Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV - Ein Mann mit Regenschirm gegen die brennende Sonne geht am 2. Mai 2009 ueber eine ausgedoerrte Flaeche in den Aussenbezirken von Bhubaneswar in Indien. Bundesumweltminister Norbert Roettgen hat die Staatengemeinschaft aufgefordert, Klimaschutz-Verpflichtungen nicht zu umgehen. Die Vereinbarungen von Kopenhagen muessten daher alle Laender umfassen, also auch die USA und China, forderte Roettgen. Der Minister zeigte sich ueberzeugt, dass die Klimakonferenz einen Weg zur Begrenzung der Erderwaermung auf zwei Grad beschliessen werde.  (AP Photo/Biswaranjan Rout, Archiv) --- FILE - In this Saturday, May 2, 2009 file photo, a villager holding umbrella to protect himself from sun, walks over parched land on the outskirts of Bhubaneswar, India. (AP Photo/Biswaranjan Rout, File)

Ein Mann im ausgedörrten Bhubaneswar, Indien, schützt sich vor der brennenden Sonne. Bild: AP

Welt-Klimabericht

Der Klimawandel hat gewaltige Auswirkungen auf die ganze Welt – doch es besteht Grund zur Hoffnung

Die Uno warnt im zweiten Teil ihres neuen Klimareports vor Wassermangel, wirtschaftlichen Einbussen und Gefahren für die Gesundheit. Manche Massnahmen aber geben Hoffnung. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

axel bojanowski, spiegel online

309 Wissenschaftler haben fünf Jahre lang an dem Grossprojekt gearbeitet. Sie haben Studien gesichtet, Tausende kritische Kommentare von Gutachtern geprüft, ihren Report häufig korrigiert. Im japanischen Yokohama präsentieren Sie an diesem Montag das Ergebnis: den zweiten Teil des neuen Welt-Klimareports über mögliche Auswirkungen des erwarteten Klimawandels. 

Der erste Teil über das Grundwissen zum Klimawandel war vergangenen September präsentiert worden. Der Weltklimarat (IPCC) warnte darin angesichts steigender Treibhausgasemissionen vor einer deutlichen Erwärmung, schwellenden Ozeanen, schwindenden Eismassen und zunehmenden Hitzewellen. Treibhausgase aus Autos, Fabriken, Heizungen und Kraftwerken verursachen Risiken für Mensch und Natur, so das Fazit. Der Bericht dokumentierte zugleich erhebliche Verständnislücken

In Yokohama erhielt nun der mehr als 2000 Seiten starke zweite Teil des Berichts seinen letzten Schliff: Eine Woche lang haben politische Delegierte und Wissenschaftler dort um jedes Wort gerungen. Die sogenannte Zusammenfassung für Politiker soll die wichtigsten Ergebnisse listen. 

«Dieser Report handelt auch davon, wie wir eine bessere Welt schaffen können», sagt der Koordinator des Uno-Reports, Chris Field von der Carnegie Institution for Science in den USA. Hohe Investitionen weltweit seien erforderlich, um sich gegen den zu erwartenden Wandel zu wappnen. «Wir sehen Fortschritte», sagt Field. Zahlreiche Staaten hätten begonnen, sich besser gegen Wettergefahren zu schützen. 

Klimaschützer warnen

«Wir bewegen uns auf schmalem Grat», sagte Greenpeace-Klimaexpertin Kaisa Kosonen. «Aber wenn wir mutig handeln und den Treibhausgasausstoss schneller senken (als geplant), können grössere Bedrohungen für die menschliche Sicherheit noch vermieden und lebenswichtige Meeressysteme, Wälder und Arten geschützt werden.» Tim Gore von der Hilfsorganisation Oxfam sagt: «Der Bericht ist da und die Botschaft klar: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsversorgung sind schlimmer als zuvor geschätzt.» Erstmals habe der Klimarat zudem anerkannt, dass eine Zunahme der extremen Wetterlagen auch die Preise für Nahrungsmittel nach oben treibe. «Ohne schnelle Taten bei der Anpassung und der Emissionsreduzierung könnte das Ziel, dass jeder genug zu essen hat, für immer verfehlt werden», warnte Gore. (sda)

Das sind die wichtigsten Prognosen des Uno-Klimareports:

Wasser

Laut den Forschern sind im Zuge des Klimawandels mehr Menschen von Wasserknappheit betroffen. Vor allem in den Subtropen müssten sich Bewohner auf den Mangel einstellen. In höheren Breiten, etwa in Mitteleuropa, sei dagegen mit steigenden Trinkwasserressourcen zu rechnen. 

Ernährung

Der Uno-Klimarat hat seine Warnung zum Thema verschärft. Ernteeinbussen sind demnach wahrscheinlicher als Zuwächse. Ohne Anpassungsmassnahmen sei in vielen Regionen ein Rückgang der Erträge von Weizen, Reis, Soja und Mais um bis zu einem Fünftel im Laufe des Jahrhunderts zu erwarten. Landwirtschaftliche Massnahmen könnten den Verlust zwar grossteils ausgleichen; ihre Effektivität sei allerdings «sehr variabel». 

Gesundheit

Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte sich der Klimawandel gerade durch gesundheitliche Probleme bemerkbar machen, schreibt der Klimarat: Hitze, Feuer, Unterernährung und Wassermangel könnten vermehrt Krankheiten verursachen. Andere Faktoren hätten allerdings grösseren Einfluss auf die Gesundheit. Weniger Kältewellen würden immerhin kältebedingte Krankheiten seltener werden lassen. 

Wissenschaftliche Entwicklung

Der britische Regierungsberater Nicholas Stern warnte 2006 in einem viel beachteten Bericht, der Klimawandel könne einen Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung auffressen. Die Annahmen korrigiert der IPCC nun deutlich nach unten. Der Klimawandel wird demnach nur rund einen Zehntel der Wirtschaftsverluste verursachen, die der Stern-Report vorhergesagt hat: Bei einer Erwärmung von zwei Grad könnten sich die Verluste auf 0,2 bis 2 Prozent der Wirtschaftskraft belaufen. Allerdings hat der IPCC nur wenig Vertrauen in seine Rechnungen zur wirtschaftlichen Entwicklung: soziale sowie technologische Faktoren hätten weitaus mehr Einfluss als der Klimawandel, heisst es im Uno-Report. 

Meeresspiegelanstieg

«Sehr hohes Vertrauen» hingegen hat der IPCC in seine pessimistische Prognose für Küstenregionen: Stetig schwellende Meere würden vermehrt zu Überflutungen führen und die Küste erodieren. Notwendige Schutzmassnahmen könnten manche niedrig gelegene Orte und Inseln «einige Prozent des Bruttosozialprodukts kosten». 

Ozeanversauerung

Weltweit werden die Ozeane saurer. Ursache ist das Treibhausgas Kohlendioxid CO2. Gut 20 Millionen Tonnen CO2 nehmen die Ozeane täglich auf. Im Wasser wandelt sich das Gas zu Säure. Manchen Meeresorganismen wie Korallen oder Austern fällt es in saurerem Wasser schwerer, ihre Schalen aufzubauen. 

Artensterben

In Folge der Erwärmung haben viele Lebewesen ihre Lebensräume verlagert. Laut dem Uno-Klimarat besteht ein hohes Risiko, dass Klimazonen sich so schnell verschieben, dass Tiere und Pflanzen aussterben. Es gebe allerdings sehr geringes Vertrauen in die Modelle, die das Aussterberisiko vorhersagen, heisst es im Klimabericht. Im Gegensatz zum letzten IPCC-Report nennt der Klimarat keine konkreten Zahlen, wie viele Lebewesen aussterben könnten. Wissenschaftliche Unsicherheiten seien «offenkundiger geworden». Belege dafür, dass der Klimawandel bereits Arten habe aussterben lassen, gebe es kaum. 

Landschaften

Manchen Landschaften drohen einschneidende Änderungen. Hochgebirgsgletscher und das Meereis der Arktis würden wahrscheinlich erheblich schrumpfen, schreiben die Forscher. Andere Prognosen jedoch seien äusserst unsicher. Aus wärmerem Erdreich in der Tundra könnten aus Permafrost und Sümpfen grosse Mengen Treibhausgas entweichen. Es drohe ein Baumsterben, das von Rodungen um ein Vielfaches verstärkt würde. Die Entwicklung scheint noch nicht begonnen zu haben: Seit 1982 hat sich Satellitenmessungen zufolge Vegetation in wärmeren Breiten ausgedehnt. 

Städte

Der Klimawandel drohe die «Umsiedlung von Menschen zu erhöhen», schreibt der IPCC. Bislang gebe es allerdings kaum Hinweise auf Klimaflüchtlinge, räumt der Uno-Report ein; Prognosen seien aufgrund vieler anderer Einflüsse schwierig. Würde der Klimawandel die Knappheit lebenswichtiger Ressourcen verschärfen, drohten vermehrt Bürgerkriege, prognostiziert der IPCC. Der Zusammenhang ist allerdings umstritten

Fortschritte bei der Anpassung an den Klimwandel 

«Gesellschaften haben sich immer an Klimaschwankungen anpassen müssen im Laufe der Geschichte, mit unterschiedlichem Erfolg», konstatiert der Uno-Klimareport. Die aktuelle Situation fasst der IPCC so zusammen: In Europa trieben Regierungen vor allem den Küstenschutz und das Wassermanagement voran. In Afrika kümmere man sich bislang vor allem um die Anpassung an Wetterkatastrophen. Auch in Asien baue man Frühwarnsysteme. Zudem gehe es dort zunehmend um die Vereinigung von Forstwirtschaft und Landwirtschaft – Bäume schützen den Boden vor Erosion. Viele Inseln verstärkten die Deiche. In Nordamerika finde Klimaschutz vorwiegend auf kommunaler Ebene statt, etwa mit Investitionen in alternative Energie. In Zentral- und Südamerika stünde der Landschaftsschutz im Mittelpunkt. Die Anpassungskosten für Entwicklungsländer beliefen sich voraussichtlich auf 70 bis 100 Milliarden Dollar pro Jahr, prophezeit der Klimarat, allerdings mit «geringem Vertrauen» in seine Vorhersage. 

Die wichtigsten Prognosen für einzelne Regionen

Europa

Wahrscheinlich: mehr Flusshochwasser, Extremregen, Wasserknappheit im Süden. 

Möglich: mehr Hitzewellen. 

Afrika

Wahrscheinlich: verschärfter Wassermangel, Ernteeinbussen, Extremregen, Extremhitze. 

Möglich: wirtschaftliche Einbussen. 

Asien

Wahrscheinlich: erheblich mehr hitzebedingte Todesfälle, Unterernährung durch Wassermangel und Nahrungsknappheit. 

Möglich: hohes Risiko von Überflutungen durch Stürme. 

Nordamerika

Wahrscheinlich: mehr Buschfeuer, mehr Hitzetote. 

Mittel- und Südamerika 

Wahrscheinlich: Wasserknappheit aufgrund schwindender Gletscher.  

Möglich: Nahrungsmangel. 

Australasien

Wahrscheinlich: durchgreifende Veränderungen in Korallenriffen, mehr Extremregen, gefährliche Meeresfluten. 

Inselstaaten

Wahrscheinlich: Verringerung der Siedlungszonen aufgrund des steigenden Meerespiegels. 

Die wichtigsten Veränderungen, die bereits mit grosser Sicherheit zumindest teilweise auf den Klimawandel zurückgeführt werden: 

Europa

Rückgang der Gletscher, längere Vegetationsperiode, Fische ziehen nordwärts. 

Afrika

Rückgang der Gletscher, Erwärmung der Seen. 

Asien

Permafrostgebiete schrumpfen, Büsche breiten sich in die Tundra aus, Korallenriffe schrumpfen. 

Australasien

Veränderungen der Flora und Fauna, Korallenbleiche. 

Nordamerika

Schrumpfen der Gletscher, Schmelzwasserflüsse versiegen früher im Jahr, Fische wandern nordwärts. 

Mittel- und Südamerika 

Andengletscher schrumpfen, Korallenbleiche in der Karibik. 

Inselstaaten

Erodierende Küsten, Korallenbleiche. 



Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 31.03.2014 09:13
    Highlight Highlight In Asien explodiert die Wirtschaft mit exzessiven Schadstoffausstössen, in Afrike explodiert die Bevölkerung mit unheimlichen Wachstumsraten, in der westlichen Welt wechselt man von Atom- zu Gas-/Kohlestrom und betreibt Fracking. In Südamerika geht das Abholzen weiter. Die Pole werden wegen Ressourcen zu Förderzielgebieten. Gleichzeitig bewegt und verändert sich das Klima, was es auch vorher schon tat (langsamer). Bin gespannt was auf den 50-Seiten steht. Das Problem ist nicht ein Problem zu erkennen und Teile davon zu akzeptieren, das Problem ist die Probleme nachhaltig zu lösen in einer konflikt- und kooruptionsdurchzogenen Welt voller Partikularinteressen. Bei allem Optimismus tendiere ich da zu einem Zweckpessimismus und freue mich auf jede kleingedruckte Erfolgsmeldung, während ich meinen Müll sortiere und in überteuerten öffentlichen Verkehrsmitteln im kleinräumigen Sauberstaat mich ökologisch vorbildlich bewege und mit dem Finger auf andere zeige.
  • Freddie248 31.03.2014 07:56
    Highlight Highlight Finde ich einen guten Beitrage, der sogar ein wenig kritisch dem Klimawandel gegenübersteht.
    Ich denke, die Umwelt wird sich anpassen und erholen, wenn die Erde wärmer wird.


  • Molungu Benedetti 31.03.2014 05:32
    Highlight Highlight In regelmässigen Abständen verbreiten die Mediem bzgl. Klimawandel Angst und Schrecken. Offenbar
    geht es um viel Geld, denn nach Sichtung vieler Daten komme ich nämlich zum Schluss, dass weder die Erwärmung des Klimas noch die Erhöhung des CO2 Wertes ein Problem darstellen könnte. Im Holäzen war es viel wärmer und da spricht man vom Klimaoptimum und nicht von einer Katastrophe. Also "Cool It"!

Erster Verlierer: Der Regenwald. Warum Brasiliens neuer Präsident eine Klima-Gefahr ist

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die Präsidentenwahl in Brasilien gewonnen. Der Ex-Militär kam auf 55,14 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Sonntag nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Sein Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei erhielt demnach 44,86 Prozent.

Erster Verlierer der Wahl dürfte jedoch der Regenwald sein. Und von dieser Niederlage sind wir alle betroffen.

Denn Jair Bolsonaro macht sich nicht viel aus dem Regenwald. Der Rechtsextreme findet …

Artikel lesen
Link to Article