Aktuelle Themen:

Sooooo viele Kardashians! Rechts aussen Kim, 1991, in der Mitte ihr Stiefvater Bruce Jenner. Bild: Michael Ochs Archives

Celebrity-Kult mit Mythen, Leib und Leben: Wieso eine Paris Hilton heute gegen die Kardashians nicht mehr den Hauch einer Chance hätte

Publiziert: 03.05.15, 09:58 Aktualisiert: 26.05.20, 21:05

Es gab mal eine Zeit, vor gefühlten 175 Jahren, da war Paris Hilton das wichtigste Mädchen der Welt. Blond, dünn, dumm. Mit nichts ausser sich selbst und dem Geld des Hilton-Hotels-Imperiums unterwegs. Manchmal mit einem Täschchen. Oder einem Hündchen, das ins Täschchen passte. So war ihr Image. Trotzdem war sie wichtig. Sie galt als «New York's Leading It-Girl» und war die meistfotografierte Person der Welt.

Das war 2001. Und Paris Hilton gebar damals wie heute zwar kein Kind, hob aber eigenhändig die Celebrity-Netz-Kultur aus der Taufe. Ein Mann aus Miami taufte sich 2001 um in Perez Hilton und wurde zum prominentesten Promi-Blogger des Universums. Das Paparazzi-Portal «X17online» wurde 2001 ins Leben gerufen. Paris Hilton war die frivole Kehrseite des Turmfalls von New York. Die goldene Null der Nullerjahre.

Hündchen Tinkerbell starb im April 2015. Und brachte Paris Hilton (hier 2003 mit Nicole Richie in der Reality-Soap «The Simple Life») mal wieder in die Medien. Bild: AP FOX

Sie hatte viele Männer, manchmal tanzte sie derangiert auf Tischen oder im Zürcher Club Saint-Germain von Carl Hirschmann an einer Stange. Sie wirkte entspannt sportlich, plantschte gern in den Weltmeeren oder fuhr Ski in Gstaad und manchmal versuchte sie, gemeinsame Sache mit einem andern blonden Mädchen zu machen: mit ihrer Schwester Nicky Hilton oder mit Nicole Richie. Es waren Geschäftsfreundschaften und irgendwie waren sie nicht von Dauer.

Paris Hilton war eine Ego-Einzelanfertigung und allein am erfolgreichsten. Und obwohl man ihr auf den ersten und zweiten Blick keine plastische Chirurgie nachweisen kann, wirkte sie immer wie aus Plastik. Leicht distanziert, abwaschbar. Auf den Listen mit den wichtigsten Menschen der Welt stand sie jahrelang weit vorn und selbst heute verdient sie pro Jahr noch gute 12 Millionen Dollar. Mit Parfüm, Handtaschen, Uhren, mit Auftritten in koreanischen Musikvideos, als DJ. Auf den roten Teppichen und den Celebrity-Portalen ist die heute 34-jährige allerdings schon fast unsichtbar geworden. Weil ihr Celebrity-Modell inzwischen viel zu einfach geworden ist, um noch interessant zu sein.

Das war einmal: Paris und Kim, 2006. Bild: FilmMagic, Inc

Das Ehepaar West-Kardashian: Globale Strahlkraft. Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Ihr Problem: Eine Hilton ist einfach keine Kardashian. Mit dem Clan der Clans kann Paris einfach nicht mehr mithalten. Denn die Kardashians machen restlos alles richtig im Kampf um die Aufmerksamkeit und obendrein sich selbst zum öffentlichen Kunstwerk. Erstens verkörpern die Kardashians im Gegensatz zum privilegierten Weissbrot Hilton den Mythos der Einwandererfamilie – mit armenischen Wurzeln –, die es in Amerika zu Königen geschafft hat. Zweitens stehen sie im Gegensatz zur Einzelgängerin Hilton für eine alle umarmende Familie: Eine, die riesig ist, die Kinder kriegt ohne Ende, die zusammenhält, die den (Stief-)Vater, der jetzt eine (Stief-)Mutter ist, ohne Vorbehalte liebt und unterstützt.

Und das Vorzeigemädchen der Familie, Kim Kardashian (ebenfalls 34), hat natürlich credibility-strategisch gesehen den besten Mann geheiratet, der sich weit und breit finden liess: Kanye West, einen Schwarzen, der es in der Musikindustrie bis ganz nach oben geschafft hat. Auch er ein amerikanischer Märchenprinz. Obwohl man an dieser Stelle einwenden muss, dass beide nicht aus unterprivilegierten Verhältnissen stammen: Kim Kardashians Vater ist Prominenten-Anwalt, Kanye Wests Mutter war Professorin für Anglistik.

Aber im Gegensatz zur ethnischen Einfalt einer Paris Hilton taugt die Aura von Kim und Kanye für eine zukunftssichernde globale Celebrity-Fankultur natürlich viel mehr: Die beiden stehen für eine neue, nicht weisse Elite. Amerika, Afrika, Asien finden sich da vereint. Und wenn das alles gerade mal nicht reicht, so greifen die Kardashians zu noch radikaleren Mitteln. Und auch dies mit der ganzen Power eines Clans.

Kims Hintern heute. bild: via papermag

Kims Hintern 2006. Bild: AP SAYLES

Kylies Problemlippen. bild: instagram/kylie jenner

Ihre Radikalität liegt dabei in ihren Körpern. In Kim, die sich ihre Oberschenkel absaugen und mit dem Eigenfett ihren Hintern aufpumpen liess. Nicht die Brüste, wie unzählige andere Frauen, sondern das Alleinstellungsmerkmal Hintern. In Kylie, die findet, siebzehn sei das beste Alter, um eine absurde Anzahl von Schönheits-Operationen durchzuführen und junge Mädchen mit ihrem Lippentrick in Verletzungsgefahr bringt. Von allen Kardashians ist Kylie ohne Frage die fahrlässigste.

Und natürlich ist da Bruce Jenner, der sich auf dem Höhepunkt der Kardashian-Mania, im grösstmöglichen Paparazzi-Gewitter also, endlich seinen Herzenswunsch erfüllt und zur Frau wird. Und damit dem Clan gleich noch die Zuneigung der ganzen Trans-Gemeinde sichert. Smarter, breiter und cooler kann man sich seine Anhängerschaft tatsächlich nicht zusammenzimmern.

Man mag sie lächerlich finden in ihren immer zu engen Kostümen, die aussehen wie vom Nutten-Ausstatter. Man mag sie doof finden in ihrer zelebrierten Überheblichkeit. Aber als Meister der Steuerung von Medien und Mainstream sind sie derzeit verdammt unverwundbar.

Kim Kardashian und die Mode

Hier ist Kim Kardashian absichtlich so angezogen. Sie ist Rotkäppchen an der Halloweenparty von Heidi Klum (31. Oktober 2010). FR170266 AP / Charles Sykes
Für Kardashians Verhältnisse ist dieses Kleid sehr elegant und erstaunlich schlicht. Hier nimmt sie an einer Benefizveranstaltung gegen Aids am 24. Mai 2012 teil. EPA / IAN LANGSDON
Gekleidet wie Kleopatra erscheint KK an der 20. Geburtstagsfeier von E! Entertainement Television am 24. Mai 2010. AP R-STEINBERG / Dan Steinberg
Schwanger und mit einem Blumenteppich bekleidet zeigt sich Kardashian am 6. Mai 2013 neben ihrem Kayne West im Metropolitan Museum of Art in New York. AP Invision / EVAN AGOSTINI
Am 12. März 2014 in Miami Beach, Florida. Eine neue Boutique der Kardashian mit dem Namen DASH wurde eröffnet. Dieses glitzernde Outfit gibt uns einen schönen Vorgeschmack. AP Invision / OMAR VEGA
18. April 2012: Wie eine Sandur mit silbernem Sand – und pinken Schuhen. AP / Chris Pizzello
Im Strandkleid besucht sie am 23. Mai 2012 eine Filmvorführung in Cannes. AP / Francois Mori
Gleicher Tag, anderes Kleid, andere Begleitung. Mit diesem riesigen Décolleté sitzt Kardashian neben dem Modedesigner Valentino. AP / FRANCOIS MORI
In Melbourne, Australien, zeigt sich Kardashian am 18. November 2014 in einem Kleid, Farbe Fleisch. AP Invision / DONALD TRAILL
Dies ist Kardashian am 24. November 2014. Eigentlich ist sie ja eher gut angezogen, wenn sie nur nicht in Dubai wäre. Doch schauen wir etwas genauer hin: kein tiefes Décolleté, Schultern und Knie wie vorgeschrieben bedeckt. Aber ist ein nackter Rücken nicht erwünscht, so sollte man wohl auch seinen Bauch bedecken. Auch die Tatsache, dass die Kleidung sehr körperbetont ist, geht gar nicht. AP Invision / DONALD TRAILL
Am 2. September 2014 in London: Am «GQ Men Of The Year Awards 2014» erscheint Kardashian als Meerjungfrau. AP Invision / DONALD TRAILL
Casual im Bademantel? Sicher nicht: Kardashian am 8. November an einem Fest für Cheveux in London. AP Invision / DONALD TRAILL
Am 10. Dezember 2014 fand das 19. Weihnachtsessen der ACRIA in New York statt. ACRIA steht für «The AIDS Community Research Initiative of America». Mit von der Partie: Kim Kardashian in einer wenig weihnachtsfestlichen Tennue. AP Invision / DONALD TRAILL
In Mexico City zeigt Kardashian ihre Kurven auf dem Roten Teppich (4. Oktober 2012). AP / MARCO UGARTE
13. Februar 2013: Als schwarzer Schwan zeigt sich die zukünftige Mama in Los Angeles. AP Invision / Todd Williamson
In diesen Outfits besuchten die Kardashian-Schwestern (die grössere ist Kendall Jenner) am 9. Juli 2014 die Vogue-Party in Paris. AP / THIBAULT CAMUS
Kardashian am Pre-Grammy-Lunch. Rob Latour/Invision/AP/Invision / Rob Latour
Dieses Kleid ist schon fast elegant für Kim Kardashians Verhältnisse. Sie erscheint so am 8. Februar 2015 an den Grammy Awards in Los Angeles. Jordan Strauss/Invision/AP/Invision / Jordan Strauss
Während einer kurzen Zeit war sie sogar blond. Getty Images Europe / Pascal Le Segretain
An den Brit Music Awards am 25. Februar 2015. X90004 / TOBY MELVILLE
11. Februar 2014: Beim kleinen Waschbär handelt es sich um North West, die Tochter von Kardashian. SPLASH NEWS / / SPL949248_018

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben