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Die Vögel sterben schleichend – das steckt dahinter

Ein Spaziergang in der Natur mit weniger Vogelgezwitscher? Naturschützer und Wissenschaftler halten das für die Zukunft nicht für ausgeschlossen. Sie gehen von einem schleichenden Vogelsterben aus – auch bei häufigen Arten.

20.10.17, 07:43 20.10.17, 08:53


Die Zahl der Vögel in Deutschland geht nach Berechnungen des Naturschutzbundes (Nabu) deutlich zurück. Innerhalb von zwölf Jahren seien 12,7 Millionen Brutpaare verloren gegangen, erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Das sei ein Minus von 15 Prozent. Betroffen seien auch häufige Arten wie der Star und der Haussperling.

«Aufgrund dieser dramatischen Zahlen muss man von einem regelrechten Vogelsterben sprechen»

Lachmann wertete Bestandsdaten der Jahre 1998 bis 2009 aus, die die Bundesregierung 2013 an die EU meldete. Bislang hätten jedoch die Entwicklungen bei einzelnen Arten im Fokus gestanden – und nicht die Summe. Neuere Zahlen werden erst 2019 erwartet.

Das undatierte Archivbild zeigt einen Haussperling. Der 14-16 cm grosse Singvogel, der besonders durch seinen grossen Kopf und dem kraeftigen Schnabel auffaellt, wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum

In Deutschland betroffen, in der Schweiz noch nicht: der Haussperling. Bild: AP

Regelrechtes Vogelsterben

«Aufgrund dieser dramatischen Zahlen muss man von einem regelrechten Vogelsterben sprechen», sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. «Während wir es schaffen, grosse und seltene Vogelarten durch gezielten Artenschutz zu erhalten, brechen gleichzeitig die Bestände unserer Allerweltsvögel ein.» Sie fänden in der heutigen aufgeräumten Agrarlandschaft ausserhalb von Naturschutzgebieten keine Überlebensmöglichkeiten mehr.

Auch am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee sieht Forscher Wolfgang Fiedler einen Trend zum schleichenden Verlust von Vogelarten. «Wir haben keine eigenen Daten. Aber es trifft auch Vögel, die wir für häufig halten», sagte er. Darunter seien Haussperling oder Star, die auch Wissenschaftler bisher als «erfolgreich im Umgang mit Menschen» eingeschätzt hätten.

Schwund auch in der Schweiz

Ähnliche Tendenzen sind auch in der Schweiz festzustellen, wie die Vogelwarte Sempach auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bestätigt. Haussperling und Star seien zwar hierzulande nicht betroffen, dafür aber andere häufige Arten wie Feldlerche und Mehlschwalbe. Bei einigen Spezies liesse sich der Rückgang auf einen Verlust an Nahrungsangebot durch das Verschwinden von Insekten zurückführen.

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie untermauert einen Rückgang bei Insekten in Deutschland. «Ein direkter Zusammenhang mit dem Vogelrückgang ist sehr wahrscheinlich, denn fast alle betroffenen Arten füttern zumindest ihre Jungen mit Insekten», sagte Lars Lachmann vom Nabu. Für den Rückgang bei Insekten und Vögeln machen Naturschützer vor allem eine intensive Landwirtschaft mitverantwortlich.

Mensch bringt Vögel in Bedrängnis

Ornithologe Fiedler vermutet neben dem Insektenschwund eine Vielzahl von Gründen, für die allerdings in erster Linie der Mensch verantwortlich sei: eine weniger vielfältige Naturlandschaft für Feldlerche oder Goldammer, weniger Unterschlupf in der Stadt für Schwalben oder Mauersegler. Dazu kämen generell mehr Umweltgifte und Fremdstoffe, die Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Vögeln haben könnten. Auch die Jagd auf Zugvögel im Ausland spiele eine Rolle.

Die Folgen des Verlusts seien schwer einzuschätzen, sagte Fiedler. «Vögel verbreiten Samen und halten Parasiten in Schach.» Und ein Ökosystem werde generell weniger stabil, je weniger Elemente es enthalte. Und auch Menschen würden wahrscheinlich vermissen, was sie bisher als Naturerlebnis kennen – darunter auch das vielfältige Vogelgezwitscher.

Im Frühjahr hatte die deutsche Bundesregierung Zahlen zur Lage in landwirtschaftlichen Gebieten in der EU zusammengetragen: Demnach hat sich die Zahl an Vogelbrutpaaren dort zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen verringert, ein Minus von 57 Prozent. (sda/dpa)

10 Vögel, die jedes gemütliche Znacht crashen 

Video: watson

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Brikne, 20.7.2017
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BenFränkly 21.10.2017 11:17
    Highlight Die Landwirtschaft ist eins - aber auch in den Gärten siehts nicht gut aus. Wer hat noch einen Asthaufen in der Gartenecke? Oder Gras, das höher als 2.7cm ist? Einen Hochstamm-Obstbaum? Wenn ich die Nachbarn mit der Giftspritze und den Schneckenkörnern sehe, wundern mich Insekten- und Vogelschwund auch nicht mehr. Jeder kann ein kleines bisschen beitragen - nur machen muss mans!
    19 2 Melden
  • Schneider Alex 21.10.2017 07:04
    Highlight Was nützen Optimierungen in Teilbereichen, wenn bei Interessenabwägungen für grosse, für die Biodiversität relevante Entscheidungen (z. B. Personenfreizügigkeit, Bauzonenerweiterungen, Infrastrukturprojekte, Steuersystem) die Interessen der Biodiversität den wirtschaftlichen Interessen ständig unterliegen? Was nützen die Investitionen in ein stets feineres Monitoring zur Biodiversität, wenn wir von vornherein wissen, dass uns das Wirtschafts- und das Bevölkerungswachstum daran hindern, unsere Biodiversitätsziele zu erreichen?
    8 1 Melden
  • Tilman Fliegel 20.10.2017 11:20
    Highlight Nachdem wir gerade gelesen haben, dass der Bestand von Fluginsekten massiv zurückgegangen ist, kann es nicht überraschen, dass die Vögel darunter leiden. Und die Fische auch, denn ein Grossteil ihrer Nahrung sind Larven von Fluginsekten.
    Zum Glück kommen jetzt zwei Initiativen, die die massive Anwendung von "Pflanzenschutzmitteln" einschränken sollen.
    30 1 Melden
  • Gubbe 20.10.2017 08:48
    Highlight Sind die Vögel nicht Nachkommen der Dinosaurier? Da man nicht mit absoluter Sicherheit weiss, wieso diese ausgestorben sind, könnte, wenn dem so ist, das jetzt beobachten. Ich hoffe, dass es noch lange Vögel gibt.
    5 35 Melden
    • Midnight 20.10.2017 09:27
      Highlight Es wird nach heutigem Verständnis, soweit ich weiss, davon ausgegangen, dass Vögel die letzte evolutionäre Stufe der Dinosaurier darstellten. Das leichte Federkleid und der damit massiv reduzierte Energiebedarf haben wohl zum Überleben der Vögel beigetragen, während alle anderen Dinosaurier ausgestorben sind.

      Man bedenke: Vögel haben die bis anhin grösste uns bekannte Naturkatastrope überlebt, sterben nun aber an den Folgen der Habgier und der Respekrlosigkeit des Menschen, welcher die Erde gerade mal einen Bruchteil solange bevölkert, wie die Vögel...
      36 1 Melden
    • Gubbe 20.10.2017 11:56
      Highlight Midnight: Sie geben mir recht mit den Dino-Nachkommen, danke. Allerdings liegen Sie falsch beim Energiebedarf der Vögel. Die Tagvögel müssen immer essen, um ihren Energiebedarf decken zu können. Das Flügelschlagen braucht für ihren Körper enorm Energie. Ein Vogel der einen Tag nicht frisst, stirbt.
      8 0 Melden
    • Midnight 21.10.2017 09:56
      Highlight Ja, bei den heutigen Vögeln ist das so. Da sind aber über 60 Mio. Jahre Evolution dazwischen. Zudem unterscheiden sich die Vögel in Punkto Gewicht und Energiebedarf stark von den damaligen Flugsauriern. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Vogel mit ein paar Gramm Futter pro Tag auskommt, oder mehrere Kilogramm Fleisch benötigt...

      Fun Fact: Sogar Wikipedia gibt Vögel als überlebende Dinos an 😄
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dinosaurier
      2 0 Melden

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