Wissen

Studie über Wirtschaftskriminalität

Schweizer Angestellte vergeuden Material, begünstigen Angehörige und frisieren Spesen

17.06.14, 09:27 17.06.14, 14:44

Fast zwei Drittel der Angestellten geben in einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG zu, dass sie am Arbeitsplatz unsauberes Verhalten an den Tag gelegt haben. Verschwendung und Missbrauch von Mitteln kamen am häufigsten vor.

36,4 Prozent der Befragten gaben diese Vergehen in der Studie zu, die bei Deutschschweizer Unternehmen durchgeführt und am Dienstag veröffentlicht wurde.

Fast fünf Prozent der Befragten klauten in den letzten 12 Monaten Geld vom Arbeitgeber.  Bild: Shutterstock

Insgesamt gestanden 64 Prozent Fehlverhalten, während 83 Prozent angaben, in den vergangenen zwölf Monaten Zeuge einer Unregelmässigkeit gewesen zu sein.

Ein Viertel der 428 Umfrageteilnehmer gab Tätigkeiten zu, die dem Interesse ihrer Firma entgegenliefen. Dazu zählen etwa die Bevorzugung von Familie und Freunden oder die Nutzung der Arbeitszeit für private Interessen. 

Fast jeder Zehnte hat gegen die Auflage verstossen, Dokumente aufbewahren zu müssen. 8,6 Prozent tricksten Kontrollsysteme in der Informatik aus, wie aus der Studie hervorgeht, die in Zusammenarbeit mit der Erasmus-Universität von Rotterdam durchgeführt wurde. 

4,9 Prozent gaben an, dass sie bei den Arbeitszeiten schummelten, die Spesenabrechung frisierten, Material klauten, oder Geld abzweigten

Nicht nur gegen die Firma, auch untereinander kommt es häufig zu Fehlverhalten der Mitarbeiter: So hat jeder Fünfte Sicherheits- oder Gesundheitsvorschriften am Arbeitsplatz verletzt. Gar mehr als ein Drittel hat dies schon beobachtet. Jeder Zehnte hat die Vorschriften zu Lohn oder Überstunden umgangen. Knapp 30 Prozent der Befragten hat dieses schon bei Kollegen mitbekommen. 

2,6 Prozent fälschten Finanzdaten. Bild: Shutterstock

Weit verbreitet ist auch Klatsch und Tratsch sowie Vertrauensmissbrauch, allerdings steht kaum jemand dazu: Ein Fünftel hat schon miterlebt, wie die Privatsphäre von Mitarbeitern verletzt wurde. Aber nur rund 5 Prozent wollen dies selber schon gemacht haben. 

Sexuelle Belästigung oder ein feindseliges Arbeitsklima durch beispielsweise Einschüchterung, Rassismus, Beschimpfungen oder körperliche Gewalt haben zwar 15,7 Prozent schon mitbekommen. Aber nur 2,3 Prozent der Befragten gaben zu, selber Täter zu sein. 

Deutlich geringer als im eigenen Unternehmen ist unsauberes Verhalten gegen aussen. Am häufigsten sind hier Verletzung der Umweltschutzvorschriften, was 17 Prozent der Befragten getan haben. 

Ein fauler Apfel infiziert den ganzen Korb

Eine weitere Studie von Universität und ETH Zürich zeigt, dass faule Äpfel den ganzen Korb infizieren können. Mitarbeiter, die häufiger Fehlverhalten beobachtet hätten, würden sich selber häufiger unsauber verhalten. Am verheerendsten ist dies, wenn der Täter ein Vorbild für den Beschäftigten ist. 

Vorbildfunktionen in Unternehmen sind wichtig. 

Machenschaften von einem sehr erfahrenden Kollegen, einem Vorgesetzten oder gar einem Geschäftsleitungsmitglied lockt sehr wahrscheinlich Mitläufer an. Dann könne sich unsauberes Verhalten verbreiten, heisst es in der Studie: «Falls die Vorschrift auf Papier sagt: »Geh nach links!«, aber ein Mitarbeiter beobachtet, dass Kollegen nach rechts gehen, besteht ein gewisses Risiko, dass das Verhalten der Kollegen mehr Gewicht hat als die Vorschrift auf Papier.» 

Zudem betrügen eher jene Mitarbeiter, die um ihren Job fürchten. Auch der Groll über die Lohnsituation oder Enttäuschungen bei Beförderungen können die Neigung zur Wirtschaftskriminalität verstärken. 

Schaden massiv gestiegen: 830 Millionen Franken im 2013

In einer separaten Studie hatte KPMG im Februar ermittelt, dass Wirtschaftskriminelle im vergangenen Jahr massiv mehr Schaden verursacht haben. Die vor Schweizer Gerichten verhandelte Deliktsumme stieg im Vergleich zu 2012 um zwei Drittel auf 830 Millionen Franken. Das sei aber nur die Spitze des Eisbergs, sagte KPMG-Experte Anne van Heerden vor den Medien in Zürich. (rar/sda) 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • MediaEye 18.06.2014 07:39
    Highlight Haben wir ein Sommerloch? Oder was soll diese konzertierte Aktion in den Medien???
    Klar, ich gebe zu, die Sitten haben sich gegenüber früher verändert, nicht nur zum Besten; aber hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
    Da ist doch ihr anderer Artikel wesentlich wichtiger, nämlich die ungetreue, deliktische Geschäftsführung bei der Geschäftsleitung; dort wird der grosse Schaden angerichtet.
    Hier soll einmal mehr der "kleine" Angestellte als der grosse Kriminelle dargestellt werden, ganz nach dem altbekannten Spruch
    " Die Kleinen hängt man und die Grossen lässt man laufen"!
    0 0 Melden
  • C 17.06.2014 21:01
    Highlight Schweizer Angestellte vergeuden Material, begünstigen Angehörige und frisieren Spesen.

    Und dabei tragen sie auch immer eine Ski-Maske.
    1 0 Melden
  • klugundweise 17.06.2014 12:05
    Highlight Und alle diese grösseren und kleineren Gauner sind dann selbstverständlich ehrliche Steuerzahler. Es gibt daher keinen Grund das Bankgeheimnis abzuschaffen ;-))
    2 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 17.06.2014 13:54
      Highlight Was hat das mit nicht erlichen oder nicht loyalen mitarbeitern zu tun ?

      In allen bolivarischen/sozialistischen/komunistischen laendern die ich kenne existiert kein bankgeheimnis, vielmehr werden alle kontodaten direkt den finanzbehoerden gemeldet bzw. diese haben direkten zugriff darauf und all das hat bis heute keinen gestoert oder daran gehindert unehrlich, "hinterfozig" oder aktiv/passiv korrupt zu sein bzw. zu werden. Allen voran natuerlicherweise die politiker und ihre engen freunde.
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