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Dank Neandertaler-Gene haben wir ein besseres Immunsystem

07.01.16, 18:24 09.01.16, 15:20

Die Neandertaler haben Studien zufolge das Immunsystem unserer Vorfahren gestärkt, aber eventuell auch die Neigung zu Allergien erhöht. Welche Rolle diese Neandertaler-Spuren für die Gesundheit heute spielen, sei ungeklärt, hiess es.

Mit dem Thema befassten sich zwei voneinander unabhängige Arbeiten von Forschern des Instituts Pasteur in Frankreich und des Max-Planck-Instituts (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Die Wissenschafter fanden heraus, dass bestimmte Abwehrgene aus der Familie der sogenannten Toll-Like-Rezeptoren (TLR) eine höhere Neandertal-Frequenz aufweisen als andere Teile des menschlichen Genoms. Die Rezeptoren – TLR1, TLR6 und TLR10 – wirken an der Immunabwehr mit. Sie können Bestandteile von Bakterien, Pilzen und Parasiten aufspüren und bekämpfen.

Die originalgetreue Nachbildung eines Neandertaler-Skeletts, rechts, und das Knochengeruest eines modernen Menschen zeigt das 'Museum of Natural History' in New York am 8. Jan. 2003. Die vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler sind einer Studie zufolge schneller gewachsen als moderne Menschen. Die Ureinwohner Europas seien bereits mit 15 Jahren ausgewachsen gewesen, erklaerte Fernando Ramirez Rozzi vom Pariser Forschungsinstitut CNRS, wie am Mittwoch, 28. April 2004, gemeldet wurde. (AP Photo/Frank Franklin II)

Die originalgetreue Nachbildung eines Neandertaler-Skeletts im «Museum of Natural History» in New York. Im Hintergrund: Das Knochengerüst eines modernen Menschen.
Bild: AP

Rund zwei Prozent Neandertaler

«Wir gehen davon aus, dass es mal eine Phase gegeben hat, wo es von Vorteil war, diese Neandertal-Varianten zu besitzen», sagte Max-Planck-Forscher Michael Dannemann in Leipzig. Menschen könnten dadurch bessere Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger gehabt haben. Umgekehrt könne sich aber auch die Neigung zu Allergien erhöht haben, denn eine zu hohe Aktivität dieser TLR-Gene könnte laut Dannemann auch zu gestörten Immunreaktionen auf an sich harmlose Umwelteinflüsse führen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher im «American Journal of Human Genetics».

Im Durchschnitt trägt ein Europäer laut Dannemann zwei Prozent Neandertaler-DNA in sich. In bestimmten Regionen des Genoms sei diese Frequenz deutlich erhöht, wie eben bei den TLR-Abwehrgenen. «Das spiegelt sich heute noch im Menschen wider. Ob es heute noch von Vorteil oder Nachteil oder komplett neutral ist, können wir aber nicht sagen», erklärte Dannemann.

Für ihre Forschungen analysierten die Wissenschafter Daten des 1000-Genom-Projekts, bei dem das Erbgut von 2500 Individuen aus Europa, Asien, Afrika und Amerika komplett entziffert wurde.

Zwischenstadien in der Nachbildung des Kopfes eines vierjaehrigen Neandertalkindes, basierend auf einer computerunterstuetzten Rekonstruktion des Schaedels zeigt ein undatiertes Handout des Anthropologischen Instituts der Universitaet Zuerich. Im August 1856 stiessen bei Sprengungen im Neandertal in der Naehe von Duesseldorf Arbeiter auf das Skelett eines Eiszeitmenschen. Auf einer Pressekonferenz in Leipzig wollen internationale Forscher des Max-Planck-Instituts fuer evolutionaere Anthropologie am Donnerstag, 12. Februar 2009, Details ihrer Arbeit an der Sequenzierung des Neandertaler Genoms vorstellen. Mittels speziell fuer dieses Projekt entwickelter Methoden konnten die Forscher in den vergangenen drei Jahren mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente sequenzieren, die aus drei verschiedenen kroatischen Neandertaler-Fossilien extrahiert wurden. (AP Photo/Anthropologischen Instituts der Universitaet Zuerich, Philippe Plailly) * NO SALES * EDITORIAL USE ONLY * MANDATORY CREDIT * --- ** FILE ** In this undated photo provided by the Anthropological Institute of the University Zurich, Switzerland, in 1999 phases of the reconstruction of a Neanderthal Man child are seen. At a news conference in Leipzig, Germany, on Thursday, Feb. 12, 2009 scientists plan to report on the results of their three-year-long research to sequence the genome of the Neanderthal Man. By especially designed methods the international research team of the Max-Planck-Institute for evolutionary Anthropology said it has extracted more than a billion DNA fragments from three Croatian Neanderthal fossils.  (AP Photo/ Anthropological Institute of the University Zurich, Philippe Plailly) * NO SALES * EDITORIAL USE ONLY * MANDATORY CREDIT *

Eine Nachbildung des Kopfes eines vier Jahre alten Neandertalerkindes.
Bild: AP Antropological Institut Zh

Evolution des angeborenen Immunsystems

Filer of October 1996 shows a replica of a Neanderthal man made by the Parisian workshop of  Elisabeth Dayner displayed at the Neanderthals museum in Mettmann, western Germany. A sample from an original Neanderthal man bone produced DNA that has led scientis ts from the Zoological Institute at the University of Munich to say that Neanderthals are a different species than the early humans who swept them aside in Europe and western Asia. (AP Photo/Heinz Ducklau)

Bild: AP

Die Ergebnisse zeigten, «wie wichtig der artübergreifende Austausch von Genen für die Evolution des angeborenen Immunsystems beim Menschen gewesen sein könnte», sagte Lluis Quintana-Murci vom Institut Pasteur laut einer MPI-Mitteilung.

Die Frage, inwieweit die Neandertaler die Entwicklung des modernen Menschen beeinflusst haben, beschäftigt Forscher weltweit. Zum Beispiel fanden US-Forscher heraus, dass Gene von Neandertalern den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen haben, sich an die kühlere Umgebung ausserhalb Afrikas anzupassen.

Neandertaler-Erbgut ist demnach in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden. Auch der Fettstoffwechsel moderner Menschen könnte MPI-Forschern zufolge von Neandertaler-Genen beeinflusst worden sein.

Die Neandertaler lebten bis vor rund 40'000 Jahren in Europa, dann starben sie aus. Vor 50'000 Jahren wanderten die modernen Menschen aus Afrika ein – und vermischten sich mit den Neandertalern.

(sda/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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