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Ein schwedisches Kriegsschiff auf der Suche nach dem mysteriösen Eindringling. Bild: TT NEWS AGENCY

Mysteriöses U-Boot

MiGs und jede Menge U-Boote – das alles ist dem russischen Militär schon abhanden gekommen

Ein angeblich russisches U-Boot in schwedischen Gewässern sorgt für Aufregung. Es soll in Seenot geraten sein. Schon zu Zeiten der Sowjetunion gab es wiederholt ähnliche Fälle.

Vor der Küste Stockholms ist möglicherweise ein russisches U-Boot in Seenot geraten. Laut der Zeitung «Svenska Dagbladet» hat die schwedische Funküberwachung auf einer üblicherweise von Russland genutzten Frequenz einen Notruf in russischer Sprache abgefangen. Moskau wies die Medienberichte zurück und behauptete, es handle sich um ein niederländisches U-Boot. Was wiederum vom Verteidigungsministerium in Den Haag prompt dementiert wurde.

Im Kalten Krieg hatten U-Boot-Sichtungen vor der Küste Schwedens immer wieder für Aufregung gesorgt. Sollte es sich tatsächlich um ein russisches Schiff handeln, so würde sich der Vorfall in eine unrühmliche Tradition einreihen. Schon zu Zeiten der Sowjetunion gab es wiederholt gravierende U-Boot-Unfälle. Auch anderes Kriegsgerät kam der roten Armee abhanden. Einige bekannte Fälle:

1961: K-19

Das erste nuklear angetriebene U-Boot der sowjetischen Marine erwies sich von Beginn an als ausgesprochen pannenanfällig. Auf einer der ersten Fahrten kam es bereits zur Katastrophe: Am 4. Juli 1961 fiel unweit der norwegischen Insel Jan Mayen das Kühlsystem des Reaktors aus. Es drohte eine Kernschmelze, im schlimmsten Fall sogar eine atomare Explosion.

Das sowjetische Atom-U-Boot K-19, das 1961 knapp einer atomaren Katastrophe entging.

K-19 wurde nach mehreren Unfällen 1990 ausgemustert.

Auf Anweisung des Kapitäns begaben sich acht Besatzungsmitglieder in den Reaktorraum, um eine provisorische Notkühlung zu installieren. Das Desaster konnte abgewendet werden, doch die acht Männer starben innerhalb von wenigen Wochen an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Der Beinahe-GAU wurde 2002 unter dem Titel «K-19: The Widowmaker» mit Harrison Ford in der Rolle des Kapitäns verfilmt.

1962: B-37

Das dieselbetriebene U-Boot lag in seinem Heimathafen Poljarny, als es am 11. Januar 1962 im Torpedoraum zu einem Brand kam. Zwölf Torpedos explodierten durch Selbstzündung, 59 Besatzungsmitglieder und 73 Personen in der näheren Umgebung kamen ums Leben. Mit 132 Toten handelt es sich um das weltweit verlustreichste U-Boot-Unglück seit dem Zweiten Weltkrieg.

1968: K-129

K-129 war ein konventionell betriebenes, mit Nuklearwaffen bestücktes U-Boot. Am 8. März 1968 sank es unter ungeklärten Umständen im nördlichen Pazifik. 96 Personen an Bord kamen ums Leben.

FILE - In this Aug. 29, 1975, file photo the Glomar Explorer is seen off the coast of Catalina Island, Calif.  In August 1974 the ship fished a sunken Soviet nuclear-armed submarine out of the Pacific Ocean depths, took what it could of the wreck, and made off to Hawaii with its purloined prize.  Over 30 years later the CIA is finally shedding light on Project Azorian, but minus the juicy details. (AP Photo/File)

Die Glomar Explorer sollte das gesunkene U-Boot bergen. Bild: AP

Der US-Geheimdienst CIA und die amerikanische Marine versuchten 1974 im Azorian-Projekt, das gesunkene Boot mit dem Bergungsschiff Glomar Explorer, das angeblich zum Untersee-Abbau von Erz im Einsatz war, zu heben. Doch das in 5000 Metern Tiefe liegende Wrack zerbrach beim Versuch, es mit einem Greifarm an die Oberfläche zu bringen. Nur ein Teil konnte geborgen werden.



1976: MiG-25

Die Sowjetunion verlor nicht nur Schiffe. Am 6. September 1976 desertierte der Militärpilot Wiktor Belenko mit seiner MiG-25 nach Japan. Für den Westen war es ein grosser Fang: Erstmals konnte er das damals modernste sowjetische Kampfflugzeug eingehend untersuchen. 

MiG-25, mit der Pilot Wiktor Belenko am 6. September 1976 nach Japan überlief.

Die MiG-25 nach der Landung in Japan.

Dabei zeigte sich, dass die gefürchtete MiG-25 keine ernsthafte Bedrohung für die amerikanischen Jets war. Das Flugzeug wurde den Sowjets zurückgegeben – in seine Einzelteile zerlegt. Belenko erhielt Asyl in den USA.

1981: U-137

Der aktuelle Vorfall in Schweden weckt unweigerlich Erinnerungen an U-137. Das sowjetische U-Boot der Whisky-Klasse, so der Codename der Nato, lief am 22. November 1981 an der felsigen Küste unweit des schwedischen Marinestützpunkts Karlskrona auf Grund. Was westliche Medien zum Wortspiel «Whisky on the Rocks» animierte.

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Schwedischer Fernsehbeitrag über das havarierte U-Boot. video: YouTube/KorvMackan2424

Für den Kreml war der Vorfall eine enorme Peinlichkeit. Das U-Boot befand sich offenkundig auf Spionagemission, doch der Kapitän behauptete, der Kompass sei kaputtgegangen. Nach zehn Tagen wurde U-137 weggeschleppt und an die Sowjets übergeben.

1989: K-278

Das nuklear betriebene Versuchs-U-Boot existierte nur in einem Exemplar. Es trug den Namen Komsomolez, benannt nach der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei. Am 7. April 1989 brach im Nordmeer zwischen Norwegen und Spitzbergen Feuer an Bord aus. Die Besatzung konnte das Boot an die Wasseroberfläche bringen, doch der Brand liess sich nicht löschen.

Das sowjetische Versuchs-U-Boot K.278 sank im April 1989 im Nordmeer mit zwei nuklear bestückten Torpedos an Bord.

K-278 liegt noch immer auf dem Meeresgrund. Bild: wikimedia commons

Nach mehrstündigem Kampf zerbrach die Hülle. K-278 sank, 42 der 69 Besatzungsmitglieder starben. An Bord befanden sich zwei Torpedos mit Atomsprengköpfen. Das Wrack wurde mit einer Schutzhülle notdürftig abgedichtet, dennoch gilt es als tickende Zeitbombe.

1989: MiG-29

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Crash der MiG-29 in Le Bourget. video: YOuTube/Amazing Info TV

Kampfflugzeuge sowjetischer Bauart galten als notorisch pannenanfällig. Häufig stürzten sie ab, selten allerdings so spektakulär wie am 8. Juni 1989 an der Paris Air Show auf dem Flughafen Le Bourget. Der damals modernste Kampfjet, eine MiG-29, bohrte sich senkrecht in den Boden. Der Pilot konnte sich in letzter Sekunde mit dem Schleudersitz retten und kam wie durch ein Wunder ohne schwere Verletzungen davon. Im gleichen Jahr flüchtete ein anderer Pilot mit seiner MiG-29 in die Türkei. Er erhielt Asyl in den USA, das Flugzeug wurde zurückgegeben.

2000: K-141 «Kursk»

Undated picture of the fated-'Kursk' submarine in her mooring in the base of Vidyayevo. The President declared 23 August as a day of national mourning for the dead crew, but canceled all official ceremonies, in accordance with the relatives' requests. (KEYSTONE/EPA PHOTO)

Die «Kursk» in einer undatierten Aufnahme. Bild: EPA

Der schwerste Unglück nach dem Zerfall der Sowjetunion ereignete sich am 12. August 2000. Das russische Atom-U-Boot «Kursk» nahm in der Barentsee an einem Manöver teil, als sich an Bord eine Explosion ereignete. Vermutlich war das Triebwerk eines Übungstorpedos zu früh eingeschaltet worden. Die «Kursk» sank, alle 118 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Ein Jahr später wurde das Schiff durch niederländische Spezialfirmen gehoben. Die «Kursk» ist das einzige Atom-U-Boot sowjetischer Bauart, das geborgen werden konnte.

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