Zürich
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Diese zensierte Lizlümmel-Legi ziert den Twitteraccount des «Letzten Lizlümmels».  bild: lizlümmel

Das letzte Liz-ticle

«Die 10 wichtigsten Gründe, warum ich 20 Jahre für mein Studium brauchte»

Ab heute haben die letzten Lizenziats-Studierenden eine Woche Zeit, sich für die Prüfungen anzumelden. Es ist ihre letzte Chance, das Liz-Studium abzuschliessen. Einer der letzten «Lizlümmel» erklärt, wieso sein Studium so viel Zeit brauchte und warum die ganze Schweiz von seinem Schlendrian profitierte. Ein Lizticle.  

rafaela roth, der letzte lizlümmel

Der letzte Lizlümmel twittert seit rund einem Jahr über die Leiden der letzten Prä-Bologna-Studierenden. Nun zählt er erstmals die triftigsten Gründe auf, wieso sein Lizenziats-Studium so lange dauerte. 

1. Die Zürcher Club-Kultur aufbauen: Plus 2 Semester

Ausgang in den Stadtkreisen 4 und 5 in Zuerich im Maerz 2011.  (KEYSTONE/Ueli Christoffel)

Bild: KEYSTONE

Wer hätte es gemacht, wenn nicht die Lizlümmel? Aus Zürich ist eine Ausgeh-Stadt geworden. Die Clubs sprossen in den letzten Jahren aus dem Boden wie Pilze. «Trinken, um die Clubs zu unterstützen, war uns stets ein Anliegen», erklärt der letzte Lizlümmel. «Nie wäre ich mir zu schade gewesen, mindestens zwei Semester meines Studiums in die Club-Kultur zu investieren.» 

2. Gegen das Bologna-System demonstrieren: Plus 3 Semester

Protestaktionen laufen an der Uni in Basel am Donnerstag, 12. November 2009. Die Aula der Uni Basel wird seit Mittwochmorgen besetzt. Zur Besetzung im Rahmen einer internationalen Aktionswoche hatte eine Bewegung unter dem Namen Unsere Uni aufgerufen. Im Zentrum der Aktivitaeten in Basel steht die Demokratisierung der Universitaet. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Bild: KEYSTONE

«Das Demonstrieren gegen das neue Bologna-System hat mich mindestens drei Semester gekostet», sagt der Lizlümmel. Er und seine Kumpanen haben damals zwei Monate lang im grössten Hörsaal der Universität Zürich campiert. Sie wollten verhindern, dass das Lizenziat durch das neue System mit Master und Bachelor abgelöst wird. «Dank unserem Protest wurden zum Beispiel die Abgabefristen für Arbeiten verlängert. So haben wir ein Stück Liz gerettet.» 

3. Kinder kriegen: Plus 4 Semester

An unmarried couple takes a walk with their children Marlon (2.5 years) and Moris (6 month), pictured on September 16, 2011, in Unterfelden in the canton of Aargau, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Die Lizlümmel wollten nicht nur studieren, sondern auch für die AHV-Zahler der Zukunft sorgen. Viele Liz-Studis machten Kinder. «Es ging uns auch darum, den besorgniserregenden demografischen Entwicklungen Einhalt zu gebieten», sagt der Lizlümmel. Wie viele Semester das Kinderkriegen kostete, sei individuell. Mindestens vier seien es jedoch bei den meisten gewesen. 

4. Die kurzen Öffnungszeiten der Bibliothek: Plus 3 Semester

Blick in die Bibliothek am Eroeffnungstag des Hochschulcampus Toni-Areal am Freitag, 12. September 2014 in Zuerich. Der Hochschulcampus auf dem Toni-Areal in Zuerich-West ist am Freitag offiziell eroeffnet worden. 39 Standorte der Zuercher Hochschule der Kuenste (ZHdK) und zwei Departemente der Hochschule fuer Angewandte Wissenschaften (ZHAW) finden auf dem Campus ihre neue Heimat. Mit Beginn des Herbstsemesters am 15. September starten auf dem Areal 5000 Studierende, Dozierende und Mitarbeitende der ZHdK und der ZHAW in das neue Studienjahr, wie die Zuercher Baudirektion und die Bildungsdirektion gemeinsam mitteilten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Inzwischen sei dieses Problem weitestgehend behoben: «Früher standen wir jedoch regelmässig vor verschlossenen Bibliothekstüren», sagt der Lizlümmel. Vor allem abends und in der Nacht, wenn die meisten Lizlümmel am produktivsten sind, war alles zu. 

5. Die Konjunktur am Laufen halten: plus 6 Semester

World Champion Swiss messenger Jerome Thiriet from Basel in action during the skid competition at the Cycle Messenger World Championships in Lausanne, Switzerland, Thursday, August 1st, 2013.  During the skid competition riders block their rear wheels and skid as far as possible. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Bild: KEYSTONE

Die Lizlümmel arbeiteten neben dem Studium. «So hielten wir die Konjunktur am Laufen», sagt der Lizlümmel. Ohne die jobbenden Liz-Studierenden hätte es in der Schweiz kein Bier an der Bar, keine Päckli vom Velokurier und keine Callcenter-Studien gegeben, ist der Lizlümmel überzeugt. Für ihn geht die Rechnung auf: «Ich arbeitete meistens 50 Prozent neben dem Studium. Wenn ich also für ein Studium von sechs Jahren 12 Jahre brauchte, habe ich gut gearbeitet.»  

6. Der Bibliotheks-Mahnkosten-Teufelskreis: Plus 2 Semester

THEMENBILD ZUR STUDIE SCHULDENPRAEVENTION BEI JUGENDLICHEN --- Ein Portemonnaie liegt auf einem Tisch, aufgenommen am 10. Juni 2009 in Zuerich. (KEYSTONE/Gatean Bally)

Bild: KEYSTONE

«Hat man aus zu grossem Interesse. Zu viele Bücher ausgeliehen, kam man unweigerlich in einen bösen Teufelskreis», erklärt der Lizlümmel: Je mehr Bücher man auslieh, umso weniger konnte man pünktlich fertig lesen, umso mehr Mahnungen kamen bei verspäteter Rückgabe rein, umso mehr musste man arbeiten, um die Mahnungen abzubezahlen und umso weniger Zeit fand man deshalb zum Bücherlesen, was wiederum das Studium verzögerte. 

7. Zeit für Reflexion: Plus 2 Semester

Zwei Maenner geniessen das herrliche Herbstwetter am Donnerstag, 9. Oktober 2014 Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

«Wir Liz-Studis reflektierten noch, nicht wie die Bologna-Opfer heute», sagt der Lizlümmel. «Wir dachten stundenlang lang, im Park, beim Kaffeetrinken, in der Bibliothek, am See, in der Sauna.» Nachdenken stand im Liz-Studium ganz hoch im Kurs. Im Bologna-System bleibe dafür wenig Zeit. 

8. Der «Liz-Spirit»: Plus 4 Semester

Schlafen Büro office arbeit siesta

Bild: Shutterstock

«Damals war an der Uni der Liz-Spirit weit verbreitet», erklärt der Lizlümmel. Nicht nur die Studierenden hätten die Abgabetermine für ihre Arbeiten rausgezögert, auch die Dozenten nahmen sich ewig Zeit fürs Korrigieren. «Früher hat man eine Arbeit manchmal ein Jahr verspätet zurück erhalten», sagt der Lizlümmel. «Der Liz-Spirit drang bis ganz nach oben durch.»

9. Der Maximal-Minimalismus: Plus 6 Semester

Albert Einstein schreibt am 14. Januar 1931 eine Gleichung fuer die Dichte der Milchstrasse an eine Tafel des Carnegie-Instituts in kalifornischen Pasadena.  (KEYSTONE/AP Photo/Str)   ===  === [Croped version of image ID 1586331]

Bild: AP

Die Lizler studierten aus Leidenschaft. Wenn sie mal eine Seminararbeit schrieben, dann musste es ganz was Grosses werden. «Das lief dann so ab», erklärt der Lizlümmel: «Ich sagte mir: Wenn ich schon etwas schreibe, dann will ich aber gleich etwas auf Nobelpreis-Niveau. Das wäre aber zu aufwändig. Also gehe ich lieber in die Badi.» 

10. Besuche im Zoologischen Museum der Universität Zürich: Plus 4 Semester

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bild: @katCarat

Es gilt als das heimliche Maskottchen der Lizlümmel: Das Riesenfaultier im Zoologischen Museum der Universität Zürich. Und es bekam oft Besuch. Nicht nur von Kindern fantasieloser Eltern an verregneten Sonntagen. Die Liz-Studis besuchten es regelmässig und nahmen sich Zeit für ihr zottiges Wappentier. Die Streichelschäden am Hinterkopf des Faultiers wurden bis vor Kurzem noch regelmässig ausgebessert. 



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