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NOTSTAND IN KALIFORNIEN

Alarmierende Dürre: Trocknet der Südwesten der USA aus? 

Tiefe Risse: Der Almaden-Stausee in Kalifornien ist auf dem Tiefststand. Bild: Reuters/Robert Galbraith

Der Süden und der Westen der USA leiden unter einer rekordverdächtigen Dürre. Felder verdorren, Stauseen leeren sich. In Kalifornien und anderen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen.

24.01.14, 15:53

Ein Artikel von

markus becker, spiegel online

Aus dem All ist die Misere deutlich erkennbar: Im Januar 2013 war die Sierra Nevada von dichtem Schnee bedeckt, ebenso wie das kalifornische Kaskaden- und das Küstengebirge. Jetzt, ein Jahr später, ist auf dem Satellitenbild der US-Weltraumbehörde Nasa kaum ein weisser Fleck zu sehen. Wo sonst Schnee liegt, gibt es nur ausgedörrtes Land.

2013 war die Sierra Nevada von dichtem Schnee bedeckt

Bild:Nasa

2014 liegt kaum ein Fleckchen Schnee

Bild:Nasa

Das Wasser wird knapp

Am 17. Januar hat Gouverneur Jerry Brown den Notstand in Kalifornien ausgerufen. Bürger und Kommunen sind aufgerufen, Wasser zu sparen, wo es eben geht. Um mindestens 20 Prozent müsse der Verbrauch sinken, erklärte Brown. Und die Lage könnte sich in den kommenden Monaten noch verschärfen. Kalifornien deckt nach Angaben der Nasa ein Drittel seines Wasserbedarfs mit Schmelzwasser aus den Bergen. Doch die Schneebedeckung liege nur zwischen 10 und 30 Prozent des Normalwerts.

Autowrack im Almaden-Stausee in der Nähe von San Jose: Die Pegel der meisten Wasserreservoirs Kaliforniens befinden sich weit unter dem langjährigen Durchschnitt.  Bild: Reuters/Robert Galbraith

Rekorde gab es auch bei den Temperaturen: In San Francisco erreichten sie vergangene Woche 22 Grad, in Oakland sogar 28 Grad. Nie zuvor war dort Mitte Januar eine derartige Wärme gemessen worden. Entsprechend sieht auf dem Satellitenbild die Vegetation im kalifornischen Central Valley aus. Im Januar 2013 leuchtete das 600 Kilometer lange Tal prallgrün, heute ist es fast komplett bräunlich.

Im gesamten Süden und Westen der USA ist die Situation kaum besser. Der Colorado, der in den Rocky Mountains entspringt und auf seinem Weg in den Golf von Kalifornien zahlreiche Stauseen speist, ist an vielen Stellen zu einem trüben Rinnsal verkümmert. Der Fluss leidet unter einer Trockenperiode, die seit 14 Jahren andauert und damit laut «New York Times» die schlimmste der vergangenen 1250 Jahre ist. In diesem Jahr wird die Wassermenge, die vom Lake Powell in den stromabwärts gelegenen Lake Mead fliesst, zum ersten Mal überhaupt begrenzt. Die Folge: Für 2015 gibt es nach Angaben von Behörden eine 50-prozentige Chance, dass die Wasserabgabe aus dem Lake Mead – von dem zahlreiche Städte von Las Vegas bis nach Los Angeles abhängen – erstmals rationiert wird.

Vorgeschmack auf die Zukunft?

In der Region greift die Befürchtung um sich, dass die aktuelle Situation nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft sein könnte. Denn die Hoffnung auf eine Normalisierung der Lage könnte trügerisch sein: «Normal» muss nicht unbedingt feuchter bedeuten, wie inzwischen klar wird. Jüngste Studien legen nahe, dass das 20. Jahrhundert zu den drei feuchtesten der vergangenen 13 Jahrhunderte gehörte. Sollte das stimmen, könnten der Süden und der Westen der USA vor erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung stehen, zumal die Bevölkerung in der Region rapide wächst.

Almaden-Stausee: Wo einst ein breiter Strom floss, ist jetzt nur noch ein Rinnsal übrig. Bild: Reuters/Robert Galbraith

Unsicher ist, ob die globale Erwärmung die Lage in der Region zusätzlich verschärfen wird. Die American Meteorological Society arbeitet derzeit an einer Studie, um einer Antwort näher zu kommen. Der Uno-Klimarat IPCC kam in einem im September veröffentlichten Bericht zu dem Ergebnis, dass die Zahl der aufeinanderfolgenden trockenen Tage in Nordamerika wahrscheinlich steigen wird. Auch Hitzewellen dürften künftig häufiger vorkommen. Für die Landwirtschaft sind solche kurzzeitigen Extreme gefährlicher als ein Anstieg der über das Jahr gemittelten Temperatur: Ist die Ernte erst verdorrt, helfen auch keine Regengüsse mehr.

Klimasimulationen haben zunehmende Trockenheit für die Region vorausgesagt: 18 Modelle haben gezeigt, dass der Südwesten der USA im Laufe des Jahrhunderts erheblich trockener werden könnte; nur eines zeigte ein feuchteres Klima für die Region, berichteten Forscher 2007 im Wissenschaftsmagazin «Science». Die Entwicklung sei bereits im Gange, schrieben die Autoren.

Rasen durch Schotter ersetzen

Den Bewohnern der betroffenen US-Staaten bleibt einstweilen nur die Hoffnung auf die Technologie, etwa um die Wassernutzung effizienter zu gestalten. Stellenweise funktioniert das bereits. Im südlichen Nevada etwa wird der grösste Teil des in Haushalten genutzten Wassers aufbereitet und in den Lake Mead zurückgeführt. Die zuständige Wasserbehörde hat Prämien an Grundstücksbesitzer gezahlt, die ihren Rasen durch Schotter ersetzten.

Doch auch das wird wohl erst der Anfang sein. «Die Zeit der grossen Wassertransfers ist entweder vorbei oder geht schnell ihrem Ende entgegen», sagte John Entsminger, ein Manager der South Nevada Water Authority, der «New York Times». «Es sieht so aus, als müssten wir im 21. Jahrhundert mit weniger Wasser auskommen.»



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