Wissen

Berner Forscher lösen dank Mückenlarven ein Klimarätsel 

07.02.17, 11:26 07.02.17, 11:38

Vor 9000 bis 5000 Jahren war es im Mittelmeerraum wärmer als teils angenommen. Das zeigen Berner Forschende, die anhand von fossilen Mückenlarven vergangene Temperaturen rekonstruiert haben. Damit lösen sie einen Widerspruch zwischen früheren Studien auf.

Neumodisch: Diese Mückenlarven sind keine Tausende Jahre alt. Bild: DANIEL BECERRIL/REUTERS

Verlässliche Temperatur-Messreihen gibt es erst seit rund 150 Jahren. Um künftige Entwicklungen des Klimas besser abschätzen zu können, möchten Forschende jedoch auch das Klima der Vergangenheit über eine möglichst lange Zeitspanne kennen. Temperaturen werden dabei beispielsweise anhand von Pflanzenpollen in Seesedimenten rekonstruiert, weil die Vegetation die Klimabedingungen widerspiegelt.

Für den nördlichen Mittelmeerraum ergaben solchen Pollen-Analysen für die Zeit von vor 9000 bis vor 5000 Jahren jedoch kühlere Sommertemperaturen, als mit Klimasimulationen berechnet wurde. Diesen bisher ungeklärten Widerspruch konnten Forschende um Oliver Heiri vom Oeschger-Zentrum der Uni Bern nun lösen: Sie analysierten die Artengemeinschaft von Zuckmückenlarven in den Sedimenten von zwei Bergseen im Apennin, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte.

Aufschlussreiche Mückengesellschaft

In einem See können bis zu 100 verschiedene Zuckmückenarten vorkommen. Da verschiedene Arten unterschiedliche Umweltbedingungen bevorzugen, lässt sich anhand der Mengenverteilung der verschiedenen Mückengruppen im Sediment auf die damalige Temperatur zurück schliessen.

Die grössten Klimasünder

Diese Methode ergab Sommertemperaturen für Norditalien, die sehr gut mit den Klimamodellen übereinstimmten, berichten die Forschenden im Fachblatt Nature Geoscience.

Dass die Pollen-Analyse abweicht, liege daran, dass nicht nur die Temperatur, sondern beispielsweise auch Feuchtigkeit, frühe Landwirtschaft und Feuer die Vegetation prägten, schrieb die Uni Bern. «Pollen werden auch vom Wind transportiert und stammen von einer grossen Fläche, auf der diese zusätzlichen Faktoren die Vegetation prägen können», erklärte Heiri im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Klimamodelle mit neuen Daten bestätigt

«Unser Indikator - die Mückenlarvengemeinschaft - ist viel lokaler», so Heiri weiter. Dadurch seien bedeutende menschliche Einflüsse in den entlegenen Bergseen unwahrscheinlich, was auch durch die gefunden Mückengruppen untermauert wurde. Und auch die Feuchtigkeit dürfte keinen grösseren Einfluss gehabt haben.

«Wir sagen nicht, dass Pollen-Analysen generell schlecht sind», betonte der Berner Forscher gegenüber der SDA. «Aber in Fällen wie diesem, wo wir eine Diskrepanz zwischen den Pollen-Daten und den Klimamodellen haben, sind neue Daten nötig, um zu testen, welche Temperatur-Rekonstruktion stimmt. Und dafür hat sich die Mückenlarvengemeinschaft im Seesediment zumindest für diese Region als guter Indikator erwiesen.»

(sda)

43 Vorher-nachher-Bilder, die zeigen, wie krass sich die Erde verändert hat

Klimawandel und Golfstrom: Fragile Ozeanzirkulation

Das könnte dich auch interessieren:

Klopp lässt seinen Penalty-Frust an den Reportern aus

Vom Meister ausgezeichnet – Die besten Parker-Weine fürs Fest

O du schreckliche! Das Bullshitbingo für das Weihnachtsessen mit deiner Familie

Darum lehnt der Bundesrat «No Billag» ab – die 5 wichtigsten Argumente im Überblick

8 Katzen, die sich den Sommer mit sehnlichst zurückwünschen

Israelischer Professor zum Trump-Entscheid: «Jerusalem war nie das Hindernis für Frieden»

«So etwas macht man nicht» – FDP-Boss Gössi kritisiert Geheimtreffen vor Juncker-Besuch

«Bilder von unten» – 12 Leute erzählen, was sie auf Tinder und Co. nicht sehen wollen

Bitte, Nintendo, diese 15 Games gehören auf einen Game Boy Classic Mini!

Warum nach einem Amoklauf in den USA noch viel mehr Menschen starben

Jahre des Zorns – was der Palästinenser-Aufstand bedeutet

Diese Obdachlosen haben vielleicht ihr Zuhause verloren – nicht aber ihren Humor

Trump macht Jerusalem zur Israel-Hauptstadt – die Nahost-Eskalation in 9 Punkten erklärt

Dieser Schweizer Soldat musste gerade durch die Französisch-Hölle – aber sowas von

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Döst 08.02.2017 08:23
    Highlight Schon abenteuerlich! Modelle die auf Daten von 150 Jahren basieren (de sind teils schon mager), sollen Temperaturen simulieren, die 9000 bis 5000 Tausend Jahre zurückliegen. Stimmt Modell und Messdaten (Pollen) nicht überein, wird die Messmethode "angepasst". Somit stimmt das Klimamodell (=Klimakatastrophe) wieder.
    Könnte der Fehler nicht eher im Modell liegen, weil man dieses auf relativ kleiner Datenbasis aufbaut?
    Was hat das mit Wissenschaft zu tun?
    2 5 Melden

Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. 

Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher …

Artikel lesen