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Spanische Grippe – warum die Mutter aller Pandemien so schlimm wütete

Bis zu 50 Millionen Menschen starben an der spanischen Grippe. Die Ereignisse von damals erzählt in 21 spannenden Bildern.

Publiziert: 12.03.20, 16:51 Aktualisiert: 12.03.20, 16:55
25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia
Im Gegensatz zu kriegsführenden Ländern war die Zensur im neutralen Spanien nicht so strikt, sodass über das Ausmass nicht geschwiegen wurde: Ende Mai 1918 waren im ganzen Land 8 Millionen Menschen infiziert – darunter auch der spanische König Alfons XIII. Allerdings verlief diese erste Welle noch relativ harmlos, sie wies keine merklich höhere Todesrate als eine normale Grippe auf. Hier sehen wir einen Schaffner, der Fahrgästen ohne Schutzmaske die Mitfahrt verweigert, Seattle, 1918. quelle: wikimedia
Erst die zweite Welle im Herbst 1918 riss so viele Menschen in den Tod. In der Schweiz infizierte sich die Hälfte der Bevölkerung, rund 25'000 Menschen starben. Die ersten Schweizer, die sich ansteckten, waren wohl die Frontsoldaten in der Nähe des jurassischen Dorfes Bonfol, an der Grenze zu Frankreich. Sie wurden nach Hause geschickt – und brachten das Virus mit. Es holte sich besonders Männer zwischen 20 und 40 Jahren, wohl weil sie in Militärunterkünften und Bunkern in engerem Kontakt miteinander standen als Frauen. Zu sehen ist hier das Militärnotspital in der Aula eines Schulhauses im Jura. quelle: NEM, Biel via geschichte.redcross.ch
Wer nicht wieder gesund wurde, den konnte der Tod innert Stunden ereilen. Auf der Insel Java pflegte man zu sagen: «Morgens krank, abends tot; abends krank, morgen tot.» Auf den Wangen von Infizierten begannen sich rötliche Flecken zu bilden, dann breiteten sie sich über das ganze Gesicht aus. Die Patienten spuckten Blut, ihre Körper verfärbten sich dunkelblau bis violett und schliesslich erstickten sie. Ihre Lungen – das ergab die Obduktion der Leichen – waren mit Blut vollgelaufen. Die meisten Todesfälle verursachte nicht das Virus selbst, sondern eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung. Und für beides gab es kein Gegenmittel. Im Bild ist das Walter Reed Hospital in Washington, D.C. zu sehen, 1918/1919. quelle: wikimedia
Das Schweizerische Rote Kreuz mobilisierte die Helferinnen und lieferte Krankenbetten an die militärischen und zivilen Notspitäler, die in Schulhäusern und Kindergärten eingerichtet wurden. Im Bild sehen wir ein volles Krankenzimmer in einem umfunktionierten Oltner Schulhaus. Die Bevölkerung wurde ausserdem aufgefordert, Bettdecken und Matratzen zu spenden – und ihre Autos den Ärzten zur Verfügung zu stellen. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
Um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, machte die Schweiz dicht: Schulen, Kirchen und Märkte blieben geschlossen. Tanz-, Theater- und Konzertaufführungen wurden abgesagt. Neben Masken – im Bild zwei besonders modische Exemplare, von zwei Australierinnen getragen – wurden allerlei Wundermittel beworben: Seifen, Mundspülungen und Nasensalben sollten helfen, den Erreger loszuwerden. quelle: national museum of australia
Aber auch Staubsauger sollten die Schweizer schützen – allerdings für satte 750 Franken, wie dieses Inserat vom 13. August 1918 im «Schaffhauser Intelligenzblatt» informiert. quelle: via Schaffhauser Nachrichten
Und fürs gefahrlose Telefonieren gab's den «Telephon-Desinfektor». quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
In New York wiederum stellte man das Spucken auf der Strasse unter Strafe. Etwa 500 Personen wurden verhaftet, weil sie dagegen verstiessen. quelle: via orderofthegooddeath
In vielen Städten wurde auch das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht: Hier zu sehen ein Strassenkehrer in New York, Oktober 1918. quelle: influenzaarchive.org
Das Schweizer Militär berief zahlreiche zusätzliche Krankenschwestern ein, die dann im zivilen Bereich fehlten. So war man auf Freiwillige angewiesen. Den behandelnden Ärzten war es in dieser verzweifelten Situation vollkommen gleichgültig, wer bei der Pflege half, «wenn es überhaupt nur ein Mensch sei». Hier zu sehen sind Krankenschwestern der Pflegeschule La Source, die mit einer militärischen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden, November 1919. quelle: Archiv Stiftung La Source, Lausanne
Bis heute gilt die Spanische Grippe als eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte. Ihr fielen auch zahlreiche prominente Personen zum Opfer, so zum Beispiel Frederick Trump, der Grossvater des amerikanischen Präsidenten. quelle: wikimedia
Da keine wirkungsvollen Heilmittel zur Verfügung standen, versuchten die Ärzte wenigstens das Fieber samt Schüttelfrost, die starken Kopf- und Gliederschmerzen, den Husten und die Atemnot der Patienten zu lindern. In schweren Fällen griffen sie auf Opium, Morphium, Heroin oder Kokain zurück. Viel mehr konnten sie nicht tun. Sie wussten zwar, dass Viren existierten, hatten aber wegen deren Winzigkeit noch nie welche gesehen – es gab noch keine Elektronenmikroskope und das genetische Material von Viren war noch nicht entdeckt worden. Im Bild: das Notspital Münchhalden in Zürich, 1918. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
Heute wissen die Forscher jedoch nicht nur, wie man ein Virus isoliert, sondern sie können auch seine genetische Sequenz analysieren und so einen Impfstoff entwickeln. Genau dies geschieht aktuell im Falle des Coronavirus. Doch nicht nur in den viel besseren Heil-Möglichkeiten unterscheidet sich die heutige Pandemie von der damals wütenden Spanischen Grippe. quelle: wikimedia
Die massiv höhere Sterberate lag 1918 bei mindestens 2,5 Prozent. Zudem war die Spanische Grippe besonders gefährlich für Menschen zwischen 20 und 40 Jahren (99 % der Opfer waren unter 65). Um die Eigenart dieser Krankheit zu erklären, geht eine Theorie davon aus, dass Jahrzehnte zuvor eine weniger tödliche Version des Spanischen-Grippe-Virus grassiert habe, die sich wie eine gewöhnliche Grippe verbreitete. Dadurch hätten die 1918 lebenden älteren Menschen bereits Antikörper entwickelt und seien so partiell immun gewesen. quelle: wikimedia
Eine andere Vermutung ist, dass die Spanische Grippe das besonders bei jungen Leuten starke Immunsystem überreagieren liess, sodass sich ihre Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richteten und unter anderem das Lungengewebe zerstört wurde. Nachgewiesen werden konnte dies an Menschenaffen mit dem nachkonstruierten Virus von 1918. quelle: via pinterest
Das Coronavirus dagegen tötet vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, während Kinder und junge Leute kaum gefährdet scheinen. Verdachtsfälle mit leichten Symptomen können heute sofort getestet und bei einem positiven Befund in Quarantäne geschickt werden, während dazu 1918 keinerlei Möglichkeit bestand. quelle: influenzaarchive
Auch die Kontakte einer infizierten Person konnten nicht zurückverfolgt werden, die Spanische Grippe schien ganze Städte auf einmal heimzusuchen. Hinzu kam die mangelnde Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal. Von den 742 Krankenschwestern des Schweizerischen Roten Kreuzes, die sich in den Kampf gegen das Virus begaben, starben 69. quelle: pinterest
Eine von Gordon Brewster in der «Irish Weekly Independent» erschienene Karikatur, 1918. quelle: orderofthegooddeath
Der zweiten Infektions-Welle fielen damals so viele Menschen in so kurzer Zeit zum Opfer, dass es in Europa und den USA zu Engpässen bei der Sargproduktion kam. Weil sich die Toten in den Leichenkammern stauten, wurden viele von ihnen schliesslich in anonymen Massengräbern beigesetzt. Im Bild ist die Beerdigung von Grippeopfern im kanadischen Labrador zu sehen. quelle: wikimedia

(rof)

Das Coronavirus legt ganz Italien lahm

Der Petersplatz in Rom: Hier stehen sich normalerweise die Touristen auf den Füssen. Am 11. März 2020 ist er praktisch leer. EPA/Massimo Percossi EPA / Massimo Percossi
Gähnende Leere auch in diesem Einkaufsviertel von Rom. Bis gestern schlossen die Läden um 18 Uhr, jetzt müssen sie ganz zu bleiben. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Rom ist das beliebtestes Reiseziel in Italien. 15,2 Millionen Ankünfte und 36,6 Millionen Übernachtungen wurden 2018 gemeldet. Jetzt sieht es dort so aus. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Der Verkehr auf den Autobahnen rund um Mailand ist normalerweise berüchtigt für sein Verkehrsaufkommen. Nicht so seit dem Lockdown. EPA / ANDREA FASANI
Auch hier in einer Strasse in Mailand ist kein Mensch. AP / Luca Bruno
Viel Platz und freie Sicht auf den Vesuv hat dieser Jogger in Neapel. AP / Alessandro Pone
Die San Gregorio Armeno ist eine berühmte Einkaufsstrasse in Neapel. Am 11. März war sie komplett ausgestorben. AP / Alessandro Pone
Die 89-jährige Albina Pascucci, 89, posiert für ein Foto aus dem Fenster ihrer Wohnung in Rom. AP / Alessandra Tarantino
Die Via della Conciliazione führt zum Petersplatz in Rom. Tausende Menschen passieren hier an normalen Tagen. Aber am 12. März 2020 ist nichts normal in Italien. EPA / RICCARDO ANTIMIANI
Die Via delle Medaglie d'Oro, ist eine von Roms meistbefahrenen Strassen. Sie führt zum Vatikan. Am 12. März ist sie leergefegt. EPA / ALESSANDRO DI MEO
Noch ein Blick in eine Strasse Roms. Kein Mensch weit und breit. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Ein Marktplatz in Rom am 12. März 2020. Das Restaurant bleibt zu, der Markt wartet auf Kundschaft. EPA / Alessandro Di Meo

Wegen Coronavirus sind in Italien Schulen geschlossen

Video: SRF / SRF

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