Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

George Stinney Jr. bei seiner Verhaftung 1944. George wog knapp 40 Kilo und war 157 cm gross.   Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Nach 70 Jahren entlastet

Dieser 14-jährige Junge wurde 1944 zum Tode verurteilt. Das hätte nicht passieren dürfen 

George Stinney Jr. wurde 1944 in South Carolina wegen Mordes zum Tode verurteilt und exekutiert. Jetzt wurde er entlastet. 

17.12.14, 23:31 18.12.14, 10:18

Kennen Sie George Stinney Jr.? Nein? Kein Wunder, denn George Stinney ist seit 70 Jahren tot. Der afroamerikanische Junge war 14 Jahre alt, als ihn ein Geschworenengericht am 16. Juni 1944 im US-Bundesstaat South Carolina des Mordes an zwei weissen Mädchen für schuldig befand. George Stinneys kurze Leben endete auf dem elektrischen Stuhl.

Der Junge war erst 14 Jahre alt. Er musste sich während seiner Exekution auf Telefonbücher setzen, weil er so klein war. Er wog knapp 40 Kilo. Die Bibel hielt er unter seinem Arm.

Die Exekution, filmisch umgesetzt. Ausschnitt aus: Carolina Skeletons, 1991. ziffulmyer/youtube

George Stinney Jr. erlangte traurige Berühmtheit – er ist die jüngste Person, an der im 20. Jahrhundert in den USA die Todesstrafe vollzogen wurde. 

Doch was wurde George Stinney Jr. genau vorgeworfen?

Am 23. März 1944 soll er die 11-jährige Betty June Binnicker und die 8-jährige Mary Emma Thames in Alcolu erschlagen haben. Alcolu ist ein Kaff im tiefen Süden der USA, wo Schwarze und Weisse fein säuberlich durch die Bahnlinie, die durch das Städtchen lief, segregiert waren. Die beiden weissen Mädchen fuhren ihre Velos über die Trennlinie und erkundigten sich bei den Stinneys, wo eine bestimmte Blume zu finden sei.

Wenig später entdeckte man die beiden Mädchen. Erschlagen im Sumpf.

George Stinney Jr. wurde unter dringendem Tatverdacht verhaftet. Weil der schwarze Junge mit den weissen Mädchen gesprochen hatte. Das reichte den 12 weissen Geschworenen, den Jungen nur drei Monate nach dem Verbrechen zu verurteilen. Ohne jegliche Beweise. Der Prozess dauerte drei Stunden. Das Urteil wurde innerhalb von 10 Minuten gesprochen. Schuldig. Elektrischer Stuhl.

Der Fall George Stinney Jr., im Comic erzählt

YouTube/Chris Hampson

2009 hat Georges Schwester in einer eidesstattlichen Erklärung ausgesagt, dass sie am Tage des Verbrechens mit ihrem Bruder zusammen war. Er habe das Verbrechen gar nicht begangen können.

Bürgerrechtsanwälte haben Jahre damit verbracht, den Fall wieder aufzurollen. Ihr Argument: George Stinney Jr.s Geständnis sei herausgepresst worden. Er habe nie einen fairen Prozess erhalten. Es habe keine Zeugen gegeben. Und keine Beweise.

Die Schwester von George im Januar dieses Jahres: «Sie nahmen meinen Bruder weg und ich habe meine Mutter nie mehr lachen gesehen.» Bild: RANDALL HILL/REUTERS

Am 17. Dezember 2014, 70 Jahre nach der Exekution, wurde klein George entlastet.

Richterin Carmen Mullen schreibt in einem Statement: «Es gibt kein grösseres Unrecht.» Er hätte nicht exekutiert werden dürfen.

Zu spät für George Stinney Jr.

(kub)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kaiserin 20.12.2014 09:01
    Highlight Viel hat sich nicht geändert... Es werden immer noch Exekutionen vollzogen, manchmal an Schuldigen, manchmal an Unschuldigen.
    0 0 Melden
  • HabbyHab 18.12.2014 10:54
    Highlight Tja, so ist das mit der Todesstrafe.
    3 0 Melden
  • Yelina 18.12.2014 09:00
    Highlight Und der wahre Schuldige hatte wahrscheinlich ein glückliches, langes Leben... :-(
    5 0 Melden
  • Kfj 18.12.2014 02:20
    Highlight Also doch ein Schurkenstat !
    7 0 Melden

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

Artikel lesen