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bild: http://sciencythoughts.blogspot.ch//JPL Small Body Database.

Puh, das war knapp (in Weltraumdistanz): Asteroid «2016 QA2» verfehlte Erde um 84'000 Kilometer

In der Nacht zum Sonntag ist ein etwa 35 Meter grosser Asteroid ziemlich knapp an der Erde vorbeigeflogen. Entdeckt hatten ihn Astronomen erst wenige Stunden vorher.

30.08.16, 08:30 30.08.16, 09:12

Holger Dambeck / spiegel online

Ein Artikel von

Mehr als 600'000 Asteroiden haben Forscher im Sonnensystem schon aufgespürt. Und immer mal wieder gibt es einen, der der Erde besonders nahekommt. Am Sonntagmorgen gegen 03:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit war es wieder mal so weit: Ein Brocken mit dem Namen «2016 QA2» rauschte in nur etwa 84'000 Kilometern an der Erde vorbei.

84'000 Kilometer klingt nach einem sicheren Abstand, in kosmischen Dimensionen ist es eine Ministrecke. Der Erddurchmesser liegt bei 12'000 Kilometern, geostationäre Satelliten fliegen in 36'000 Kilometern Abstand, bis zum Mond sind es 380'000 Kilometer.

Annäherungen von Asteroiden bis auf wenige Zehntausend Kilometer gibt es immer wieder. Im Februar 2013 ermittelten Astronomen eine Distanz von nur 28'000 Kilometern, im September 2014 kam ein anderer Asteroid auf 40'000 Kilometer.

Zu klein zum Entdecken

Eine Warnung vorab gab es beim sonntäglichen Vorbeiflug nicht, denn Astronomen hatten den Asteroiden erst wenige Stunden zuvor überhaupt entdeckt. Er raste mit zehn Kilometern pro Sekunde heran. Wegen des spitzen Winkels zur Ebene des Erdorbits konnte er wohl nur in der Dämmerung erspäht werden, sagt Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit geschätzt 34 Metern Durchmesser war er zu klein, um ihn aus grösserem Abstand sehen zu können.

34 Meter Durchmesser – das klingt nach einem eher kleinen Objekt. Doch «2016 QA2» könnte auch über 50 Meter gross sein oder nur knapp 20 Meter – die Grösse lässt sich nicht präzise bestimmen. Hätte der Asteroid die Erde getroffen, wäre das kaum ohne Folgen geblieben.

«Objekte solcher Grösse können die Erde jederzeit und ohne Vorwarnung treffen»

Der Brocken, der am 15. Februar 2013 über der Stadt Tscheljabinsk explodiert war, war knapp 20 Meter gross. Die Scheiben Tausender Gebäude gingen zu Bruch, mehr als tausend Menschen wurden dabei verletzt.

Kondensstreifen eines Meteoriten über der Ortschaft Bolscho Sidelnikowo. Der Meteorit epxlodierte über der 50 Kilometer entfernten Stadt Tscheljabinsk. Bild: AP E1.ru

«Objekte solcher Grösse können die Erde jederzeit und ohne Vorwarnung treffen», sagt DLR-Wissenschaftler Harris, der Abwehrtechniken gegen gefährliche Asteroiden erforscht. «Solche Objekte können grössere Schäden anrichten.» Je nach Dichte und Zusammensetzung können sie auch die Erdoberfläche treffen und einen grossen Krater hinterlassen. «In einer bewohnten Gegend könnte es Tote geben», sagt Harris.

Letztlich kommt es auf die Energie an, die beim Eindringen in die Atmosphäre, dem Auseinanderbrechen und dem möglichen Einschlag freigesetzt wird. Darüber entscheiden die Masse des Brockens, das Material (Metall oder Gestein) sowie Flugbahn und Geschwindigkeit.

Aus der Bahn schubsen?

Tunguska-Ereignis: Der Brocken, der 1908 in der russischen Taiga einschlug, war vermutlich über hundert Meter gross. bild: wikicommons/leonidkulik

Als grösster Einschlag der jüngsten Zeit gilt das Tunguska-Ereignis am 30. Juni 1908. Damals kam es in der russischen Taiga am Fluss Tunguska zu einer gigantischen Explosion. Ein Hitzesturm knickte alle Bäume um – in einem Gebiet fast so gross wie das Saarland. Über hundert Meter gross könnte der Brocken damals gewesen sein.

«Einen schweren Satelliten mit hoher Geschwindigkeit auf den Asteroiden draufzuschiessen, ist die technisch einfachste Art, den Asteroiden so aus der Bahn zu schubsen»

Würde ein ähnliches Objekt sich heute der Erde nähern, wäre die Menschheit weitgehend machtlos. Es gibt zwar Ideen für eine mögliche Asteroidenabwehr. Man könnte die sogenannten erdnahen Objekte zerstören, etwa mit Wasserstoffbomben. Man könnte sie auch von ihrer Bahn ablenken.

«Einen schweren Satelliten mit hoher Geschwindigkeit auf den Asteroiden draufzuschiessen, ist die technisch einfachste Art, den Asteroiden so aus der Bahn zu schubsen», meint etwa Esa-Mitarbeiter Detlef Koschny. Doch von einer Erprobung solcher Methoden, der erste Schritt zum Aufbau eines Abwehrsystems, ist man noch weit entfernt.

Ablenken kann man zudem nur Objekte, von denen man weiss und deren Bahn man genau kennt. Und schon das ist ein Problem, wie der Fall des Asteroiden «2016 QA2» zeigt. «Es gibt Umlaufbahnen, die sich nur schwer von der Erde aus beobachten lassen», sagt DLR-Experte Harris. «Vielleicht müssen wir Satelliten im All positionieren, die das übernehmen.»

Auf jeden Fall haben die Asteroidenjäger noch viel zu tun. Denn schon bald wird der nächste Brocken auftauchen, der unserer Erde nahekommt. Hoffentlich nicht zu nah.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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12
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bonnehome 30.08.2016 11:59
    Highlight Zu QA2 2016

    Abstand: 89,758,727m
    3 0 Melden
  • Bonnehome 30.08.2016 11:53
    Highlight Habe Daten bis zum 06.09.16:

    ZB.:
    Am 29.8.16

    2016HC3
    Abstand: 17,173 km
    Geschwindigkeit: 41.9 km
    Durchmesser: 280-620m

    Am 30.08.16

    2008JV19
    Abstand: 17,673km
    Geschwindigkeit: 38,448km
    Durchmesser: 180-410
    3 1 Melden
  • kleiner_Schurke 30.08.2016 11:30
    Highlight Ein Thema das an den Grünen und den Klimahysterikern vollkommen vorbei geht. Bei einem Treffer brauchen wir uns um das Klima keine Gedanken mehr zu machen. Es gibt eben eine Klimahysterie-Industrie von der Politiker, und die ganze Klimaforschung profitieren und keine Asteroiden-Industrie.
    8 22 Melden
    • Schne 30.08.2016 12:45
      Highlight Das Thema wird von sämtlichen Politikern ignoriert. Der Zusammenhang mit der Klimaveränderung erschliesst sich mir nicht.
      10 1 Melden
    • kleiner_Schurke 30.08.2016 13:03
      Highlight Welthungergangs-Klima Szenarien sind allgegenwärtig in den Medien. An Klimagipfeln treffen sich 10'000ende Politiker und “Fachleute“, beschliessen Klimaziele usw. mit drastischen Auswirkungen. An meinem Wohnort ist es z.b. nicht mehr möglich Atomstrom zu kaufen, die “Energie-Stadt“ hat beschlossen das Klima zu retten und verkauft nur noch teuren “grünen“ Strom. Man setzt auf Langsamverkehr usw. Die wesentlich dramatischeren Auswirkungen eines Asteroiden-Einschlags werden noch nicht mal bedacht. Wahrscheinlich wissen die verantwortliche Politiker nicht einmal was ein Asteroid ist.
      4 11 Melden
    • Lowend 30.08.2016 13:26
      Highlight Schurkischer Whataboutism in Reinform!
      10 2 Melden
    • Duweisches 30.08.2016 13:33
      Highlight Hier jetzt aber Lokalpolitik (kein Atomstrom etc.) und internationale Klimakonferenzen durcheinanderzuwürfeln bringt genauso wenig wie Klimawandel und die Gefährdung durch Asteroiden gegeneinander auszuspielen.
      Natürlich braucht es keinen Umweltschutz, wenn die Menschheit morgen ausgelöscht wird. Lässt sich aber nicht vorher sagen.
      Wir alle werden Sterben, wieso essen wir also? Macht doch keinen Sinn, wir sterben sowieso...
      7 1 Melden
    • kleiner_Schurke 30.08.2016 14:35
      Highlight Man könnte die Sache ja etwas ausgewogener gestalten. Anstatt dem total Klima Aktivismus zu frönen und den eigenen Kühlschrank auf 8°C zu stellen, in der Hoffnung damit die Menschheit zu retten, könnte man die Lage realistisch beurteilen und merken, dass die Energiewende in vollem Gang ist. Wem an der Erde und der Natur etwas liegt, der fokussiert sich nicht krampfartig auf ein einziges opportunes Thema, der öffnet die Augen für alle Probleme. Natürlich ist es nicht jedem gegeben die Abzockerei in Namen des Klimaschutzes zu erkennen.
      1 7 Melden
    • kleiner_Schurke 30.08.2016 14:35
      Highlight Das Problem mit den Asteroiden hingegen ist ein Killerproblem. Dazu werden wir unter Umständen keine grossen Konferenzen abhalten können, endlos lamentieren wie wir denn nun die “Asteroiden-Ziele“ festlegen wollen und dergleichen. Dieses Problem könnte sehr schnell sehr akut werden.

      Vergleichbar ist das mit Menschen die sehr auf das Feinstoffliche bedacht sind , nur naturnahe Homöopathische Medis essen, daneben aber Rauchen und in Lauterbrunnen von der Klippe springen. Auf der einen Seite übersensibel, gleichzeitig aber grob ignorant.
      3 8 Melden
    • rodolofo 31.08.2016 10:25
      Highlight @ kleiner Schurke
      Was "die Grünen" betreiben, hat mit einer "Klimahysterie" gar nichts zu tun, sehr viel aber mit einer langfristig denkenden, emotionalen Intelligenz.
      Es ist schlicht unmöglich, dass wir einen Lebensstil fortführen, der mit seinem Ressourcen-Verbrauch etwa drei Planeten Erde bräuchte, da wir "nur" eine Erde zur Verfügung haben!
      Erfreulicher Nebeneffekt einer "Grünen Wirtschaft", über die wir schon bald abstimmen können, wäre, dass das Tempo der Klimaveränderung gedrosselt würde, was es wiederum Flora und Fauna erleichtern würde, sich an diese Veränderungen anzupassen.
      3 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.08.2016 10:46
      Highlight @kleiner_Schurke: Natürlich kennt die Wissenschaft, die Politik und die Grünen die Gefahr von Asteroiden. Aber was will man an einem Klima-Gipfel dagegen tun. Weniger Autofahren bremst keinen Asteroiden.

      Die Gefahren aus dem All sind allgegenwärtig. Es könnte auch plötzlich ein Gamma-Strahl einer Supernova die Erde treffen. Das könnte theoretisch schon nächste Woche passieren oder aber erst in 300 Mio. Jahren.

      Wir haben auf vieles keinen Einfluss in unserem Universum. Ein gewisses Risiko besteht immer.
      4 0 Melden
    • SemperFi 07.09.2016 11:02
      Highlight Das eine tun und das andere nicht lassen ist wohl das Motto. Andererseit ist es möglich, dass bei unserer aktuellen Lebensweise gar keine Menschen mehr da sind, wenn DER Killer-Meteorit kommt. Den Klimawandel hingegen erleben die meisten von uns noch hautnah mit (übrigens unabhängig davon ob sie daran glauben oder nicht). Also ist das wohl das drängendere Problem.
      4 0 Melden

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