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Schülerin Klassenzimmer Schule Symbolbild

Benachteiligt: Mädchen werden in Physik schlechter benotet (Symbolbild). 
Bild: Shutterstock

Gleiche Leistung, schlechtere Noten: Mädchen werden im Physik-Unterricht benachteiligt



Lehrerinnen und Lehrer mit wenig Berufserfahrung benoten Mädchen bei gleicher Leistung in Physik oft schlechter als Knaben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der ETH Zürich.

Obwohl ein Mädchen eine Frage genau gleich wie ein Klassenkamerad beantwortet, muss es mit einer schlechteren Note rechnen. Solch unterschiedliche Bewertung komme im Fach Physik regelmässig vor, schrieb die ETH Zürich am Montag in einer Mitteilung.

«Lehrerinnen und Lehrer mit wenig Erfahrung lassen sich offenbar stärker von Kontextinformationen wie dem Geschlecht beeinflussen.»

Sarah Hofer, Lernforscherin

Die Lernforscherin Sarah Hofer bat 780 Lehrerinnen und Lehrer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, die in der Sekundarschule Physik unterrichten, eine nur zum Teil korrekte Prüfungsantwort aus der klassischen Mechanik zu benoten. Diese war in jedem Fall exakt gleich formuliert, aufgrund eines Einleitungstextes ging jedoch der eine Teil der Teilnehmenden davon aus, eine Schülerin zu bewerten, der andere hingegen von einem Schüler. Die Fragestellung der Studie war den Teilnehmenden nicht bekannt. 

0,7 Noten schlechter

Beim Vergleich der Noten stellte sich heraus, dass Lehrerinnen und Lehrer mit weniger als zehn Jahren Erfahrung das fiktive Mädchen schlechter bewerten als den fiktiven Schüler. Bei Lehrpersonen mit fünf oder weniger Jahren Berufserfahrung machte der Unterschied in der Schweiz 0,7 Noten aus – in Österreich sogar 0,9. Dagegen hatte das Geschlecht der Schüler bei Lehrerinnen und Lehrern, die seit mindestens zehn Jahren unterrichteten, keinen Einfluss auf die Benotung.

«Lehrerinnen und Lehrer mit wenig Erfahrung lassen sich offenbar stärker von Kontextinformationen wie dem Geschlecht beeinflussen», liess sich Hofer in der Mitteilung zitieren. Es sei bekannt, dass Vorurteile oder Stereotype bei der Bewertung dann zum Tragen kämen, wenn dem Bewertenden nicht genügend Informationen zur Verfügung stünden oder er stark beansprucht oder gar überfordert sei.

In Deutschland zeigte sich indes ein spezielles Bild: Während Lehrer die Schüler unabhängig vom Geschlecht gleich bewerteten, liessen sich Lehrerinnen von ihren Vorurteilen leiten. Bei weniger als fünf Jahren Berufserfahrung benoteten sie Mädchen fast eine ganze Note schlechter. Worauf diese Unterschiede beruhen, bleibt jedoch unklar. 

«Wenn man schon als Mädchen in der Schule das Gefühl kriegt, dass man in den Naturwissenschaften nicht gerecht benotet wird, dann verliert man eher das Interesse daran.»

Elsbeth Stern, ETH-Professorin

Verzerrte Bewertung bei Mädchen

ETH-Professorin Elsbeth Stern, in deren Forschungsgruppe Hofer arbeitet, sieht die Studienergebnisse im Kontext eines grundsätzlichen Problems. Die Noten für Mädchen spiegelten weniger gut ihre tatsächlichen Leistungen wider als die für Knaben. Mal würden sie zu gut benotet, mal zu schlecht. Das verzerre das Feedback für die erbrachte Leistung und erschwere den Mädchen die Orientierung, erklärte Stern in der Mitteilung der ETH.

«Wenn man schon als Mädchen in der Schule das Gefühl kriegt, dass man in den Naturwissenschaften nicht gerecht benotet wird, dann verliert man eher das Interesse daran», befürchtet Stern. 

Auch frühere Studien haben gezeigt, dass sich Schülerinnen in den Naturwissenschaften für die gleichen Noten mehr anstrengen müssen als Schüler. Diese Studien untersuchten jedoch hauptsächlich das Fach Mathematik. Für Physik und den deutschsprachigen Raum ist Hofers Studie die bisher umfassendste. Sie erschien kürzlich im «International Journal of Science Education». (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pitar 11.01.2016 21:02
    Highlight Highlight ich bin selber schüler und bei uns werden weder mädchen noch jungs bevorteilt, einzig einige jungs in meiner klasse kriegen ganz klar für gleiche vergehen wie mädchen schneller eine strafe.
  • koks 11.01.2016 20:39
    Highlight Highlight hey, ich hab ne studie gefunden die das gegenteil beweist:
    "Benachteiligte Grundschüler - Bessere Noten für Mädchen bei gleicher Leistung"
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/benachteiligte-grundschueler-bessere-noten-fuer-maedchen-bei-gleicher-leistung-1.827961
    • koks 11.01.2016 21:05
      Highlight Highlight ja, und im von mir verlinkten artikel um grundschule im allgemeinen.
    • humpfli 11.01.2016 22:09
      Highlight Highlight @koks Erstens ist dies eine deutsche Studie. Vielleicht ist dies in Deutschland anders? (Mehr Lehrerinnen, andere Mentalität, etc.) Und dazu kommt, dass dies nur für die Grundschule ist. Da hat man nicht wirklich Physik-Unterricht. Die Studie der ETH bezieht sich eher auf höhere Stufen.
    • koks 11.01.2016 22:16
      Highlight Highlight humpfli, wer lesen kann ist klar im vorteil. " ...780 Teilnehmenden aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich".
    Weitere Antworten anzeigen
  • Merida 11.01.2016 18:36
    Highlight Highlight Ich als Lehrerin in Naturwissenschaften hoffe natürlich sehr, nicht in diese Kategorie zu gehören. Korrekte Antworten werden belohnt, Falsche korrigiert... Das ist nicht sooo schwierig... (Okay, habe meine 10 Jahre fast beisammen.) Es hilft auch, Aufgabe für Aufgabe quer (also über die ganze Klasse hinweg) zu korrigieren um sich nicht in irgend einer Form beeinflussen zu lassen.
    Und als Frau verstehe ich noch weniger, wie Physiklehrerinnen Mädchen benachteiligen können, die in Physik etwas drauf haben, schliesslich sind genau sie ja ein Beispiel dafür, dass Frauen in "Nawi" gut sein können.
  • Mamititti 11.01.2016 18:28
    Highlight Highlight Wir haben doch jetzt schon eine Maturitätsquote von ca 80:20 f:m. Und jetzt werden die Frauen noch benachteiligt? Dann sind wohl die Männer bewiesenermassen einfach die Dümmeren...
    • LaPaillade #BringBackHansi 11.01.2016 19:29
      Highlight Highlight Quote von circa 80:20? Hast du irgendwelche Quellen, aufgrund denen du solch eine Aussage begründen kannst?
      Nicht, na gut, ich hab mir das beim bfs rasch rausgesucht.
      Die folgenden Daten gelten für 2014 für die gymnasiale Maturität:
      Abschlüsse Männer: 7 933
      Abschlüsse Frauen: 10 505
      Das ergibt dann ein Verhältnis von 56.97% (w) zu 43.03% (m)

      Ich hab das zudem noch rasch bei der Berufsmaturität geprüft. Dort ist das Verhältnis 7 491 (m) zu 6 686 (w).

      Kannst du ansonsten gerne auch selber nachprüfen unter https://www.pxweb.bfs.admin.ch/
    • sheimers 11.01.2016 20:32
      Highlight Highlight Wurden hier die SchülerInnen mit den LehrerInnen verwechselt? Sie Stadt Bern hat 78% Lehrerinnen. http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Quote-soll-mehr-Maenner-in-die-Klassenzimmer-bringen/story/30435865
    • LaPaillade #BringBackHansi 11.01.2016 22:18
      Highlight Highlight @Sheimers: Denke ich nicht, dass würde aus dem Kontext von Mamitittis Aussage keinen Sinn ergeben.
      Und auch 78% Frauen-Quote beim Lehrpersonal würde in Zusammenhang mit diesen Artikel keinen Sinn ergeben.

      Aber wenn wir schon bei solchen Fun-Fact-Quoten sind:
      2014 - Anzahl Professoren an universitären Hochschulen:
      833 (f) zu 3'255 (m) -> auch hier haben wir ein ungefähres Verhältnis von 20:80. Spannend oder?
  • adritschka 11.01.2016 18:07
    Highlight Highlight erinnert mich an meinen physiklehrer, der mir einfach mal so eine ganze note abzog, weil er das gefühl hatte, ich spickte an der prüfung. weder hatte ich es getan, noch hatte er einen beweis.
  • Alle haben bessere Namen als ich. 11.01.2016 18:01
    Highlight Highlight Ich gehe davon aus, dass ein bisschen auch noch reinspielt, dass sie genau dies heraus finden wollte. Aber irgendwie überrascht es mich als Schüler nicht.
  • Kaiserin 11.01.2016 17:36
    Highlight Highlight Vorschlag: Anonymisierte Prüfungen. Wäre das eine Lösung?
    • sterpfi 11.01.2016 17:56
      Highlight Highlight Die Idee ist vielleicht nützlich bei grossen Gruppen wie einem Studiengang, aber auf Sekundar-/Gymnaisal-Stufe funktioniert das nicht... dafür bräuchte man einen Mittelmann zwischen Lehrer und Schüler.
    • will.e.wonka 11.01.2016 18:02
      Highlight Highlight lehrer können auch handschriften unterscheiden
    • Pitar 11.01.2016 20:58
      Highlight Highlight wenn sie anonymisiert sind wie weiss man dann, wer welchen test zurückkriegt? Mann muss ja wissen, wer den test zurück kriegt sonst machen Noten ja keinen Sinn mehr, oder gibt es eine Technik die das ermöglicht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sibiria 11.01.2016 17:34
    Highlight Highlight Und wieso sollten wir dieser "Studie" Glauben schenken?

    Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es eben gerade anders rum: Mädchen haben an meiner Schule eher einen Vorteil, da an der Schule zu viel Wert auf Fleiss und zu wenig auf das Verstehen von Zusammenhängen gelegt wird.
    • kuni 11.01.2016 17:49
      Highlight Highlight Das sollten Sie unbedingt der Forscherin mitteilen!
      Wenn diese erfährt, dass Ihre subjektive Erfahrung nicht mit ihrer wissenschaftlich unter 780 Lehrpersonen durchgeführten Studie übereinstimmt, wird sie die Ergebnisse bestimmt noch einmal neu auswerten.
    • christianlaurin 11.01.2016 17:52
      Highlight Highlight Und ich mache eine wette, nur sie kannte die "zusammenhänge"?
    • Dewar 11.01.2016 17:59
      Highlight Highlight Was Sie beschreiben ist auch eine völlig andere Fragestellung. Ihre These ist, dass die Anforderungen des Lehrplans eher der Lernweise der Mädchen entsprechen. Das ist vielleicht wahr, das lasse ich offen, weil ich dazu keine Studie kenne.
      Was in der ETH-Studie untersucht wurde, war hingegen etwas völlig anderes, nämlich der Einfluss des Geschlechts auf die Benotung in einem bestimmten Fach, abhängig von der Unterrichtserfahrung der Lehrperson. Und in Physik haben hier Mädchen offenbar das Nachsehen.
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In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

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