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SVP-Nationalrätin Esther Friedli leitet die Ja-Kampagne für die Begrenzungs-Initiative der SVP. Bild: KEYSTONE

So sieht der Schlachtplan für die Begrenzungs-Initiative der SVP aus – in vier Punkten

Am 27. September stimmt die Schweiz ab: Die SVP will mit ihrer Begrenzungs-Initiative die Einwanderung von EU-Bürgern in die Schweiz stoppen.

Publiziert: 23.06.20, 14:30 Aktualisiert: 23.06.20, 14:42

Die Begrenzungs-Initiative (oder auch Kündigungsinitiative) ist der nächste grosse Schlag der SVP gegen die EU. Die Initiative will die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU kündigen und so verhindern, dass immer mehr Ausländer in die Schweiz einwandern.

Der Bundesrat, die restlichen Parteien und die Sozialpartner sind gegen die Initiative – deshalb beginnt der grosse Kampf um das «Ja». Der «Schlachtplan», den SVP-Nationalrätin und Kampagnenleiterin Esther Friedli vor zwei Wochen an der Komiteesitzung präsentierte, liegt dem Blick vor. «Wir wollen diese Abstimmung gewinnen. Und wir können sie gewinnen, wenn alle mithelfen», sagt Friedli zu der Zeitung. Wir haben den Plan für euch in vier Punkten zusammengefasst.

Strenges Regime für die Parlamentarier

Die Erwartungen an die National- und Ständeräte der SVP sind klar: Im Schlachtplan wird verlangt, dass sich alle Fraktionsmitglieder mit mindestens drei Auftritten aktiv im Abstimmungskampf beteiligen. Die Events sollen «öffentlich, mit Publikum» sein. Jedes Mitglied ist zudem angehalten, mindestens einen Leserbrief zu verfassen, der in mindestens einer Zeitung seines Herkunftskantons veröffentlicht wird. Bei überregionalen Medienauftritten sollen die Parlamentarier die Kampagnenleiter vorab informieren.

Die Hauptbotschaften

Die Kernaussage der SVP ist klar: Die Schweiz sei ein «kleines Land», in das man «nicht immer mehr Menschen hineinpressen kann». Mit dem Slogan «zu viel ist zu viel» will die Partei vor einer Zehn-Millionen-Einwohner-Schweiz warnen.

Weitere Hauptaussagen, die die SVP betonen will: Die Personenfreizügigkeit sei ein «gefährliches Experiment, welches unsere Stabilität aufs Spiel setzt». Die Partei kritisiert, dass die Schweiz ab 2007 die Kontrolle über die EU-Einwanderung verloren habe. Zwar seien seit 2007 rund 835'000 Stellen geschaffen worden – doch zwei Drittel dieser Stellen seien von Ausländern besetzt worden.

Auch die Coronapandemie ist Teil des Schlachtplanes. Die SVPler sollen die steigende Arbeitslosigkeit in der Schweiz betonen und dabei den «noch stärkeren» Anstieg in Europa erwähnen. Dieser führe zu einer Sogwirkung.

Mehrere Komitees

Die SVP will mit «prominenten Köpfen» für ihre Begrenzungs-Initiative werben. Wer das sein wird, will Kampagnenleiterin Friedli im «Blick» nicht verraten. Zudem sind überparteiliche Komitees geplant, darunter Unternehmer- und Gewerbekomitees, aber auch solche für Büezer, Umwelt- und soziale Themen.

Die Wahlwerbung

Zurzeit wirbt die SVP vor allem online für ihre Vorlage. Ab Ende August lanciert die Partei eine Plakatierungs-Aktion. Ab dann beginnt die «heisse Phase». Geplant sind Standaktionen, Anlässe sowie Online-Stammtische. Zudem will die Partei ein «Extrablatt» in alle Haushalte schicken.

Zudem gibt Kampagnenleiterin Friedli den Parteimitgliedern einen Suchauftrag mit auf den Weg: Gesucht ist «Bauernland an A1/A2 oder an gut befahrener Strasse für Aufstellen von Anhänger mit Plakat (gut sichtbar von Autobahn/Strasse aus)». (cki)

So macht die SVP Abstimmungswerbung

Mit Zangen-Plakaten gelang es Christoph Blocher und der SVP, am 6. Dezember 1992 den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zu bodigen. KEYSTONE / STR
1994 folgte der nächste SVP-Erfolg: Mit 57,2 Prozent lehnte das Volk die Bereitstellung von Schweizer Soldaten für UNO-Blauhelmtruppen ab. KEYSTONE / STR
2002 trat die SVP als einzige grosse Partei gegen den UNO-Beitritt der Schweiz an. Anders als beim ersten Anlauf 1986 unterlag sie dieses Mal. KEYSTONE / EDI ENGELER
Eines der umstrittensten SVP-Plakate warb 1999 für die Initiative «gegen Asylrechtsmissbrauch». Sie kam 2002 zur Abstimmung und wurde mit 50,1 Prozent Nein hauchdünn abgelehnt. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Hände, die nach dem Schweizer Pass greifen: Damit konnte die SVP im September 2004 sowohl die erleichterte Einbürgerung für Ausländer der zweiten Generation als auch die direkte Einbürgerung für jene der dritten Generation verhindern. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Eine schreiende Kampagne im wahrsten Sinne des Wortes lancierte die Partei 2005 gegen den Beitritt zum Abkommen von Schengen/Dublin. Der Schockeffekt blieb ohne Wirkung, das Volk sagte mit 54,6 Prozent Ja. KEYSTONE / MONIKA FLUECKIGER
Ein Comeback erlebte das Pass-Plakat 2008, als die SVP ihre Initiative «für demokratische Einbürgerungen» propagierte. Das Volk erteilte ihr mit 63,8 Prozent Nein eine deutliche Abfuhr. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Raben, die auf die Schweiz einhacken, sollten 2009 die Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien bodigen. Doch das Volk sagte mit 59,6 Prozent deutlich Ja. KEYSTONE / KARL MATHIS
Weltweit sorgte das Plakat mit dem schwarzen Schaf für Aufsehen. Es bescherte der Partei am 28. November 2010 einen denkwürdigen Erfolg: Mit 52,3 Prozent Ja wurde die Ausschaffungs-Initiative angenommen. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Heftig umstritten war auch das Plakat, mit dem die Volkspartei den Gegenvorschlag zu ihrer Ausschaffungs-Initiative bekämpfte. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Im Februar 2014 kommt die SVP-Initiative «gegen Masseneinwanderung» zur Abstimmung. Bereits vor den eidgenössischen Wahlen 2011 machte die Partei für das Anliegen mobil. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Die letzte Kampagne kommt für SVP-Verhältnisse relativ zahm daher. Liegt es daran, dass die Partei ihre Wählerbasis verbreitern will? KEYSTONE / WALTER BIERI

Um was geht es eigentlich?

Video: watson / Lino Haltinner

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