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Spielende Tiere

Unfug, der Sinn macht

Warum Tiere spielen – sogar wenn's gefährlich wird

Paviane ärgern Kühe, Schildkröten machen Tauziehen: Forscher beobachten zweckfreies Verhalten bei vielen Tieren. Für einen Jux begeben sie sich sogar in Gefahr. Warum tun sie das?

12.01.15, 20:58 13.01.15, 09:21

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Die Sache erscheint paradox: Spass zu haben, scheint weit weniger lebensnotwendig zu sein als Nahrung oder Schlaf. Warum die Evolution dennoch etlichen Tieren die Fähigkeit verlieh, sich prächtig zu amüsieren, damit befasst sich das Fachmagazin «Current Biology» gerade in einer Sonderausgabe. Wohl am besten bekannt sei die Spielfreude von Hunden, schreibt Chefredakteur Geoffrey North. Doch auch weit einfacher gestrickte Lebewesen sind zu Amüsement fähig. 

Spass und Spiel ermöglichten es Tieren, Fähigkeiten in relativer Sicherheit zu erwerben und zu verbessern, schreibt Richard Byrne von der Universität St.Andrews in einem Essay. Für junge Steinböcke sei es zwar riskant, aus Jux über steile Berghänge zu toben – für die spätere Flucht vor Räubern aber sei dies eine gute Schule. Und dieser Vorteil überwiege. 

Auch für das soziale Miteinander sei das Spielen zum Spass wichtig: Pavian-Jungs rauften sich gern mit ihresgleichen und trainierten so für den Kampf um sozialen Status in der Gruppe. Pavian-Mädchen hingegen spielten lieber mit dem Nachwuchs hochrangiger Weibchen, der zum idealen – weil ebenfalls hochrangig – Verbündeten heranwachse. 

Zumindest beim Menschen spiele ein weiterer Faktor eine Rolle: Die Kreativität. Spielen aus Spass erweitere das mentale Repertoire und ermögliche Konzepte und Verknüpfungen, die es unter realen Bedingungen gar nicht gebe. 

Eine wichtige Voraussetzung dafür, etwas lustig zu finden, sei in vielen Fällen, sich in andere hineinversetzen zu können, erklärt Byrne. Dies gelte etwa beim Erzählen eines Witzes – aber auch bei Neckereien. Paviane etwa seien dabei beobachtet worden, wie sie Kühe ärgerten, indem sie an ihren Schwänzen zogen – wenn diese hinter einem Zaun standen und nicht angreifen konnten. «Necken macht uns Spass, weil wir erfassen, wie sich das Opfer fühlt.» 

Sieht aus wie Spiel, ist aber Kampf

Als wahre Frohnaturen würden vom Menschen oft Delfine empfunden, in deren Gesicht ein ewiges – von den Tieren unbeeinflusstes – Lächeln stehe, schreibt Vincent Janik von der Universität St.Andrews in seinem Beitrag. Auch die Schwimmsprints und Luftsprünge von Delfinen sähen nach viel Spass aus – oft finde stattdessen aber ein ernster Kampf statt. Der Sprung beim Sprint diene dann dem schnellen Luftholen oder manchmal auch dazu, dem Gegner einen Schlag mit der Fluke zu verpassen. 

Andere Verhaltensweisen seien wohl eher Spiel, das Surfen auf den Bugwellen vorbeifahrender Schiffe zum Beispiel. Auch dabei seien allerdings alternative Erklärungen denkbar – etwa die Selbstdarstellung als fitter Geschlechtspartner, erläutert Janik. Ausgeprägt sei bei den Tieren das Spiel mit Objekten, neben Seegras und Sand gern auch mit Fischen oder Schildkröten. Die Vielfalt der Spielereien sei bei Delfinen immens, die dafür investierte Zeit aber gering, schreibt Janik weiter. Für Grosse Tümmler der Bahamas etwa sei gezeigt worden, dass sie nur 0,6 Prozent ihrer Zeit dem Spiel mit Objekten widmeten, bei in Gefangenschaft gehaltenen Artgenossen seien es 1,6 Prozent. 

Eine gängige Definition für «Spiel» beinhaltet gleich mehrere Kriterien: 

Spielspass sei lange nur intelligenten Säugetieren wie Affe, Hund, Elefant, Otter oder Bär zugestanden worden, zudem einigen Vögeln wie Papagei und Krähe, ergänzt Gordon Burghardt von der University of Tennessee in Knoxville. Meist werde der Begriff aus stark vermenschlichender Sicht interpretiert. Für Welpen und Kätzchen möge das funktionieren – für spielende Fische aber nicht. Denn Fische seien – wenn auch äusserst selten – zum Beispiel beim Überspringen von Hindernissen und dem Schlagen gegen einen Ball beobachtet worden. 

«Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage»

Auch bei Fröschen sei ein als Spiel interpretierbares Verhalten beobachtet worden, schreibt Burghardt. Die sozial lebenden Goldbaumsteiger lieferten sich gern – und offensichtlich zweckfrei – kurze Ringkämpfe. Andere Frösche seien dabei gesehen worden, wie sie auf den ausströmenden Luftblasen am Boden ihres Aquariums ritten. 

Dinge zum Spass zu machen, sei auch Reptilien nicht fremd: Komodowarane wirkten beim Spiel mit alten Schuhen oder Bällen wie Hunde. Afrikanische Weichschildkröten schubsten Flaschen und anderes Treibgut über die Wasseroberfläche und nutzten Schläuche zum Tauziehen. Und gewaltige Salzwasserkrokodile habe man schon mit einem Basketball herumtollen sehen. «Spiel wird oft bei den intelligentesten und anpassungsfähigsten Tieren gefunden, auf sie beschränkt ist es aber nicht», lautet Burghardts Fazit. 

Bei den Wirbellosen sei eine Art Spiel nur von Oktopussen bekannt, ergänzt Sarah Zylinski von der Universität Leeds in «Current Biology». Bekomme ein Gemeiner Krake ein neues Objekt vorgesetzt, gehe sein Verhalten von einem erkundenden «Was ist das?» in ein spielerisches «Was kann ich alles damit machen?» über. Pazifische Riesenkraken wiederum stossen Objekte mit dem Wasserstrom ihres Siphons herum. 

Immer wieder seien satte Kraken zudem beim Spiel mit potenzieller Beute beobachtet worden – ähnlich dem einer Katze mit einer Maus. «Ok, aber haben sie Spass dabei?», fragt Zylinski. «Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage.» Schon beim Menschen sei das Spassempfinden eine höchst subjektive Angelegenheit, auf das Gefühlsleben eines Oktopus' zu schliessen, sei geradezu unmöglich. (chs/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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