Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04148469 (FILE) A file handout image dated 05 January 2013 and made available by Sea Shepherd Australia 07 January 2013 showing three dead, protected Minke Whales on the deck of the Japanese Ship, Nisshin Maru in the Southern Ocean, Antarctica. A UN court in The Hague on 31 March 2014 halted Japan's much-criticized whaling programme, ruling that it contravenes a 1986 moratorium on whale hunting. Japan must end its 'research whaling' programme, the International Court of Justice (ICJ) said. Japan said the programme was for scientific research and permitted under international conventions. Australia had brought the case to the ICJ in 2010, charging that Japan was breaching international law by killing hundreds of whales every year for commercial purposes. Japan was “deeply disappointed” by the ruling, an unnamed government official was quoted by the Kyodo News agency as saying. But the official said Japan would stand by the ruling.  EPA/TIM WATTERS / SEA SHEPHERD AUSTRALIA / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/SEA SHEPHERD AUSTRALIA

Walfang-Verbot

Die UNO verbietet den Walfang – doch Japan könnte mit einem Trick weiter töten

Umweltschützer jubeln über das Verbot des japanischen Walfangprogramms im Südpazifik. Doch Tokio könnte seine Fangflotte trotz des Gerichtsurteils schon bald wieder losschicken. 

31.03.14, 17:46 31.03.14, 17:57

Ein Artikel von

Christoph Seidler, spiegel online

Wohl mehr als 15'000 Wale hat Japan nach Zählung von Tierschützern seit 1987 getötet – auf einer wackligen Rechtsgrundlage. Nun könnte Schluss damit sein, dass die Tiere unter dem Vorwand wissenschaftlicher Untersuchungen in grossem Stil gejagt werden: Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat das entsprechende japanische Programm für rechtswidrig erklärt. Das gut 70-seitige Urteil vom Montag ist rechtlich bindend und kann nicht angefochten werden. 

«Damit ist Schluss mit dem kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft.»

Fachleute hatten die Chancen zuvor auf etwa 50 zu 50 eingeschätzt, dass die von Neuseeland unterstützte Klage Australiens gegen Japan Erfolg haben könnte. «Das ist eine klare Absage an den Walfang und ein Meilenstein in der Walschutzpolitik», sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gegenüber Spiegel Online. Deutschland habe seit Jahrzehnten gefordert, den wissenschaftlichen Walfang Japans zu beenden – weil dieser nicht mit der Internationalen Walfangkonvention vereinbar sei. Umso mehr freue er sich, so Schmidt, dass der IGH für rechtliche Klarheit gesorgt habe: «Damit ist Schluss mit dem kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft.»

Auch Umweltschützer sind begeistert: «Dies ist ein historischer Tag für den Schutz der Wale und könnte der Wendepunkt im Hinblick auf ein komplettes Ende des kommerziellen Walfangs darstellen», hofft etwa Astrid Fuchs von der Organisation Whale and Dolphin Conservation. Thilo Maack von Greenpeace sagt: «Jetzt muss die japanische Walfangflotte eingemottet und das Fangschiff verschrottet werden. Jeder weitere Versuch der japanischen Regierung, das Walfangmoratorium zu umgehen, wäre unethisch, unzeitgemäss und unwirtschaftlich.»

3600 getötete Tiere für zwei Fachartikel 

Doch ganz so einfach ist es nicht. Freilich, da ist das klare Urteil der Uno-Juristen, für das 12 der 16 IGH-Richter stimmten: Das 2005 gestartete japanische Walfangprogramm «Jarpa II» im Südpolarmeer verstösst gegen ein internationales Moratorium von 1986. Das verbietet das Töten der Meeressäuger – wenngleich es Sondergenehmigungen für wissenschaftlichen Walfang gibt. Doch das japanische Programm erfüllt die nötigen Anforderungen nicht, so der IGH. 

epa04148467 (FILE) A file photograph dated 07 January 2006 and released by Greenpeace, showing the Yushin Maru, a factory ship in a Japanese whaling fleet, injuring a whale with it's first harpoon attempt. A UN court in The Hague on 31 March 2014 halted Japan's much-criticized whaling programme, ruling that it contravenes a 1986 moratorium on whale hunting. Japan must end its 'research whaling' programme, the International Court of Justice (ICJ) said. Japan said the programme was for scientific research and permitted under international conventions. Australia had brought the case to the ICJ in 2010, charging that Japan was breaching international law by killing hundreds of whales every year for commercial purposes. Japan was “deeply disappointed” by the ruling, an unnamed government official was quoted by the Kyodo News agency as saying. But the official said Japan would stand by the ruling.  EPA/KATE DAVISON/HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 00000400746611

Bild: EPA/GREENPEACE

Die Richter kritisierten, dass Tokio nicht begründen könne, warum für die vermeintliche Forschung so viele Wale getötet werden. Nur zwei von unabhängigen Experten begutachtete Fachartikel seit 2005 rechtfertigten nicht den Fang von mehr als 3600 Tieren. 

Die japanischen Behörden hatten pro Saison Genehmigungen für den Fang von ungefähr 950 Zwergwalen, 50 Finnwalen und 50 Buckelwalen erteilt – auch wenn die Quoten längst nicht immer ausgeschöpft wurden. Dafür sorgten Umweltschützer, etwa von der Organisation Sea Shepherd, die sich den japanischen Walfängern immer wieder in waghalsigen Aktionen entgegenstellen. 

Das werden sie womöglich auch in Zukunft tun müssen. Denn Japan kann durchaus ein neues Walfangprogramm für den Südatlantik auflegen. 

Vorsichtige Freude bei Öko-Aktivisten 

Die Richter unter dem slowakischen Vorsitzenden Peter Tomka urteilten, dass Japan sämtliche Genehmigungen und Lizenzen für «Jarpa II» zurückziehen muss. Neue Genehmigungen dürfen nicht erteilt werden – «im Rahmen dieses Programms», wie es im Urteil heisst. 

Noriyuki Shikata, der Sprecher des Außenministeriums in Tokio, erklärte, Japan «bedauere» das Urteil und sei «tief enttäuscht». Man werde sich aber an das Urteil halten. Die japanische Regierung könnte aber durchaus einen neuen Anlauf nehmen und das Programm nach den IGH-Vorgaben umbauen – ein wenig kleiner vielleicht, zusätzlich versehen mit nicht-tödlichen Forschungsansätzen. Doch im Grundsatz eben immer noch gleich. 

Immer wieder rechtfertigt sich Japan mit detaillierten Zusammenstellungen, der Walfang diene sehr wohl der Wissenschaft. Daran dürfte sich auch angesichts der aktuellen juristischen Niederlage kaum etwas ändern. Deswegen formulieren Öko-Aktivisten wie Astrid Fuchs ihre Statements bei aller Freude auch durchaus vorsichtig: Der IGH habe festgestellt, dass Japans Walfang nicht nur ungerechtfertigt ist, «sondern dass Japan es zudem versäumt hat zu prüfen, ob auch nicht-tödliche Mittel hätten verwendet werden können». Triumphgeheul klingt anders. 

Denn Japan hat ein zweites, allerdings kleineres Walfangprogramm im Nordpazifik («JARPN II»). Auch dessen wissenschaftliche Bedeutung hat die Regierung immer wieder beteuert. Auch hier könnten weiter Wale sterben – vermeintlich im Dienst der Forschung, auch wenn Japan nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass Walfleisch auch verkauft wird. 

Workers butcher a Baird's beaked whale at Wada port in Minamiboso, southeast of Tokyo in this June 28, 2008 file photo. Japan's whaling programme in seas near Antarctica is not for scientific purposes, judges at the U.N.'s highest court ruled on March 31, 2014, agreeing with Australia that Tokyo should revoke permits to catch and kill whales for research purposes. REUTERS/Toru Hanai/Files  (JAPAN - Tags: ENVIRONMENT ANIMALS POLITICS SOCIETY)

Bild: REUTERS/Toru Hanai

Auch Norwegen und Island fangen kommerziell 

Japanische Fischer sind zudem nicht die einzigen, die bis heute Wale töten. Auch Norwegen und Island haben kommerzielle Fangflotten – und berufen sich auf ihre jahrhundertealten Traditionen. Sie haben Einsprüche und Vorbehalte gegen internationale Walschutzübereinkommen vorgebracht und argumentieren ähnlich wie Japan: Ein Land könne einem anderen keine kulturellen Normen aufzwingen. Ein Wahlfangverbot sei für diese Staaten vergleichbar mit einem Vorstoss von Hindus, das Töten von Kühen international zu ächten. 

Formell sind die anderen Walfangstaaten durch die aktuelle IGH-Entscheidung auch nicht gebunden. Eine Sprecherin des Aussenministeriums von Island sagte Spiegel Online, man studiere das Urteil derzeit. Solange werde man sich nicht äussern. 

Und noch einmal anders ist die Lage bei der indigenen Bevölkerung in der Arktis, zum Beispiel auf Grönland. Dort darf eine kleine Zahl von Walen für den Eigenverbrauch gefangen werden. So hatte sich Dänemark zuletzt für höhere Fangquoten stark gemacht

Für Walschützer ist das Urteil vom Montag also nur ein Etappensieg. Schon vor dem Spruch der Richter hatte Jeff Hansen von Sea Shepherd erklärt, die Schiffe der Organisation würden sich sicherheitshalber auch dieses Jahr in die Antarktis aufmachen. 



Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

Themen
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ket4mon 01.04.2014 06:32
    Highlight Okee.. Na da haben Sie wieder mal ein Gesetz gemacht, dass den Wahlfang stoppen sollte.. Na klar.. Ich bin mir zu 100% sicher, dass da ein kleines Hintertürchen eingebaut wurde, wie bei allen Gesetzen..
    1 0 Melden
  • Nosgar 31.03.2014 23:03
    Highlight Der Hindu-Vergleich ist sowas von lächerlich, schliesslich sind Kühe nicht gerade von Aussterben bedroht...
    0 0 Melden
  • Michel Brändli 31.03.2014 18:29
    Highlight That's about fu... Time!!!
    1 0 Melden
  • Micha Moser 31.03.2014 18:06
    Highlight Immerhin wurde ein klares Signal gesetzt :)
    1 0 Melden

7 Dinge, für die die Wissenschaft keine Erklärung hat

Die Wissenschaft ist eine feine Sache. Sie erklärt uns die Welt und ermöglicht uns, im Internet Sommerloch-Artikel zu lesen. Aber es gibt ein paar Dinge, an denen sich die Wissenschaftler mit ihren Erklärungsversuchen bisher die Zähne ausgebissen haben. Hier sind sieben davon: 

Schon die alten Griechen kannten das Phänomen: Es gibt Leute, die müssen niesen, wenn sie plötzlich aus einer dunklen Umgebung ins Helle treten. Und zwar – bis auf wenige bedauernswerte Ausnahmen – maximal …

Artikel lesen