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Materialforschung: So wollen Forscher Shampooflaschen bis auf den letzten Tropfen leeren

Wie holt man den letzten Rest Shampoo oder Duschgel aus der Flasche? Forscher haben nun eine einfache Lösung dafür gefunden.

28.06.16, 08:06 28.06.16, 09:00


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Es ist ein lästiges Problem, das wohl jeder kennt: Unter der Dusche ist das Shampoo alle, dabei müsste sich doch mit entsprechendem Schütteln und Auf-den-Kopf-Stellen noch ein kleiner Rest aus der Flasche herausprügeln lassen. Schliesslich will nicht jeder sein möglicherweise sündhaft teures Haarpflegeprodukt mit Wasser verdünnen, um so auch den letzten Rest herauszubekommen.

Auch die Wissenschaft hat an dem Thema gearbeitet – und nun eine Lösung präsentiert: Mit einer speziellen Beschichtung könnten Plastikflaschen ganz von allein komplett leer laufen. Der Trick seien mikroskopisch kleine, y-förmige Strukturen auf der Innenwand.

Bottles of shampoos are displayed at a Walmart store in Secaucus, New Jersey, November 11, 2015. REUTERS/Lucas Jackson

Shampooflaschen in einem US-Supermarkt.
Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Sie liessen die Seifenprodukte über kleine, luftgefüllte Taschen gleiten, sodass sie die Flaschenwand nicht berührten, berichten die Entwickler im Fachjournal Philosophical Transactions der britischen Royal Society. Das Interesse an einer solchen Erfindung dürfte gross sein.

«Wir alle mühen uns daheim mit Shampooflaschen», sagt Bharat Bhushan von der Ohio State University in Columbus. «Man kämpft eine Weile lang, und dann geben wir auf und werfen sie weg.» Letztlich doch immer einen Rest im Müll zu entsorgen, ist für viele Menschen immer wieder ein kleines Ärgernis – und zudem schlecht für die Umwelt. Milliarden Flaschen landen jährlich mit Produktrückständen im Müll.

Das Problem lasse sich mit der von ihnen entwickelten Beschichtung auf vergleichsweise einfache und günstige Weise lösen, sind Wissenschaftler um Bhushan und Philip Brown von der Ohio State University überzeugt. Die Methode funktioniere bei einem sehr häufig für Verpackungen genutzten Kunststoff, dem Polypropylen.

Für den Lebensmittelbereich gebe es bereits solche Beschichtungen auf dem Markt, für Seifen bisher noch nicht. Als Seifen werden Natrium- oder Kalium-Salze von Fettsäuren bezeichnet, die als sogenannte Tenside in Reinigungsmitteln vor allem für den Körper, aber auch für Oberflächen genutzt werden. Sie bringen wasserliebende sowie wasserabweisende – und damit fettliebende – Substanzen zusammen. Auf diese Weise kann fetthaltiger Schmutz mit Wasser abgewaschen werden.

Genau diese Eigenschaft aber führe auch dazu, dass ein kleiner Teil dieser Mittel so hartnäckig in der Verpackung festhängt. «Verglichen mit Seife ist es ein Leichtes, Ketchup aus einer Flasche zu bekommen», erklärt Bhushan. «Unsere Beschichtung weist generell Flüssigkeiten ab, aber die grosse Herausforderung war, sie abstossend für Seife zu machen.»

Ketchup enthalte zu grossen Teilen Wasser – und Wassermoleküle klebten untereinander stärker als an Plastikmolekülen. Bei Tensiden sei genau das Gegenteil der Fall: «Sie haben eine sehr geringe Oberflächenspannung und hängen leicht an Kunststoff fest», erklärt Brown.

Die winzigen Y-Strukturen der Beschichtung seien aus Siliziumdioxid- oder Quarz-Nanopartikeln zusammengesetzt, beschreiben die Entwickler ihre Neuerung weiter. «Sie sehen aus wie zottelige, herzförmige Kissen, sind aber so hart wie Glas.» Der abweisende Effekt entstehe dadurch, dass die Seifentropfen an den Y-Strukturen entlang über Mini-Luftkissen aus der Flasche gleiten.

Ähnliche Ansätze gebe es bereits, sie seien in der Herstellung aber teurer und komplexer. Die Universität hofft auf Lizenzen für die Beschichtungstechnik, weiterentwickelt auch für Gegenstände aus anderen Kunststoffen wie Polycarbonat.

Von Annett Stein, dpa/joe

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    Alle Leser-Kommentare
  • Homes8 28.06.2016 12:26
    Highlight Muss man nur noch wissen wie man die Beschichtungen beim Recyceln wieder vom Kunststoff trennt.
    8 1 Melden
  • Sherlock64 28.06.2016 08:57
    Highlight Dinge, die die Welt nicht braucht. Mit wenig heissem Wasser bringt man das Shampoo problemlos aus der Flasche. Der Verdünnungseffekt fällt überhaupt nicht ins Gewicht.
    22 3 Melden
    • pamayer 29.06.2016 00:44
      Highlight genau. so mach ich's auch seit jahren.
      bekomm ich nun einen ehrendoktor??
      oder 10 jahre gratis shampoo?
      oder eins auf den gring, weil ich - du sherlock64 au - also wir eins auf'n gring, weil wir diese forschungen und das vermarktungspotential blossgestellt haben?
      wie erkennen die uns auf der strasse? - die mit den am schlechtesten gewaschenen haaren, da immer nur verdünntes shampoo benutzt.
      werde morgen extra dick auftragen müssen, um mich zu tarnen.
      4 1 Melden
  • Spiegelfabrik 28.06.2016 08:55
    Highlight Anstatt etwas gegen die paar Tropfen pro Flasche zu unternehmen, welche anschliessend weggeworfen werden, würde man gescheiter eine Methode entwickeln, wie leere Flaschen an der Verkaufsstelle nachgefüllt werden könnten!
    Das würde ein grösserer Abfallberg / eine grössere Verschmutzung der Umwelt beseitigen.
    37 0 Melden
  • Galahad 28.06.2016 08:35
    Highlight Ich öffne meist den Deckel und spüle die Flasche aus (oh, Haarpflegemittel kommt mit Wasser in Kontakt, ist ja fast wie bei Regen) , aber natürlich kann man das auch mit Y-förmige Strukturen auf der Innenwand erreichen ;)
    11 0 Melden
    • pamayer 29.06.2016 00:45
      Highlight hi
      willkommen im club.
      siehe meine antwort an sherlock64.
      morgen guuut shamponieren, gell.
      gut getarnt ist halb überlebt.
      4 0 Melden

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