Wissen

Landung auf dem Kometen

«Philae»-Daten enthüllen Tschuris Geheimnisse 

Von allen zehn Experimenten auf dem Kometen Tschuri liegen Daten vor – nun beginnt die aufwendige Analyse. Erste Ergebnisse zeigen: Der Himmelskörper besitzt eine harte Oberfläche und wenig Staub. 

17.11.14, 13:19 17.11.14, 15:18

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Das Mini-Labor «Philae» schläft, doch die Erforschung des Kometen Tschuri geht weiter. Zur Freude der Verantwortlichen übermittelte der Kometenlander in der Nacht zum Samstag mit dem letzten Rest Energie erfolgreich alle gewonnenen Messdaten. «Alle zehn Experimente sind gelaufen, und von allen zehn Experimenten gibt es Daten», sagte Thomas Schütz, Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). 

Die Mission sei ein «voller Erfolg», erklärte «Philae»-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Demnach arbeitete das kühlschrankgrosse Minilabor 56 Stunden durch, genauso wie seine Kontrolleure am Boden. Als nach und nach die erhobenen Daten eintrafen, sei im Kontrollraum in Köln immer wieder Jubel ausgebrochen. 

Die sogenannte First Science Sequenz sei gelaufen, erklärte Schütz. Seit Montagmorgen sässen die für «Philae» zuständigen Wissenschaftler in Köln zusammen, um die Daten zu analysieren. Der Sprecher warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen: «Die Auswertung solcher Experimente kann Jahre dauern.» Doch die ersten Informationen liegen jetzt vor. 

Harte Schale, wenig Staub 

«Jetzt wissen wir: Auf der harten Oberfläche, auf die Philae 'gehüpft' ist, gab es nur zehn oder zwölf Zentimeter Staub», sagte der Leiter für Missionsbetrieb bei der Europäischen Weltraumagentur Esa, Paolo Ferri, am Montag dem Radiosender HR-Info. 

Vor der historischen Landung von «Philae» auf dem Tschuri genannten Kometen am vergangenen Mittwoch hatten die Wissenschaftler über die Oberflächenbeschaffenheit des Schweifsterns nur spekulieren können. Ferri zufolge nahm «Philae» enorm detailreiche Fotos von der Kometenoberfläche auf. «Die Bilder, die wir gesehen haben, sind noch nicht veröffentlicht, aber sie waren fantastisch», sagte Ferri. «Ich habe Bilder gesehen, die aussehen wie Korallenriffe auf dem Meeresboden, unglaubliche Strukturen.» 

Sonnensegel Richtung Sonne gedreht 

«Philae» war am Mittwochnachmittag auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, gelandet. Die Batterie war für eine Energielieferung von etwa 60 Stunden programmiert, danach sollten Solarbatterien einspringen. Allerdings landete «Philae» an einer anderen Stelle als geplant, nämlich in einer Schrägstellung und womöglich an einem Kraterrand. Deshalb bekam das Labor wesentlich weniger Sonnenlicht ab als geplant – entsprechend weniger Energie liefern die Sonnensegel. 

Immerhin konnten die Wissenschaftler «Philae» samt seinen Sonnensegeln noch um 35 Grad drehen, bevor sich der Lander wegen Strommangels abschaltete. Das grössere Sonnensegel steht nun in einem günstigeren Winkel zur Sonne und kann mehr Energie tanken. Die Hoffnung ist, dass sich «Philae» noch einmal aus seinem Ruhemodus hochfahren lässt, wenn sich der Komet in den kommenden Monaten weiter der Sonne nähert. 

«Ich schliesse mit einem erholsamen 'zzzzz'» 

Sollten die Batterien des Landers tatsächlich noch einmal aufgeladen werden, könnte die Untersuchung des Kometen fortgesetzt werden. «Aus den Daten der ersten Experimente ergeben sich weitere Fragen», erklärt DLR-Sprecher Schütz. Soll man die Instrumente anders programmieren oder ein Experiment verändern? 

Die Landung von «Philae» auf Tschuri – die erste eines vom Menschen geschaffenen Geräts auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt – war als historischer Erfolg gefeiert worden. Ziel der Mission sind neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems. Gesucht wird unter anderem nach organischen Molekülen, wie sie eine Rolle bei der Entstehung von Leben auf der Erde gespielt haben könnten. 

Europas Raumfahrtagentur Esa liess «Philae» und die Trägersonde «Rosetta», die die rund 510 Millionen Kilometer weite Reise zu Tschuri absolviert hatte, über den Kurznachrichtendienst Twitter miteinander kommunizieren. «Mein Leben auf einem Kometen hat gerade erst begonnen. Ich schliesse mit einem erholsamen 'zzzzz'», meldete demnach «Philae». Der Orbiter «Rosetta» antwortete: «Ist gut, 'Philae'. Bei mir ist soweit alles okay. Schlaf gut.» (hda/jme/AFP)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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