einfach nachgelesen werden.
    Und wer liefert denen die Waffen? Ja das machen auch schweizer Waffenproduzenten.
    Und von wird die schweizer Waffenindustrie unterstützt? Von unserer Politik! SVP, FDP, CVP und BDP wo es ein paar Stutz dazu zu verdienen gibt das sind die sicher dabei! Und dann fragt man sich wieso die Flüchtlinge zu uns kommen.
    • franky_fix 21.01.2016 13:33
      Highlight Highlight Wegen den paar Waffen?! Im Jahr 2009 haben wir für 24 Millionen Fr. Saudi-Arabien mit Waffen beliefert und das war nur der 3. grösste Kunde.
    • franky_fix 21.01.2016 14:38
      Highlight Highlight Finde Waffenlieferungen überhaupt nicht lächerlich. Die achso neutrale Schweiz sollte da nicht mitspielen.
    • Maon 21.01.2016 16:45
      Highlight Highlight Deshalb bin ich für die Initiative AusgesCHossen
  • Pana 21.01.2016 07:50
    Highlight Highlight Solange sie nicht den Hardturm zerstören.. Hang on a minute!
  • Maon 21.01.2016 07:36
    Highlight Highlight Traurig! Die kulturellen Verbrechen des IS gehen leider schnell vergessen, bei all den Bluttaten.
    Ich finde, das Zerstören von kulturellem Erbe ist eine schlimme Tat.
    • Prof.Farnsworth 21.01.2016 08:03
      Highlight Highlight da gebe ich Ihnen völlig recht! Nicht das ich jetzt die Bluttaten verharmlosen möchte, aber kulturelle Güter einer Kultur zerstören schädigt ein Land/Kultur viel mehr auf die lange Sicht! Der IS weiss genau wie er eine Nation destabilisieren kann! Traurig :-(
    • _kokolorix 21.01.2016 08:29
      Highlight Highlight @swag
      da bin ich ganz anderer meinung. das war nur ein haufen steine. die kultur aber ist in den köpfen der menschen und wenn diese gefoltert, vertrieben und getötet werden dann schadet das der kultur wesentlich mehr. der vandalismus des is zielt auf die emotionen anderer kulturen und religionen. das ziel ist, eine unversöhnliche feindschaft zwischen die kulturen zu sähen und das gelingt ihnen bei uns ganz vortrefflich
    • Raphael Stein 21.01.2016 08:48
      Highlight Highlight kokolorix, ihre Aussage wird wohl etwas im Gegenwind der katholischen Kultur stehen. Die bauten ja überall riesige Steinhallen und Goldtempel um ihre Machtansprüche zu festigen. Ein sehr altes Marketinginstrument. Kultur in den Köpfen der Menschen würde einiges an Schaden verhindern. Auf allen Seiten.
    Weitere Antworten anzeigen

Als die US-Serie «Holocaust» Deutschland veränderte 

Vor 40 Jahren ging eine Serie um die Welt – «Holocaust». Nur in Deutschland gab es erbitterten Widerstand gegen die Ausstrahlung. Am Ende lief sie im Dritten Programm. Eine Dokumentation zeigt, was dann geschah.

Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber das Wort «Holocaust» war bis vor 40 Jahren in der deutschen Bevölkerung unbekannt. Erst mit der US-Serie dieses Namens, die ab 22. Januar 1979 erstmals ausgestrahlt wurde, etablierte sich der Begriff. Und erst mit «Holocaust» wurde der Völkermord an den Juden für Millionen Deutsche konkret. Viele Ältere, die noch selbst die Nazizeit miterlebt hatten, vergossen damals Tränen - nicht über reale Menschen, sondern über die fiktive Familie Weiss.

Der …

Artikel lesen
Link zum Artikel