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Stalins Atombombe: Kämpfer an der unsichtbaren Front

Der sowjetische Geheimdienst verschaffte Moskau die Bombe – mithilfe von Spionen, deutschen Wissenschaftlern und Zwangsarbeitern.

16.08.15, 19:59 17.08.15, 10:21

Uwe Klussmann



epa04725434 Specialists prepare a copy of the Victory flag, that was raised by Soviet soldiers over the Reichstag in Berlin in May 1945, at the film studio 'Lenfilm' in St. Petersburg, Russia, 29 April 2015. The increased tenfold copy of the Victory flag will participate in the Victory Day parade marking the 70th anniversary of the USSR and it's Allies victory over Nazi Germany in World War II, on May 09.  EPA/ANATOLY MALTSEV

Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Das Lob für die Kollegen aus Moskau war «top secret» gestempelt und kam vom Klassenfeind. «Spionageaktivitäten», «deutsche technische Hilfe» und offen zugängliche westliche Wissenschaftsliteratur hätten «wesentliche Beiträge» für das sowjetische Atomprogramm geliefert, schrieben amerikanische Geheimdienstler am 16. Februar 1954 in ihrer offiziellen Einschätzung für den US-Präsidenten («National Intelligence Estimate»). Die Sowjetunion habe ihr Nuklearprogramm «mit einem hohen Grad an Kompetenz» umgesetzt.

Viereinhalb Jahre zuvor, am 29. August 1949, hatten die Sowjets auf einem Testgelände in der kasachischen Steppe erstmals eine Atombombe gezündet. Jahrelang hatten sowjetische, aber auch deutsche Wissenschaftler auf diesen Moment hingearbeitet.

Doch eine Schlüsselrolle beim Bau der Bombe spielten nicht die Forscher. Für die entscheidenden Erkenntnisse hatte das zweitälteste Gewerbe der Welt gesorgt, das die Moskauer wie kein anderer beherrschten. Spione im Westen, darunter Deutsche, Briten und Amerikaner, lieferten das Wissen, das es dem sowjetischen Riesenreich erlaubte, nur wenige Jahre nach den USA zur Atommacht aufzusteigen.

Der «Fuchs» im Schafspelz

Die Agenten mussten ein Versäumnis der Moskauer Führung ausgleichen. Die hatte bis Ende der Dreissigerjahre die Kernphysik vernachlässigt und zu spät deren Brisanz entdeckt. Erst als die amerikanischen Nuklearforscher ihre Erkenntnisse ab 1940 plötzlich nicht mehr publizierten, wurden die Sowjets hellhörig.

Alles deutete darauf hin, dass die USA an einem geheimen Projekt arbeiteten. Dazu passte eine Information der Londoner Residentur des sowjetischen Auslandsgeheimdienstes. Im September 1941 hatte der britische Diplomat Donald McLean, heimlicher Kommunist und Agent Moskaus, seinen Führungsoffizieren einen Bericht übergeben, den das britische Urankomitee für Premier Winston Churchill erstellt hatte. Durch weitere Quellen kamen die Sowjets zum Ergebnis, britische Atombomben könnten schon in zwei Jahren hergestellt werden.

Russian servicemen march during the Victory Day parade at Red Square in Moscow, Russia, May 9, 2015. Russia marks the 70th anniversary of the end of World War Two in Europe on Saturday with a military parade, showcasing new military hardware at a time when relations with the West have hit lows not seen since the Cold War. REUTERS/Host Photo Agency/RIA Novosti ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Bild: RIA NOVOSTI/REUTERS

Wenig später nahm die Londoner Sowjetbotschaft Kontakt zu einem Mann auf, der sich schnell als Top-Quelle erwies. Der deutsche Physiker Klaus Fuchs, Sohn eines protestantischen Theologen, war nach der Machtergreifung der Nazis von der SPD zur KPD gewechselt und nach Grossbritannien emigriert. Ab Mai 1941 arbeitete er an der Universität Birmingham für das britische Atomprojekt.

In London lernte er den deutschen Kommunisten und Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski kennen. Der bekannte später in seinen Memoiren, er habe regelmässig «dieses oder jenes», vor allem aber «politische und wirtschaftliche Analysen über die Situation in England» für seine Freunde in der sowjetischen Botschaft geschrieben.

Er war es auch, der den Sowjets Ende 1942 den Kontakt zu Fuchs vermittelte. Kuczynskis Schwester Ursula wurde die Verbindungsagentin. Sie erlebte Fuchs als «zurückhaltend und bescheiden». Beim ersten Treffen mit ihm gingen sie «nach dem illegalen altbewährten Liebespaarprinzip Arm in Arm spazieren», schrieb sie später in ihren Memoiren. Ursula Kuczynski arbeitete unter dem Decknamen «Sonja» für die Moskauer Militäraufklärung. Dort war man hocherfreut, als Fuchs 1943 beim amerikanischen Atomprogramm anheuerte.

Josef Stalin, General Secretary of the Communist Party of the Union of Soviet Socialist Republics, USSR, is shown in this Jan. 16, 1946 picture. The dictator died 50 years ago on March 5, 1953.   (KEYSTONE/AP Photo) ===  ===

Bild: AP

«Ohne ersichtliche Gemütsbewegung»

Die Laboratorien des Manhattan-Projekts in Los Alamos wurden zum Schwerpunktobjekt der sowjetischen Auslandsaufklärung. Um die Operation zu steuern, wurden die besten Männer als Diplomaten getarnt in die USA geschickt. Sie führten mehrere Dutzend Agenten, vor allem amerikanische Kommunisten, die aus politischen Gründen und nicht gegen Geld helfen wollten.

Frauen wie Leontine («Lona») Cohen, die als konspirativer Kurier arbeitete. Die Kommunistin, nach ihrem Tode im Moskauer Exil zum «Helden der Russischen Föderation» ernannt, übermittelte eine Konstruktionszeichnung der amerikanischen Atombombe. Die hatte ihr der jüngste Wissenschaftler im Manhattan-Projekt verschafft, Theodor Alvin Hall (Deckname «der Junge»). Erst 1995 wurde seine Identität bekannt.

Zu den «Kämpfern an der unsichtbaren Front», wie sie in Moskau hiessen, gehörte auch das Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg. Beide riskierten ihr Leben für ein Land, das sie gar nicht kannten. Joel Barr, amerikanischer Kommunist und Sowjetagent, bescheinigte seinem Freund Julius Rosenberg, der habe «alles Mögliche von Marx bis Stalin gelesen» und sei vom nahen Untergang des Kapitalismus überzeugt gewesen.

In der Moskauer Geheimdienstzentrale Lubjanka fasste Pawel Fitin, der Chef der Auslandsaufklärung, die Meldungen seiner Spione aus Übersee zusammen. Im März 1942 schrieb der 32-jährige Offizier einen Bericht an Sowjet-Diktator Josef Stalin über die «Ausarbeitung von Methoden über die Verwendung von Uran für neuen Sprengstoff». Im November 1944 unterzeichnete Fitin einen Bericht («Enormos») über ausländische Atomprogramme. Das US-Bombenprogramm entwickle sich «sehr erfolgreich», hiess es da.

US-Präsident Truman konnte nicht ahnen, dass es ihm kaum gelingen würde, Stalin am 24. Juli 1945 auf der Siegerkonferenz in Potsdam mit «etwas Vertraulichem» zu verblüffen. Die USA, so Truman, hätten eine «Waffe mit grosser Zerstörungskraft» entwickelt. Der sowjetische Diktator, so schilderte es der spätere Aussenminister Andrej Gromyko in seinen Erinnerungen, habe die Nachricht «ruhig und ohne ersichtliche Gemütsbewegung aufgenommen».

«Schlimmer als Mord»

Am 30. Oktober 1961 testete die Sowjetregierung auf der Insel Nowaja Semlja mit der Wasserstoffbombe RDS-220, der sogenannten Zar-Bombe, die stŠrkste jemals gezŸndete ihrer Art und verursachten die grš§te von Menschen erzeugte Explosion.Das Bild stammt aus einem dokumentarischen Animationsvideo Ÿber die

Die Amerikaner erkannten bald, dass sie ausspioniert wurden. Im September 1945 lief der Ukrainer Igor Gusenko, sowjetischer Chiffrieroffizier an der Botschaft im kanadischen Ottawa, zu den Westalliierten über. Seine Flucht markiert den Beginn des Kalten Krieges.

Gusenko hatte 250 Geheimdokumente mitgehen lassen, die Kanadiern und Amerikanern das ganze Ausmass der Spionageaktivitäten zeigten. Zudem gelang es britischen und amerikanischen Diensten, geheime Funksprüche der Sowjets zu dechiffrieren. Im Juni 1950 verhaftete das FBI Julius Rosenberg und im August auch seine Frau Ethel. 1950 setzten die Briten Klaus Fuchs fest.

Obwohl die Rolle der Rosenbergs wohl eher klein war, verurteilte ein US-Gericht das Ehepaar im April 1951 zum Tode. Der Prozess spiegelte die hasserfüllte Atmosphäre des Kalten Krieges wider. «Ich halte Ihr Verbrechen für schlimmer als Mord», sagte Richter Irving Kaufman und warf den Angeklagten eine «diabolische Verschwörung zur Vernichtung dieser gottesfürchtigen Nation» vor. Weltweite Proteste gegen das Urteil, darunter von Albert Einstein und Jean-Paul Sartre, beeindruckten die US-Justiz nicht. Selbst die Mahnung von Papst Pius XII., die Rosenbergs am Leben zu lassen, verhallte wirkungslos. Am 19. Juni 1953 wurden Julius und Ethel Rosenberg im New Yorker Gefängnis Sing Sing auf einem elektrischen Stuhl hingerichtet.

Da war die Sowjetunion längst Atommacht. Angesichts der Erkenntnisse über den US-Atombombenbau hatte Stalin im September 1942 die Bildung eines staatlichen Uran-Komitees angeordnet. So entstand das «Laboratorium Nr. 2» der Akademie der Wissenschaften in Moskau. Dort begann im Februar 1943 unmittelbar nach dem Sieg in Stalingrad ein Team von Kernphysikern mit der Arbeit.

Es waren junge Wissenschaftler zwischen 30 und 40, die Igor Kurtschatow, Jahrgang 1903, um sich versammelte. Zur Einstimmung auf die Arbeit las der zum Akademiemitglied aufgestiegene Chef des Projekts innerhalb eines Monats mehr als 3000 Seiten, die Geheimdienstchef Lawrentij Berija von seinen Spionen bekommen hatte. Zweckmässigerweise hatte Stalin Berija zum Oberaufseher des sowjetischen Atomprogramms ernannt.

«Stellen Sie die Bombe her»

Noch bis kurz vor Kriegsende arbeiteten die Sowjets an ihrem Atomprojekt mit weit bescheideneren Mitteln als die Amerikaner. So waren im «Laboratorium Nr. 2» im April 1944 nur 74 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 25 Wissenschaftler. In einem Beschwerdebrief an Berija klagte Kurtschatow im September 1944 über die schlechte Ausstattung seines Teams: «Die Lage der Dinge bleibt völlig unbefriedigend.» Erst 1945 kam das sowjetische Atomprogramm in Schwung. Der Sieg über Hitler setzte Ressourcen frei. Zudem eröffneten die Informationen der Agenten nun direkt den Weg zur Bombe. So erhielt Kurtschatow im April 1945 detaillierte Daten über den Zündmechanismus.

Die Nachricht von der Detonation der amerikanischen Bombe am 16. Juli 1945 erreichte die sowjetische Führung innerhalb eines Tages. Wenige Wochen später wurde Kurtschatow im August 1945 von Stalin in den Kreml eingeladen: «Das Gleichgewicht ist gestört. Stellen Sie die Bombe her – sie wird eine grosse Gefahr von uns nehmen.» Das war das Startsignal. Ein immer noch hungerndes Land versuchte in einer enormen Kraftanstrengung, so schnell wie möglich mit den USA gleichzuziehen. Bald schuf sich Moskau eine Atomwirtschaft, die an die Dimensionen des Manhattan-Projekts heranreichte.

Fabriken und ganze Städte wurden aus dem Boden gestampft. «Tscheljabinsk-40», wo der erste sowjetische Atomreaktor entstand. Oder die heutige Stadt Sarow bei Nischni Nowgorod (Geheimname «Arsamas-16»), Standort einer der Atomfabriken. Dort wurden allein von 1946 bis 1950 rund 350 Gebäude für die Atomsiedlung gebaut.

Dabei zwang der Sowjetstaat auch Gefangene aus den Lagern des Gulag zum Einsatz, vor allem beim Bau von Gebäuden und Strassen. 2012 veröffentlichten Mitarbeiter des Sarower Atomforschungszentrums die Dokumentation «Das Sowjetische Atomprojekt». Dort beschreibt ein Zeitzeuge, was sich hinter dem offiziellen Begriff des «Spezialkontingents» von Arbeitern verbarg: «Es gab Kolonnen von Gefangenen, begleitet von bewaffneten Soldaten und Hunden.» Die Zwangsarbeiter hatten «finstere Gesichter, abgewetzte, schmutzige Kleidung». Sie seien «schlimmer als Tiere behandelt» worden. Zu Beginn des Jahres 1947 arbeiteten im Atomprojekt in Sarow 9737 Gulag-Häftlinge, darunter 1818 Frauen.

Festschmaus für die Atomforscher

Angenehm dagegen hatten es die deutschen Kernphysiker, die nach Kriegsende von den Sowjets rekrutiert wurden. Drei Gruppen deutscher Wissenschaftler halfen bei der Entwicklung des Atomprogramms: Ein Team um Nikolaus Riehl, das sich mit der Herstellung reinen Urans befasste, und die Gruppen von Gustav Hertz und Manfred von Ardenne vom deutschen Kaiser-Wilhelm-Institut, die an der für die Urananreicherung wichtigen Isotopen-Trennung arbeiteten.

Awramij Sawenjagin, Generalleutnant der Staatssicherheit und Vize des berüchtigten Geheimdienstchefs Berija, machte Anfang Mai 1945 von seinem Stabsquartier in Berlin-Friedrichshagen aus Jagd nach deutschen Nuklearphysikern. Der kahlköpfige General hatte Ende der Dreissigerjahre in der Eiseskälte des nordrussischen Norilsk ein Bergbaukombinat mit 19'000 Gulag-Gefangenen kommandiert.

Gegenüber den Physikern aus dem besiegten Deutschland aber gab er sich warmherzig. So warb er Manfred von Ardenne für eine langfristige Arbeit in der Sowjetunion. Schon zwei Tage später flog der Baron mit Ehefrau vom Berliner Flughafen Tempelhof in einer sowjetischen Maschine nach Moskau.

Dort erwartete ihn in einer Staatsdatscha im Silberwald am Nordwestrand Moskaus ein gut gedeckter Tisch. «Kräftige Suppe mit Sahne, gebratene Hühner, dazu hellstes Weissbrot, Butter, Aufschnitt in Fülle, mehrere Sorten Käse, Dessert, Wein, Wodka, Bier und Kaffee», erinnerte sich Ardenne in seinen Memoiren. Der Wissenschaftler gab sich nach eigenen Worten «den dargebotenen Genüssen hin», wenn auch «mit dem Gedanken an unsere ausgehungerten Angehörigen zu Hause».

70 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima

Mitte August 1945 eröffnete Generaloberst Sawenjagin seinem Gast, die fürstliche Bewirtung habe ihren Preis. Ardenne und andere deutsche Forscher sollten der Sowjetunion helfen, die Atombombe zu bauen. Der Baron, politisch ein virtuoser Opportunist, bekundete später, «dass die Entscheidung unwiderruflich war und im Interesse des Weltfriedens lag».

«Äusserst liebenswürdig»

Die Sowjets brachten den Forscher standesgemäss in einer zweigeschossigen Villa am Schwarzen Meer unter, in der kaukasischen Teilrepublik Abchasien. An der abchasischen Riviera waren neben Ardenne auch andere deutsche Forscher tätig: Nikolaus Riehl, Gustav Hertz, Max Steenbeck, Max Volmer und Peter Adolf Thiessen. Die Sowjets zahlten den Deutschen weit höhere Gehälter als ihren einheimischen Spezialisten.

Örtlichen Mitarbeitern fielen die Deutschen durch ihren Arbeitseifer auf. «Die waren unglaublich fleissig und begannen immer um neun Uhr», berichtete der Zeitzeuge Jefim Andrejeschtschew später in einer russischen Fernsehdokumentation («Bombe für die Sieger»).

Das vom Krieg verschonte, subtropische Abchasien wirkte auf die Gäste aus dem zerbombten Deutschland mit seinen Palmen, Bambushainen, Oleanderbüschen, Weinreben und Mandarinen wie das Paradies. Ardenne-Sohn Thomas, der in Suchumi aufwuchs, schwärmte noch Jahrzehnte später: «Abchasien wurde meine zweite Heimat.» Doch das Leben in Stalins Diktatur war auch bedrückend. Der Physiker Max Steenbeck schilderte in seinen 1977 in der DDR publizierten Memoiren ungewohnt offen das «ständige Beobachtetwerden» und die «Depressionen über die vorhandene Lage», die sich «gelegentlich bis zur Verzweiflung» gesteigert haben.

Denn die Deutschen durften ihre umzäunte Siedlung nur mit einem offiziellen Begleiter verlassen. Jedes bei der Arbeit beschriebene Stück Papier wurde nummeriert und musste Abends abgegeben werden. Briefe nach Deutschland wurden zensiert, und die Forscher durften nicht mitteilen, wo sie sich befanden. Zudem war die Post oft mehrere Monate lang unterwegs.

Geheimdienstchef Berija aber gab sich bei Treffen mit den deutschen Forschern «äusserst liebenswürdig», sogar «ausgesprochen charmant», berichtete Nikolaus Riehl in seinen Erinnerungen («Zehn Jahre im Goldenen Käfig»). Erst Mitte der Fünfzigerjahre konnten die Forscher nach Deutschland zurückkehren. Riehl ging in die Bundesrepublik, Ardenne, Steenbeck, Volmer und Thiessen in die DDR. Die deutschen Physiker hatten ihren Beitrag geleistet.

Bei der ersten Explosion einer sowjetischen Atomwaffe war keiner von ihnen dabei. Am 29. August 1949 zündeten die Sowjets im kasachischen Semipalatinsk bei Tagesanbruch die Bombe. Lawrentij Berija und Igor Kurtschatow waren Augenzeugen. Vier Jahre später, am 12. August 1953, warf ein IL-28-Bomber über dem Testgelände bei Semipalatinsk die erste sowjetische Wasserstoffbombe ab.

Doch dieses Mal konnte Berija nicht dabei sein. Stalins Grossinquisitor hatte das Schicksal vieler seiner Opfer ereilt. Am 26. Juni 1953 war er auf einer Sitzung der Sowjetführung verhaftet worden, er wurde in einem Geheimprozess zum Tode verurteilt und am 23. Dezember 1953 erschossen.

Im Jahr darauf empfahl die Grosse Sowjetenzyklopädie ihren Abonnenten, die Seite mit Berijas Porträt herauszutrennen, «mit einem Messer oder mit einer Rasierklinge».

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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