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Heisse Schwefelquellen in Yellowstone: Die Magmahitze des Untergrunds wärmt Grundwasser. Schwefel und andere vulkanische Substanzen färben die heissen Quellen in Yellowstone. Bild: PD

Supervulkan Yellowstone kartiert: Genug Magma für den Weltuntergang

Ein Ausbruch des Supervulkans unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA könnte die Welt in eine Katastrophe stürzen. Geologen haben den Magmavorrat erstmals kartiert – er hat gigantische Ausmasse. 

24.04.15, 17:42

Axel Bojanowski



Ein Artikel von

Es ist alles angerichtet für den Weltuntergang: Unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA schlummert ein gigantischer Vulkan. Doch kein Bergkegel, nur sprudelnde Heisswasserquellen und Schwefelgeruch verraten die drohende Apokalypse. Bei der letzten grossen Eruption vor 640'000 Jahren stürzte der Boden ein und hinterliess einen Krater von der Grösse Korsikas, den Yellowstone-Park. Seither gab es nur kleine Ausbrüche.

Eine erneute Supereruption würde monströse Wolken aus Säure und Asche produzieren und das Klima dramatisch kühlen; jahrelang gäbe es extreme Ernteeinbussen, heisst es in einem Gutachten der Geological Society of London für die britische Regierung von vor zehn Jahren. Die Warnung der Forscher: Bereits eine Ascheschicht von einem Zentimeter vernichtet den Ernteertrag eines Feldes.

Genügend Material für die Apokalypse ist vorhanden – das zeigen neue Bilder des Untergrundes, die mithilfe von Erdbebenwellen gewonnen wurden. Ähnlich wie Röntgenstrahlen queren die Wellen den Untergrund – ihre Reflexionen zeichnen Bilder der Tiefe.

Im Innern des Yellowstone-Vulkans

Für die Studie haben Forscher um Hsin-Hua Huang von der University of Utah die Daten von lokalen und internationalen Erdbebensensoren verbunden. In bisher unerreichter Genauigkeit zeigen sie den Aufstrom heissen Gesteinbreis unter dem Yellowstone-Park:

Die Menge des kartierten Magmas entspreche ungefähr bisherigen Schätzungen, schreiben die Wissenschaftler. Die nun entdeckte Magmakammer sei bereits vermutet worden: Die grossen Gasmengen, die in Yellowstone gemessen werden, hätten sich ohne das zusätzliche Reservoir kaum erklären lassen.

Unter dem Yellowstone-Vulkan schwele weitaus mehr Magma als angenommen, hatte eine andere Studie kürzlich festgestellt. Doch die Forscher lieferten die Beruhigung gleich mit: Der Explosivstoff liege gut verstaut im Untergrund, eine grössere Eruption stünde nicht bevor.

Unter dem Yellowstone-Park: Die Quelle des Vulkans liegt in wenigstens 440 Kilometer Tiefe. Von dort wächst eine 80 Kilometer breite heisse Säule bis in 60 Kilometer Tiefe. Wie eine Herdplatte wärmt der platte, fast 500 Kilometer breite Kopf der Säule darüber liegendes Gestein. Durch Spalten quillt Magma nach oben, es sammelt sich in einer Kammer in 45 bis 20 Kilometer Tiefe, die nun erstmals kartiert wurde.  Bild: Hsin-Hua Huang, University of Utah

Wie hoch ist das Risiko?

Die neuen Erdbebendaten zeigen, dass das Gestein unter dem Yellowstone-Nationalpark zwar extrem heiss ist, aber zu weniger als einem Zehntel flüssig: Das Magma läge in einzelnen Blasen in Felsporen eingeschlossen wie in einem steinernen Schwamm.

Um grössere Mengen in Bewegung zu setzen, müsste sich der Untergrund grundlegend wandeln. Erst wenn etwa 40 Prozent einer Magmakammer geschmolzen sind, verhält sich der Brei wie eine Flüssigkeit. Doch auch grosse Mengen Gas können Magma mobil machen.

Die Wahrscheinlichkeit für eine grosse Eruption liege im Jahr bei 1:700'000, erklärt der Geologische Dienst der USA. Alarmierende Veränderungen, sind Geologen überzeugt, würden sich aber frühzeitig an der Oberfläche bemerkbar machen.

Gas würde vermehrt austreten, die Erde würde noch häufiger beben als ohnehin schon in Yellowstone. Und schliesslich würde sich der Boden wahrscheinlich wölben über dem Aufstrom von Magma.

Es könnte schnell gehen

Das könnte allerdings auch recht schnell gehen, wie eine Studie vor drei Jahren nahegelegt hat. Das Magma sammelt sich demnach nicht stetig, sondern strömt in Schüben nach oben: Ein Gutteil des Reservoirs eines Supervulkans füllt sich binnen Jahrzehnten.

Selbst binnen einigen Monaten könnten grosse Magmamengen nachströmen und letztlich den Ausbruch auslösen, berichtete die Forschergruppe um Timothy Druitt von der Blaise-Pascal-Universität im französischen Clermont-Ferrand.

Entsprechend kurz wäre die Vorwarnzeit. Würden Alarmzeichen beobachtet, wäre allerdings unklar, welche Massnahmen getroffen werden müssten. Notfallpläne, mahnte die Geological Society of London in ihrem Regierungsgutachten, gebe es nicht. 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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