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Die 7 grössten Betrüger und Hochstapler – denen auch du auf den Leim gekrochen wärst

Die Schweizer Medien fielen dieses Wochenende auf einen Schwindler herein, der es offenbar schon weit gebracht hat. Und damit ist er nicht alleine. 

04.12.17, 19:55 21.12.17, 23:17


Ein Mann hat sie alle reingelegt. Medien rund um den Globus berichteten dieses Wochenende, dass Skandal-Produzent Harvey Weinstein die Adventszeit in der Schweiz verbringen werde. Doch die Neuigkeit war frei erfunden, von einem gewissen Herr Alessandro Proto. 

Der 43-jährige Italiener schrieb im Namen von US-Anwälten eine Mail an die Nachrichtenagentur SDA, dass Weinstein mehrere Monate im Tessin bleiben wolle. Zunächst überprüfte das Schreiben niemand und so machte die Meldung die Runde durch die Schweizer Medienlandschaft – auch watson berichtete darüber.

Später fand der «Blick» heraus, dass Proto hinter der Mail steckte und nicht Weinsteins Anwälte.

Und der Italiener ist kein unbeschriebenes Blatt; er ist ein bekannter Hochstapler – und steht sogar dazu.

Proto selber behauptet, dass er mit Immobiliengeschäften jährlich 200 Millionen Euro umsetzt. Die Methode: Er erzählt ahnungslosen Anlegern, dass er bereits diverse Villen an Prominente vermittelt haben soll. Zum Beispiel eine Wohnung in Verona an Leonardo DiCaprio oder eine Villa im Tessin an Johnny Depp. So sollen die Anleger falsches Vertrauen schöpfen – und Proto ihr Geld anvertrauen.

Davon erzählt Alessandro Proto in seinem Buch, das erst letzte Woche erschienen ist. Es trägt den Namen: «Ich bin ein Schwindler.» Darin behauptet er: «Es braucht keine Fakten, um Erfolg zu haben. Es reicht, sie zu erfinden und dafür zu sorgen, dass andere sie für wahr halten.»

Proto ist freilich nicht der Erste, der nach diesem Motto durchs Leben zieht. Diese sieben Hochstapler und Betrüger haben ihre Mitmenschen ebenfalls gründlich übers Ohr gehauen. 

Victor Lustig

Einer der talentiertesten Trickbetrüger und Hochstapler war Victor Lustig. Er ist bekannt als «der Mann, der den Eiffelturm verkaufte». 

Lustig wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in Böhmen auf. Er sprach mehrere Sprachen fliessend und soll ein äusserst charmanter Kerl gewesen sein. Wegen Diebstahls wanderte er bereits in seinen jungen Jahren mehrere Male in den Knast. So auch in Zürich im Jahr 1912. 

Vor dem Ersten Weltkrieg verdiente Lustig sein Geld unter anderem damit, auf Überseeschiffen Passagiere beim Kartenspiel auszutricksen. Davon liess er sich auch nicht abbringen, als ihm ein eifersüchtiger Mitspieler eine grosse Wunde neben dem linken Auge zufügte. Die Narbe sollte zu seinem Merkmal werden.

1920 setzte Lustig nach New York über und machte mit seinen Betrügereien dicke Kohle. Lustig gab sich als Graf aus und verkaufte vermeintliche Gelddruckmaschinen, welche nach seinen Angaben 100-Dollar-Noten drucken würden. Die Fake-Maschinen soll er für nicht weniger als 30'000 Dollar vertickt haben.

Sein grösster Coup gelang ihm jedoch im Jahr 1925. Lustig las einen Zeitungsartikel über Abrisspläne des Eiffelturms. Dies brachte den Betrüger auf eine Idee: Er gab sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums aus und fälschte eine Ausschreibung, die den Verkauf des Eiffelturms anbot.

Lustig verschickte Einladungen an Pariser Schrotthändler, die Interesse am Metall des Pariser Wahrzeichens hatten. Er traf diese in einem noblen Hotel und fand alsbald einen Käufer. Dieser überreichte Lustig einen Betrag von  50'000 US-Dollar. Damit setzte sich der Betrüger umgehend nach Wien ab. 

Für Lustig kam es gar noch besser: Da der Schwindel für den Käufer derart peinlich war, verzichtete dieser sogar auf eine Anzeige bei der Polizei.

Christophe Thierry Rocancourt

bild: bfmtv

«Ich habe nie etwas gestohlen. Nie. Ich habe gelogen, aber nie gestohlen», sagte Christophe Rocancourt im Jahr 2009 in einem Gefängnis in Vancouver. 

Doch gelogen hat der Franzose, da wäre Pinocchios Nase so lange geworden, man hätte damit wahrscheinlich den Mond kitzeln können. Den Start legte Rocancourt in Paris hin. Er fälschte eine Grundstücksurkunde – und verkaufte diese für 1.4 Millionen US-Dollar.

Fünf Mal wurde er in Frankreich für seine Betrügereien verurteilt, als ihm die sechste Verhaftung drohte, flüchtete er in die Vereinigten Staaten. Nachdem er dort die Prominenz in Hollywood – darunter Jean-Claude Van Damme und Mickey Rourke – an der Nase herumgeführt hatte, zog es ihn nach New York. 

Im Big Apple gab er sich als französischer Verwandter der Rockefeller-Familie aus. Damit brachte er diverse Leute dazu, in seine Projekte zu investieren, welche es in Tat und Wahrheit gar nicht gab.

Insgesamt habe er mit seinen Betrügereien wohl schon 40 Millionen US-Dollar verdient, so Rocancourt in einem Interview im Jahr 2006. Dafür schlüpfte er in die Rollen von über zwölf Personen.

Arnaud du Tilh

bild: hoaxes.org

Drehen wir das Rad der Geschichte etwas zurück. Und zwar ins Jahr 1548. Es ist das Jahr des Verschwindens von Martin Guerre. Der 24-Jährige lebte mit seiner wohlhabenden Frau Betrande in Artigat, einem Dorf in den französischen Pyrenäen. Zusammen hatten sie einen Sohn. Doch eines Tages war Guerre nach einem Streit mit seinem Vater plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

Es dauerte geschlagene acht Jahre, bis Martin Guerre wieder auftauchte. Doch es war nicht der Echte, sondern Arnaud du Tilh aus dem Nachbardorf Sajas. Dieser gab sich jedoch als Guerre aus und konnte so genaue Details aus dessen Leben erzählen, dass die Leute aus Artigat ihm Glauben schenkten.

Und so lebte der falsche Guerre mehrere Jahre mit seiner alten bzw. neuen Ehefrau Bertrande zusammen, welche sich ebenfalls täuschen liess. Zusammen zeugten sie sogar zwei Kinder

Als es jedoch plötzlich um Erbstreitereien ging, wurde ein Teil der Familie plötzlich skeptisch und zog mit dem falschen Guerre mehrere Male vor Gericht. Gerüchten zufolge habe der richtige Guerre nämlich im Krieg sein Bein verloren und sei jetzt mit einem Holzbein unterwegs. 

Schliesslich kam es in Toulouse zu einem spektakulären Prozess, bei dem es der falsche Guerre es fast geschafft hätte, sich aus der Affäre zu argumentieren. Doch kurz vor dem Freispruch tauchte plötzlich der richtige Martin Guerre auf – mit einem Holzbein. Du Tilh wurde in der Folge zum Tode verurteilt. Noch während der Urteilsverkündung soll er jedoch seine Unschuld beteuert haben. 

Milli Vanilli

Ende der 80er- und zu Beginn der 90er-Jahre war «Milli Vanilli» eine der grössten Bands auf Erden. Fab Morvan und Rob Pilatus standen auf der Bühne, im Hintergrund zog die deutsche Produzenten-Legende Frank Farian die Fäden. Pilatus verglich sich mit Musiker-Grössen wie Paul McCartney oder Elvis Presley. Doch in Tat und Wahrheit konnte er gar nicht wirklich gut singen. 

Denn alles, was er und sein Kollege auf der Bühne taten, war ein bisschen zu tanzen und die Lippen zu bewegen. Die ganze Show lief Playback. Davon wusste das Publikum jedoch nichts und so erhielt das Duo im Jahr 1990 für ihr zweites Album den «Grammy Award».

Bei einem Auftritt in den USA kam es dann jedoch zur grossen Panne: Das Playbackband blieb stehen. Und so sah das Publikum, dass die beiden Superstars gar nicht selber singen. Der «Grammy Award» wurde der Band in der Folge aberkannt. 

Anna Anderson

Die Frau, die später als Anna Anderson bekannt wurde, versuchte im Jahr 1920, mit einem Sprung von einer Brücke in Berlin, ihr Leben zu beenden. Doch sie wurde gerettet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Zwei Jahre später behauptete sie, dass sie die russische Zarentocher Anastasia Nikolajewna Romanowa sei.

Bis dahin wurde vermutet, dass die Tochter des letzten russischen Zares im Juli 1918 zusammen mit ihrer Familie ermordet wurde. Bis zu ihrem Lebensende im Jahr 1984 sagte Anna Anderson, die eigentlich Franziska Schanzkowska hiess und eine Bauerntocher war, jedoch das Gegenteil. Die Boulevardpresse glaubte ihr.

Es dauerte bis in die 90er-Jahre, ehe mittels DNA-Test bewiesen werden konnte, dass es sich bei Anna Anderson nicht um eine Zaren-Tochter handelte. Unklar blieb jedoch lange Zeit, ob Anderson wegen der Nervenkrankheit wirklich glaubte, Grossfürstin Anastasia zu sein, oder ob die Ärzte in der Klinik sie dazu zwangen, in jene Rolle zu schlüpfen. Neuere Untersuchungen lassen Letzteres vermuten. 

Frank Abagnale

Frank Abagnale: Der ehemalige Betrüger arbeitet seit den 70er-Jahren mit den Behörden zusammen. Bild: AP/The Hutchinson News

Der Film «Catch me if you can» basiert auf der Geschichte von Frank Abagnale. In seinen jungen Jahren eröffnete er in New York ein Girokonto, mit dem er an Blankochecks kam, die er in Bargeld umtauschen wollte. 

Damit keine grossen Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen würden, gab sich Abagnale als Co-Pilot der Airline Pan-Am aus. Unterwegs war er unter dem Namen Frank Williams. 

Die Rolle als Pilot diente Abagnale nicht nur, um vertrauenswürdig daher zu kommen, sondern auch um Katz-und-Maus mit der Polizei zu spielen. Das FBI suchte Abagnale als Scheckbetrüger – doch der Hochstapler konnte den Behörden dank kostenlosen Flügen für Personal immer wieder entkommen. 

Abagnale hinterliess einen immensen Schaden: In allen 50 US-Bundesstaaten und weiteren 26 Ländern ergaunerte er sich 2.5 Millionen US-Dollar. Und was machte er damit? Natürlich seinen extravaganten Lebensstil pflegen. 

Richtig übel zur Kasse wurde Abagnale nie gebeten. Zwar landete der Betrüger im Gefängnis, doch die US-Regierung bot ihm eine vorzeitige Freilassung an – unter der Bedingung, dass er seine Kenntnisse preisgab und mit dem FBI zusammenarbeiten würde. Abagnale nahm den Deal an. 

Rémi Gaillard

Und zum Schluss noch eine schillernde Figur aus der Welt des Sports: Rémi Gaillard. Der Franzose kann zwar nicht unbedingt als Hochstapler bezeichnet werden. Doch die Art und Weise, wie sich der Komiker immer wieder ins Rampenlicht schummelt, würde auch den oben genannten Personen ein anerkennendes Nicken abverlangen. Sofern sie denn noch leben.

Unvergessen, wie Gaillard sich als Spieler der französischen Volleyball-Nati ausgab, sich aufs Feld schlich und voller Leidenschaft die Marseillaise sang. 

Rémi Gaillard lässt sich als Cup-Sieger feiern.  Video: YouTube/Rémi GAILLARD

Für einen besonders denkwürdigen Moment sorgte Gaillard nach dem französischen Cup-Final zwischen Lorient und Bastia im Jahr 2002. Der Komiker schlich sich mitten in die Siegerehrung der Fussballer und feierte mit Lorient mit. Gaillard hielt sogar den Pokal in die Höhe und machte bei der Ehrenrunde mit. Die Mitspieler bemerkten nichts – und dies obschon der Spassvogel ein altes Tenü anhatte. (cma)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Statler 05.12.2017 09:03
    Highlight Soweit ich weiss, hat Lustig den Deal mit dem Eiffelturm sogar zwei Mal durchgezogen. Chapeau! ;)
    4 0 Melden
  • sambeat 04.12.2017 22:27
    Highlight Ein ehrlicher Schwindler! Würde man einem Computer diese Aussage eingeben, würde dieser wahrscheinlich in Rauch aufgehen 😂
    3 1 Melden
  • BLCNY 04.12.2017 21:02
    Highlight Man merke; traue nie einem Franzosen😂
    72 1 Melden

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