Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Erfolg beim dritten Versuch

Forscher entdecken häufigstes Mineral der Erde 

Kaum zu glauben: Niemand hatte das häufigste Mineral der Erde je gesehen, das den Bauch unseres Planeten füllt. Nun haben es Forscher in einem Meteoriten entdeckt – und ihm einen Namen gegeben. 

28.11.14, 09:05 28.11.14, 09:37

Ein Artikel von

Es ist, als hätten Wissenschaftler erst jetzt entdeckt, wie Wasser aussieht. Ähnlich häufig wie Wasser die Erdoberfläche bedeckt, kommt ein Mineral von der Sorte Silikat-Perowskit im Innern des Planeten vor – es füllt 38 Prozent der Erde. Doch kaum zu glauben: Wie es aussieht, war bislang unbekannt. Nun endlich konnten Forscher das häufigste Mineral der Erde genau beschreiben. 

Der Tenham-Meteorit: Bridgmanit (Englisch: bridgmanite) steckte in der kosmischen Bombe. Bild: Chi Ma/Caltech

Dass der Silikat-Perowskit bislang verborgen blieb, liegt daran, dass er in grosser Tiefe entsteht. Erst unter der Last von 660 Kilometer dicken Gesteinspaketen im unteren Erdmantel, wo der Druck etwa 240'000-mal höher ist als der normale Luftdruck am Boden, zwängen sich Atome in die Struktur des Minerals. 

In diese Tiefe reicht keine Bohrung; die tiefste schafft gerade ein Fünfzigstel dieses Weges. Auch Vulkane haben bislang keinen Silikat-Perowskit nach oben gespuckt. Ein Meteorit aber, der bereits 1879 im Westen Australiens einschlug, hat das Mineral entstehen lassen. Genauer gesagt: Es bildete sich, als die kosmische Bombe auf den Boden krachte, wobei sie kurzzeitig 250.000-fachen Luftdruck erzeugte – Kristalle im Meteorit wurden dabei zu Silikat-Perowskit gepresst. Zuvor wurde die Struktur dieses Minerals lediglich bei Labor-Experimenten durch künstlichen Druck erzeugt, wobei die Forscher annahmen, dass die so hergestellten Minerale jenen im Erdinneren entsprechen. Jetzt hatte man das echte Mineral erstmals vor Augen. 

Forscher um Oliver Tschauner von der University of Nevada haben den sogenannten Tenham-Meteoriten untersucht. Ihnen sei es nun gelungen, das häufigste Mineral der Erde exakt zu analysieren, berichten die Gelehrten im Wissenschaftsmagazin «Science». 

Entdecker haben das Namensrecht 

Zweimal zuvor waren ähnliche Versuche mit anderen Meteoriten gescheitert: Die kleinen Kristalle bröckelten bei der Analyse. Mit Röntgenstrahlung haben Tschauner und seine Kollegen das Mineral nun sorgfältig untersucht – und es hielt stand. Der würfelförmige (orthorhombische) Kristall wurde sichtbar. 

Das Ergebnis kommt nicht überraschend. Experimente mit Mineralen in Hochdruckpressen und die Analyse des Erdinneren mittels Erdbebenwellen hatten bereits auf die Kristallstruktur hingedeutet. Doch erst, wenn ein Mineral aus erster Hand komplett analysiert wurde, gilt es als endgültig beschrieben. Die International Mineralogical Association habe die Entdeckung bereits anerkannt, heisst es in «Science». 

Entdecker eines Minerals haben Namensrecht. Tschauner und seine Kollegen nennen ihren Fund Bridgmanit, nach ihrem Mentor, Percy Bridgman, der die Analysemethode für Minerale entwickelt hat. Eigentlich müsste der Name nun in aller Munde sein, schliesslich handelt es sich um das häufigste Mineral auf Erden. (boj)



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

85 Grad auf dem Armaturenbrett: So schnell werden Autos zur Hitzfalle

In praller Sonne parkierte Autos können für Kleinkinder schon nach einer Stunde zur lebensgefährlichen Falle werden. Bereits nach dieser kurzen Zeit kann bei Zweijährigen die Körpertemperatur auf 40 Grad Celsius klettern.

Dies führe auf Dauer zum Hitzeschlag, berichten US-Forscher nach Tests in der Sommersonne von Arizona. Kleinwagen erhitzen sich demnach noch schneller als Limousinen und Minivans. Nach 60 Minuten in der Sonne waren die Wagen im Innern im Durchschnitt über 47 Grad Celsius …

Artikel lesen