Gleich schlägt es ein: Der Ball auf dem Weg zu Liverpools 5:4.
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«Schweizer» Trio holt mit Liverpool gegen Alavés auf dramatische Weise den UEFA-Cup
16. Mai 2001: Liverpool schlägt in einem rauschenden Final den spanischen Aussenseiter Deportivo Alavés mit 5:4 nach Verlängerung. Bei den «Reds» jubeln Nati-Verteidiger Stéphane Henchoz und die beiden späteren Super-League-Trainer Markus Babbel und Sami Hyypiä.
Und dann ist plötzlich alles aus. Ein mitreissendes Fussballspiel ist zu Ende. Eines, das keinen Verlierer verdient hat – und in dem dieser auf tragische Art und Weise ermittelt wird. Es ist ein Eigentor, das in der Verlängerung den Traum von Deportivo Alavés beendet, den UEFA-Cup gewinnen zu können.
Deportivo Alavés? Alleine schon die Teilnahme am Uefa-Cup-Final ist eine Sensation. Der baskische Kleinklub erlebt die erfolgreichste Phase seiner Geschichte, als er 1998 in die Primera Division aufsteigt und die Saison im Jahr 2000 auf Rang 6 abschliesst. So gut ist Alavés vorher und nachher nie mehr.
Inter eliminiert, Kaiserslautern in Einzelteile zerlegt
Diesen Schwung nehmen die Spanier mit in die kommende Saison. Im UEFA-Cup räumen sie alles aus dem Weg, teils auf spektakuläre Weise. In der ersten Runde zieht Alavés den Kopf gerade noch aus der Schlinge, als es nach torlosem Hinspiel bei Gaziantepspor 1:2 zurückliegt und noch 4:3 siegt.
Es folgen torreiche Duelle mit norwegischen Klubs (5:3 gegen Lilleström und 4:2 gegen Rosenborg Trondheim), ehe im Achtelfinal Inter Mailand wartet. Die Italiener holen in Alavés ein 3:3, doch im San Siro scheitert der Favorit. Alavés feiert einen 2:0-Erfolg und zieht in die Viertelfinals. Dort wird Ligakonkurrent Rayo Vallecano eliminiert (3:0, 1:2), womit Alavés nur noch zwei Spiele vom Final in Dortmund entfernt ist.
In den Halbfinals liefern die «Albiazules» zwei Gala-Vorstellungen ab. Gleich mit 5:1 wird der 1. FC Kaiserslautern aus dem Estadio de Mendizorroza gefegt. Und im Rückspiel auf dem Betzenberg gibt es für die «Roten Teufel» ebenfalls nichts zu holen: Alavés siegt mit 4:1 und zieht mit dem Gesamtskore von 9:2 mit Pauken und Trompeten in den Final ein.
Liverpools frühe Führung
Und dann also das Endspiel. Gegen den FC Liverpool, der im Halbfinal Barcelona rausgekegelt hat und zuvor schon die AS Roma. Die Engländer sind der klare Favorit und dieser Rolle werden sie von Beginn auch gerecht.
Liverpools Startelf, hintere Reihe (von links): Henchoz, Hyypiä, Heskey, Westerveld, Babbel, McAllister, Hamann. Vorne: Owen, Murphy, Gerrard, Carrager.
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Markus Babbel, von 2014 bis 2018 Trainer beim FC Luzern, köpft Liverpool schon nach vier Minuten in Führung. Und als der 20-jährige Steven Gerrard nach einer Viertelstunde auf 2:0 erhöht, scheint der Final früh entschieden zu sein.
Das 1:0 durch Markus Babbel
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Steven Gerrard doppelt zum 2:0 nach.
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Aber Alavés gibt nicht auf und kommt zum Anschlusstor durch Ivan Alonso. Auch auf das 1:3 (Gary McAllister mittels Penalty) finden die Spanier eine Antwort: Mit einem Doublette kurz nach der Pause gleicht Javi Moreno die Partie auf 3:3 aus.
Alavés gelingt der Anschlusstreffer.
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Morenos Ausgleich zum 3:3
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Fowler erhöht, Cruyff gleicht aus
Doch es fallen noch mehr Tore in einem Spiel, in dem Nati-Verteidiger Stéphane Henchoz nach 56 Minuten ersetzt wird. Für ihn kommt der tschechische Offensivspieler Vladimir Smicer. Und Trainer Gérard Houillers Mut zum Risiko wird belohnt. Robbie Fowler bringt Liverpool in der 73. Minute wieder in Führung.
McAllister lanciert Fowler, der herrlich trifft.
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Sollte es bei diesem 4:3 bleiben? Nein. Der prominenteste Name in Alavés' Elf hat etwas dagegen. Jordi Cruyff, der Sohn der holländischen Legende Johan Cruyff, gelingt in der 89. Minute der erneute Ausgleich. 4:4 – das Spiel geht in die Verlängerung.
Corner, Kopfball Cruyff, Tor: Verlängerung!
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Entscheidung durch «Golden Goal»
Der Modus sieht damals vor, dass die Partie beim ersten Tor in der Verlängerung beendet ist: «Golden Goal» heisst die Regel. Und sie kommt im Dortmunder Westfalenstadion zur Anwendung.
Kurz bevor es ins Penaltyschiessen geht, fällt Liverpools Siegtreffer zum 5:4 – durch ein Eigentor. Delfi Geli heisst der Unglücksrabe, der eine Freistossflanke mit dem Kopf am eigenen Goalie vorbei abfälscht.
McAllister flankt zur Mitte, Geli lenkt den Ball ins eigene Tor ab.
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Liverpool-Captain Sami Hyypiä, während der Saison 15/16 knapp neun Monate lang Trainer des FC Zürich, darf den Pokal in die Höhe stemmen. Der unheimliche Lauf von Deportivo Alavés ist gestoppt.
Henchoz (links) und Hyypiä (rechts) feiern …
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… während Johan Cruyff Sohn Jordi tröstet.
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Alavés Rückkehr?
Die Finalteilnahme bleibt das einsame Highlight der Klubgeschichte. In der Saison nach diesem Triumph steigt Alavés ab und ist nur noch für eine Spielzeit (2005/06) zurück in der Primera Division. Danach geht es sogar bis in die dritte Liga hinunter.
Aber vielleicht dürfen die Anhänger von Deportivo Alavés sich bald wieder auf Partien im Europacup freuen: Die Basken spielen seit 2016 wieder in der höchsten Spielklasse. Aktuell belegt Alavés den 14. Platz.
Alle Sieger der Europa League / des UEFA Cup
Sechs Titel: FC Sevilla – 2006, 2007, 2014, 2015, 2016, 2020. keystone / Ina Fassbender / POOL
Drei Titel: FC Liverpool – 1973, 1976, 2001. EPA / ANJA NIEDRINGHAUS
Drei Titel: Inter Mailand – 1991, 1994, 1998.
Drei Titel: Juventus Turin – 1977, 1990, 1993.
Drei Titel: Atlético Madrid – 2010, 2012, 2018. EPA/EPA / YOAN VALAT
Zwei Titel: Chelsea – 2013 und 2019. AP / Peter Dejong
Zwei Titel: FC Porto – 2003 und 2011. AP / Peter Morrison
Zwei Titel: Feyenoord Rotterdam – 1974 und 2002.
Zwei Titel: AC Parma – 1995 und 1999.
Zwei Titel: IFK Göteborg – 1982 und 1987.
Zwei Titel: Real Madrid – 1985 und 1986.
Zwei Titel: Tottenham Hotspur – 1972 und 1984.
Zwei Titel: Borussia Mönchengladbach – 1975 und 1979.
Ein Titel: Manchester United – 2017. EPA/EPA / PETER POWELL
Ein Titel: Schachtar Donezk – 2009. AP / IBRAHIM USTA
Ein Titel: Zenit St. Petersburg – 2008. AP / Jon Super
Ein Titel: ZSKA Moskau – 2005. EPA / ANTONIO COTRIM
Ein Titel: FC Valencia – 2004. AP / JON SUPER
Ein Titel: Galatasaray Istanbul – 2000. EPA / ANJA NIEDRINGHAUS
Ein Titel: FC Schalke 04 – 1997. AP / ROLAND WEIHRAUCH
Ein Titel: Bayern München – 1996. AP / MICHEL SPINGLER
Ein Titel: Ajax Amsterdam – 1992.
Ein Titel: SSC Napoli – 1989.
Ein Titel: Bayer Leverkusen – 1988.
Ein Titel: RSC Anderlecht – 1983.
Ein Titel: Ipswich Town – 1981.
Ein Titel: Eintracht Frankfurt – 1980.
Ein Titel: PSV Eindhoven – 1978.
So würden sich deine Fussball-Stars in der Badi verhalten
Video: Angelina Graf
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