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Ein amerikanischer Soldat sucht mit seinem Spürhund nach japanischen «Holdouts» – Soldaten, die nach der Kapitulation des Kaiserreichs den Kampf fortführten – auf der Insel Biak, 1945. bild: historum

Wie ein Schweizer mit einer Kampfhunde-Armee die Japaner im 2. Weltkrieg bezwingen wollte

1942 wollten die Amerikaner die von den Japanern besetzten Pazifik-Inseln zurückerobern. Ein Schweizer sollte dies ermöglichen: mit dem Einsatz von Kampfhunden.

10.06.16, 10:13 12.06.16, 08:25

Am 6. Dezember 1941 schwor der Vizeadmiral der Kaiserlichen Japanischen Marine seine Männer ein letztes Mal auf den Angriff ein:

«Das Schicksal des Reiches hängt von dieser Operation ab. Jeder Mann muss sich seiner speziellen Aufgabe total hingeben.»

Vizeadmiral Nagumo

Am nächsten Tag lag der amerikanische Flottenstützpunkt Pearl Harbor in Schutt und Asche. 2403 Männer waren gefallen, 1178 verwundet, zwölf Schiffe waren gesunken und 164 Flugzeuge zerstört.

Mit dem Angriff auf Pearl Harbor weitete das Kaiserreich Japan den seit 1937 geführten Pazifikkrieg in den Zweiten Weltkrieg aus. Er war der Grund für den Kriegseintritt der USA. Bild: wikimedia

Danach brachten die Japaner ein riesiges Gebiet unter ihre Kontrolle: Zahlreiche pazifische Inseln hielten sie besetzt. Und die Amerikaner wollten sie zurück – aber auf eine Weise, die nicht unzähligen Menschen das Leben kosten sollte. 

Das war der Moment für William A. Prestre. Mit seiner Vision einer zwei Millionen Tiere starken Hundearmee tritt der in Santa Fe wohnhafte Schweizer auf die Kriegsbühne. 

Was, wenn nicht eine Horde Soldaten von der Bugrampe der Landungsschiffe springt, um über die Strände der besetzten Inseln vorzudringen? Was, wenn man stattdessen eine Horde bisswütiger Kampfhunde auf den gefürchteten Feind losliesse?

Auf Cat Island werden die Hunde für ihren Kriegseinsatz trainiert, 1942. bild: bslfourthward

Dem Pentagon gefiel Prestres Idee. Für das Geheimprojekt wurde ein Militärhundezentrum auf der kleinen Barriereinsel vor der Golfküste der Vereinigten Staaten eingerichtet. Und als wäre die ganze Geschichte nicht schon nebulös genug, trägt besagte Insel den Namen Cat Island. Was wiederum auf die Kappe der spanischen Entdecker geht, die die dort ansässigen Waschbären für Katzen hielten. 

Hunde für den Krieg einzusetzen, war nichts Neues: Sie wachten über die schlafenden Soldaten, spürten Minen oder versprengte feindliche Gruppen auf und überbrachten Nachrichten.

Ein deutscher Nachrichtenhund bringt während einer deutschen Offensive Neuigkeiten an die Front, 1918. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie kaum mehr eingesetzt, da die vorangeschrittene Technik es nicht mehr erforderte. bild: imgur

Ein Hund bewacht sein schlafendes Herrchen, Iwojima, 1945.  Bild: historum

Prestres Hunde aber sollten darauf abgerichtet werden, einen Japaner anhand seines Geruchs zu erkennen – und dann zu töten. Doch wie sollte man den Tieren sowas beibringen? 

Japanische Kriegsgefangene konnten dafür nicht verwendet werden, denn es gab keine. Sie liessen sich eher erschiessen als gefangen nehmen. Und von der Idee, dafür in den USA allein lebende Japaner einzusetzen, liess man ab – zu geschmacklos für manch ein Gemüt. Schliesslich kommandierte man 25 japanischstämmige US-Soldaten ab. Sie durften die «Köder» für die Hunde spielen. In dicke Schutzanzüge gesteckt und ausgerüstet mit Eishockey-Handschuhen. 

Für das Projekt von Prestre werden mindestens zwölf japanischstämmige US-Soldaten verlangt: Als «Köder» für die Hunde.   bild: pbs

Details zum Hundetrainingsplan der Streitkräfte. Beide Dokumente finden sich in den freigegebenen «Cat Island»-Akten des Nationalarchivs in Washington, D.C. bild: pbs

In einem Armeebericht über den Einsatz dieser auserwählten Männer steht:

«Obwohl ihre Aufgabe im Projekt eine sehr widerliche war und einige unter ihnen sogar schwere Bisswunden erlitten, so machten sie doch mit dem Training weiter, ohne zu klagen.»

Via Winston Groom, «1942» 

Hundetrainer auf Cat Island, 1942. bild: bslfourthward

William A. Prestres Angriffsplan

Dem Schweizer Hundetrainer schwebte vor, dass die Greyhounds die Attacke auf die besetzten Pazifik-Inseln aufgrund ihrer Schnelligkeit leiten würden. Dann sollten die Wolfshunde folgen, um die Verwirrung beim Feind zu steigern. Die Deutschen Doggen müssten dabei die Rolle der Hauptkiller spielen. Bloodhounds und andere Spürhunde sollten für Säuberungsaktionen eingesetzt werden.

Die Probleme machten also nicht die Soldaten, sondern die Hunde. Sie wollten partout nicht lernen, was man ihnen beizubringen hoffte. Und Prestre war am ganzen Desaster schuld: Denn abgesehen von seiner Fehlannahme, Japaner würden aufgrund ihres Geruchs von anderen Menschen zu unterscheiden sein, verwendete er ein Waldhorn, um zum Angriff zu blasen. Aber ausser Verwirrung stiftete er damit rein gar nichts.

Hunde vor ihren Zwingern auf Cat Island, 1942.
bild: imgur

Der Gefechtslärm war ebensowenig hilfreich. Er verängstigte die Tiere derart, dass sie sich nicht mehr kontrollieren liessen. Und manche von ihnen waren wohl einfach zu sanftmütig für diese Art von Aufgabe.

Das Millionenprojekt wurde eingestellt. Die Idee einer Hundearmee war an der Realität zerbrochen – und Prestre kehrte enttäuscht zurück nach Santa Fe. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thomas Bollinger (1) 12.06.2016 19:03
    Highlight Also mein (hundegotthabihnselig) Beagle hätte die Japaner reihenweise zu Tode gekuschelt.
    3 0 Melden
  • Alnothur 10.06.2016 22:46
    Highlight Interessant!
    Kleine Anmerkung am Rande: so ganz in Schutt und Asche lag Pearl Harbor am Ende eben doch nicht, und das war dann eines der Dinge, die Japan zum Verhängnis wurden :)
    6 0 Melden
  • pamayer 10.06.2016 13:43
    Highlight Nun gut.
    Dog training auf CAT island ist ja schon der brüller an sich.
    22 0 Melden
  • Luca Brasi 10.06.2016 12:03
    Highlight Was man/frau nicht alles so findet in den Quellen. Geschichte ist manchmal echt schräg.
    24 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.06.2016 11:20
    Highlight Starker Artikel!
    26 0 Melden
  • MaskedGaijin 10.06.2016 10:39
    Highlight "Und von der Idee, dafür in den USA allein lebende Japaner einzusetzen, liess man ab – zu geschmacklos für manch ein Gemüt..." Dafür steckte man die US-Japaner (inkl. Frauen und Kinder) in Internierungslager in der Wüste. Auch geschmacklos.
    39 1 Melden
    • pamayer 10.06.2016 13:42
      Highlight Aber offensichtlich weniger...

      Ist beides so was von jenseitig!
      7 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.06.2016 10:26
    Highlight Wieder mal ein interessanter Artikel. Der dazu doch wieder mal zeigt dass Tiere die besseren Menschen sein können. 😋
    25 7 Melden
    • SVARTGARD 10.06.2016 10:59
      Highlight Am Arsch mein Freund😂
      9 21 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.06.2016 11:23
      Highlight Naja... Das Tier versteckt sich nit hinter seiner angeblichen Intelligenz und Zivilisation. Es ist, wie es ist. Und dadurch auf eine (manchmal) grausame Art ehrlicher als mancher Mensch :).
      16 6 Melden

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