Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

200. Geburtstag von George Boole: Der Mann, der uns die Online-Suche ermöglichte

Der Brite George Boole gilt als Begründer der modernen Informationstechnologie: Schon Mitte des 19. Jahrhunderts formulierte er die Gesetze der Logik, nach denen heute Computer, Smartphones oder Internet-Suchmaschinen funktionieren.

02.11.15, 17:35 02.11.15, 18:00


Ein Artikel von

Wer heute etwas im Internet sucht, findet auch dank George Boole das gewünschte Ergebnis: Der britische Mathematiker hat die Gesetze der Logik formuliert, nach denen Computer, Smartphones, Datenbanken und eben auch Internet-Suchmaschinen funktionieren. Die Boole'sche Algebra gilt als das Fundament der modernen Informationstechnologie.

«Der von Boole eingeführte Begriff der Boole'schen Algebra sitzt tief im Herzen der modernen Logik und damit in der Schaltzentrale jedes modernen Computers», sagt Benedikt Löwe, der Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Mathematische Logik und für Grundlagenforschung der exakten Wissenschaften. Die Boole'schen Operatoren wie UND, ODER, NICHT sind heute Kernstücke von Computerprogrammen und Datenbankabfragen.

ARCHIV - Zeitgenössische Zeichnung des britischen Mathematikers, Logikers und Philosophen George Boole. Er wurde am 2. November 1815 in Lincoln geboren und verstarb am 8. Dezember 1864 in Ballintemple bei Cork (Irland). dpa (zu dpa:« George Boole schuf die theoretische Basis der Informationstechnologie» vom 01.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Mathematiker Boole: UND – ODER – NICHT
Bild: dpa

Ein Wunderkind

Geboren wurde Boole 1815 im englischen Lincoln. Sein Vater John war Schuhmacher mit einem Faible für Naturwissenschaft und Mathematik, seine Mutter Mary Ann eine Kammerzofe. George war das erste Kind des Paars, das nach neun Jahren kinderloser Ehe die Hoffnung auf Nachwuchs schon beinahe aufgegeben hatte. Sein Vater unterrichtete George schon früh in Mathematik und impfte ihm eine Vorliebe für die Konstruktion optischer Instrumente ein.

Boole war das, was man heute wohl als «Wunderkind» beschreiben würde: In der Schule interessierte er sich besonders für Sprachen – und brachte sich selbst Altgriechisch, Französisch und Deutsch bei. Mit 14 übersetzte er ein Werk des antiken griechischen Dichters Meleagros so brillant, dass Kritiker bezweifelten, irgendein 14-Jähriger könne zu einer derart tiefgründigen Übersetzung imstande sein. Das schreiben John O'Connor und Edmund Robertson in der Biografie des MacTutor-Archivs zur Geschichte der Mathematik.

Als Boole 16 Jahre alt war, wurde er Hilfslehrer, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Mit 19 eröffnete Boole seine eigene Schule, nebenbei studierte er die Werke grosser Mathematiker. Ein Fachaufsatz, den Boole 1844 mit 29 Jahren veröffentlichte, brachte ihm ersten wissenschaftlichen Ruhm ein. Fünf Jahre später wurde er schliesslich – ohne selbst jemals eine Universität besucht zu haben – zum Mathematikprofessor am Queen's College im irischen Cork berufen, dem heutigen University College Cork.

Booles wichtigstes Werk

Dort veröffentlichte Boole 1854 sein wichtigstes Werk, «An Investigation of the Laws of Thought» (Eine Untersuchung der Gesetze des Denkens). «Schon Gottfried Wilhelm Leibniz hoffte, dass man das menschliche Argumentieren in algorithmisches Rechnen überführen und somit über den Zweifel der Subjektivität erhaben machen könne», sagt Löwe, der an der Universität Hamburg forscht.

«Und Booles algebraische Sichtweise der Logik ermöglicht die Verwirklichung des Leibniz'schen Traums in der Form des heutigen Computers.» Erst durch die Ideen Alan Turings Anfang des 20. Jahrhunderts und die Entwicklungen im Zweiten Weltkrieg habe die Boole'sche Algebra allerdings ihren Siegeszug als Kernbestandteil moderner Computerarchitektur antreten können.

Tödliche Lungenentzündung

Boole war mit der 17 Jahre jüngere Mary Everest verheiratet, nach deren Onkel der höchste Berg der Welt benannt ist. Das Paar hatte fünf Töchter. Auf einem drei Kilometer langen Fussweg von seinem Zuhause zur Universität zog sich Boole im strömenden Regen eine Lungenentzündung zu. Davon erholte er sich nicht mehr und starb am 8. Dezember 1864 im Alter von 49 Jahren in Ballintemple bei Cork.

Google erinnert an diesem Montag mit folgendem Doodle an den 200. Geburtstag des Mathematikers:

Google-Doodle zu Ehren von George Boole

aar/dpa

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

Themen
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • thedarkproject 02.11.2015 19:08
    Highlight Zu sagen, George Boole habe Suchmaschinen ermöglicht, ist zwar streng genommen korrekt. Allerdings viel zu weit ausgeholt. Wirklich ermöglicht wurde dies erst durch den PageRank Algorithmus (Google). Und die Informationstechnologie wurde durch Alan Turing und/oder Konrad Zuse massgeblich ermöglicht.
    8 4 Melden
    • Charlie Brown 02.11.2015 19:48
      Highlight Da stimme ich dir nicht zu. Jedes popelige SQL-Statement basiert direkt auf der boolschen Logik.
      13 1 Melden
    • thedarkproject 06.11.2015 18:35
      Highlight @Tell99: Nur blöd, dass Suchmaschinen kein SQL verwenden :) . Wie soll eine relationale Datenbank mit solchen Datenmengen umgehen? Google benutzt dafür BigTable und co. Und SQL *basiert nicht* auf Bool'scher Logik, sondern benutzt sie als teil ihrer Sprache. Das ist ein Unterschied.
      0 0 Melden
    • Charlie Brown 06.11.2015 19:33
      Highlight Glaub nicht, dass google ganz ohne SQL laufen würde, aber das ist Haarspalterei.

      Fact ist, das Datenbanklogik ohne Boole nicht funktioniert.
      0 0 Melden

Vier Füsse, 112 Zähne: US-Forscher entdecken Flugsaurier-Skelett

In den USA haben Forscher ein besonders gut erhaltenes Skelett eines Flugsauriers entdeckt. Das Exemplar des Caelestiventus hanseni wurde im westlichen Bundesstaat Utah gefunden, wie das Fachmagazin «Ecology & Evolution» am Montag berichtete.

Das Tier hatte demnach eine Flügelspannweite von anderthalb Metern sowie 112 Zähne. Es flog aber nur bei der Nahrungssuche und bewegte sich ansonsten mit seinen vier Füssen auf dem Boden.

Flugsaurier tauchten vor rund 225 Millionen Jahren auf, es gab sie …

Artikel lesen