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Heute vor 77 Jahren entstanden diese einzigartigen Bilder – das steckt dahinter

screenshot: youtube-com/Laughterpiece Productions

07.11.17, 17:49

Am 7. November 1940 kam in der Commencement Bay in der Nähe von Seattle ein Wind auf. Nichts Gewaltiges: Die maximale Windgeschwindigkeit betrug 64 km/h. Das gilt zwar als starker Wind, nicht aber als Sturm. Die Auswirkung des Windes waren aber gewaltig. Für die Tacoma-Narrows-Brücke, vor allem aber für die Brückenbaukunst.

Nur vier Monate und sieben Tage zuvor war unter Trommelwirbeln und Fanfaren an derselben Stelle die Tacoma-Narrows-Brücke eröffnet worden. Sie war zu diesem Zeitpunkt die drittlängste Hängebrücke der Welt. Leon Moisseiff, der Chefingenieur des Bauwerks, nannte sein Werk ganz bescheiden «die schönste Brücke der Welt».

Die Tacoma-Narrows-Brücke kurz nach dem Einsturz. Bild: AP NY

Moisseiff hatte zuvor mitgeholfen, die Manhattan-Brücke und die Benjamin-Franklin-Brücke zu errichten. Der gebürtige Lette war ein gefeierter Brücken-Ingenieur, dessen Theorien beim Bau der weltberühmten Golden-Gate-Brücke berücksichtigt wurden. Die Tacoma-Narrows-Brücke ist seine erste Arbeit als Chefingenieur gewesen.

1. Juli 1940: Die Tacoma-Narrows-Brücke wird eröffnet. Bild: AP NY

Bereits vor ihrer Einweihung verpassten Arbeiter der Brücke den Übernamen «Galloping Gertie». Denn nur schon geringe Windböen reichten, um die Brücke in Schwingung zu bringen. Gegenmassnahmen wurden zwar ergriffen – doch sie versagten alle.

Die Tacoma-Narrows-Brücke liegt in der Nähe von Seattle

Am Morgen des 7. November war Leonard Coatsworth, ein Reporter der «Tacoma News Tribune», der letzte Mensch, der versuchte, die Brücke zu überqueren. Mit ihm im Auto: Tubby, der Cockerspaniel seiner Tochter.

Der Zeitpunkt des Einsturzes. Gut erkennbar und noch immer auf der Brücke: Coatsworths Auto. Bild: AP

Coatsworth schaffte es nicht mehr über die Brücke. Die Schwingungen waren derart gross, dass er Hund und Auto zurücklassen und zu Fuss umkehren musste: «Ich hörte Beton aufbrechen ... der Wagen wurde hin und her geworfen ... ich musste auf allen Vieren kriechen. Ich keuchte, meine Hände und Knie bluteten. Am Ende riskierte ich alles und rannte das letzte Stück. In Sicherheit sah ich dann, wie die Brücke einstürzte.»

Auch der mutige Professor Farquharson (zu sehen im Video unten) scheiterte beim Versuch, auf der schaukelnden Brücke bis zu Tubby vorzudringen. Er kehrte ohne Tier zurück.

Am 11. November 1940 um 11 Uhr stürzte die Tacoma-Narrows-Brücke ein und riss Cockerspaniel Tubby in die Tiefe. Der Hund blieb das einzige Todesopfer.  

Der Bau der Tacoma-Narrows-Brücke ging als einer der grössten Ingenieur-Fehler in die Geschichtsbücher ein. Die Erkenntnisse aus dem Vorfall halfen aber mit, die Brückenbaukunst weiterzuentwickeln. Zehn Jahre später wurde die Brücke erneut errichtet. Sie steht heute noch.

Chefingenieur Moisseiff erlebte dies nicht mehr. Er erlag drei Jahre nach dem Einsturz einem Herzinfarkt. (tog)

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1m 24s

Autobanbrücke stürzt wegen Feuer ein

Video: watson

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Xaver 07.11.2017 23:46
    Highlight Warum die Brücke Hops ging hätte man ruhig noch erwähnen können. Der Titel des Artikels dürfte sich allerdings auf das Foto beziehen und nicht auf das Warum des Einsturzes
    3 0 Melden
  • Ziasper 07.11.2017 21:25
    Highlight Liebes Watson. Ihr könntet ruhig die Gründe schreiben, die zu diesem Versagen führten.
    32 0 Melden
  • MM 07.11.2017 20:03
    Highlight In einem Artikel über die Tacoma-Narrows-Brücke mit dem Titel "das steckt dahinter" kommt das Wort Resonanz einzig im Kommentar von scheppersepp vor.
    Immerhin!
    13 0 Melden
  • Confused Dingo #teamhansi (an intolerant asshole) 07.11.2017 18:24
    Highlight Armer Tubby😥. Rest in Peace Doggo!
    28 1 Melden
  • Hardy18 07.11.2017 18:11
    Highlight Mich würd ja mal interessieren wobei der Fehler lag, dass die Brücke sich so aufschaukeln konnte. 🤔
    66 0 Melden
    • scheppersepp 07.11.2017 18:27
      Highlight Resonanz war das Problem.der Wind versetzte die Brücke in eine Schwingung die die gleich Resonanz hatte in der die Brücke zurückschwing. So schaukelte die Brücke sich bis zum bersten selbst auf
      55 0 Melden
    • Prolet Biertrinker 07.11.2017 18:39
      Highlight Wie ein Weinglas bei einer bestimmten gleichbleibenden Tonfrequenz zerspringt
      25 0 Melden
    • Madison Pierce 07.11.2017 18:44
      Highlight Der Titel hält leider nicht ganz, was er verspricht, denn was dahinter steckt, lässt er offen.

      Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Tacoma-Narrows-Br%C3%BCcke) war es aber nicht die Resonanz, sondern eine selbsterregte Schwingung.

      Komme noch nicht ganz draus, aber es wird vergleichbar sein mit dem Effekt, der ein über einer Bergkante kreisendes Segelflugzeug auf Geschwindigkeiten weit über der Windgeschwindigkeit beschleunigt.

      Soll der Huber mal in die Tasten hauen! :)
      7 1 Melden
    • The Origin Gra 07.11.2017 18:46
      Highlight Jap, der Wind hatte die Frequenz der Eigenfrequenz der Brücke, wie Sepp schrieb, schauckelte sich das Hoch bis zur Resonanzkatastrophe.

      Heute schützen Dämpfer die Bauwerke vor Resonanzkatastrophen auch wenn es hin und wieder auch danach vorkam
      9 0 Melden
    • fcsg 07.11.2017 20:40
      Highlight http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1361846/Tacoma-Narrows-Brücke
      Das Ursache wird hier genauer erläutert...
      5 0 Melden
    • reblef 08.11.2017 06:17
      Highlight Das Problem war das der Brückenkörper sich durch den Wind in Resonanz befand. Bedeutet: Durch den Wind konnte sich der Brückenquerschnitt immer Stärker aufschaukeln, bis die Belastungen zu gross und somit die Materialwiderstände überschritten wurden.

      Dieser Aspekt war in den 1930er-Jahren absolut unbekannt. Der Fehler lag zwar beim Ingenieur, aber er konnte es nicht wissen und letztendlich war es einfach Pech. Mit einem leicht anderen Gewicht wäre es nicht zur Katastrophe gekommen.
      4 1 Melden
    • Anam.Cara 08.11.2017 07:27
      Highlight Man sagt, dass die Kirchenfeldbrücke in Bern einstürzen würde, wenn ein Batallion Soldaten im Gleichschritt darüber marschiert. Das dürfte dann wohl den selben Effekt mit der Eigenschwingung auslösen...
      5 0 Melden
    • Nguruh 09.11.2017 13:44
      Highlight @Anam.Cara
      Werden wir wohl nie Herausfinden, da unsere "Beste Armee der Welt" bereits froh sein kann, wenn ein ganzer Zug den Gleichschritt beherrscht.. da ist ein Bataillon weit weg vom Gleichschritt^^
      1 0 Melden
    • The Origin Gra 09.11.2017 17:32
      Highlight @Anam.Cara: Im Deutschen Kaiserraich wurde das aus eben diesem Grund verboten. Eine Kompanie marschierte im Gleichschritt über eine Brücke die genau die Eigenfrequenz hatte
      2 0 Melden

Rate mal, wie viele Länder gerade auf Kurs zur Erreichung der Pariser Klimaziele sind

Die Antwort ist: Keines!

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