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Undatiertes Bild aus einer Fotofalle: Jungwölfe des Calandarudels mit Jahrgang 2014.  Bild: AMT FUER JAGD UND FISCHEREI GR

Das Wolfsrudel am Calanda ist gut für den Wald

05.09.17, 09:09 13.09.17, 12:26

Unter Nutztierhaltern und Jägern hat der Wolf wenig Freunde - bei Förstern ist er um so beliebter. Wolfsrudel können helfen, zu grosse Hirsch- und Rehpopulationen zu kontrollieren. Erste Belege dafür gibt es am Calanda-Massiv im Churer Rheintal.

«Wir haben Zustände, die langfristig nicht tolerierbar sind.»

Reto Hefti, Kantonsförster

Wie an vielen Orten der Schweiz bedrängen zu viele Hirsche und Rehe auch in Graubünden die Wälder. Der Jungwuchs stirbt ab, weil er angefressen wird. Die Wälder drohen zu überaltern und werden instabil. Im Berggebiet ist das besonders problematisch, haben Wälder dort doch oft eine Schutzfunktion vor Lawinen, Steinschlägen und Erdrutschen.

In Graubünden gelten 60 Prozent der Wälder als Schutzwälder - und sie stehen unter Druck. «Wir haben Zustände, die langfristig nicht tolerierbar sind», sagt der Leiter des Amtes für Wald und Naturgefahren, Kantonsförster Reto Hefti. 21 Prozent des Schutzwaldes hätten Verjüngungsprobleme wegen Verbiss. Die Schutzfunktion des Waldes könnte nachhaltig gestört werden.

Lag im Alpenkanton im Jahr 2000 der Frühlingsbestand der Hirsche bei geschätzten 12'600 Tieren, kletterte die Zahl 2011 auf 14'000 und diesen Frühling auf 16'500. Bei den Rehen, deren Bestände nicht erhoben werden, dürfte die Entwicklung ähnlich sein. Mit dazu beigetragen haben die milden Winter der letzten Jahre. 

Rudel reisst 300 Wildtiere im Jahr

Eine Ausnahme bildet die Region am Calanda-Massiv zwischen Churer Rheintal und St. Galler Taminatal. Dort bildete sich 2011 das erste Wolfsrudel der Schweiz. Seither nahm die Zahl der Hirsche im Jagdgebiet der Wölfe nach Angaben des Bündner Amts für Jagd und Fischerei um ein geschätztes Drittel ab, während sie im ganzen Kanton um 18 Prozent zunahm.

Bei Reh und Gemse ist auch ein Rückgang da, er bildet sich aber weniger deutlich ab. Insgesamt reisst das etwa zehnköpfige Rudel jedes Jahr an die 300 Hirsche, Rehe und Gämsen.

Die Dezimierung der Wildpopulationen sollte sich nach Ansichten von Forstfachleuten positiv auf die natürliche Verjüngung des Waldes auswirken. Statistisch nachweisen könne man das am Calanda aber noch nicht, sagt Kantonsförster Hefti. Der Wald entwickle sich eben in ganz anderen zeitlichen Dimensionen als Mensch und Tier.

«Der gesunde Menschenverstand sagt allerdings, dass weniger Hirsche weniger Jungbäumchen fressen», meint Hefti. Er gehe davon aus, dass sich ein positiver Einfluss des Wolfs in ein paar Jahren wissenschaftlich bestätigen lassen werde. Bereits bestätigt ist ein solcher Effekt beim Luchs. 

Wolfsrudel im Wallis

Forstingenieure wollen mehr Wölfe

Der Schweizerische Forstverein (SFV), der Berufsverband der Forstingenieure, forderte bereits vor fünf Jahren, die natürliche Einwanderung und Ausbreitung des Wolfes zuzulassen. «Wo Luchs und Wolf regelmässig vorkommen, werden weniger Schäden an der Waldverjüngung festgestellt», hielt der SFV 2012 fest.

Diese Position vertritt auch das Bündner Amt für Wald im neuen Waldentwicklungsplan 2018+, der sich in der Vernehmlassung befindet. «Grossraubtiere sind aus forstlicher Sicht willkommen», heisst es darin. Die «Ausbreitung von Grossraubtieren auf noch nicht besetzte Gebiete im Kanton» wird explizit begrüsst.

Erwartet wird eine «massgebliche Entlastung der Wildschadensituation». Positiv auswirken werde sich nicht nur die Verkleinerung der Wildbestände, sondern auch der Einfluss der Wölfe auf die Verteilung des Wildes im Wald.

Wieder mehr Weisstannen

«Das Wild bewegt sich mehr, steht nicht immer in den gleichen Einständen», erzählt Mattiu Cathomen, Revierförster in Tamins, einem Kernlebensraum des Wolfsrudels. Die Verbissschäden seien deshalb weniger konzentriert.

Cathomen hält den positiven Einfluss des Wolfs bereits jetzt für gegeben. «Wir sehen das schon im Wald», sagt er. Auffallen würden die zahlreichen kleinen Weisstannen im Alter von zwei bis fünf Jahren.

Das habe es in Tamins seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Der Leitbaum des Bündner Waldes sei jeweils als Jährling verbissen worden und eingegangen. Jetzt sei der Wilddruck – nach anfänglichen negativen Effekten – zurückgegangen. «Für den Wald ist das Wolfsrudel sicher positiv», lautet das Fazit von vorderster Front. (sda)

Entwicklung der Wolfs-Population

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Freiburger Grossrat Roger Schuwey und die vergiftete Wölfin

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Freiburger Grossrat Roger Schuwey und die vergiftete Wölfin

Video: srf/SDA SRF

Teste hier dein Wolfswissen – im Wolfs-Quiz

1.Bevor wir uns dem real existierenden Wolf widmen, wollen wir seine Rolle in der Mythologie und den Märchen betrachten. Im Märchen ist der Wolf meist gemein. Bei «Rotkäppchen» etwa ...
... frisst er die Grossmutter.
... frisst er Rotkäppchen.
... frisst er den Jäger.
... frisst er seinen eigenen Schwanz.
2.Und wissen Sie auch, zu was der Wolf in «Der Wolf und die sieben Geisslein» griff, um sich Eintritt in das Ziegenhaus zu verschaffen?
Werkzeug
Öl
Kohle
Kreide
Einem Schlüssel
Seinen Pfoten
3.Noch eine easy Frage und dann schalten wir einen Gang höher: Die Gründer welcher Stadt soll angeblich eine Wölfin gesäugt haben?
Paris
Stockholm
Warschau
Rom
4.In der nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch zwei Wölfe zur Seite gestellt. Wie heissen die Tiere?
Geri und Freki
Gari und Fradi
Heri und Falkon
Gara und Fara
5.Engste Verwandte des Wolfes sind Hund und ...
... Luchs.
... Geiss.
... Hyäne.
... Dingo.
6.Weltweit gibt es weniger als 200'000 Wölfe. In Europa (ausser Russland) liegt der Bestand zwischen 10'000 und 20'000 Individuen. In der Schweiz schätzte man die Zahl Ende 2013 auf wie viele Wölfe?
2
10
20
40
7.Wovon hängt die Grösse eines Rudels vor allem ab?
Von der Anzahl der Welpen, die geboren werden
Vom Beutetierangebot und deren Grösse
Von der Anzahl der Jungen, die auch nach zwei Jahren noch nicht flügge sind
Davon, wie gut der Jäger zielen kann
8.Im Rudel leben Vater und Mutter sowie ihre Welpen und auch die Jungen vom Vorjahr. Während die Eltern an der Spitze der Hierarchie stehen, folgen die Vorjahrestiere an zweiter Stelle. Und die Kleinsten?
EPA
An dritter Stelle
An vierter Stelle hinter Onkel und Tanten
Sie sind noch nicht eingeordnet und geniessen Narrenfreiheit
9.Sein Schwanz misst ca. 1/3 der Kopf-Rumpf-Länge. Wie heisst er in der Fachsprache?
Schweif
Rute
Segel
Riemen
10.Wie viele Zehen hat der Wolf?
18
20
22
24
11.Nun ist die Zeit gekommen, dass der Wolf dieses Quiz verlässt. Und zwar in seiner ihm typischen Gangart, dem sogenannten «geschnürten Trab». Wie geht der?
Dabei werden die Hinterpfoten neben den Abdruck der versetzten Vorderpfoten gesetzt.
Dabei werden die Hinterpfoten neben den Abdruck der jeweiligen Vorderpfoten gesetzt.
Dabei werden die Hinterpfoten exakt in den Abdruck der versetzten Vorderpfoten gesetzt.
Dabei werden die Hinterpfoten exakt in den Abdruck der jeweiligen Vorderpfoten gesetzt.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mr. Winston 07.09.2017 13:53
    Highlight Ich fordere ja von den Wölfen, dass sie sich, wenn sie sich wieder dazu verführen liessen, ein Schaf zu reissen, selbst anzeigen und bestenfalls auch selbst die Erschiessung durchführen, da dadurch eine Menge finanzieller und administrativer Aufwand erspart bleiben würde.
    1 2 Melden
    • Dantus 07.09.2017 15:58
      Highlight Ich bin kein Experte auf dem Gebiet. Ich wäre aber nicht überrascht, wenn es langfristiger günstiger wäre Wölfe zu haben, da der Schutz ohne Schutzwälder sehr teuer käme.
      1 0 Melden
    • Mr. Winston 07.09.2017 16:44
      Highlight Das war eine satirische Bemerkung. Natürlich stimmt das was sie sagen.
      2 0 Melden
  • BossAC 05.09.2017 11:58
    Highlight Kann mir jemand erklären, was das am Anfang genannte Problem der Jäger mit den Wölfen ist? Im Artikel steht da leider nichts mehr. Die Jäger sehen sich ja immer als regulierend bezüglich Wildbestand. Was ist jetzt daran schlimm, wenn der Wolf hier wieder mitmischt.
    42 3 Melden
    • Matthias Ott 05.09.2017 12:52
      Highlight "Die Jäger" ist auch sehr verallgemeinernd. Es gibt tatsächlich einige Jäger, bei denen kommt beim Thema Wolf der Futterneid.
      Andere, zu denen zähle ich mich, freuen sich einfach, in einem möglichst intakten Ökosystem jagen zu dürfen. Und da gehört der Wolf dazu.
      65 1 Melden
    • Surf & Turf 05.09.2017 13:04
      Highlight Erklären schon, wenn auch nicht nachvollziehen:

      - Die meisten Jäger sind gleichzeitig auch Bauern. Und fürchten um ihre Nutztiere.
      - Die Jagd wird schwerer. Wild, das unter einem gewissen Stress durch Raubtiere steht, verhält sich vorsichtiger, bleibt mehr in Deckung und verteilt sich gleichzeitig an unzugänglichere Orte.
      - Und zum Schluss noch eine leider persönliche Erfahrung aus unserer Gegend: Obwohl ich einige Jäger persönlich kenne und doch auch schätze, stelle ich fest, dass viele JG den Wald als ihr Wohnzimmer betrachten und eifersüchtig darüber wachen. Meins, meins, meins. Tja.
      40 3 Melden
    • flausch 05.09.2017 13:06
      Highlight Eigentlich nur das es für den Jäger weniger zu schiessen gibt und das schmerzt ihn scheinbar ziemlich fest.
      Mit anderen worten: Der einzige natürliche Feind des Jägers ist das Raubtier.
      30 5 Melden
  • Tanea 05.09.2017 11:50
    Highlight Für das ökologische Gleichgewicht braucht es mitunter anderen Predatoren auch den Wolf!

    34 3 Melden
  • Koberto 05.09.2017 10:45
    Highlight Ein Hoch auf das ökologische Gleichgewicht. Grossräuber sind in allen Lebensräumen eminent wichtige Player, sei es als Gesundheitspolizei oder eben bei der Populationskontrolle. Dies gilt auch im Wasser mit Hai und Orca.
    Danke für diesen Beitrag, der schön schildert, wie Wölfe nicht nur Schafe reissen, sonder positive Auswirkungen auf Flora, Fauna und schlussendlich auf den Mensch haben.
    92 2 Melden
  • AlteSchachtel 05.09.2017 10:34
    Highlight "Zögern Sie nicht und zeigen Sie Ihren Facebook-Freunden, ....."

    Ich habe kein Facebook. Jetzt habe ich wohl auch keine Freunde...was macht ich jetzt bloss? Werde ich jetzt zum einsamen Wolf?
    35 5 Melden
    • nJuice 05.09.2017 11:09
      Highlight Sie werden alt und alleine sterben.
      24 6 Melden

Schafe weg, Schafe wieder da, Schafe weg: Solothurner Polizei steht vor einem Rätsel

Zugegeben, bei dieser Vermisstmeldung ist es schwierig, sich ein Lachen zu verkneifen. Dies liegt aber nicht daran, dass für einmal nicht ein Mensch, sondern vier Schafe gesucht werden. Lustig ist viel mehr der Text des Zeugenaufrufs. Denn die Medienmitteilung der Kantonspolizei Solothurn liest sich so:

Inwiefern es mir hilft, zu wissen, dass die Schafe je rund 40 Kilogramm wiegen, erschliesst sich mir nicht ganz (meistens habe ich keine Wage in meinem Rucksack). Gut, wenn ich einem ganz fetten …

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