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Schmerzen beim Verkehr: Wenn Sex wehtut

Nicht jeder kann Sex als etwas Schönes empfinden. Warum manche Menschen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben – und was dagegen hilft.

Gerlinde Gukelberger-Felix



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Lust kommt gar nicht erst auf oder verschwindet schnell wieder, wenn es jedes Mal wehtut beim Sex. Das kann Frauen und Männern in allen Altersklassen so gehen: Mediziner sprechen von Dyspareunie. Dazu zählen sie leichte Missempfindungen bis hin zu starken Schmerzen.

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Es gibt Männer und Frauen, für die Sex schmerzhaft ist.
bild: shutterstock

«Etwa 10 bis 20 Prozent aller Frauen leiden daran», sagt Christian Dannecker, stellvertretender Direktor der Frauenklinik der LMU München. Wie viele Männer betroffen sind, ist schwieriger abzuschätzen. Der Urologe Uwe Zimmermann von der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Greifswald hält die Problematik aber für relevant, auch wenn die Gesamtzahl kleiner sei als bei den Frauen.

Für manche Männer ist Sex schmerzhaft, weil sie eine sogenannte Induratio penis plastica (IPP) haben. Dabei treten vor allem am Penisrücken flächenartige Ablagerungen aus Bindegewebe, Kollagen und elastischen Fasern auf. Der Penisschaft verhärtet zunehmend, es können Krümmungen entstehen.

«Die Ursachen sind bislang unbekannt», sagt Zimmermann. Im Frühstadium könne der Wirkstoff Kalium-Aminobenzoat mitunter helfen und auch die sogenannte Stosswellentherapie sei eine gute Option, solange der Penisschaft gerade ist. «Bei einer Verkrümmung müssen die störenden Plaques herausgeschnitten werden», sagt der Urologe.

Auch die chronisch-entzündliche Hauterkrankung Lichen sklerosus kann Sex für den Mann zu einem schmerzhaften Erlebnis machen. Dabei verhärtet das kollagene Bindegewebe unter der obersten Hautschicht, wodurch sich die Haut weisslich verfärbt und verhornt.

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Hauterkrankungen können den Spass am Sex verderben.
bild: shutterstock

Die Hauterkrankung kann mit kortisonhaltiger Creme, aber auch mit einer OP therapiert werden. Bleibt sie unbehandelt, bildet sich zwischen Vorhaut und Eichel Narbengewebe, das eine Vorhautverengung begünstigt. IPP und Lichen sklerosus sind zwei der häufigsten Schmerzursachen beim Mann, aber nicht die einzigen.

Infektionen, Hautkrankheiten, Endometriose

Bei Frauen kann eine sogenannte Endometriose Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auslösen. Bei der gutartigen Erkrankung wuchert Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter. Diese Herde können etwa am Halteapparat der Gebärmutter oder am Gebärmutterhals liegen und bei Bewegungen des Organs Schmerzen bereiten. Mit Hormonpräparaten oder mit einer Operation kann die Krankheit aber oft beherrscht werden.

Häufig sind Dannecker zufolge auch Infektionen und Entzündungen schuld an einer Dyspareunie. Dazu gehören Pilzinfektionen mit dem Hefepilz Candida albicans oder Genitalherpes durch Herpes-simplex-Viren. Diese Erreger können laut Dannecker bei rund 20 Prozent aller erwachsenen Frauen nachgewiesen werden.

Salben mit Antipilzmitteln und antiviralen Wirkstoffen können helfen, aber die Infektionen kehren häufig zurück. Insbesondere beim Genitalherpes braucht man viel Geduld, denn die Herpesviren verweilen im Körper, sodass der Genitalherpes immer wieder aufblühen kann.

Die Hauterkrankung Lichen sklerosus ist auch für betroffene Frauen quälend – wegen des ständigen Juckreizes und weil die Schamlippen und die Klitoris schrumpfen können. «Alles wird enger in der Scheide und das macht das Eindringen des Penis sehr schmerzhaft», sagt Dannecker. «Gelegentlich lassen sich diese Engstellen aber operativ weiten.» Der quälende Juckreiz könne aber bei vielen Frauen durch Kortisoncreme beseitigt werden.

Schmerzen durch Narben

Wenn Schmerzen im Bereich der Vulva auftreten, sprechen Mediziner von Vulvodynie. Dabei tut es den Frauen bereits bei leichtem Druck auf eine etwas auffällig aussehende Stelle im Scheideneingangsbereich weh. Zu den Ursachen ist nur wenig bekannt. «Eine Vulvodynie ist nur schwer zu therapieren», sagt Dannecker, der eine Vulva-Sprechstunde leitet. Eine zuvor aufgetragene Schmerzcreme könne die Beschwerden beim Sex lindern.

Auch Narben können Schmerzen bereiten, etwa nach einer Geburt mit Dammriss oder -schnitt: «Es kann sich ein kleiner Steg zwischen den Schamlippen bilden, der beim Sex wehtut», so Dannecker. Der Münchner Gynäkologe warnt auch vor unkritischem Einsatz kosmetischer Intimchirurgie.

Der Sex im Kopf

«Eingriffe dieser Art begünstigen die Narbenbildung.» Aber auch medizinisch notwendige Eingriffe, etwa wenn sich die Gebärmutter senkt und auf die Blase drückt, können Komplikationen nach sich ziehen. «Auch dabei kann es zur Narbenbildung kommen und es besteht das Risiko, dass die Beckenbodenmuskulatur zu straff vernäht wird.»

Nach den Wechseljahren sind häufig die Hormone schuld. «Dann besteht ein Östrogenmangel», erklärt Dannecker. «Die an Östrogenrezeptoren reiche Haut in der Scheide wird deshalb deutlich dünner, reisst leichter ein und schmerzt.» Mit östrogenhaltigen Scheidencremes und Pflastern könne man diesem Prozess entgegenwirken.

Wenn die Seele verletzt ist

Wichtig seien im Umgang mit den Beschwerden, so Dannecker, vor allem Geduld und Offenheit. Die Partner müssten miteinander reden und aufeinander Rücksicht nehmen. «Sexualität sollte so gelebt werden, dass sie für beide Partner schmerzfrei ist», so der Münchner Mediziner. Denn manchmal stecke auch eine seelische Verletzung hinter der Dyspareunie, etwa Übergriffserfahrungen in der Kindheit, die zu einem Grundgefühl von Angst, Scham und Ohnmacht geführt haben.

«Es kann sich um sexuelle Missbrauchserfahrungen im eigentlichen Sinne handeln, aber auch um andere Grenzverletzungen, die von den Mädchen in Zusammenhang mit der Beziehung zum männlichen Geschlecht und zur Sexualität gesetzt wurden», sagt die Sexualmedizinerin und Psychotherapeutin Claudia Hartmann vom Sexualmedizinischen Kompetenzzentrum in Hannover. Wichtig sei in so einem Fall ein früher Beginn einer Psychotherapie. Die Kosten dafür werden von vielen Krankenkassen übernommen.

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