al Kaida
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FILE - This undated file image posted on a militant website on Tuesday, Jan. 14, 2014 shows fighters from the al-Qaida linked Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) marching in Raqqa, Syria. The past year, ISIL _ has taken over swaths of territory in Syria, particularly in the east. It has increasingly clashed with other factions, particularly an umbrella group called the Islamic Front and with Jabhat al-Nusra, or the Nusra Front, the group that Ayman al-Zawahri declared last year to be al-Qaida’s true representative in Syria. That fighting has accelerated the past month. (AP Photo/militant website, File)

Al-Kaida-Kämpfer in Raqqa. Bild: AP/militant website

Syrische Ölfelder

Al-Kaida scheffelt Petrodollars

Die meisten Ölfelder im Osten Syriens werden inzwischen von radikalen Rebellen kontrolliert. Die Einnahmen machen die Islamisten von Geldgebern im Ausland unabhängig - und damit kaum noch kontrollierbar.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ulrike Putz, beirut, spiegel online

Syriens Extremisten haben sich eine lukrative Einnahmequelle verschafft: Sie verkaufen Rohöl und Derivate aus Quellen, die sie im Osten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben. «Gruppen wie der Islamische Staat in Syrien und Irak (ISIS) und die Qaida-nahe Nusra-Front sind durch den Verkauf des Öls zumindest teilweise politisch unabhängig geworden», sagt Walid Khadduri, Beiruter Öl-Experte des Middle East Economic Survey.

Die Erlöse aus dem Verkauf schätzt Khadduri auf einige zigtausend US-Dollar täglich: «Wenn man die weltweite Petro-Industrie als Massstab nimmt, ist das nicht viel. Aber für eine Miliz sind das schon ordentliche Einnahmen.»

Abnehmer des Rohöls und simpler, vor Ort hergestellter Derivate seien die lokale Bevölkerung, Schmuggler, die die Ware in die Türkei brächten - und auch die syrische Regierung, sagt Khadduri. «Das Regime braucht Treibstoff, um seine Armee mobil zu halten», erklärt der Öl-Experte den Handel zwischen den verfeindeten Gruppen.

FILE - This undated file image posted on a militant website on Tuesday, Jan. 14, 2014 shows fighters from the al-Qaida linked Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) marching in Raqqa, Syria. The  ISIL led by Abu Bakr al-Baghdadi, who is believed to have been operating from inside Syria in recent months, is the main driver of destabilizing violence in Iraq and until recently was the main al-Qaida affiliate there. Al-Qaida’s general command formally disavowed the group this week, saying it

Bild: AP/militant website

Für die Rohstofflieferungen erhalten die Rebellen von der Regierung in Damaskus aber offenbar nicht nur Geld, sondern auch Zugeständnisse auf dem Schlachtfeld: Moderate Rebellen beklagen seit Monaten, dass die Islamisten von Baschar al-Assads Regime verschont würden. Obwohl deren Stellungen bekannt seien, seien sie nicht Ziel von Luftschlägen. Beobachter vermuten, dass dies im Zusammenhang mit den Öl-Geschäften zwischen Radikalen und Damaskus stehen könnte.

Die Fachleute beobachten die Öl-Ambitionen der Extremisten mit Sorge: Je mehr Geld die Aufständischen durch ihren Rohstoffhandel einnähmen, desto weniger Einfluss hätten ausländische Geldgeber wie Privatleute und Stiftungen aus den Golfstaaten auf die Gruppen, warnte ein westlicher Diplomat in Beirut.

Allerdings ist fraglich, wie lange die Kämpfer noch von den Einnahmen und der damit verbundenen Unabhängigkeit profitieren können. «Die erbeuteten Anlagen sind hochkomplex. Die Rebellen haben aber gar nicht das Know-how, diese funktionsfähig zu halten», sagt Wolfgang Mühlberger, Nahost-Experte bei der Landesverteidigungsakademie Wien.

Öl sichert den Extremisten Einfluss auf Syriens Zukunft

Ölquellen seien besonders pflegeintensiv, sagt auch Khadduri aus Beirut. «Am Anfang reicht es, wenn man den sogenannten Weihnachtsbaum, eine Art Ventil, aufdreht. Dann steigt das Erdöl durch den Druck auf dem Feld von allein an die Oberfläche.»

Doch auf die Dauer seien Experten nötig, um ein Vorkommen auszubeuten. «Wenn man die Anlagen falsch bedient, kann man ein Ölfeld schnell ruinieren.» Die Rebellen dürfte das jedoch kaum interessieren: «Sie denken an den kurzfristigen Profit.» Doch auch wenn das «schwarze Gold» bald nicht mehr fließen sollte, sichert die Kontrolle der Ölfelder den radikalen Gruppen Einfluss auf die Zukunft Syriens. «Eines Tages werden auch die extremsten Gruppen über ihre Rolle nach dem Krieg verhandeln wollen. Und dann haben sie mit den Ölfeldern eine wichtige Trumpfkarte, die sie ausspielen können.»

Deshalb wird der Kampf um die Bodenschätze unter den Rebellen erbittert geführt. Am Wochenanfang gelang es einer Allianz unter der Führung des Qaida-Ablegers Nusra-Front, ihre Rivalen von ISIS aus der ölreichen Provinz Deir al-Sor zu vertreiben. Der Rückzug von ISIS war ein weiterer Etappensieg der Nusra-Front und ihrer gemäßigten Verbündeten im Kampf gegen die Qaida-Filiale. Die Radikalislamisten, die im vergangenen Jahr große Gebiete im Osten des Landes erobern konnten, haben in den vergangenen Wochen massiv an Einfluss verloren.

Die syrische Öl-und Gasindustrie hat durch den schon im dritten Jahr geführten Krieg massiv gelitten. Vor Ausbruch der Kämpfe im Jahr 2011 förderte das Land etwa 400'000 Barrel Rohöl täglich. Ende 2013 war die Förderrate aber bereits auf weniger als 80'000 Barrel pro Tag gesunken. Die Infrastruktur zur Förderung, Veredelung und zum Transport der Rohstoffe ist durch die Gefechte zum Teil massiv beschädigt worden. Das führte zu akuten Engpässen in der Benzinversorgung: Inzwischen ist Syrien, das einst Erdöl exportierte, auf den Import des Rohstoffs angewiesen.



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 23.02.2014 14:29
    Highlight Highlight Offenbar hat man nun erkannt, dass man nicht helfen kann, wenn man nur Assad bekämpft. Um den Krieg in eine hilfreiche Richtung zu steuern, muss man gegen beide Seiten und auch gegen die ISIS vorgehen, um der leidenden Zivilbevölkerung die Chance auf Frieden zu ermöglichen. Diese Erkenntnis kommt allerdings sehr spät. Bereits als die ersten Panzer gegen Zivilisten eingesetzt wurden, hätte man militärisch eingreifen müssen. Als der amerikanische Senator J. McCain damals ein militärisches Eingreifen forderte, war er auch hierzulande für viele ein Kriegstreiber!

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