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Bier am Oktoberfest: Angst vor Pestiziden?
Bild: KEYSTONE

Glyphosat im Bier? Schluck!

Menschen sind schlecht darin, Risiken einzuschätzen. Die Mehrheit hat Angst vorm Fliegen, nicht vorm Autofahren. Und wenn ein Umweltverband Glyphosat im Bier entdeckt, sind sie aufgescheucht. Warum?

Nina Weber



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wir werden alle sterben. So viel steht fest, falls der exzentrische Wissenschaftler Aubrey de Grey nicht doch seinen grossen Forschertraum erfüllt und uns unsterblich macht.

Bleibt die Frage, woran wir sterben.

In Deutschland werden die meisten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dahingerafft. Machen Sie sich deshalb ständig Sorgen um ihr Herz? Vermutlich nicht. Kardiologen klagen regelmässig, dass Bluthochdruck nicht schmerzt. Weil den Betroffenen nur das diffuse Risiko droht, irgendwann einen Infarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ist die Motivation gering, das Leben wegen des Blutdrucks umzukrempeln oder ständig deswegen Medikamente zu schlucken.

Menschen sind eben nicht besonders gut darin, Risiken einzuschätzen und entsprechende Schlüsse zu ziehen.

Noch ein Beispiel: Vorm Fliegen fürchten sich viele, aber nicht vorm Autofahren, obwohl hierzulande im vergangenen Jahr 3475 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben sind. Angst macht, wenn wir nicht die Kontrolle haben. Als Autofahrer hat man sie, wenn oft auch nur scheinbar, als Flugzeugpassagier nicht.

Womit wir beim Glyphosat im Bier wären

Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – mehr ist nicht drin laut dem deutschen – unserem! – Reinheitsgebot. Da hat man doch alles im Griff. Wunderbar. Der durchschnittliche Deutsche trinkt also mit gutem Gewissen gut hundert Liter Bier im Jahr.

Das Umweltinstitut München hat deshalb einen Nerv getroffen, als es berichtete, es habe in den 14 meist verkauften Biersorten Glyphosat nachgewiesen. Dass die entdeckten Mengen so gering sind, dass der Durchschnittsdeutsche Hunderte Liter Bier an einem einzigen Tag runterschlucken könnte, ohne dass eine Gefahr vom Pestizid ausginge – so ein Detail geht da schnell unter. Vor allem, wenn man noch den Agrarkonzern Monsanto, für so manche der Inbegriff des Bösen schlechthin, in der Meldung unterbringen kann.

Da lässt man es dem Institut, das sich nach eigener Aussage für gentechnikfreies Essen und ökologischen Landbau einsetzt, auch durchgehen, 

Ja, es ist ein valider Standpunkt zu sagen: Ein Pestizid gehört da nicht rein, wir wollen kein Glyphosat im Bier.

«Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.»

Deutsches Krebsforschungsinstitut

Und wenn verschiedene Behörden und renommierte Wissenschaftler streiten, ob das Pestizid nun krebserregend ist oder nicht, und Politiker diskutieren, ob es weiter eingesetzt werden darf oder verboten wird, dann ist es irgendwie menschlich, sich auf die Seite der Biobauern zu stellen und nicht auf die von Grosskonzernen und konventioneller Landwirtschaft. Und damit intuitiv jenen mehr Glauben zu schenken, die vor dem Pestizid warnen. Bestätigungsfehler nennen das Psychologen: Wir bleiben an der Information hängen, die unsere Weltsicht bestätigt.

Wenn wir jedoch über Risiken reden, ist ein natürlicher Inhaltsstoff des Bieres ein viel grösseres: der Alkohol.

Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die Glyphosat als «vermutlich krebserregend» eingestuft hat, bewertet Alkohol in Getränken als «sicher krebserregend».

Nun ist Alkoholkonsum kulturell so anerkannt, dass lediglich zu Mengenbegrenzungen geraten wird. Ein halber Liter Bier am Tag für Männer, ein Viertelliter für Frauen – das wird schon passen. Tatsächlich, auch wenn wir es ganz genau nehmen, so wie mit dem Glyphosat? Tja. «Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann», schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum.

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    Alle Leser-Kommentare
  • lofi 29.02.2016 13:36
    Highlight Highlight weil wir eh alle sterben, ist glyphosat im bier nicht so schlimm? auch der vergleich mit dem alkohol hinkt. erstens: wenn ich bier trinke, weiss ich, dass ich alkohol trinke. ich nehm das bewusst in kauf, das glyphosat nicht. zweitens hab ich vom alkohol was davon, vom glyphosat nicht. also ich möchte definitiv kein glyphosat in meinem bier.

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    • Freddie 05.03.2016 22:14
      Highlight Highlight Dank Glyphosat gibt es genug Bier, das auch noch günstig ist. Und die Mengen, die da drin sind... Wir konsumieren sonst schon irgendwelche Schadstoffe, von denen du nichts weisst. Da betrinke ich mich lieber und habe noch Spass, während ich mich mit Glyphosat "vergifte".
  • Gabrie1 27.02.2016 16:40
    Highlight Highlight "Wir werden alle sterben. So viel steht fest, falls der exzentrische Wissenschaftler Aubrey de Grey nicht doch seinen grossen Forschertraum erfüllt und uns unsterblich macht."

    Lasst uns doch bitte alle Aubrey de Grey unterstützen!!!!!!!!!!! Die neue Partei für Gesundheitsforschung tut dies z.B. bereits.
  • Jim Panse 26.02.2016 23:41
    Highlight Highlight geil geschrieben...
  • Zwingli 26.02.2016 22:03
    Highlight Highlight auf das ein bier! 🍻 prost!
  • Bowell 26.02.2016 22:02
    Highlight Highlight <3! Super Artikel!

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