Trumps Wahlkampf-Auftritt in Tulsa (Oklahoma) zog kaum mehr Leute als eine Corona-Demo von Atilla Hildmann an. Bild: keystone
Landesweite Black-Lives-Matter-Proteste, stark steigende Corona-Zahlen und zu allem Überfluss vorgeführt von TikTok-Teens. Auf Twitter rollt die Hohn-und-Spott-Walze über Trump.
Es läuft alles gegen Donald Trump: John Boltons Buch lässt kein gutes Haar am US-Präsidenten. Die Black-Lives-Matter-Bewegung setzt ihm gehörig zu. Und nun explodieren die Corona-Fälle ausgerechnet in den ländlich geprägten, republikanisch dominierten US-Bundesstaaten wie Texas und Oklahoma. Rund die Hälfte der Bundesstaaten verzeichnen eine Zunahme von Erkrankungen. Wahlkampf-Events werden so zum gefährlichen Spiel mit dem Virus.
Wie sich die Corona-Fälle in den demokratisch (blau) und republikanisch dominierten Staaten entwickeln
In Tulsa, im US-Bundesstaat Oklahoma, setzte es am Wochenende eine erste, bittere Schlappe ab: Viele Plätze in der Halle blieben leer. Ein gefundenes Fressen für seine Gegner, welche die Blamage mit solchen Videos zelebrieren.
Angeblich ist Trump von Teenagern auf Tiktok mit falschen Ticketreservierungen vorgeführt worden. In den sozialen Medien riefen Trump-Gegner im Vorfeld tatsächlich massenhaft dazu auf, Tickets zu reservieren, um sie dann verfallen zu lassen. Doch auch vor der Halle versammelte sich nur ein kleines Grüppchen Trump-Supporter. Für Trump wars ein Wahlkampfanlass zum Davonlaufen.
Trump ist angezählt, k. o. ist er noch längst nicht.
Trump wirkte angeschlagen, als er nach seiner Rückkehr vom missglückten Wahlkampf-Event in Tulsa müde und offenbar frustriert über den Rasen des Weissen Hauses trottete.
bild: @tmorello
bild: @ZoilaMasOscura
Wenn der Präsident vor deinem Haus vorbeifährt...
Die Halle fasst 19'000 Menschen. Gut 6000 waren drin, davon aber nur gut 1500 wirklich Anhänger.
Bei seinem Wahlauftritt in Tulsa (Oklahoma) blieben viele Plätze frei. Unter anderem, weil Gegner in den sozialen Medien dazu aufgerufen hatten, Tickets zu reservieren, um sie dann verfallen zu lassen.
Trump: «Verlangsamt bitte die Tests.»
Trumps smarte Lösung: Weniger testen, denn dann werde man ja auch weniger Fälle finden🤔.
Sein Publikum applaudierte...
Aus dem Weissen Haus hiess es später, Trump habe «offensichtlich gescherzt».
Trump spielte den jüngsten Anstieg der Coronavirus-Infektionen in den USA am Dienstag erneut herunter. Das liege an den zahlreichen Tests. Die meisten Experten machen jedoch vorrangig die Lockerung der Corona-Beschränkungen für den erneuten Anstieg verantwortlich.
Zwar könnten die «Black-Lives-Matter»-Proteste die afroamerikanische Bevölkerung, die mehrheitlich demokratisch wählt, überdurchschnittlich mobilisieren – ähnlich wie bei Barack Obamas Wahl. Aber Trump hat seine Wahlkampftaktik bereits angepasst. Unterstützt von Fox News und rechtsgerichteten Medien setzt er nun auf die Angst vor einer angeblichen Revolution. Mit dieser Taktik könnte er seine Anhängerschaft erneut mobilisieren.
Trump hat also in Tulsa eine schwere Schlappe erlitten, aber noch nicht sein Waterloo.
Video: watson / leb