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Satellitenbild der Woche: Regen? Danke, reicht!

Innerhalb von Stunden so viel Regen wie sonst in einem ganzen Jahr – Frankreich hat bei den Unwettern der letzten Wochen besonders viel abbekommen. Wie viel, das zeigt der Blick aus dem All.

11.06.16, 19:41 12.06.16, 08:41

Satellitenbild des Niederschlags zwischen dem 22. Mai und 6. Juni.
Bild: Nasa

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Fussball gucken unterm Regenschirm ist doof. Schon allein deswegen wird man in Frankreich in den kommenden EM-Tagen und Wochen auf gutes Wetter hoffen – aber auch, weil grosse Teile des Landes wie auch viele Regionen in Süd- und Westdeutschland oder in Österreich und der Schweiz zuletzt mit massiven Regenfällen zu kämpfen hatten. Gewitter, Starkregen und Hagel brachten schwere Schäden in vielen Gebieten.

Ein Bild, das aus den Daten mehrerer Satelliten zusammengefügt wurde, zeigt die Situation eindrücklich: Je heller ein Punkt eingezeichnet ist, umso mehr Niederschlag ist dort in der Zeit zwischen dem 22. Mai und dem 6. Juni gefallen. In manchen Regionen im Herzen Frankreichs kamen auf diese Weise 400 Liter pro Quadratmeter Regen zusammen. Zum Vergleich: Deutsche Städte wie Berlin oder Leipzig liegen im langjährigen Mittel bei rund 600 Liter pro Quadratmeter – im Jahr. Und selbst gegen die knapp 800 Liter pro Quadratmeter von Hamburg oder die 1053 Liter pro Quadratmeter von Zürich wirkt der Wert immer noch hoch.

Herzstück des für die Darstellung genutzten Beobachtungsnetzwerks ist der Satellit «Global Precipitation Measurement», kurz GPM. Er wird gemeinsam von der US-Weltraumbehörde Nasa und deren japanischem Pendant Jaxa betrieben. Mit einer Mikrowellenkamera und einem Radarmessgerät liefert er aus 400 Kilometer Höhe alle drei Stunden ein neues globales Lagebild zu Wolken, Regen und Schnee. Die GPM-Daten werden ergänzt durch die Informationen von rund einem Dutzend anderer Satelliten, für die neben Japanern und Amerikanern auch Inder und Europäer verantwortlich sind.

Für Frankreich hatten die ungewöhnlich starken Regenfälle massive Folgen: So sorgten sie dafür, dass das Wasser der Seine so hoch stand wie seit 34 Jahren nicht mehr. Der Pegel in Paris lag mehr als sechs Meter über den üblichen Werten. Sogar der Louvre musste zwischenzeitlich schliessen – damit Mitarbeiter Kunstwerke aus niedrig gelegenen Räumen in Sicherheit bringen konnten.

Schuld an dem Dauerregen war eine sich nur sehr langsam bewegende Wetterformation. Das für den Regen verantwortliche Tiefdruckgebiet bewegte sich lange Zeit nur im Schneckentempo – deswegen kam es an denselben Stellen immer wieder zu Niederschlägen aus der feuchtigkeitsschwangeren Luft. Aber auch wenn es womöglich anders scheint: Es gibt in Deutschland derzeit keinen Trend zu mehr Tagen mit Starkregen (mehr als 30 Liter pro Quadratmeter). chs

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