In dieser Bildstrecke zeigen wir die Meilensteine der Schweizer Drogenpolitik, vom Opium-Verbot 1924 bis heute. Bild: Ein «Drugstore», in dem es «Duftkissen» gab, 1998 in der Stadt Zürich. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
1924: Das erste schweizerische Betäubungsmittelgesetz (BetmG) verbietet Opium und Kokain. Bild: Afghanischer Schlafmohn mit Milchsaft, aus dem Opium gewonnen wird. AP / ABDUL KHALIQ
1951: In der Schweiz wird das Verbot psychoaktiver Substanzen auf Cannabis ausgedehnt, der Eigenkonsum bleibt indes legal. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1960er-Jahre: Mit der Hippie- und der Studentenbewegung wird der Konsum von illegalen Drogen zum Symbol für die Auflehnung gegen das Establishment. KEYSTONE / STR
1971: In den USA erklärt der damalige US-Präsident Richard Nixon den «War on Drugs». Die negativen Auswirkungen sind bis heute auch in der Schweiz spürbar. AP NY / HWG
1972: Die Stadt Zürich vermeldet den ersten offiziellen Drogentoten. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1975: Eine BetmG-Revision verbietet den Konsum von Cannabis. Jedoch kann
bei Eigenkonsum von kleinen Mengen auf Strafverfolgung verzichtet werden. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Ab Ende 1970er-Jahre: In mehreren Schweizer Städten entstehen offene Drogenszenen, so in Zürich (Niederdorf, Platzspitz, Letten) und in Bern (Kleine Schanze). (Bild: Platzspitz 1990). KEYSTONE / ANONYMOUS
1990er-Jahre: In der Schweiz kommt Techno auf. Aus einer ursprünglich kleinen Szene wird eine Massenbewegung. Langsam hält die Party-Droge Ecstasy Einzug. Die Polizei reagiert mit vermehrten Kontrollen. KEYSTONE / MARIUS BORN
Seit 1991: Der Bundesrat verfolgt die so genannte Vier-Säulen-Strategie von Prävention, Therapie, Schadensverminderung und Repression als Mittelweg zwischen völliger Bekämpfung und Freigabe. Bild: Ex-Drogenabhängige im Arbeitstraining. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
1992: Der wegen der Verelendung in der offenen Drogenszene in Verruf geratene Platzspitz-Park wird noch im Winter von den Zürcher Behörden geschlossen. Die Szene weicht auf den nahegelegenen Bahnhof Letten aus. KEYSTONE / STR
Mai 1992: Der Bundesrat bewilligt die ärztlich kontrollierte Heroin-Abgabe an 250
Schwerstabhängige. Bis 1996 werden bei über 1000 Abhängigen Versuche mit der ärztlich kontrollierten Abgabe von Heroin, Morphin und Methadon durchgeführt. KEYSTONE / STR
1997: Die von rechtsbürgerlichen Kreisen lancierte Volksinitiative «Jugend ohne
Drogen», die eine repressive Drogenpolitik fordert, wird an der Urne mit 71 Prozent Nein verworfen. Im Pro-Komitee: der Ex-Skirennfahrer Pirmin Zurbriggen (links). KEYSTONE / EDI ENGELER
1998: Die Volksinitiative «Droleg – Für eine vernünftige Drogenpolitik», die auf
Drogenlegalisierung abzielt, wird mit 73 Prozent Nein verworfen. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
1999: Der von rechtsbürgerlichen Kreisen bekämpfte Bundesbeschluss über die
ärztliche Verschreibung von Heroin wird an der Urne mit 54,3 Prozent Ja akzeptiert. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
2001: Der Bundesrat schlägt eine Revision des BetmG vor, die den
Cannabiskonsum straffrei machen soll. KEYSTONE / ANDREE-NOELLE POT
2002: Der UNO-Drogenbericht warnt vor einer Legalisierung von Cannabis. KEYSTONE / OLIVIER MAIRE
2001–2004: Parlamentarische Beratung der BetmG-Revision. Diese scheitert im Juni 2004 an der zweimaligen Eintretens-Verweigerung des Nationalrats. Bild: Polo Hofer setzte sich vergeblich für die Cannabis-Legalisierung ein. KEYSTONE / MONIKA FLUECKIGER
2006: Die Stadtzürcher Jugendberatung Streetwork eröffnet ein Drogeninformationszentrum, wo man Substanzen anonym und gratis auf ihre Gefährlichkeit hin testen lassen kann. Ziel ist es, die Konsumenten über die Wirkung und Risiken von Partydrogen zu informieren.
KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
2006–2008: Eine neue Vorlage zur BetmG-Revision, die die Cannabis-Konsumfrage ausklammert, wird vom Parlament beraten und 2008 angenommen. In der Drogenpolitik werden die vier Säulen Prävention, Therapie, Überlebenshilfe und Repression verankert, ebenso die Heroin-Verschreibung an Schwerstsüchtige. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Das Kiffen bleibt in der Schweiz verboten. Drogenhanf darf aber für medizinische und wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Rechtskonservative Kreise ergreifen gegen das Gesetz das Referendum. Getty Images Europe / Sean Gallup
2008: Das Schweizer Stimmvolk entscheidet über die BetmG-Revision und die «Hanf-Initiative» eines überparteilichen Komitees, die Straffreiheit für den Cannabis/Hanf-Konsum verlangt. Die BetmG-Revision wird angenommen, die Hanf-Initiative erneut verworfen. Kiffen bleibt illegal. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
2008–2015: Das Bundesamt für Gesundheit sieht seit der Abstimmung von 2008 die Viersäulen-Politik und die heroingestützte Behandlung bestätigt. Bild: Spritzenabgabe in Biel. KEYSTONE / STEFAN MEYER
Erfolge dieser Politik sind laut Experten des Bundes: ein erheblicher Rückgang der Drogentodesfälle und der Beschaffungskriminalität, die Verbesserung der Gesundheit der Abhängigen und das Verschwinden der offenen Drogenszenen. Bild: «Fixerstube» in Zürich. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Die Legalisierung von verbotenen psychoaktiven Substanzen wird in der Schweiz weiterhin kontrovers diskutiert. Bild: «Arena»-Sendung 1997 zum Thema «Haschisch-Freigabe?» KEYSTONE / STR
Die grösste Partei des Landes, die SVP, steht der Legalisierung weicher Drogen seit Jahren offiziell ablehnend gegenüber. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2016: Mehrere Schweizer Städte – darunter Zürich, Bern, Genf und Basel – haben Projekte für eine regulierte Abgabe von Cannabis aufgegleist. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Juni 2016: Der bürgerlich dominierte Regierungsrat des Kantons Zürich trifft eine folgenschwere Entscheidung: Bei der dezentralen Drogenhilfe sollen mehrere Millionen Franken gespart werden. (Quelle: zeit.de) KEYSTONE / WALTER BIERI Dass die legale Droge Alkohol weitaus mehr Schaden anrichtet als Cannabis und so genannt harte Drogen, ist längst erwiesen – pro Jahr sterben laut Bund um die 1600 Menschen. Der Pro-Kopf-Konsum hat in den letzten 16 Jahren um einen Liter reinen Alkohol abgenommen (aktuell: 8.1 l pro Jahr). KEYSTONE / GAETAN BALLY