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Zum Jahreswechsel blicken wir 100 Jahre zurück: 1915 gab es noch eine 5-Franken-Note und Österreich war eine Grossmacht

31.12.15, 12:00 04.01.16, 10:38

2015 ist Geschichte. Flüchtlingskrise, Terror, Frankenstärke, FIFA-Skandal – zahlreiche Ereignisse bewegten uns und prägten das Jahr. Wie schnell sich die Welt verändert, zeigt ein Blick zurück ins Jahr 1915 – vor nur gerade hundert Jahren war manches ganz anders:  

Die Höchstgeschwindigkeit für Autos betrug 18 km/h und entsprach damit der Geschwindigkeit einer Pferdekutsche.

Zürich, Bahnhofplatz (1915).
bild via suissebook.ch

Das höchste Gebäude der Welt war der Eiffelturm in Paris (325 Meter).

Der Eiffelturm 1888 während der Konstruktion.
Bild: AP

In den Schweizer Portemonnaies gab es auch eine 5-Franken-Note.

Die 5-Franken-Note wurde erst 1980 zurückgerufen und war ab 2000 wertlos. 
Bild: Wikipedia

1 Liter Milch kostete 24 Rappen, 1 Kilo Brot 47 Rappen und 1 Kilo Tafelbutter 4.20 Franken.

Hauslieferdienste in Grenchen: Bäcker und Milchmann um 1915.
bild via museums-gesellschaft.ch

Schweinefleisch war teurer als Rindfleisch und Kalbfleisch. Ein Kilo kostete 2,79 Franken, Rindfleisch gab es für 2,28 Franken und Kalbfleisch für 2,60 Franken.

Die Fleischkühlhalle der Metzgerei Bell (1913).
bild via eso.uzh.ch

Die durchschnittlichen Jahresausgaben für Lebensmittel beliefen sich bei einer fünfköpfigen Familie auf 1237.05 Franken oder mehr als 40 Prozent des Haushaltsbudgets. 2012 waren es nur noch 6,8 Prozent.

bild via coop.ch

Ein Buchbinder verdiente durchschnittlich knapp 65 Rappen pro Stunde. Eine Buchbinderin kam nur auf 25 Rappen Stundenlohn.

bild via kino.de

Ein Schreiner hatte einen Stundenlohn von gut 64 Rappen, eine Näherin von 44 Rappen. Ein Drucker erhielt knapp 92 Rappen in der Stunde, ein Schlosser 66 Rappen.

Armeeschneiderei in Bern während des Ersten Weltkriegs.
bild. schweizerisches bundesarchiv

Es gab noch keine Kreuzworträtsel. Ebenso wenig kannten die Menschen damals Dosenbier oder Eistee.

So wurde 1915 Bier getrunken.
bild via allposters.de

Auch Radiosendungen gab es noch nicht.

Kinder tanzen zu Musik aus einem Grammophon von Thomas Edison (1915). 
bild via http://vinylespassion.tumblr.com

Ende 1915 zählte die Schweiz 3'860'635 Einwohner, 10'869 mehr als zu Beginn des Jahres. Heute sind es rund 8,3 Millionen.

Menschenmenge nach einem Defilee in Bern während des Ersten Weltkriegs.
bild: schweizerisches bundesarchiv

Der Zuwachs beruhte einzig auf dem Geburtenüberschuss von 24'021. Der Wanderungssaldo war negativ (-13'152). 1976 Menschen wanderten aus der Schweiz aus, davon 1547 in die USA und 156 nach Argentinien.

Einwanderer jubeln beim Anblick der Freiheitsstatue bei der Ankunft in New York.
bild: THE STATUE OF LIBERTY-ELLIS ISLAND FOUNDATION, INC./NATIONAL PARK SERVICE

Im selben Jahr hatte Frankreich rund 39 Millionen Einwohner. Kriegsgegner Deutschland hatte etwa 64 Millionen. Heute sind es 66 Millionen in Frankreich und 81 Millionen in Deutschland.

Bekanntgabe des Zustands der drohenden Kriegsgefahr in Berlin, Unter den Linden (1914).
bild: pd

Österreich-Ungarn war nach Russland der flächenmässig grösste Staat Europas.

Die Weltbevölkerung hatte mit 1800 Millionen die Zwei-Milliarden-Marke noch nicht erreicht. Heute sind wir über 7 Milliarden auf der Erde.

bild via youtube

Die USA hatten 1915 erstmals mehr als 100 Millionen Einwohner. Heute sind es über 320 Millionen.

Schiffsunglück auf dem Chicago River (1915).
Bild: AP / CHICAGO SUN TIMES

Führende Weltmacht war das Britische Empire, das beinahe einen Viertel der gesamten Landfläche der Erde umfasste.

Ausdehnung des Britischen Weltreichs um 1915. 
Karte: PD

Bern war mit 665'390 Personen der bevölkerungsreichste Kanton, in Zürich waren es nur 538'340. Der bevölkerungsmässig kleinste Kanton war mit 14'010 Einwohnern Nidwalden.

Infanteristen auf dem Bundesplatz in Bern während des Ersten Weltkriegs.
bild: schweizerisches bundesarchiv

Der Ausländeranteil war wegen des Ersten Weltkriegs von 14,7 Prozent (1910) auf rund 12 Prozent (1914) gesunken. Wichtigstes Herkunftsland war Deutschland. 2015 erreichte der Ausländeranteil 24,3 Prozent; die grösste Gruppe bilden die Italiener.

In der Schweiz interniert: Deutsche Kriegsgefangene in Weggis (1916).
bild via kartenplanet.ch

Mit dem Kriegseintritt Italiens war die Schweiz ganz von kriegführenden Staaten umgeben.

Beobachtungsposten an der Südgrenze im Ersten Weltkrieg.
bild: schweizerisches bundesarchiv

1915 ging der Erste Weltkrieg in sein zweites Jahr. Zum ersten Mal wurde Giftgas in einem Krieg eingesetzt.

Bild: Wikipedia

Der Simplontunnel war der längste Gebirgstunnel der Welt (20 km).

bild: pd

Es gab noch keine Sprühdosen.

Gemalt wurde mit Pinsel. Der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler 1915 in seinem Ateliergarten in Genf.
Bild: keystone/fotostiftung schweiz/gertrud dübi-müller

In der gesamten Schweiz wurden 19'527 Ehen geschlossen. Im gleichen Jahr gab es 1472 Scheidungen, davon 144 aufgrund von «Verbrechen und unehrenhaftem Lebenswandel».

bild via itencorinne.ch

77'931 Menschen wurden geboren. Nicht weniger als 2386 (3,1 %) davon waren Totgeburten. 3627 (4,7 %) Kinder wurden unehelich geboren – was damals als Makel galt. Letztes Jahr gab es 85'655 Geburten, davon lediglich 368 Totgeburten (0,4 %).

Kinderzimmer im Krankenhaus Bethanien um 1910.
bild via bethanien.ch

Die Lebenserwartung belief sich auf 55,1 Jahre bei Männern und 58,2 Jahre bei Frauen. Heute sind es 81,0 und 85,2 Jahre.

Krematorium Friedhof Sihlfeld Zürich (1916).
bild: stadt-zuerich.ch

106 Männer und 59 Frauen starben an Syphilis. Häufigste Todesursachen waren allerdings Tuberkulose, Lungenentzündung, Herzkrankheiten und Krebs.

Hinter einer verführerischen Maske versteckt: die Syphilis.
bild via unibe.ch

66 Männer und 16 Frauen starben, weil sie von einem Fuhrwerk, Veloziped oder Automobil überfahren wurden. Autos waren in 27 Fällen involviert. Letztes Jahr kamen auf Schweizer Strassen 243 Menschen ums Leben.

Autounfall in Berlin (1916).
bild via adverts.ie

14 Menschen, davon 11 Männer, wurden von der Eisenbahn überfahren. 6 Männer starben durch Sturz vom Pferd.

Eisenbahnunfall in Dietikon am 17. August 1915.
bild: pd

Mord- und Totschlag war die Todesursache bei 36 Männern und 17 Frauen. 1 Mann wurde hingerichtet. 2014 kamen 41 Menschen bei einem Tötungsdelikt ums Leben.

Kopie einer Guillotine im Historischen Museum Luzern.
bild: keystone

Insgesamt 3791 Männer und 585 Frauen waren als Strafgefangene in den verschiedenen Schweizer Gefängnissen inhaftiert. 2014 waren es insgesamt 6'923 Gefangene beiden Geschlechts.

Die kantonale Strafanstalt in Lenzburg (Ende 19. Jahrhundert).
bild. bundesamt für statistik

Der Hollywoodfilm «Geburt einer Nation» kam in die Kinos. Der künstlerisch einflussreiche, aber rassistische Film wurde zum finanziell erfolgreichsten Streifen der Stummfilmzeit.

Bild: Hulton Archive

Der Zwergplanet Pluto war noch nicht entdeckt.

bild: http://i.space.com

In den meisten Kantonen hatten Sozialhilfebezüger kein Wahlrecht. Auch das Frauenstimmrecht war 1915 nicht nur in der Schweiz in weiter Ferne: In Europa hatten es von den unabhängigen Staaten nur Norwegen und – gerade erst – Dänemark eingeführt.

Wahlplakat (1919).
bild: Graphische Sammlung N

Lehrerinnen in Zürich mussten zwei Unterröcke tragen, zudem sollten sie helle Kleider meiden.

Kleinkinderschule im Ersten Weltkrieg.
bild: schweizerisches bundesarchiv

Heroin war noch keine illegale Droge, sondern galt – trotz erster Warnungen vor der Suchtgefahr – als Wundermittel gegen eine ganze Reihe von Leiden wie Bluthochdruck oder Lungenkrankheiten.

Bild: PD

Quellen: Statistisches Jahrbuch der Schweiz 1916, Historisches Lexikon der Schweiz, Schweizerische Nationalbank (SNB), Schweizerischer Gewerkschaftsbund, Swissinfo.ch, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH), Wikipedia.

100 Jahre machen einen Unterschied – auch in der Mode: 

100 Jahre Damenmode: 1915 - 2015.
YouTube/Mode

100 Jahre Herrenmode: 1915 - 2015.
YouTube/Mode

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Ani_A 01.01.2016 08:10
    Highlight Noch mehr, noch mehr!
    9 0 Melden
  • Hierundjetzt 31.12.2015 14:34
    Highlight "Heroin", Name gesetzlich geschützt, Firma Bayer?

    Es ist definitiv schon einige Zeit her, das 1915....
    19 1 Melden
  • Gigi,Gigi 31.12.2015 14:04
    Highlight Die Zahl von 6,8% der durchschnittlichen Jahresausgaben im Haushaltsbudget für Lebensmittel bei einer fünfköpfigen Familie in der Jetztzeit habe ich auch schon in einer Statistik gesehen. Entweder ist diese komplett falsch (sehr wahrscheinlich), denn dies würde nur CHF 500.- entsprechen bei einem überdurchschnittlich! hohen Monatslohn von CHF 8'000.-. Oder die fünfköpfige! Durchschnittsfamilie ernährt sich ausschliesslich von altem Brot und Cervelats im Sonderangebot.

    28 4 Melden
    • dä dingsbums 31.12.2015 15:32
      Highlight Das kommt in etwa hin. Ich erfasse seit zwei Jahren sämtliche Ausgaben und Lebensmittel machen ungefähr 9% aus. Dabei nicht enthalten ist die Verpflegung am Arbeitsplatz sowie Restaurantbesuche.
      Wenn man nicht sehr viel Fleisch und Milchprodukte konsumiert und selber kocht, sind die Ausgaben für Lebensmittel erstaunlich gering.
      21 0 Melden
    • Gigi,Gigi 01.01.2016 13:25
      Highlight Lieber dä dingsbums
      Das kann für eine Einzelperson in etwa hinkommen. Aber für eine fünfköpfige Familie? Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 59000 CHF? Macht 422 CHF Franken pro Monat!! Und das ist schlicht nicht machbar.
      Bedenklich finde ich vor allem, dass diese Zahl direkt vom Bund stammen (zum Beispiel aus der Broschüre "Der Bund kurz erklärt"). Und offenbar gewisse Statistiker glauben, dass es tatsächlich möglich sei mit ein paar hundert Franken im Monat eine fünfköpfige Familie zu ernähren. (Meine beiden halbwüchsigen Söhne verfressen diese Summe allein an Brot / pro Monat.)
      2 1 Melden
    • Thomas_v_Meier 01.01.2016 14:37
      Highlight Ich habe mir die Aktuelle Broschüre (2015) angeschaut.

      6.3% der Haushalt(!!!)ausgaben werden durchschnittlich für Nahrungsmittel und nicht Alk.getränke ausgegeben.

      In Anbetracht das 64.2% der Haushalte Single oder Paare ohne Kinder ausmachen, machen diese 6.3% schon Sinn

      Woher Watson diese 5köpfige Familie her hat bleibt mir ein Rätsel
      2 0 Melden
    • dä dingsbums 01.01.2016 22:33
      Highlight @Gigi, Arosa: Meine Zahlen beziehen sich auch eine dreiköpfige Familie. Als ich die Ausgaben das erste Mal auswertete, war ich selber erstaunt darüber, dass wir weniger als 10% für Lebensmittel ausgeben.
      6.3% für eine 5-köpfige Familie wird wohl nicht aufgehen, aber ich denke die breite Masse kommt kaum über 15%. Kommt halt darauf an, wie man sich ernährt, wie gross der Lohn ist und ob beide Eltern arbeiten.
      1 0 Melden
  • Luca Brasi 31.12.2015 13:56
    Highlight Nicht zu vergessen: Die Schweiz hatte zu jener Zeit einen General, der in Hamburg geboren wurde, konsequent Hochdeutsch sprach und die Schweiz mit seiner Art auch zwischen Romandie und Deutschschweiz spaltete. Heute geht es im VBS weitaus entspannter zu und her. ;)
    36 1 Melden
  • Menel 31.12.2015 13:10
    Highlight Ich bin für die Wiedereinführung der Fünf-Frankennote 👍🏻
    44 10 Melden
    • ben_fliggo 01.01.2016 12:05
      Highlight Ich habe noch eine zuhause :)
      4 0 Melden
    • Gleis3Kasten9 01.01.2016 12:51
      Highlight Nein danke, es ist schon mühsam genug wenn 5 Euro-Noten alle Taschen verstopfen. Der 5er ist klein, kompakt und man kann sich toll darüber streiten ob das nun ein Senne oder doch Tell auf der Münze ist.
      1 1 Melden
    • Menel 01.01.2016 16:30
      Highlight Aber die 5chf Münzen sind so schwer 😳
      1 0 Melden
    • Tatwort 01.01.2016 17:40
      Highlight Also, Menel, wenn die so schwer sind, kannst Du Dich erleichtern und alle zu mir rüberschaufeln.
      0 0 Melden
  • Don Huber 31.12.2015 13:03
    Highlight Sehr interessanter Beitrag. Ich liebe so alte Bilder :-)
    41 0 Melden
  • Albright 31.12.2015 13:01
    Highlight Ist das bei Nr. 24 Xherdan Saqiris Urgrossvater? ;)
    36 2 Melden
    • ferminrdt 31.12.2015 14:36
      Highlight Grandios!
      7 0 Melden
    • Grave 31.12.2015 15:08
      Highlight sieht fast so aus als hätte sich der xherdan einen falschen schnauz angeklebt 😅
      7 0 Melden
    • lily.mcbean 31.12.2015 16:03
      Highlight HAHA danke musste jezt grad nochmal zurückscrollen und hab herzlichst gelacht!
      7 0 Melden
  • JJ17 31.12.2015 12:52
    Highlight Und das allerwichtigste ist wohl, dass die Farbe erfunden wurde. Mein Gott war das Leben zu dieser Zeit langweilig farblos!
    44 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 31.12.2015 12:46
    Highlight Besonders interssant sind die Zahlen zu Mord und Totschlag Anno 1915. Bei weniger als der Hälfte der heutigen Bevölkerung, gab es mehr Mord und Totschlag. Dazu sollte man noch die Prozente an Ausländern beachten, welcher 1915 bei 14% und 2015 bei 24% lag resp. liegt. Da soll mir doch mal einer der xenophoben SVP-Rassisten sagen früher, also vor dem PFZ,wäre alles besser gewesen.
    71 14 Melden
    • Thomas_v_Meier 01.01.2016 14:38
      Highlight Meine Gedanken!

      Aber hey früher war alles besser imphallllllllll!
      3 0 Melden

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