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epa04487462 A handout picture made available by the European Space Agency (ESA) on 13 November 2014 and made by the CIVA camera on Rosetta’s Philae lander, shows as the spacecraft have snapped a selfie with comet 67P/Churyumov–Gerasimenko from a distance of about 16 km from the surface of the comet. The image was taken on 07 October 2014 and captures the side of the Rosetta spacecraft and one of Rosetta’s 14 m-long solar wings, with the comet in the background. Two images with different exposure times were combined to bring out the faint details in this very high contrast situation. The comet's active ‘neck’ region is clearly visible, with streams of dust and gas extending away from the surface. ESA wrote a new chapter in the history of space exploration on 12 November 2014 by landing the probe Philae on the surface of a comet for the first time, marking the climax of a decade-long mission. But the mission encountered a problem after the lander failed to deploy anchors to keep the craft tethered to the comet.  EPA/ESA/Rosetta/Philae/CIVA Black and white only HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Selfie mit Komet: Die Aufnahme vom November 2014 zeigt eines der beiden 14 Meter langen Solarpaneele von Rosetta und den Kometen Tschuri im Hintergrund.  Bild: EPA/ESA

Kamikaze-Manöver: «Rosetta»-Sonde stürzt sich ins Verderben

Nach zwei Jahren beim Kometen Tschuri beendet die Sonde «Rosetta» ihre Mission mit einer Kamikaze-Aktion. Ihre letzten Stunden könnten die spannendsten werden.

Christoph Seidler



Ein Artikel von

Spiegel Online

Gut, dass man am Telefon nichts riechen kann. Das entspannt das Gespräch mit Sasha Lord ganz erheblich. Die junge Britin berichtet nämlich gerade von vergammelten Eiern, Katzenurin und Bittermandeln. «Wirklich ein toller Geruch, wenn man am Wochenende nach Hause geht», witzelt sie. Das muss dieser britische Humor sein, den immer alle so loben.

Lord arbeitet bei der englischen Firma Aroma Company. Und hat den beissenden Geruch im Auftrag von Wissenschaftlern hergestellt. Genauso stinkt es nämlich auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko – und herausgefunden haben das die Forscher dank der Kometensonde «Rosetta».

Sie umkreist den vier Kilometer messenden Kometen seit beinahe zwei Jahren, bald soll die Mission offiziell zu Ende gehen. Da wollen die beteiligten Forscher Bilanz ziehen – und der Öffentlichkeit noch einmal eindrücklich zeigen, welche Unmengen an Erkenntnissen die Sonde gebracht hat.

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko («Tschuri»)

«Rosetta» hat unter anderem herausgefunden, dass das Wasser auf dem Kometen sich chemisch von dem auf der Erde unterscheidet. Sie hat Sauerstoffmoleküle nachgewiesen und sogar die Aminosäure Glycin, einen Baustein des Lebens. Auf der Summer Science Exhibition der Royal Society in London wollen die Forscher in der kommenden Woche Infomaterial verteilen, das stilecht nach Tschurjumow-Gerassimenko duftet.

Bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) arbeiten die Fachleute derweil an den Planungen für das Ende der Mission: Am 30. September soll «Rosetta» auf der Oberfläche des Kometen landen – und wenn möglich dauerhaft parken. Nachdem der Kometenlander «Philae» bereits seit November 2014 dort liegt, wäre die Muttersonde der zweite Flugkörper von der Erde, der im grauen Staub des Kometen seine letzte Ruhe findet. Die Pläne gibt es bereits seit Längerem, nun hat die ESA sie konkretisiert.

Komet Tschuri: Wo ist «Philae»?

Sylvain Lodiot kümmert sich bei der ESA in Darmstadt um den Flugbetrieb der Sonde. «Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, welchen von zwei möglichen Landeorten wir auf dem Kometen wählen», sagt er im Gespräch. In jedem Fall soll er auf dem kleineren Teil von Tschurjumow-Gerassimenko liegen. Dessen Form ist immer wieder mit einer Badewannenente verglichen worden. Bleibt man bei diesem Bild, soll «Rosetta» also den Kopf der Ente ansteuern.

Das Aus für die Mission hat nach Angaben der ESA praktische Gründe: Zum einen wird die schon im Jahr 2004 gestartete Sonde nicht jünger – und damit immer fehleranfälliger. Zum anderen, und das ist wichtiger, bewegt sie sich mit dem Kometen immer weiter von der Sonne weg. Deshalb gibt es Probleme bei der Energieversorgung durch die beiden grossen Solarpaneele. Die aber liefern den Strom für die Heizungen, mit denen die Instrumente der Sonde vor dem Einfrieren geschützt werden.

Das genaue Enddatum der Mission kommt wiederum dadurch zustande, dass «Rosetta» und ihr Komet ab Anfang Oktober von der Erde aus gesehen hinter der Sonne ihre Bahn ziehen – und damit für Kommunikation nicht erreichbar wären. Auch in den Wochen zuvor sind die Datenübertragungsraten bereits sehr schlecht. 

«Bis wir keine Solarenergie mehr haben»

Ab 9. August wird der Kurs der Sonde also nach und nach geändert. Auf elliptischen Bahnen soll sie dem Kometen innerhalb von sechs Wochen immer näher kommen. Dabei soll das wackere Fluggerät, so hoffen die Wissenschaftler, besonders wertvolle Daten sammeln und besonders hoch aufgelöste Fotos machen. «Wir versuchen, so viel Beobachtungen wie möglich einzuschieben, bis wir keine Solarenergie mehr haben», so «Rosetta»-Projektwissenschaftler Matt Taylor.

Zwölf Stunden vor der geplanten Kollision gibt es dann das Signal für das finale Manöver. «Rosetta» soll mit einer Geschwindigkeit von 50 Zentimetern pro Sekunde auf dem Kometen landen, halb so schnell wie einst «Philae». Nicht besonders schnell sei das, sagt ESA-Experte Lodiot. Doch ob es langsam genug ist, dass die Sonde wegen der geringen Gravitationskraft nicht wieder zurück ins All federt, weiss auch keiner. Und es wird wohl auch niemand erfahren.

«Einmal auf der Oberfläche angekommen, werden wir den Transmitter ausschalten», sagt Lodiot. Eine Kommunikation mit der Erde ist dann nicht mehr möglich, selbst wenn die Technik den Crash überlebt und die Antenne zufälligerweise genau auf die Erde zeigt.

Bei der ESA zitiert man Regeln der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), wonach zum Ende einer Mission die Kommunikationsfrequenz sofort wieder freigegeben werden müsse. Dumm daran: Gesicherte Informationen zum endgültigen Schicksal der Sonde können die Erde so nicht mehr erreichen.

Es ist allerdings auch möglich, dass die Sonde gar nicht bis Ende September durchhält. In der Nähe des Kometen können die Instrumente, die für ihre Orientierung sorgen, durch Staub gestört werden. Ende Mai hatte «Rosetta» deswegen bereits für rund 24 Stunden vollautomatisch in einen Sicherheitsmodus geschaltet. Erst von der Erde blind ins All geschickte Kommandos konnten ihren Kurs wieder korrigieren.

Bei der ESA hält man es für möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, dass sich das Problem wiederholt – und die Planungen für ein kontrolliertes Ende der Mission durcheinander kommen.

Wird nun, mit dem absehbaren Ende von «Rosetta», der von ihr erschnüffelte Kometenduft hier auf der Erde zum Verkaufsschlager? Geruchsdesignerin Sasha Lord glaubt das nicht so recht. Ihre Firma habe schon viele ungewöhnliche Gerüche hergestellt – «Wikingerlager» oder «Mittelalterliches London» zum Beispiel. Aber der Komet sei schon sehr speziell. Aber wenn die Open University das Aroma von Tschurjumow-Gerassimenko ganz gross rausbringen wolle, stehe man auf jeden Fall bereit.

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