Wissen
epa04329470 General view over a severe drought afflicting the American Southwest has left parched earth where there once was water near the shore of Lake Mead, which is at its lowest level since it was filled in 1937, in the Lake Mead National Recreation Area, Nevada, USA, 24 July 2014. Formed after construction of the Hoover Dam, Lake Mead is the largest reservoir in the United States. Yet it is currently at just 39 percent capacity, with water levels at 1082 feet (330 meters), down from a high of 1225 feet (373 meters) in 1983.  EPA/JIM LO SCALZO

Vom Lake Mead im Südwesten der USA ist nicht mehr viel zu sehen. Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Rekord-Dürre

Grundwasser-Verlust in den USA schockiert Forscher

Der Südwesten der USA leidet seit 14 Jahren unter einer rekordverdächtigen Dürre. Ihre Folgen könnten noch schlimmer sein als befürchtet: Satellitendaten zeigen, dass die Grundwasser-Vorräte massiv angegriffen sind. Forscher zeigen sich entsetzt. 

25.07.14, 20:21

Markus Becker / Spiegel Online

Ein Artikel von

Wissenschaftler neigen schon von Berufs wegen dazu, selbst dramatische Erkenntnisse nüchtern zu beschreiben. Umso erstaunlicher ist, wie sich Experten jetzt über Satellitendaten zur Dürre in den USA äussern. "Wir hatten angenommen, dass es ziemlich übel aussehen würde", sagte Stephanie Castle, Spezialistin für Wasserressourcen an der University of California in Irvine. "Aber das ist schockierend." 

Der Grund für den Schrecken: Satellitendaten zeigen, dass drei Viertel der riesigen Wassermenge, die das Flussbecken des Colorado in den vergangenen neun Jahren verloren hat, aus Grundwasser-Reservoiren stammten. Die Region, so scheint es, zehrt schon seit Jahren von ihren Reserven. 

Die Boote am Packers Bay Marina in Shasta County, Kalifornien, sitzen auf dem Trockenen. Bild: JOHN G. MABANGLO/EPA/KEYSTONE

Die Forscher hatten Daten des Nasa-Satelliten "Grace" (Gravity Recovery and Climate Experiment) genutzt, um herauszufinden, welchen Beitrag Grundwasser zur Versorgung der westlichen USA beiträgt. Grund dazu gibt es: Die Region leidet seit 14 Jahren unter einer biblischen Dürre. Sie sei "beispiellos seit dem Beginn der verlässlichen Aufzeichnungen im Jahr 1895", heisst es im National Climate Assessment, dem offiziellen Klimabericht der US-Regierung, den Präsident Barack Obama Anfang Mai vorstellte. Die Pegel vieler Stauseen, darunter die der gigantischen Reservoire Lake Mead und Lake Powell, sind auf historische Tiefststände gesunken - leicht erkennbar an den ausgebleichten Rändern am Ufer der Seen. 

Wesentlich schwieriger zu erfassen ist allerdings, wie sehr der Grundwasserpegel gesunken ist. Denn während der Wasserverlust der Stauseen zentral durch eine Bundesbehörde dokumentiert wird, sind für die Entnahme von Grundwasser die einzelnen Bundesstaaten verantwortlich - und sie ist oft nicht besonders gut dokumentiert. "Satelliten bieten die einzige Möglichkeit, ein so grosses Gebiet zu erfassen", sagt Nasa-Wissenschaftler Jay Famiglietti. Der "Grace"-Satellit funktioniert nach Angaben wie eine riesige Waage: Er misst monatlich die Veränderungen der unterirdischen Wassermenge anhand der Schwankungen der lokalen Erdanziehungskraft. 

Wie Castle und ihre Kollegen nun im Fachblatt "Geophysical Research Letters" schreiben, hat das Colorado-Flussbecken zwischen Dezember 2004 und November 2013 rund 65 Kubikkilometer Wasser verloren. Das ist doppelt so viel wie der gesamte Inhalt des Lake Mead, des grössten Stausees der USA. Er wird, wie auch der rund 270 Kilometer nordöstlich gelegene Lake Powell, vom Colorado River gespeist. Das Problem: "Wir wissen nicht genau, wie viel Grundwasser noch übrig ist", sagt Castle. "Deshalb kann auch niemand sagen, wann es verschwunden ist." 

Furcht vor künftigen Engpässen 

Gummi statt Wasser im Lake Mead im Bundesstaat Nevada.  Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Die schnelle Entleerung der Grundwasservorräte wird laut Famiglietti die Versorgungsprobleme im Süden und Westen der USA verschärfen, da der Colorado noch weniger Wasser führe als ohnehin schon. Hinzu kämen eine zurückgehende Schneebedeckung der Hochlagen im Winter und ein starkes Bevölkerungswachstum. Das, meint Famiglietti, werde wahrscheinlich langfristig die geplanten Wasserlieferungen aus dem Coloradobecken gefährden. Von ihnen sind rund 40 Millionen Menschen und 16.000 Quadratkilometer Ackerland in sieben US-Bundesstaaten und Teilen Mexikos abhängig. 

Hinzu kommt, dass die aktuelle Dürre nur der Anfang noch härterer Zeiten im Westen der USA sein könnte. Baumring-Analysen haben ergeben, dass das 20. Jahrhundert dort die niederschlagreichste Periode der vergangenen 1200 Jahre war. Zuvor war es in der Region deutlich trockener als heute. Eine Studie etwa hat gezeigt, dass zwischen den Jahren 850 und 1300 gleich zwei Megadürren herrschten - jede für sich fast 200 Jahre lang. Die grösste Befürchtung der Experten ist, das Klima könne nun wieder zu derartigen Verhältnissen zurückkehren. Dann wären wohl auch die harten Sparmassnahmen, die in Städten wie Las Vegas in zwischen gelten, nicht mehr ausreichend. 

Entsprechend besorgt äusserte Castle sich über künftige Engpässe. Anders als oberirdische Reservoire könnten Grundwasservorräte so stark ausgebeutet werden, dass sie sich nicht mehr auffüllten. Doch nur sie könnten Verbraucher, Landwirte und Ökosysteme bei Dürren schützen. "Das", sagte Castle der Nachrichtenagentur AP, "ist der beängstigende Teil der Analyse." 

Ein Steg lässt erahnen, dass hier mal Wasser war. Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Urs Handte 26.07.2014 15:52
    Highlight Ja ja, die ganze Welt schaut wieder mal zu wie Nestlé in Indianer Reservaten und anderswo Wasser für die eigene Getränke-Marke "Pure Life" abzapft und so frischfröhlich und ungeniert die regionale Wasserversorgung untergräbt...
    4 1 Melden
  • sewi 26.07.2014 10:27
    Highlight Die Natur reguliert selbst. Kein Wasser, keine Menschen und die Natur erholt sich wieder
    5 1 Melden
  • Anita_S 26.07.2014 07:01
    Highlight Und Nestle zapft frisch-fröhlich weiter Wasser aus bedrohten Gebieten ab....
    3 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.08.2014 00:55
      Highlight Wasser muss natürlich einen Preis haben. Golfplätze bewässern und 2x pro Woche das Auto waschen zehrt eben auch an den Reserven.
      0 0 Melden
  • Dom^ 26.07.2014 01:09
    Highlight das zeigt mir mal wieder das unverantwortliche handeln bestimmter akteure in den usa. in diesem gebiet saugt ja auch nestlé das grundwasser ab, füllt es in flaschen und verkauft es. anstatt in regenreichen regionen wird über unvorstellbare zeit angesammeltes wasser im übermass verschwendet. in einer wüstenregion. schpinnts?
    4 0 Melden
  • Der Tom 25.07.2014 23:24
    Highlight Jesses wo ist denn das ganze Wasser hin? Die sollen doch eine Pipeline Bauen von Alaska bis in den Süden und damit abschmelzendes Gletscherwasser runter schaffen. Ist wichtig weil doch fracking auch nich funktioniert wenn es zu trocken ist oder?
    6 3 Melden
    • christianlaurin 25.07.2014 23:42
      Highlight Ich war schon öfters in Las Vegas, Palm Springs und Phönix. Das sind wüsten gebieten, aber im ware sinn. Aber wo ich grüne Gärten und Golfkurse überall gesehen habe, habe ich gedacht wie lang bis alles vorbei ist? Na ja wir sehen es, offensichtlich nicht so lang....
      2 0 Melden
    • The Destiny 26.07.2014 06:25
      Highlight Drei mal raten warum es so trocken ist?
      Weil das fracking soviel Wasser verbraucht.
      Beim Hydraulic Fracturing werden in die Bohrung, neben üblicherweise rund 10 Millionen Litern Wasser und Quarzsand, pro Bohrung 8-12 (500+) Chemikalien gepresst. (wikipedia)
      3 0 Melden
    • Matthias Studer 26.07.2014 22:26
      Highlight Wer kein Wasser hat, braucht auch keim ÖL mehr. Öl kann man nicht trinken. Vielleicht merkt das auch einer der Öl-Lobbyisten.
      3 0 Melden

Er will beweisen, dass die Erde flach ist – ja, mit Hilfe dieser Rakete

Vielleicht wird es das Letzte sein, was Mike Hughes in seinem 61-jährigen Leben tut: Am Samstag will der Amerikaner in der kalifornischen Mojave-Wüste eine selbstgebaute Rakete besteigen und damit abheben, wie er auf Facebook kundtut. Der Taxifahrer unternimmt seine lebensgefährliche Reise nicht einfach so – er hat eine Mission. 

«Mad Mike», wie er sich selber nennt, will beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Flach wie eine Flunder. Mit dieser Theorie ist er nicht ganz allein – eine …

Artikel lesen