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Fabian Schär hat sich in der Nati-Hierarchie emporgearbeitet. Bild: EPA

Das steckt hinter dem Höhenflug von Fabian Schär

Fabian Schär, 27, hat sich sowohl im Nationalteam wie auch in der Premier League zum unverzichtbaren Leader entwickelt. Er spürt, wie sein Wort in der Kabine immer mehr zählt. Eine Begegnung mit einem aussergewöhnlichen Schweizer Verteidiger, der sagt: «Endlich hatte ich einmal einen stressfreien Sommer.»

Publiziert: 10.10.19, 09:55
Etienne Wuillemin / ch media

Der Moment der Eruption kommt unvermittelt. «Ich kann einfach nicht verlieren. Nicht im Fussball. Und auch nicht sonst bei einem Spiel. Das war schon immer so. Ich war schon als Kind ein Meister des Trötzelns.»

Es braucht Zeit, um Fabian Schär aus der Reserve zu locken. Das ist an diesem Nachmittag in Lausanne nicht anders. Wer mit dem 27-Jährigen im Mannschaftshotel des Schweizer Nationalteams über seine Karriere spricht, der erhält ruhige, sachliche und überlegte Antworten. Nicht aus Kalkül. Sondern weil Schär im Wesen so ist.

Schär ist einer, der jede einzelne Nati-Reise geniesst. Es gibt für ihn kaum etwas Schöneres, als im Nati-Trikot aufzulaufen. Die Abwechslung zum Liga-Alltag tut seinem Geist gut, ganz egal, ob der eigene Verein nun in der Tabelle oben oder unten steht. Mit Newcastle hat er vergangenen Sonntag gerade Manchester United 1:0 besiegt.

Die Highlights der Partie. Video: YouTube/Lương Cẩm Ly

Schär leistet einen entscheidenden Beitrag dazu, indem er kurz vor dem Siegtreffer mit einer brillanten Aktion ein Gegentor verhindert. Im Stadion schauen 13 Freunde und Bekannte zu, die zum Besuch angereist sind. Sie werden nicht enttäuscht. Und erleben, wie es Newcastle mit dem Sieg gelingt, die Abstiegszone zu verlassen.

«Ich merke es einfach, im Training, in der Garderobe. Mein Wort hat Gewicht.»

Fabian Schär

Der Ärger der Newcastle-Fans über den Abgang von Trainer Rafael Benitez

In der Stadt herrscht gerade einige Aufregung um den Verein. Die Fans sind zutiefst enttäuscht, dass es im Sommer nicht gelungen ist, sich mit Trainer Rafael Benitez auf einen Verbleib zu einigen. Der Ärger richtet sich vor allem Richtung Besitzer Mike Ashley. Weil der zu wenig Geld ins Team investiere. «Darum ist auch einiges an Unruhe von aussen reingekommen. Die letzten Spiele waren nicht ausverkauft – das ist eigentlich untypisch für Newcastle», erzählt Schär.

Schär hat sich in der Premier League bei Newcastle durchgesetzt. Sein Körper ist nicht mehr so verletzungsanfällig wie früher. Bild: AP

Für ihn selbst hingegen läuft es gerade ziemlich gut. Er hat sich zur unbestrittenen Stammkraft entwickelt. Auch unter dem neuen Trainer Steve Bruce. Jedes Spiel hat er von Anfang an absolviert. Und auch selbst wahrgenommen, wie sich das Standing im Team verändert hat. «Dieses Gefühl in Worte zu fassen, ist ziemlich schwierig. Ich merke es einfach, im Training, in der Garderobe. Mein Wort hat Gewicht.»

«Grosser Transfer? Ich habe längst aufgehört zu überlegen, was sein könnte.»

Fabian Schär

Schärs Weg ist bemerkenswert. Nach Jahren, wo Ungewissheit und Probleme dominierten in Hoffenheim und bei La Coruña, hat er im hohen Norden Englands noch einmal einen grossen Entwicklungsschritt gemacht. Er hat massgeblich dazu beigetragen, dass Newcastle letzte Saison nach einem Horrorstart am Ende souverän den Ligaerhalt schaffte.

Die Frage ist darum auch: Wohin kann das noch führen? Folgt irgendwann noch ein grosser Transfer? «Fragen Sie mich nicht! Ich habe längst aufgehört zu überlegen, was sein könnte. Dafür habe ich viel zu viel erlebt. Aber eines kann ich sagen: Es war ein sehr tolles Gefühl, einmal einen entspannten Sommer zu verbringen ohne die Frage ‹und was kommt jetzt?›»

Dass Schär seine bislang beste Zeit als Fussballer in der Premier League erleben darf, hätte man früher nicht unbedingt erwartet. Sein Körper war in jungen Jahren fragil – eigentlich nicht die beste Voraussetzung für die traditionell ruppige Gangart in England. «Ich kenne meinen Körper mittlerweile viel besser», sagt der Verteidiger.

Fit wie ein Turnschuh: Fabian Schär.

Er arbeitet zielgerichtet. Auch mithilfe eines privaten Physiotherapeuten. Zudem hat er die Ernährung umgestellt. «Ich verzichte auf Weizenprodukte und so gut es geht auch auf Milchprodukte», erzählt er. Und auch Fleisch kommt ein bisschen weniger häufig auf den Teller als früher.

So viel Gefühl im Fuss für die langen Bälle

Bevor Schär im Sommer 2012 mit dem Wechsel vom FC Wil nach Basel den Sprung in den professionellen Fussball geschafft hat, arbeitete er bei einer Bank. Das Interesse an der Materie ist ungebrochen. Letztes Jahr begann er ein Wirtschaftsstudium an einer Fernhochschule in Deutschland. Die ersten Prüfungen hat er erfolgreich absolviert. Das Problem ist nur: Es findet sich kein Institut in England, an dem er die Examen ablegen kann.

Das ist auf die Dauer kaum zu bewältigen. Ganz grundsätzlich findet Schär: «Es schadet im Hinblick auf die Karriere nach der Karriere gewiss nicht, sich etwas herauszufordern. Wobei der Fussball natürlich stets Priorität hat.»

Im Nationalteam ist Schär schon seit einigen Jahren eine feste Grösse. Trotzdem hat sich in diesem Jahr etwas verändert. Vielleicht liegt es an seinem Selbstverständnis, das der Durchbruch in der besten Liga der Welt mit sich bringt. Vielleicht auch an der erlangten Reife. Wer dem Fabian Schär dieser Tage im Schweizer Trikot zuschaut, sieht einen Leader. Einen Abwehrchef, der sich ohne grosse Worte, dafür mit viel Leistung, in der Hierarchie emporgearbeitet hat.

«Ich wünsche mir inhaltliche Diskussionen über den Fussball.»

Fabian Schär zur Shaqiri-Thematik.

Schär hat in seinem rechten Fuss ein Gefühl für lange Bälle, das kein Schweizer Verteidiger mehr hatte seit Murat Yakin. «Sie hätten durchaus auch sagen dürfen: ‹noch überhaupt niemand›», entgegnet er voller Schalk. Er ist zufrieden mit dem Lob. Kommt dazu, dass Schär seit je her immer wieder gut für ein Tor ist. Zuletzt in Irland, bei diesem heiss diskutierten 1:1 anfangs September.

Immer wieder für ein Tor gut. Hier freut sich Fabian Schär über sein 1:0 im EM-Qualifikationsspiel in Irland. Am Ende gibt es nur ein Unentschieden. Bild: EPA

Es war die Woche, als allzu häufig Xherdan Shaqiri aufgrund seiner Absage im Fokus stand. Trainer und Verband hatten es verpasst, das Thema frühzeitig zu besprechen. So verschleppte es sich, war bis unmittelbar vor dem Spiel Dauerthema, danach ohnehin.

Schär hat das – wie so vielen anderen Spielern – nicht gefallen. «Ich wünsche mir inhaltliche Diskussionen über den Fussball», sagt er. Den Auftritt in Dublin bewertet er als «grundsätzlich gut – aber die Leistung kommt nicht an jene gegen Portugal und England im Nations-League-Final heran, obwohl wir jene Spiele verloren.»

Auch darum ist die Ausgangslage nun heikler als erhofft. Am Samstag spielt die Schweiz in Dänemark. Drei Tage später in Genf gegen Irland. Für wie viele Punkte würde Schär unterschreiben? «Für sechs! Und wenn es vier werden, dann ist das auch kein Weltuntergang.» Hauptsache, nicht verlieren. (aargauerzeitung.ch)

Das sind die 26 teuersten Schweizer Fussballer

Rang 30: David Sesa wechselte im Sommer 2000 für 7,25 Millionen Euro von der US Lecce zum SSC Napoli. Stand: August 2021.
Rang 29: Edimilson Fernandes wechselte im Sommer 2019 für 7,5 Millionen Euro von West Ham United zum 1. FSV Mainz. www.imago-images.de / bMartin Hoffmann
Rang 28: Patrick Müller wechselte im Sommer 2000 für 8 Millionen Euro von den Grasshoppers zu Olympique Lyon. EPA / MONTSERRAT T DIEZ
Rang 27: Valon Behrami wechselte im Sommer 2012 für 8 Millionen Euro von der AC Fiorentina zum SSC Napoli. AP/AP / Paolo Giovannini
Rang 26: Admir Mehmedi wechselte im Winter 2018 für 8 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zum VfL Wolfsburg. EPA/EPA / DANIEL HECKER
Rang 25: Admir Mehmedi wechselte im Sommer 2015 für 8 Millionen Euro vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen. EPA/EPA / SASCHA STEINBACH
Rang 24: Ricardo Rodríguez wechselte im Sommer 2012 für 8,5 Millionen Euro vom FC Zürich zum VfL Wolfsburg. X00960 / RALPH ORLOWSKI
Rang 23: Granit Xhaka wechselte im Sommer 2012 für 8,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach. Witters / Tim Groothuis/freshfocus
Rang 22: Blerim Džemaili wechselte im Sommer 2011 für 9 Millionen Euro von Parma zu Napoli. AP PRESL / DAVIDE SPADA
Rang 21: Yann Sommer wechselte im Sommer 2014 für 9 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach. EPA/EPA / RONALD WITTEK
Rang 20: Kevin Mbabu wechselte im Sommer 2019 für 9,2 Millionen Euro von den Young Boys zum Vfl Wolfsburg. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 19: Stephan Lichtsteiner wechselte im Sommer 2011 für 9,93 Millionen Euro von Lazio Rom zu Juventus Turin. Insidefoto / Insidefoto/freshfocus
Rang 18: Josip Drmic wechselte im Sommer 2015 für 10 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Borussia Mönchengladbach. DPA / MARIUS BECKER
Rang 17: Djibril Sow wechselte im Sommer 2019 für 10 Millionen Euro von den Young Boys zu Eintracht Frankfurt. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Rang 16: Timm Klose wechselte im Winter 2016 für 11 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Norwich City. AP PA / CHRIS RADBURN
Rang 15: Breel Embolo wechselte im Sommer 2019 für 11 Millionen Euro von Schalke zu Borussia Mönchengladbach. AP / Martin Meissner
Rang 14: Noah Okafor wechselte im Winter 2020 für 11,2 Millionen Euro vom FC Basel zu Red Bull Salzburg. EPA / YURI KOCHETKOV
Rang 13: Albian Ajeti wechselte im Sommer 2020 für 11,3 Millionen Euro vom FC Basel zu West Ham United. www.imago-images.de / Andy Rowland
Rang 12: Bernt Haas wechselte im Sommer 2002 für 11,8 Millionen Euro vom FC Basel zum AFC Sunderland.
Rang 11: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2012 für 11,8 Millionen Euro vom FC Basel zu Bayern München. EPA / KARL-JOSEF HILDENBRAND
Rang 10: Denis Zakaria wechselte im Sommer 2017 für 12 Millionen Euro von den Young Boys zu Borussia Mönchengladbach. AP/AP / Martin Meissner
Rang 9: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2018 für 14,7 Millionen Euro von Stoke City zum FC Liverpool. EPA/EPA / PETER POWELL
Rang 8: Xherdan Shaqiri wechselte im Winter 2015 für 15 Millionen Euro von Bayern München zu Inter Mailand.
Rang 7: Ricardo Rodriguez wechselte im Sommer 2017 für 15 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zur AC Milan. KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
Rang 6: Gregor Kobel wechselte im Sommer 2021 für 15 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu Borussia Dortmund. keystone / SASCHA STEINBACH
Rang 5: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2015 für 17 Millionen Euro von Inter Mailand zu Stoke City.
Rang 4: Gökhan Inler wechselte im Sommer 2011 für 18 Millionen Euro von Udinese Calcio zum SSC Napoli. AP / Franco Castanò
Rang 3: Manuel Akanji wechselte im Winter 2018 für 21,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Dortmund.
Rang 2: Breel Embolo wechselte im Sommer 2016 für 26,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Schalke 04. EPA/DPA / MARIUS BECKER
Rang 1: Granit Xhaka wechselte im Sommer 2016 für 45 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu Arsenal London. AP / MATT DUNHAM

So emotional waren die Fussballspiele der Schweiz

Video: Angelina Graf

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