Zürich

RTS: Krawall in Zürich

Augenzeugen zu den Krawallen in Zürich

«Es war wie Krieg auf der Strasse»

In der Nacht auf Samstag artete ein «Reclaim the Streets»-Umzug innerhalb kürzester Zeit zu einer Strassenschlacht aus. 200 Vermummte aus der linksautonomen Szene randalierten nach 22 Uhr in den Kreisen 3 und 4. Zwei Augenzeugen erzählen. 

13.12.14, 11:14 13.12.14, 14:07

Nadine H.* fand sich gestern Abend am verabredeten Treffpunkt im Sihlhölzlipark in Zürich ein, weil sie sich mit der Idee von «Reclaim the Streets» (RTS) identifiziert: «Wir nehmen uns heute die Strasse – mit Musik und Feierlaune – um ein Zeichen zu setzen gegen die fortschreitende Stadtaufwertung!», schreiben die Organisatoren in einschlägigen Foren. «Die Aufwertung bewirkt, dass Lebendigkeit, Spontaneität, Freiräume und alternative Kulturprojekte in ganzen Quartieren verloren gehen.»

Ein frisches Tag: «Unser Quartier gegen Yuppies und Polizei.» Bild:  userinput

Mit diesen Worten identifizieren sich viele junge Menschen. Mehrere 100 folgten dem Ruf aus der linksautonomen Szene: «Zuerst standen wir im Sihlpark um das Feuer und hörten Musik. Es gab gratis Essen und Kaffee. Um etwa 22.10 Uhr sind wir dann friedlich losgelaufen», erzählt Nadine H. watson.

Dann sei alles ziemlich schnell ausser Kontrolle geraten: «Zunächst sprayten lediglich ein paar Demonstranten. Dann roch man plötzlich Tränengas und auf der Höhe Langstrasse artete es dann komplett aus. Chaoten begannen Scheiben einzuschlagen und schmissen Feuerwerkskörper in die Läden», sagt sie. In der Europaallee in der Nähe des Bahnhofs seien dann ein Tannenbaum, mehrere Autos und Container angezündet worden. «Ich habe mich dann schnell von der Gruppe entfernt», sagt Nadine.

Mehrere Autos gingen in Flammen auf. Bild: Twitter

«Ich stehe eigentlich 100 Prozent hinter der Message von RTS. Das gestern war aber total übertrieben»

Für Cédric R.* war das Ausmass der Zerstörung unfassbar: «Ich stehe eigentlich 100 Prozent hinter der Message von RTS. Das gestern war aber total übertrieben», sagt er gegenüber watson: «Es war wie Krieg auf der Strasse.» Es habe besonders aggressive Krawalltrupps unter den Demonstranten gehabt. «Mir wurde bewusst, dass wir als Masse diese Chaoten im Prinzip schützen», sagt er. «Darauf hatte ich keine Lust.»

Auch Adrian T.* lief bei den Demonstranten mit und erzählt von wütenden Krawall-Trupps: «Ich habe noch nie so viele Vermummte auf einem Haufen gesehen», sagt er, «es müssen um die 200 gewesen sein. Beim Rest handelte es sich aber um friedliche Demonstranten.»

Die Polizei bestätigt die «Besammlung von 200 grösstenteils vermummten und gewalttätigen Personen». Mario Cortesi von der Stadtpolizei Zürich gegenüber watson: «Das gestern hatte wirklich gar nichts mit einer friedlichen Tanzdemonstration zu tun. Eine solche Aggressivität hatte ich noch nie erlebt.» Polizisten seien gezielt und massiv mit Laser, Fackeln und Böllern angegriffen worden.

«Eigentlich schade», meint Cédric R: «Bei RTS sollte es nicht darum gehen, alles kurz und klein zu schlagen.»

* Namen von der Redaktion geändert

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • dnsd 13.12.2014 13:02
    Highlight Ein Yuppie ist: "a young college-educated adult who has a job that pays a lot of money and who lives and works in or near a large city"

    Wie kann man nur etwas gegen fleissige Leute haben, die sich dem konkurrenzkampf in den Zentren der Welt stellen und etwas aus ihrem Leben machen wollen?!

    Verpisst euch eibfach wenn ihr überfordert seid!
    21 10 Melden
  • zombie1969 13.12.2014 12:18
    Highlight Hufeisenmodell
    Gleich den Enden eines Hufeisens sind sich Links- und Rechtsextreme sehr nahe. Beide prägt ein manichäisches Freund/Feind-Denken, beide sind bereit, Gewalt gegen politische Gegner anzuwenden. Damit sind beide Feinde der Menschenwürde.
    Überspitzt gesagt: Die einen plädieren für den Klassen-, die anderen für den Rassenmord.
    Jeder Rechts- und Verfassungsstaat, dessen oberstes Prinzip die gleiche Freiheit aller Menschen ist, muss die Extremen links wie rechts entschlossen bekämpfen.
    37 10 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 13.12.2014 11:40
    Highlight Schade, bleibt von einer eigentlich legitimen Forderung nur die Gewalt in Erinnerung. Denn dort wo vorher Freiräume und Flächen waren, stehen heute anonyme Paläste aus Stahl und Glas. Gebaut wird, was schnell viel Geld verspricht. Dazu gehört keine Kultur, Kunst oder Leben. Erlaubt ist, was nicht stört! Es stört aber alles, was nicht zur Geldmehrung beiträgt. Es braucht immer mehr davon. Läden schliessen, weil Banken noch mehr bringen. Wann frisst diese Revolution endlich ihre Kinder?
    31 9 Melden

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