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Seit zwei Wochen befindet sich Peking wieder im Ausnahmezustand. Bild: keystone

Mit diesen 4 Massnahmen hat China die zweite Welle in den Griff gekriegt

Mitte Juni kam der Schock: Nach Monaten ohne neue Infektionen steckten sich gleich 130 Menschen in Peking mit dem Coronavirus an. Doch China reagierte schnell – mit diesen Massnahmen.

Publiziert: 25.06.20, 14:07 Aktualisiert: 25.06.20, 14:09

Am Donnerstag wurden in China gemäss «Global Times» 19 neue Infektionen gemeldet, 13 davon aus Peking. Die chinesische Hauptstadt hatte am 15. Juni mit einem neuen Ausbruch des Coronavirus zu kämpfen.

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Der Ausbruch wurde zu einem regionalen Grossmarkt zurückverfolgt, über den der grösste Teil der frischen Nahrungsmittel für die mehr als 20 Millionen Einwohner Pekings geliefert wird. Die Stadt hat sofort reagiert und Massnahmen getroffen – und zwar folgende:

Abriegelung

Nachdem der Ausgangspunkt der Infektionswelle ausfindig gemacht werden konnte, wurden sofort die umliegenden Wohnanlagen abgeriegelt. Inzwischen gibt es in Peking mindestens 37 Strassenzüge, die als mittleres Risikogebiet klassifiziert sind; weitere vier gelten gar als Hochrisikogebiete. Die Personen, die in diesen Anlagen leben, dürfen Peking bis auf Weiteres nicht mehr verlassen. Nicht mal für das anstehende Drachenboot-Fests, das am Donnerstag und Freitag stattfinden soll, wie die «NZZ» schreibt.

Diverse Märkte sind derzeit geschlossen. Bild: keystone

Viele öffentliche Veranstaltungsorte wie Museen oder Theater bleiben weiterhin geschlossen. Die meisten Märkte und Malls haben aber wieder geöffnet. Rein kommt man aber nur, wenn man sich vorher die Temparatur messen lässt. Restaurants und Kaffees müssen wie in der Schweiz die Social Distancing Regeln einhalten können, um wieder eröffnen zu dürfen. Auch Schulen sind geschlossen. Doch die Realität ist bitter: Die Malls und Restaurants sind beinahe komplett leer.

Tracking der «High-Risk-Zones»

Ganz China wird mittels einer offiziellen App auf das Coronavirus überwacht. Pekings Stadtteil Chaoyang wurde darin als «High-Risk-Zone» betitelt – betroffen sind vor allem die darin lebenden 3,6 Millionen Menschen.

Die Stadtregierung von Peking hat eine App namens «Health Bao» oder «Health Treasure» eingeführt, die den Status eines Benutzers als «rot: unter zentraler Beobachtung», «orange: Hausbeobachtung» oder «grün: normal» generiert. Öffentliche Angestellte befinden sich in öffentlichen Bereichen und Apartmentkomplexen, um den Status von den Personen, die hinein- oder hinaus gehen wollen, zu prüfen.

Wenn sie jemanden finden, der unter Beobachtung steht und das Haus nicht verlassen soll, melden sie dies dem Zentrum für Krankheitskontrolle und die Person muss wieder zurück in Quarantäne.

Reiseverbot, Quarantäne und Überwachung

Jeder Bewohner, der Peking verlassen will, muss ein negatives Testergebnis, das nicht älter als sieben Tage ist, vorweisen können. Zu klären ist dann, ob man nach Ankunft in anderen Provinzen sich dort zunächst für zwei Wochen noch in Quarantäne begeben muss. Infolgedessen haben sich viele Anwohner für einen Coronavirus-Test registriert.

China hat die meisten internationalen Passagierflüge eingestellt, um eine zweite Welle zu verhindern. Fast allen Ausländern wurde die Einreise untersagt, auch wenn sie ein Visum oder eine Aufenthaltsbewilligung besitzen.

«Ich werde so genau beobachtet, dass ich mich wie ein Gefangener fühle»

Chen Xi, ein Investmentbanker aus Chaoyang, zeigte sich gegenüber der «South China Morning Post» entsetzt über die strengen Massnahmen. Er ist Anfangs Monat von einer Geschäftsreise zurückgekehrt. Er lebe alleine und durfte seine Wohnung für 14 Tage nicht verlassen. Doch nicht nur das: Sein Grundstück wurde sogar Video-überwacht. Das System löse einen Alarm aus, wenn es jemanden entdeckte, der versuchte, ein- oder auszusteigen. «Ich werde so genau beobachtet, dass ich mich wie ein Gefangener fühle», sagte er. «Ich verstehe, dass Krankheitsbekämpfung wichtig ist, aber die Massnahmen gehen zu weit.»

Und zum Schluss: Testen, testen, testen

Peking testet pro Tag 1 Million Menschen, mehr als doppelt so viele wie zuvor. In der Provinz gibt es 124 Test-Institutionen, welche pro Tag 230'000 Proben auswerten können. Vor einer Woche waren es noch 100'000, wie das städtische Gesundheitsbüro am Sonntag gegenüber der «South China Morning Post» mitteilte.

Wie schon zuvor in Wuhan bewiesen wurde, ist China in der Lage, Millionen von Menschen gleichzeitig zu testen. In Peking wurden zwischen dem 13. und 19. Juni fast 2,3 Millionen Menschen - das sind etwa 10 Prozent der Stadtbevölkerung - auf Covid-19 getestet, teilte die Stadtregierung mit. Die Proben wurden von fast 7500 Medizinern an 2100 Standorten gesammelt.

Viele Bewohner lassen sich testen, um Peking verlassen zu dürfen. Bild: keystone

Die Kontrollen scheinen sich ausgezahlt zu haben: Die Zahl der bestätigten Fälle in China ist in den letzten Wochen stetig gesunken. Am Donnerstag meldete das Land 19 Neuinfektionen, 13 davon in Peking. Die Gesamtzahl liegt gemäss worldometers.com bei 83'449. (cki)

So hat Wuhan in acht Tagen ein Spital gebaut

Vor neun Tagen machte dieses Bild die Runde um den Globus. Es zeigt, wie Bagger den Boden für zwei neue Spitäler in Wuhan vorbereiten. EPA / YUAN ZHENG
Die chinesische Regierung kündigte an, dass das erste innert zehn Tagen fertig sei und dabei helfen werde, dem Patienten-Ansturm wegen des Coronavirus zu begegnen. EPA / YUAN ZHENG
Tag und Nacht wurde in der Folge geschuftet, um das Bauwunder zu realisieren. Das Spital, welches als Erstes fertiggestellt wird, das «Huoshenshan-Hospital», soll eine Kapazität von 1000 Betten haben. AP
Zum Essen wird der Mundschutz kurzzeitig weggenommen. AP
Über 11'000 Personen haben sich in China bisher mit dem Coronavirus infiziert. In Wuhan, wo das Virus vermutlich seinen Ursprung hat, waren die Spitäler stark überlastet. EPA / SHI YI
Am 29. Januar sind die ersten Grundrisse des Spitals bereits erkennbar. EPA / SHI YI
Das neue Spital besteht unter anderem aus vorfabrizierten Gebäude-Teilen. AP / Xiao Yijiu
Das erklärt, warum es gestern in Wuhan bereits so aussah ... AP / Xiao Yijiu
Die medizinischen Geräte sind ebenfalls bereits vor Ort. AP
Noch fehlen die letzten Feinschliffe. Bald arbeiten hier 1400 medizinische Kräfte des chinesischen Militärs, die von Peking entsandt wurden. AP
Zu dem Personal gehörten auch viele, die vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie in einem ähnlichen Behelfsspital in Xiaotangshan in Peking gearbeitet hatten. Auch seien Experten dabei, die am Kampf gegen Ebola in Sierra Leone und Liberia beteiligt gewesen seien. Das berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. AP
Neun Tage nach Beginn der Bauarbeiten sieht es so aus, als könnten morgen Montag die ersten Patienten behandelt werden. AP
China hat tatsächlich innerhalb von nur etwas mehr als einer Woche ein Spital aus dem Boden gestampft. AP

Mit Big Brother gegen das Coronavirus

Video: SRF / SDA SRF

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