Wissen

Die Baikalrobbe ist eine der wenigen Robbenarten, die im Süsswasser lebt. Bild: wikimedia commons

140 tote Robben angeschwemmt – rätselhaftes Massensterben am Baikalsee

04.11.17, 09:00 04.11.17, 09:28

Sie gilt als Wahrzeichen des Baikalsees: die seltene Baikalrobbe. Mit ihren dunklen Knopfaugen ist die ausschliesslich im grossen sibirischen Süsswassersee heimische Art beliebt bei Touristen. Ein mysteriöses Massensterben löst nun Besorgnis aus.

Seit Tagen suchen Experten nach der Ursache des Massensterbens. Russische Behörden und Biologen befürchten eine Epidemie. Am Baikalsee seien in den vergangenen Tagen mehr als 140 tote Exemplare der seltenen Tierart angeschwemmt worden, teilten die Behörden in Irkutsk am Freitag mit. «Alle gefundenen Kadaver sind von erwachsenen und kräftigen Tieren, 80 Prozent von ihnen sind trächtige Weibchen», hiess es.

Bericht über die Epidemie auf einem russischen Fernsehsender

Video: YouTube/TOK

Gefährdete Robbenart

Die Baikalrobbe ist eine der wenigen Robbenarten, die im Süsswasser leben. Sie kommt ausschliesslich im Baikalsee vor. Dieser ist mit einer Länge von mehr als 600 Kilometern und einer Tiefe von mehr als 1600 Metern der grösste Süsswasserspeicher der Erde und ein beliebtes Touristenziel.

Die russischen Behörden schätzen den Bestand der Baikalrobben auf rund 128'000. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Roten Liste gefährdeter Arten in der Kategorie «Geringste Bedenken».

Seit 1980 ist der Fang aber streng reglementiert. Ende der 1980er Jahre waren nach Expertenangaben rund 7500 Baikalrobben an der Staupe gestorben, einer Viruserkrankung, die vor allem von Hunden übertragen wird.

Die toten Tiere wurden in den vergangenen Tagen im Gebiet Irkutsk im Süden des Baikalsees sowie in der benachbarten Republik Burjatien am Ostufer angeschwemmt. Zunächst war von rund 130 Kadavern die Rede, am Freitag wurden weitere entdeckt.

Keine Krankheitserreger entdeckt

Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, gründeten mehrere Behörden eine gemeinsame Kommission. Bislang hätten Laboruntersuchungen keine Klarheit über die Gründe gebracht, teilte die Gebietsverwaltung mit. Bekannt sei nur, dass Krankheitserreger wie etwa Viren nicht gefunden worden seien.

Ersten Analysen zufolge starben die Robben an Herzstillstand. Auffällig war, dass der Magen-Darm-Trakt vieler untersuchter Exemplare leer war. Sie könnten an Unterernährung gestorben sein, sagte Sergej Grochotow vom Veterinäramt in Irkutsk der Agentur Tass.

Unklar blieb, wieso die Tiere möglicherweise nicht gefressen hatten. Daher wurden Wasserproben und Teile der Nahrungskette untersucht. Die Baikalrobbe ernährt sich unter anderem von Fischen.

Zwar war zunächst nichts über eine für Mensch und Tier gefährliche Krankheit bekannt. Dennoch wollten die Behörden einer Gefährdung vorbeugen.

«Fell und Fleisch der toten Robben dürfen nicht für den Hausgebrauch verwendet werden», warnte die Staatsanwaltschaft. Agenturen hatten zuvor berichtet, dass Anwohner das Fleisch an Hunde verfüttert hätten und Fett und Fell der Tiere nutzen wollten. (sda/dpa)

Das sind einige der am meisten gefährdeten Tierarten

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • URSS 04.11.2017 11:59
    Highlight Bienen sterben , Robben sterben, Eisbären sterben, Insekten sterben...
    Bei mir im Garten war vor 20 Jahren jeden Morgen ein Vogelgezwitscher.
    Heute höre ich noch hie und da eine einsame Amsel oder ein paar Spatzen. Seltsamerweise werden die überall auch weniger.
    Und Tauben in Zürich? Bahnhof Enge ? Keine mehr. Stadelhofen? Leer.
    Es ist traurig das dieser Planet und seine Tiere wegsterben.
    Wir Menschen sind für den Organismus Erde ein bösartiger Krebs der so Metastasiert das es leider für diesen Planeten zu spät ist um sich zu erholen. Der Krebs tötet seinen Wirt.
    33 9 Melden
    • B1O 04.11.2017 15:07
      Highlight Weniger Tauben und Spatzen? Ich glaube kaum das sich ihre subjektive Wahrnehmung an 2 Bahnhöfen auf den ganzen Planeten beziehen lässt.
      11 3 Melden
  • Jein 04.11.2017 10:15
    Highlight Erinnert an das Seehundsterben in der Ost- und Nordsee, das betraf auch trächtige Weibchen besonders stark. Auch auffällig dass die ebenfalls in der Region heimischen Saiga-Gazellen in den letzten Jahren auch von unerklärten Massensterben betroffen sind.
    19 1 Melden

Geht doch! Costa Rica lebt seit 300 Tagen von Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien

Costa Rica ist der Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Seit 300 Tagen deckt das Land den Strombedarf mit erneuerbarer Energie ab und setzt somit den Plan der Regierung um, bis 2021 ganz ohne fossile Brennstoffe auszukommen. 

Bereits 2015 erzeugte der zentralamerikanische Staat 299 Tage lang 100 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Um das Ziel 2021 zu erreichen, baute Costa Rica das grösste und leistungsstärkste Wasserkraftwerk Mittelamerikas.

Wenn die Turbinen des …

Artikel lesen