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urbane legende

Rückzug unmöglich – wenn die Vagina zur Falle wird

Joachim Anthonisz. Wtewael, «Venus und Mars werden von Vulkan überrascht». Bild: monsieurlabette.tumblr.com

Es klingt wie eine urbane Legende, aber sehr selten kommt es tatsächlich vor: Beim Sex bleibt das männliche Genital in der Scheide stecken. Die Frage ist allerdings, wie lange.

03.02.14, 13:50 25.06.14, 15:11

Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt am Inselspital in Bern, hat schon viel gesehen. Zum Beispiel Patienten, die nach dem Sex mit Migräne, Herzproblemen oder gar Gedächtnisverlust auf der Notaufnahme landeten. «Das ist nicht gerade das romantischste Ende, das sich ein Paar vorstellen kann», sagte der Leiter des Universitären Notfallzentrums kürzlich in einer Gesundheitssendung des britischen Radiosenders BBC

Doch als der erfahrene Arzt gefragt wurde, ob ihm jemals ein Fall von Penis captivus untergekommen sei, musste er passen. Bei der Vorstellung, dass der Penis des Mannes in der Vagina der Frau steckenbleibe, handle es sich wohl um eine urbane Legende, meinte Exadaktylos.

«Ich muss Ihnen sagen, dass es kein Mythos ist»

Damit waren zwei Zuhörer nicht einverstanden. Eine Frau, die anonym bleiben wollte, schrieb der BBC: «Ich muss Ihnen sagen, dass es kein Mythos ist.» Es sei ihr und ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann einmal passiert. «Er konnte buchstäblich nicht zurückziehen, das heisst, er blieb stecken. Ich schrieb das der intensiven Muskelkontraktion der Vagina während des Orgasmus zu.» 

Ein 75-jähriger Mann, der sich als John vorstellte, erzählte der BBC, er sei in der Nähe eines Flughafens in Südengland aufgewachsen. Dort sei die Geschichte eines amerikanischen Piloten herumgegangen, der in einer Frau steckengeblieben sei. Man habe die beiden mit der Ambulanz ins Krankenhaus bringen müssen, um sie trennen zu können. 

«Sehr lustvoller Sex»

John, der später als Mitglied der Handelsmarine eine Beziehung mit einer Frau in Japan hatte, erlebte selber etwas Ähnliches: Einmal hätten sie beide «sehr lustvollen Sex» gehabt, als er sein Organ plötzlich nicht mehr habe zurückziehen können. 

Sie hätten sich erst nach zwei, drei Minuten Gefummel und viel Gelächter wieder trennen können, und es habe weder ihm noch der Frau weh getan. 

Penis in der Vagina: Querschnittansicht eines kopulierenden Paars (Zeichnung).  Bild: bmj.com/R.L. Dickinson/R.S. Kendall

Der britische Arzt und Sexualexperte John Dean bezeichnete gegenüber der BBC beide Fälle als glaubhafte Schilderungen eines Penis captivus. «Wenn der Penis sich in der Vagina befindet, schwillt er immer mehr an. Beim Orgasmus ziehen sich bei der Frau die Muskeln des Beckenbodens rhythmisch zusammen, und das kann dazu führen, dass der Penis steckenbleibt und noch mehr anschwillt», erklärte Dean. 

Schliesslich entspannten sich die Muskeln und das Blut könne wieder aus dem Penis abfliessen, so Dean. Dann könne der Mann sein Genital auch wieder aus der Vagina zurückziehen. Mehrere seiner Patienten hätten ihm solche Erlebnisse erzählt, wobei es sich kaum jemals um ein grosses Problem gehandelt habe. 

Vor allem dauerten diese Probleme immer nur wenige Sekunden – die freilich den Beteiligten wie eine Ewigkeit vorkommen könnten, wie Dean einräumt. 

Doch nicht untrennbar vereinigt

Berichte von liebestollen Pärchen, die sich beim Sex aus eigener Kraft nicht mehr trennen konnten und deswegen ärztliche Hilfe benötigten, dürften aber definitiv ins Reich der Fabeln gehören. Zwar kann es durchaus vorkommen, dass eine Frau starke Scheidenkrämpfe bekommt – doch dieser sogenannte Vaginismus tritt meistens vor dem Geschlechtsverkehr auf und verhindert diesen. 

Der Wissenschaftsredaktor der «Zeit», Christoph Drösser, hat bereits vor über zehn Jahren darauf hingewiesen, dass die angeblichen Fälle von Penis captivus fast immer mit ausserehelichem Sex verbunden sind. Seit dieser nicht mehr so skandalös sei, gebe es auch weniger entsprechende Berichte. Medizinisch dokumentierte Fälle gebe es überhaupt nicht, so Drösser.

Hunde «hängen»

Bei Hunden kommt es oft vor, dass Rüde und Hündin nach der Kopulation aneinander hängenbleiben. Dies wird «Hängen» genannt und ist ein völlig normaler Vorgang bei der Paarung. Der Grund dafür ist, dass der Penis des Hundes nach der Ejakulation anschwillt und die Vaginalmuskulatur der Hündin sich kontrahiert, um sicherzustellen, dass das Sperma in ihr bleibt. Obwohl sie manchmal winseln, als ob sie Schmerzen hätten, soll man «hängende» Hunde nicht zu trennen versuchen. Dies könnte zu Verletzungen führen. Die Hunde trennen sich normalerweise nach 20 bis 30 Minuten voneinander.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Snus116 03.02.2014 21:56
    Highlight Watson ist ja schön und gut, nur leider seh ich fast keine News auf eurer Website. Ich werde für die nächsten Wochen nicht mehr vorbeischauen, ihr habt ja noch Zeit um euch zu verbessern
    3 4 Melden
    • sephiran 04.04.2017 16:37
      Highlight Adé👋🏼
      1 1 Melden
  • Zeit_Genosse 03.02.2014 14:18
    Highlight Interessant, welchen niedlichen Fantasien und Mythen wir doch als aufgeklärte Wesen nachhängen. Wir haben 2014 und hätten das nun geklärt. Gehen wir doch gleich zum G-Punkt über und nutzen das chinesische Jahr des Pferdes (Erfolg) und machen auch damit gleich hier Schluss.
    1 0 Melden

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