Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Janka mit der grossen Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups. Bild: EPA
12. März 2010: Carlo Janka ist erst 23 Jahre alt, aber bereits im Ski-Olymp angekommen. Nach Peter Lüscher, Pirmin Zurbriggen und Paul Accola ist er der vierte Schweizer, der die grosse Kugel für den Gewinn des Gesamtweltcups in die Höhe stemmen darf.
Nicht von ungefähr hat Carlo Janka den Spitznamen «Iceman». Als er am 12. März 2010 im Starthaus des Riesenslaloms von Garmisch-Partenkirchen darauf wartet, zum zweiten Lauf loszubrettern, hört der Bündner den Speaker. «Ich hatte zehn Sekunden vor dem Start mitbekommen, dass ich gewinnen musste, um als Gesamtsieger festzustehen», verrät Janka im Ziel. Er bleibt cool, gewinnt das Rennen und so den Gesamtweltcup vor seinem österreichischen Kontrahenten Benjamin Raich.
Der Sieg ist nötig, weil Raich ansonsten im Slalom den Spiess noch hätte umdrehen können. So bleibt dem «Blitz aus Pitz» nichts anderes übrig, als Janka zu gratulieren. «Carlo hatte eine sensationelle Saison, er war der Bessere und er hat es verdient», lobt Raich.
Auch Oldie Didier Cuche gerät ins Schwärmen: «Er ist einfach ‹Jänks›, der coole Iceman. Er hat eine innerliche Freude, die einfach nicht raus kommt. Diese Ausgewogenheit ist eine grosse Stärke von ihm. Niederlagen gehen ihm einfach am Arsch vorbei.»
Die Zusammenfassung des Weltcup-Finals 2010 mit Janka im Fokus. Video: YouTube/FC Carlo Janka
Nach dem WM-Titel in der Vorsaison und dem Olympiasieg wenige Wochen zuvor gelingt Janka ein Hattrick, den in der Schweiz erst Pirmin Zurbriggen errungen hat. Zudem ist er nebst der Walliser Ski-Ikone, Peter Lüscher und Paul Accola erst der vierte Schweizer Sieger des Gesamtweltcups.
Schon in jungen Jahren sorgte Carlo Janka für Schweizer Glanzresultate. Bild: KEYSTONE
Janka, der «Iceman», zeigt ausnahmsweise sogar einmal Emotionen. Er ballt die Fäuste, blickt nach oben und lässt sich dann in den Schnee fallen. «Mir fiel ein grosser Stein vom Herzen. Der Kampf um den Gesamtweltcup war nervenaufreibend. Jetzt bin ich froh, dass die Saison zu Ende ist.»
«Jetzt werde ich versuchen, dieses Niveau noch viele Jahre zu halten», hofft Janka nach seinem Triumph im Gesamtweltcup. Es bleibt bei der Hoffnung. In der Folgesaison kann er zwar noch einmal ein Weltcuprennen gewinnen, doch danach folgen Seuchenjahre. Hartnäckige Rückenprobleme und Fehler bei der Materialwahl machen aus dem Sieg- einen Hinterherfahrer.
Erst im Januar 2015 steht Carlo Janka wieder zuoberst auf einem Weltcup-Podest. Er gewinnt die Super-Kombination am Lauberhorn. Tags darauf wird Janka auch Dritter der Abfahrt. 2016 triumphiert er trotzt anhaltender Rückenprobleme völlig überraschend den Super-G auf der Olympia-Strecke von 2018.
Endlich wieder ganz oben: Fast vier Jahre nach seinem letzten Weltcupsieg gewinnt Janka 2015 die Super-Kombination am Lauberhorn. Bild: KEYSTONE
Im Olympia-Winter reist Janka denn auch nach Pyeongchang, kommt aber zu keinem Renneinsatz. Nach einer Ruptur des Kreuzbands kurz vor Saisonbeginn bestreitet der Obersaxer nur die Trainings und muss danach wieder abreisen und die Saison beenden.
In der aktuellen Saison läuft es Janka wieder besser. Der Obersaxer fuhr in den Abfahrten von Lake Louise und Kvitfjell aufs Podest und ist somit achtbester Abfahrer der Saison.
Video: SRF / SDA SRF