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Lars Hattwig erklärt auf seinem YouTube-Kanal, wie er es geschafft hat, finanziell frei zu werden. screenshot: youtube / lars hattwig

Wie man es schafft, mit Mitte 40 nie mehr arbeiten zu müssen: Dieser Mann weiss es

Davon träumen wir alle: Lars Hattwig ist 47 Jahre alt – und braucht nie wieder einen Job. Doch ganz so einfach ist das nicht.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Für sein Ziel hat Lars Hattwig mit dem Rauchen aufgehört, ist weder verreist noch mit Freunden ausgegangen. In seiner Wohnung brannte nur eine Glühbirne und Besuch musste darauf achten, die Toilettenspülung möglichst kurz zu drücken.

Klingt hart, doch dank der Sparmassnahmen ist Hattwig längst nicht mehr auf seinen Lohn angewiesen. Vor drei Jahren hat er seine Festanstellung deshalb aufgegeben.

Dafür hat der Berliner mehrere Jahre freiwillig auf vieles verzichtet. Leute mit diesem Lebensstil nennt man Frugalisten. Frugal bedeutet «einfach, bescheiden, mässig». Menschen, die sich selbst so bezeichnen, sparen mit allen Mitteln einen möglichst grossen Teil ihres Einkommens, investieren das Geld in Aktien und Fonds. So häufen sie im Erfolgsfall ein Vermögen an, mit dem sie bis an ihr Lebensende auskommen könnten, ohne einer Arbeit nachzugehen.

Der frugale Lebensstil entstand nach der Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren in den USA. «Die Amerikaner machen die Erfahrung, dass viele Landsleute nach wie vor sehr bewusst darauf achten müssen, ihr Geld zusammenzuhalten», heisst es beim Institut für Trend- und Zukunftsforschung in Heidelberg. «Der Lifestyle der Frugalisten mit ihrem neuen bewussten Konsumverhalten hilft ihnen dabei.»

«Ich habe alles ausgegeben»

Der Traum von der finanziellen Freiheit fing für Lars Hattwig ausgerechnet mit einer privaten Pleite an. Als er 2003 in der Bank steht und der Automat kein Geld ausspuckt, fängt er an zu grübeln. Zunächst darüber, wer ihm 50 Euro leihen könnte. Dann, warum er als festangestellter Meteorologe jeden Monat sein Konto leerräumt. «Mein Gehalt war nicht schlecht, aber ich habe einfach alles ausgegeben», sagt Hattwig. «Ich wusste, dass ich etwas ändern muss.»

Er beginnt, einen Teil seines Gehalts sofort auf ein anderes Konto zu überweisen. Die monatlichen Ersparnisse investiert Hattwig: zuerst in Aktien, dann in Investmentfonds. So wächst sein Vermögen auf rund 50'000 Euro - bis ihn 2008 die Finanzkrise erwischt. «Auf einmal hatte ich alles verloren. In dieser Zeit habe ich mit dem Frugalismus angefangen.» Hattwig behält seine Geldanlagen, die später wieder kräftig an Wert zulegen sollten. Indem er auf fast alles verzichtet, spart er monatlich bis zu 70 Prozent seines Einkommens.

Immerhin jeder zehnte Haushalt in Deutschland könnte etwa 13 Jahre mit seinen Ersparnissen auskommen - vorausgesetzt, der Lebensstandard verändert sich nicht. Das zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 2017.

Fünf Prozent der Haushalte könnten sogar zwei Jahrzehnte lang von ihrem Vermögen leben. Demgegenüber stehen 30 Prozent der Haushalte, bei denen nach wenigen Wochen oder Monaten die Reserven verbraucht wären. «Vor allem Alleinerziehende und deren Kinder zählen zu dieser Gruppe», schreibt die Volkswirtin Anita Tiefensee.

«Nur das Beste von allem»

Wie viele finanziell freie Menschen ihr Vermögen mit Frugalismus aufgebaut haben, ist nicht bekannt. Lars Hattwig schätzt, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung so lebt, wie er es einige Jahre getan hat. Vor allem für Geringverdiener ist ein Leben als Frugalist schwierig. Wer monatlich weniger als 1000 Euro zur Verfügung hat, bräuchte Jahrzehnte, um finanzielle Freiheit zu erreichen, schätzt der 47-Jährige.

«Die Fähigkeit, individuell Vorsorge treffen zu können, setzt ein regelmässiges, verlässliches Einkommen voraus, das oberhalb der Existenzsicherung liegt», erklärt Tiefensee. «Das ist bei Weitem nicht für jeden der Fall.» Dazu kämen unkalkulierbare Risiken wie Jobverlust oder eine längere Krankheit. Auf der anderen Seite gebe es auch Gutverdiener, für die das extreme Sparen unmöglich sei, sagt Lars Hattwig: «Für Menschen, die immer das Beste von allem haben wollen, funktioniert diese Strategie nicht.»

Hattwig ist überzeugt: Eine Zeit lang die Hälfte aller Einkünfte zu sparen, sei lehrreich und schaffe das nötige Bewusstsein fürs Geld. Doch auf Dauer könne er sich ein Leben als Frugalist nicht mehr vorstellen. «Irgendwann kommt man an den Punkt, da kann man den Gürtel nicht mehr enger schnallen.»

Er selbst lebt noch immer sparsam, fährt aber auch mal in den Urlaub oder geht zum Essen ins Restaurant. Damit ihm nicht langweilig wird, nimmt er ab und zu Aufträge als Finanzberater an. Aber nur so viel wie er möchte, Geld zum Leben hat er durch sein Erspartes ja genug.

Verena Kensbock/dpa/koe

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bert der Geologe 29.04.2018 14:27
    Highlight Highlight Und dann tritt der Erfogsfall nicht euin und sie liegen uns ganz unfrugal auf der Tasche.
  • me myself 29.04.2018 12:55
    Highlight Highlight Und wieviel hat er nun? Wäre aber nichts für micht, man lebt nur einmal! Ist doch kein Leben mehr.
    • Sarkasmusdetektor 30.04.2018 14:24
      Highlight Highlight Jeden Tag zur Arbeit zu gehen hat auch nicht viel mit Leben zu tun.
  • Madmessie 29.04.2018 12:12
    Highlight Highlight Sein Geld mit Aktien und Fonds vermehren = Kinderarbeit u terstützen, andere Menschen ausbeuten, die Umwelt zerstören, über Leichen gehen, etc, etc. Könnte ich mit meinem Gewissen nie vereinbaren.
    • penetranz 29.04.2018 13:31
      Highlight Highlight Mit dem I phone telefonieren idet den Nestle Icetea drinken sollte schon reichen für ein schlechtes Gewissen.
      Produkte derer Firmen zu konsummieren und deren Aktien zu kaufen. Icj sehe da Ethisch keinen unterschied.
  • Matti_St 29.04.2018 08:58
    Highlight Highlight In erster Linie keine Kinder auf die Welt stellen. Das ist der größte Armutsfaktor heute.
    Als Single ohne Kinder ist es nicht schwer genügend auf die Seite zu legen um sich früher von der Arbeitswelt zu verabschieden. Darüber hinaus kann man auch mit den Investitionen größere Risiken eingehen.
    • Röschtigraben 29.04.2018 10:20
      Highlight Highlight Die kleinen Kinder von heute zahlen dir im alter evtl deine Rente
    • Matti_St 29.04.2018 11:46
      Highlight Highlight @Röschti, um so trauriger ist eben die Tatsache, dass die Kinder der größte Armutsfaktor ist.
  • fluh 29.04.2018 08:22
    Highlight Highlight mrmoneymustache.com erklärt das ganze thema in seinem blog recht unterhaltsam. man kann wohl mit rund 4% ertrag aus seinen anlagen rechnen, sprich wenn ich 100tchf brauche pro jahr muss ich 2.5mchf sparen.
  • Loeffel 29.04.2018 01:40
    Highlight Highlight Okay, und wieviel hat er nun auf der hohen Kante um in den ewigen Ruhestand gehen zu können? Irgendwie ein komischer Artikel. Habe ihn gelesen, bin nun aber nicht wirklich gescheiter als vorher.
    • Leichterbär 29.04.2018 12:22
      Highlight Highlight Hab den Artikel gelesen und genau das gleiche gadacht.Bin so schlau wie vorher🤪
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 29.04.2018 19:41
      Highlight Highlight Wenn man minimalistisch lebt, braucht man nicht so ein grosses Vermögen. Falls man mit 2'000 Franken in der Schweiz leben möchte, so bräuchte man circa 600'000 Franken (4% Vermögensverzehr). In den letzten 50 Jahren hätte es immer bis zum Rentenalter gereicht im Alter von 47 (https://goo.gl/horCRB). In Deutschland würde man es wohl noch mit weniger Geld schaffen.
    • Sarkasmusdetektor 30.04.2018 14:31
      Highlight Highlight Habe mal von einem Selbständigen gehört, er brauche ca. Fr. 700'000, um sich zur Ruhe setzen zu können. Das sollte dann bis zum Lebensende reichen, nicht nur bis zur Pensionierung - viel Rente bekommt man als Selbständiger ja nicht.
  • PenPen 29.04.2018 01:37
    Highlight Highlight Was für ein Langweiler.
  • MadPad 29.04.2018 01:32
    Highlight Highlight Super, was für ein Leben ohne Freunde die vorbei kommen können uns mal was feines essen.

    Was bringt einem da alles Geld der Welt?
    • Midnight 29.04.2018 07:35
      Highlight Highlight "Leben"...
    • Sarkasmusdetektor 30.04.2018 14:35
      Highlight Highlight Wenn deine Freunde bei dir nur vorbeikommen, weil du viel Geld für's Essen springen lässt, dann hast du keine Freunde. Leute einladen kann man mit einem sparsamen Lebensstil noch lang, meist bekommt man es ja beim nächsten Besuch bei ihnen zurück.

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